vertraut

Gerrit

Mitglied
zu schön ist‘s nun, aufs Ganze
ging ich, ohn‘ mich
zu bremsen, wollt ne andre fliehen
dem Schmerz entkommen, dacht besser nur
kann es werden, ‘ne andre ich lieb
offenen Herzens, Amors Pfeil
ich bereitwillig empfing
begehrt ihn gar, doch jetzt
ohn Freud, mehr, ich will
mich nicht trennen, von ihr
so vertraut, wir sind
auseinander, wieso?
amputiert, mich fühlend
so schwer fiel es mir, zu küssen
sie nicht, einsamer als
zuvor, als ich sie noch vergessen
ist Schmerz nicht halb, sondern doppelt nun
tut weiter weh, die Ferne der andren
 
Zuletzt bearbeitet:

revilo

Mitglied
puuuhhhhh, da musste ich mich regelrecht durchquälen.......irgendwie zündet das nicht......zumindest bei mir..........LG
 

Gerrit

Mitglied
Schade! Trotzdem danke.
Kannst - und magst - du mir sagen, woran es lag?
Eher an der Sprache, Sprachfluss, - rhythmus, oder dem Gegenstand?
 

fee_reloaded

Mitglied
Warum die vielen Inversionen und die etwas altertümelnde Sprache, Gerrit?

Die verhindern tatsächlich, dass so etwas wie Sprachfluss oder Melodie entsteht. Ich kann verstehen, dass man "besondere" Sprache für Lyrik wählt - also im Sinne von "anders als Alltagssprech" - um getroffene Aussagen zusätzlich zu höhen, aber das ist hier nicht passiert. Der Text klingt wie aus der Zeit gefallen, künstlich in sich verschraubt. Auch tun die großen Zeilenabstände nochmal das Ihre dazu, um den Text zu zerhacken. Das würde ich auch ändern. Und Yoda-Sprech sollte nie entstehen...ist hier aber an einigen Stellen geschehen. Ich glaube, ich verstehe die Idee hinter diesen Stellen, aber da sollte man als Autor mit etwas Abstand (zeitlich wie auch inhaltlich) seinen Text nochmals versuchen mit den Augen eines Lesers wahrzunehmen, der nichts von der Absicht hinter den Zeilen weiß....dann lassen sich unfreiwillig komische Formulierungen besser aufspüren und eliminieren.

Schade, dass das hier nicht so richtig gelungen ist. Ich ahne hinter den Zeilen und an manchen Stellen spannende Gedankengänge. Das Gedicht wäre eine Überarbeitung definitiv wert.

LG,
fee
 

Gerrit

Mitglied
Vielen Dank euch beiden für die Hinweise!

Beide sagt ihr, es klinge künstlich. Dazu fällt mir als erstes ein, dass ich ein Spätberufener bin, nicht nur was das Schreiben betrifft, sondern auch das Lesen. So habe ich erst innerhalb des letzten Jahres die griechische Mythologie gelesen, Homer, auch Stücke von Sophokles und Euripides, dann Vergil, Ovid, Dante, so dass ich mich nun frage, ob das nachhallt, für mich diese alte Sprache normal ist und ich mich davon noch nicht gelöst habe, hin zu einer eigenen Sprache.

Nicht Authentisch? Die Gefühle, die ich hier beschreibe sind authentisch, sind meine Gefühle, und die Worte, die Verse sind die, die mir "zugeflogen" sind, diese zu beschreiben. Aber es ist mir offenkundig nicht (ausreichend) gelungen, dass es auch authentisch klingt.
Da werde ich mit Abstand dann noch einmal rangehen :)
Danke!

LG Gerrit
 

fee_reloaded

Mitglied
Dazu fällt mir als erstes ein, dass ich ein Spätberufener bin, nicht nur was das Schreiben betrifft, sondern auch das Lesen. So habe ich erst innerhalb des letzten Jahres die griechische Mythologie gelesen, Homer, auch Stücke von Sophokles und Euripides, dann Vergil, Ovid, Dante, so dass ich mich nun frage, ob das nachhallt, für mich diese alte Sprache normal ist und ich mich davon noch nicht gelöst habe, hin zu einer eigenen Sprache.
Was für eine schöne und zugleich sehr einleuchtende Erklärung, Gerrit!

Ja, das kann ich gut nachvollziehen und in deiner im Gedicht verwendeten Sprache erkennen. Die griechische Mythologie habe ich seinerzeit seeehr gerne gelesen und dort diese Sprache als sehr stimmig empfunden. Du wirst deine eigene Sprache schon finden - nur Mut! Ich behaupte, du darfst sie ruhig viel näher an der deinen suchen als in großen (heute aus der Zeit gefallen wirkenden) Vorbildern.

Authentizität will ich deinem Gedicht nicht absprechen. Ich meinte schon, davon etwas zu spüren. Daher schrieb ich auch
Ich ahne hinter den Zeilen und an manchen Stellen spannende Gedankengänge.
Ich fürchte nur, dass diese untergeht, weil die Sprache zu dominant ist und doch sehr weit weg vom Natürlichen. Da den richtigen Weg zu finden, ist m.E. das Schwierigste am Schreiben von Lyrik. Bei gereimten Gedichten oder solchen, die festen Formen folgen, hat man einen vorgegebenen Rahmen...da fällt das etwas weniger ins Gewicht. Aber im freien Vers und dem Ungereimten ist doch die Sprache mit ihrem Rhythmus und ihrer Melodie Hauptträger der Botschaft.

Freut mich, dass wir dich nicht verschreckt haben mit unserer Kritik!

LG,
fee
 

revilo

Mitglied
Vielen Dank euch beiden für die Hinweise!

Beide sagt ihr, es klinge künstlich. Dazu fällt mir als erstes ein, dass ich ein Spätberufener bin, nicht nur was das Schreiben betrifft, sondern auch das Lesen. So habe ich erst innerhalb des letzten Jahres die griechische Mythologie gelesen, Homer, auch Stücke von Sophokles und Euripides, dann Vergil, Ovid, Dante, so dass ich mich nun frage, ob das nachhallt, für mich diese alte Sprache normal ist und ich mich davon noch nicht gelöst habe, hin zu einer eigenen Sprache.

Nicht Authentisch? Die Gefühle, die ich hier beschreibe sind authentisch, sind meine Gefühle, und die Worte, die Verse sind die, die mir "zugeflogen" sind, diese zu beschreiben. Aber es ist mir offenkundig nicht (ausreichend) gelungen, dass es auch authentisch klingt.
Da werde ich mit Abstand dann noch einmal rangehen :)
Danke!

LG Gerrit
Ob es authentisch ist oder nicht, kann ich natürlich nicht wissen. Für mich als unbefangenen Leser kommt es so absolut nicht rüber. Jetzt kann ich auch nachvollziehen, warum Du eine so altertümliche Sprache verwendet hast. Vermutlich bist Du von der griechischen Mythologie sehr beeinflusst. Es ist aber wichtig, einen eigenen Stil zu entwickeln. Auf jeden Fall freue ich mich über jeden, der zum Schreiben gefunden hat, ganz gleich in welchem Alter. Frohes Schaffen wünscht Oliver
 

Gerrit

Mitglied
Erneut vielen Dank, für die Er- und Aufmunterungen! Ja, ich bleibe "am Ball" bzw., wohl passender, am Vers!

Nachdem ich heute Mittag meine Antwort abgesendet hatte, fiel mir ein, dass ich meine "Fixierung" auf (alte) Verse - sogar nicht nur einmal - zum Gegenstand in meinen Gedichten gemacht habe. Statt einer weiteren Antwort deswegen hier nun ein kleiner Auszug, der Beginn eines noch unfertigen Gedichts (das ich fast zur gleichen Zeit, beides im März, begann):

kann
moderne Bücher, nicht mehr lesen
heutige Texte, nicht mehr schreiben
bin verlorn an Verse
Schönheit
brauche ich
die der andren, wie die eignen
bleiben, wo Frau’n mich fliehen
nur sie, mein Gefühl
einfangen
’s Bangen
bannen
 



 
Oben Unten