klausKuckuck
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Verwechslung ausgeschlossen
Fritzi Gold hackte Zwiebeln, als das Küchenradio in einer Eilmeldung die Nachricht verbreitete: «Am heutigen frühen Morgen 10 Uhr mitteleuropäischer Zeit wurde der amerikanische Präsident Donald Trump von der Sicherheitsabteilung des Weißen Hauses als gestohlen gemeldet!»
In einer zweiten Eilmeldung kurz darauf wurde erklärt, das Wort «gestohlen» sei während einer eilig zusammengerufenen Pressekonferenz von einem Reporter der New York Times ersetzt worden durch das Wort «geflüchtet», versehen mit einem Fragezeichen, was wiederum die Pressestelle des Weißen Hauses als Versuch einer Verschwörungstheorie zurückgewiesen habe und stattdessen einzuräumen bereit war: Eine handgeschriebene Botschaft ohne Absender sei unbeobachtet unter der Tür zum Amtszimmer des Präsidenten durchgeschoben worden, die man so interpretiere: Man müsse vom Kidnapping des Präsidenten ausgehen. Überdies – hier wurde die US-Vermisstenstelle zitiert – habe man Hinweise von der New Yorker Hafenbehörde erhalten, der Präsident könne bereits außer Landes gebracht worden sein. Eine dritte Eilmeldung präzisierte das Gesamtgeschehen schließlich mit der Andeutung: Die mögliche Entführung von Donald Trump habe sich mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits vor Tagen abgespielt, und es werde darüber spekuliert, ob diverse US-Bürger in einem Akt der Selbstjustiz ihrem Ärger darüber Ausdruck verliehen haben könnten, dass Trump die US-Bürgerschaft wiederholt belogen habe. «Nähere Einzelheiten in der laufenden Berichterstattung!» meldete das Küchenradio knapp. Ein paar Minuten später wurde nachgetragen: Der Verleumdungsverdacht gegen diverse US-Bürger lasse sich aktuell nicht erhärten, sodass mutmaßliche Hintermänner der Aktion in der Sowjetunion oder gar in den Reihen der Europäischen Gemeinschaft gesucht werden müssten. Lösegeldforderungen seien bisher nicht eingegangen, hieß es abschließend, allerdings habe die Rechnungsstelle des Weißen Hauses für die Wiederbeschaffung des Präsidenten eine Summe in Höhe von einer Milliarde US-Dollar ausgelobt.
Fritzi Gold wusste nun alles. Sie legte das Hackmesser beiseite, deponierte die Zwiebeln in einer Schüssel im Kühlschrank, schaltete das Radio aus, legte die Küchenschürze ab, ging zum Fenster, öffnete es und sah einen Moment lang ins Weite: «Es passt alles zusammen …» murmelte sie. Sie ging hinunter in ihren Keller. Blieb vor einer Holzlattentür stehen. Griff zwischen zwei Latten hindurch, tastete nach dem Lichtschalter, knipste das Licht an und sagte durch den Lattenspalt zu dem Kerl, der in der Nacht vorher bei ihr eingedrungen war, der sich beim Schlüpfen durchs Kellerfenster und dem tiefen Fall danach womöglich beide Beine gebrochen hatte, und der sofort zu randalieren begonnen hatte in einer Sprache, die Fritzi nicht verstand: «Du bleibst jetzt eine Weile hier, vielleicht sogar für immer, Donald. Ich weiß, was die Welt von mir erwartet.»
Fritzi löschte das Licht hinter der Holzlattentür, ging hinauf in die Küche und nahm die Schüssel mit den Zwiebeln aus dem Kühlschrank.
Mehr ereignete sich in Fritzi Golds Leben an diesem 1. April des Jahres 2027 nicht.