Versunkene Schätze

chachaturian

Mitglied
Versunkene Schätze


Aus schwarzem Granit
die Königin
mit Stirnband
und Uräus-Schlange
noch unter Wasser
trägt sie eine Maskerade
aus Blaugrün und Hellbraun
unzählige Sphings bewachten
einst die Tempel
an Ägyptens Küste

Von Meer und Beben
verschüttet und verschlungen
Goldmünzen, Ohrringe
unter Jahrhundertschichten
der Löwe reißt den Hirsch
und Herakles trägt
Bogen und Keule
wenn man das Geldstück dreht
Alexandrias Leuchtturm
ersteht nie wieder auf

Die große Zauberin
mit Kuhgehörn und Sonnenscheibe
Isis lächelt als Koloß
und in Miniatur
schützt die Schiffe auf ihren Reisen
das Kind vor der Gefahr
einst verlegte der Nil seinen Lauf
überall tonfarbene Amphoren
auf Stelen vertikale Textspalten
zeugen von Zöllen und Zehntem
gemeißelt in ägyptischen Zeichen
hinein in das dunkle Schwarz


(Gedanken im Kontext der Ausstellung
„Ägyptens versunkene Schätze“,
die 2006 in Berlin gezeigt wurde.)


ich bin mir auch noch nicht ganz sicher, ob ich alles so lasse. Das "dunkle Schwarz", ich bin etwas skeptisch, ob man das so schreiben kann, finde aber auch nichts bessere z.B.

Literaturpodium
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H

HFleiss

Gast
Chatchaturian, das Gedicht gefällt mir. Ich habe die Ausstellung auch gesehen. Vielleicht solltest du den Text mit Leerzeilen auflockern und nicht im Block schreiben? Es geht sonst zu vieles unter. Was das dunkle Schwarz angeht: Warum nicht einfach Schwarz?

Liebe Grüße
Hanna

P.S.: Plural von Sphinx: Meines Wissens Sphinxe
 

chachaturian

Mitglied
Ich weiß, daß mit dem dunklen Schwarz ist doppelt gemoppelt, aber es gefiel mir trotzdem. Die Idee das Adjektiv wegzunehmen hatte ich auch. Die jetzige Kombination hat allerdings einen mystischen Effekt, ich kann das gar nicht erklären. Noch mehr Freizeilen? Manche Effekte entstehen erst in dem man so verschiedenes zusammenführt, ohne das es gebrochen wird. Das Gedicht ist erst ein paar Tage alt. Ich habe schon etliche Umstellungen vorgenommen. Vielleicht fallen mir noch Verbesserungen ein im Laufe der Zeit. Ja, die Austellung - ich habe es fertig bekommen Sie im Rollstuhl mir anzusehen, aber es war sehr anstrengend. Ich habe es aber nicht bereut.
Schöne Grüße.
http://www.literaturpodium.de
 
H

HFleiss

Gast
Das Gegenteil wäre das helle, freundliche Schwarz. Vielleicht wäre überlegenswert das Material (Basalt, Granit)? Muss ja nicht die Farbe sein.

Liebe Grüße
Hanna
 

chachaturian

Mitglied
Wenn man die letzte Zeile etwas mystisch, als etwas zeitlich weit Entrücktes hinbekommen könnte. Das wäre gut. Natürlich ist auch der Schwarze Granit gemeint. Ich bin aber darauf aus eine Doppelbedeutung hinzubekommen.
 
H

HFleiss

Gast
Chatchaturian, nicht nur die letzte Zeile. Ich habe so eine Ahnung, dass dieses "Entrückte", von dem du sprichst, in das ganze Gedicht hineingehört. So wie es jetzt dasteht, geht einer lediglich durch eine Ausstellung und macht sich seine Gedanken. Es ließe sich meiner Ansicht nach mehr daraus machen, wenn du nicht an den einzelnen Exponaten kleben würdest und Angst hättest, etwas zu vergessen. Ägypten ist doch ein monumentales Thema. Ich will ja nicht alles umwerfen, aber ich glaube, hier gehört irgendwas Sagenhaftes hinein (Ägypten ist so reicht an Geschichten), dass es eben mehr ist als ein Gedenken an eine wunderbare Ausstellung.

Liebe Grüße
Hanna
 

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