Vierzehn Zeilen Klugheit - Sonett

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Walther

Mitglied
Vierzehn Zeilen Klugheit


Ich setze langsam Wort an Wort zu Versen:
Ihr Klang verliert sich leider schon beim Schreiben.
Ob Stifte über leere Blätter reiben,
Ob Drucker lasern: In den Kontroversen

Verlieren sich die Wahrheit und mein Wissen.
Gedanken stocken und die Finger zittern,
Als würden sie die vielen Zweifel wittern,
Die mich oft quälen, mehr als das Gewissen:

Mein Kopf ruht schwer auf meinen beiden Händen.
Die Verse werden langsam doch zu Strophen.
Schön wär es, wenn die großen Philosophen

Die Antwort auf die letzten Fragen fänden!
Mit vierzehn Zeilen Klugheit in Sonetten
Vermochte ich mich nicht mal selbst zu retten.

für cellllo, der alles weiß und besser.
 
C

cellllo

Gast
Ach Walther !
So ein Pech !
Jetzt ist Ihnen endlich mal ein einigermaßen
lyrisch dahinplätscherndes Sonett gelungen
und dann beschmutzen Sie es ausgerechnet
mit meinem Namen !
Schade drum !

cellllo
 

manehans

Mitglied
Guten Morgen Walter,

gern las ich deine "so netten" Verse, fand ich mich doch in vielen Zeilen wieder. Wie immer sind fast alle Worte wohl gefügt.
Besonders der letzte Vers in S4, mit seinen kurzwortigen Füllseln, hat mich in dieser Hinsicht ein bisserl enttäuscht.

Aber in den Zeilen vorher hast du ja sehr schön beschrieben, warum es nicht immer so gut klappt. Insofern traute ich dir zu, dass du diesen Qualitätsabfall bewusst als Stilmittel eingesetzt hast. Oder?

Schönen Sonntag wünscht
manehans
 

Walther

Mitglied
hi manehans,

freut mich, dich unterhalten zu haben. danke vielmals für eintrag und wertung.

in der tat entstand das sonett von zwei enden. der anfang war da und das letzte verspaar. der rest wuchs dann im laufe der zeit hinzu. eigentlich ist das formal ein mischung aus dem traditionellen deutschen und den Shakespeare sonett und könnte auch so "gestropht" sein:
Vierzehn Zeilen Klugheit


Ich setze langsam Wort an Wort zu Versen:
Ihr Klang verliert sich leider schon beim Schreiben.
Ob Stifte über leere Blätter reiben,
Ob Drucker lasern: In den Kontroversen

Verlieren sich die Wahrheit und mein Wissen.
Gedanken stocken und die Finger zittern,
Als würden sie die vielen Zweifel wittern,
Die mich oft quälen, mehr als das Gewissen:

Mein Kopf ruht schwer auf meinen beiden Händen.
Die Verse werden langsam doch zu Strophen.
Schön wär es, wenn die großen Philosophen
Die Antwort auf die letzten Fragen fänden!

Mit vierzehn Zeilen Klugheit in Sonetten
Vermochte ich mich nicht mal selbst zu retten.
damit wäre klarer geworden, auf was das Ganze hinaussoll. damit ist die begründung geliefert, warum das letzte verspaar auch in der formulierung eigentlich kaum anders ausgestaltet werden könnte. allenfalls an der zeitform bastele ich immer noch innerlich ein wenig herum, weil gegenwarts- und vergangenheitsform möglich wären und jede der beiden varianten ihren reiz hätte.

lg w.
 

Mondnein

Mitglied
Maieutik

Wunderbar konsistent, gleichmäßig, humorig, lächelnd, sinnig und weise das Ganze!
Schön wär es, wenn die großen Philosophen
Die Antwort auf die letzten Fragen fänden!
Aber Du wirst wohl wissen, daß die großen Philosophen nichts als Geburtshelfer von Fragen sind, nicht von Antworten; und wenn von Antworten, dann doch nur, um weitere Fragen aus ihnen hervorzutreiben. Glücklich sind sie eher mit "letzten Fragen" als mit irgendwelchen Antworten. Was Antworten austrägt, ist frühe, vorletzte oder vorläufige Frage; die letzten bleiben spannend, offen wie der staunende Mund, die verwunderten Augen.
 

Walther

Mitglied
hi Mondnein,

danke. wenn man dir glaubte, hätte cellllo dieses sonett als kompliment verstehen können. ;)

in der tat liegst du mit deinen anmerkungen zu den philosophen auf einem möglichen denkweg. mancher von ihnen müßte sich regelrecht geehrt fühlen, unterstellte man ihm, er stelle wenigstens kluge fragen. fragen stellen ist, so meint man, der einfachere teil der sache. aber ist er das wirklich?

in der naturwissenschaft stellt man die fragen zweimal: zu beginn eines experiments und nach dessen durchführung. die antworten bedingen also die fragen so sehr wie die fragen die antworten.

die allerletzte frage stellen wir uns beim übergang in den tod. die antwort auf diese frage muß und wird wohl ewig spekulation bleiben.

lg w.
 

Mondnein

Mitglied
?

Nicht doch, Walter. Wenn die letzte Frage ohne Antwort ist, dann ist sie offen. Ohne jede spekulativen Antwortversuch.
Aber die "letzte Frage", die sich im Sterben des Sterbenden stellt, ist nicht die einzige ewig offene Frage. Es gibt reichlich davon. Manche sind wunderschön. Die besten sind zauberhaft!
 

Walther

Mitglied
man kann in der tat fragen, die keine antwort erhalten, als letzte bezeichnen. :) darunter können auch schöne sein ...
 

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