Verwehrt

Hallo trivial,
ich habe deinen Text schon recht früh am Morgen gelesen, musste aber erst mal frühstücken, atmen und dösen, um schließlich irgendwann genug Kraft und Mut für eine Meinungsäußerung zu haben. Dein Text lässt so viele Fragezeichen in mir aufleuchten, dass ich mich mehrfach gefragt habe, ob ich zu blöd bin ihn zu verstehen, ob ich zu traditionell lese, also neue Herangehensweisen an schwierige Themen ablehne oder was auch immer. Aber irgendetwas hat mich doch bewegt, über den Text weiter nachzudenken, und nun hoffe ich, dass ich das gut hinbekomme - kritisch sein, ohne zu verletzen, meine Verwirrung zu beschreiben, ohne weiter zu verwirren.

Der Titel: "Verwehrt" - ich finde im Text nicht, wer wem was verwehrt.

Die ersten zwei Zeilen
"Es ist nicht mein Herz,
das nach dir schlägt,"
ist vielleicht der Haken, an dem ich hängen geblieben bin. Klar frage ich mich da, "Was ist es denn?" Undist "schlagen" hier als gesunder, üblicher Vorgang gemeint, oder meint es eine Aggression?
Die dritte Zeile verrät mir
"es ist meine Lunge, ..."
Puh, daran habe ich zu kauen, das ist mir zu ungewöhnlich. Eine schlagende Lunge? Das kann ich beim besten Willen weder in die eine Richtung, also als Beschreibung einer Körperfunktion, verstehen, noch als Ausdruck einer Aggression. Weil dann aber Zunge, Mund und Lippen benannt werden, allesamt nicht unwichtig für die menschliche Lautbildung - das Sprechen, das Schreien usw., könnte ich mich hier am ehesten auf einem Weg zum Verständnis deines Textes wähnen. Das "Flüstern
eines Schlages gleich" ist mir da schhon ein wenig Bestätigung. Doch finde ich in den beschließenden Worten keinen Hinweis für die Richtung des Ganzen. Ich bleibe unzufrieden.
Ganz am Anfang meiner Grübelei war ich schon mal so weit, dich zu fragen, ob du Deutsch-Muttersprachler*in bist, so "falsch" empfand ich den Text in Syntax und Semantik. Dann dachte ich aber, dassder Text dafür doch wieder zu gedankenschwer deutsch ist. Außerdem bleibt ja noch die Möglichkeit, dass ich, wie oben schon bemerkt, einfach nur zu blöd bin, deine Sprachgestaltung so zu verstehen, wie du es gedacht hast.

Schön wäre es zu erfahren, ob mein kritisches Nichtverstehen berechtigt ist oder ich nur den richtigen roten Faden zum Durchdenken des Textes nicht gefunden habe.

freundliche Grüße
vom Clown
 

trivial

Mitglied
Lieber Clown,

danke für Deine intensive Betrachtung.

Und auch Dir, lieber Anders, fürs Nichtverstehen.

Ich dachte, ich hätte mit „Übertrag“ einen Übertrag gemacht und könnte etwas abschließen, aber wenn es nur so einfach wäre …

Die Wut, die Verzweiflung, die Scham – vielleicht ist es die körperliche Unmöglichkeit, auf etwas zu reagieren, das zu groß geworden ist.

Es ist indirekt dem Gefühl verwandt, wenn man auf dem 10-m-Brett steht: Man will springen, aber der Körper folgt einfach nicht.

Ich müsste schreien. Ich müsste weinen. Ich müsste etwas sagen.

Aber der Körper folgt nicht, er springt nicht. Und selbst der Verstand weiß nicht mehr, warum er springen soll, weil sich der Grund erst im Sprung selbst ereignen würde.

Es war nicht der Versuch, etwas mitzuteilen, sondern der Versuch, einen Gedanken zu entbergen, ihm vielleicht überhaupt erst eine Form und die Möglichkeit zu geben.

Vielleicht bräuchte der Text einen anderen Titel, aber eben dieser ist ihm, ist mir verwehrt.

Liebe Grüße
Rufus
 



 
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