Vollmond

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majissa

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Der Vollmond hat eine besondere Wirkung auf Mensch und Tier. Während er dem einen befiehlt, sich wie eine Schlange zu fühlen und durch hohe Gräser zu kriechen, veranlasst er den andern, sich seiner Kleidung zu entledigen und nackt auf Dachfirsten zu tanzen. Unter dem Einfluss des Mondes verwandelt sich die harmlose Hausschildkröte in eine reißende Bestie und der grobschlächtige Ehemann in einen romantischen Barden.

Die Mondsüchtigen schämen sich ihrer Sucht und nehmen Abwehrstellung ein.

„Hey, was hattest du denn gestern Nacht auf unserem Garagendach zu suchen?“
„Wer? Ich?“
„Nun tu nicht so! Du warst nackt bis auf diesen roten Sombrero.“
„Was? Ich hab‘ keinen roten Sombrero.“
„Doch, hast du. Das alberne Ding aus deinem letzten Urlaub! Außerdem hab‘ ich dich an deinen Arschbacken erkannt. Du kneifst sie doch immer zusammen. Auch in Hosen. Auseinander und zusammen, wie ‘ne Ziehharmonika. Blöde Angewohnheit, was?“
„Ach, lass‘ mich doch in Ruhe!“

Bei zunehmendem Dreiviertelmond verkriecht sich der Arschbackenkneifer in seiner Garage, schließt den roten Sombrero weg und kettet sich an einen stabilen Stuhl. Dort wartet er auf die Ankunft Selenes, der griechischen Mondgöttin, die ihm befiehlt, die Fesseln zu lösen und für eine Nacht das Paarungsverhalten des Laubfrosches nachzuahmen, was den Süchtigen zwangsläufig in das dichte Geäst der Bäume zwingt. Dort wartet er mit froschigem Blick auf die geeignete Frau, um sie aus der Deckung heraus hinterrücks anzuspringen und zu begatten, wobei er sich mit heftigem Schwanzwedeln am weiblichen Rücken festklammert, bis die Paarung vollzogen ist. Wer das aufopfernde Balz- und Kopulationsverhalten der Reptilien kennt, wird sich vorstellen können, wie lästig solch ein Überfall sein kann.

Das inbrünstig ausgestoßene Geständnis „Ich leide an Lunalismus!“, wird kein Richter je zu Protokoll nehmen. Ein Bluttest und der am Tatort aufgefundene rote Sombrero lassen keine Zweifel an der Vaterschaft des Täters.

Das, was die Wissenschaft vorübergehendes zwanghaftes Verhalten nennt, ist für Selene, die Mondgöttin, ein Spiel, ein munterer Zeitvertreib, der sie für die langweilige Arbeit entschädigt, die sie mit der Kontrolle über die Gezeiten hat.

Auch Alexis leidet an Lunalismus. Er gibt es nicht zu und verbietet sich selbst den Glauben an Selene, was ihn nicht davon abhält, bei Vollmond die seltsamsten Dinge zu tun. Alexis verbringt seine Abende in der Fischtaverne, die sein Sohn Antonis betreibt. Stundenlang hockt er auf einem kleinen Holzstuhl und glotzt gebannt in den Fernseher, bis er zusammensackt und einschläft, während die Familie um ihn herum bis spät in die Nacht über Touristen, Tomaten und Geld debattiert. Touristen, Tomaten und Geld sind die Hauptthemen in Antonis‘ Taverne. Dreht sich das Gespräch ausnahmsweise mal um Gurken und Gewächshäuser, entbrennt früher oder später ein heftiger Streit zwischen den alten Weibern, die mit ihrem schrillen Gezeter zwar den Fernseher übertönen, aber nicht in Alexis‘ Träume vorzudringen vermögen.

Die alte Maria, Alexis‘ Mutter, hockt immer etwas abseits von den Streitenden in ihrem Stühlchen vor dem Kamin. Stumm und reglos verfolgt sie alles, was in der Taverne vor sich geht. Obwohl sie noch nicht Witwe ist, trägt sie seit Jahren schwarz. Nur im Hochsommer, wenn die Temperaturen die 40-Grad-Grenze überschreiten, streift sie sich ihr rosafarbenes Nachthemd über und legt sich zusammen mit Opa auf das alte Eisenbett, das ab Mitte August vor der Taverne aufgestellt wird. Im August kommen viele Gäste nach Kastri in Antonis‘ Fischtaverne, nur um einen Blick auf das seltsame Paar zu werfen.

Maria ist tapfer. Offene und schwärende Wunden bedecken ihre Beine und doch beklagt sie sich nicht, wenn Stavros, ihr Urenkel sie mit Stockschlägen auf das rohe Fleisch traktiert. Vorfälle dieser Art bleiben entweder gänzlich unbemerkt oder veranlassen Stavros‘ Eltern zu stolzen Ausrufen: „Schaut nur, was für ein Temperament das Kind hat!“

Maria bewegt sich geräuschlos. Wenn sie das Bett verlässt, sitzt sie stets in der dunkelsten Ecke der Taverne, das schwarze Kopftuch tief ins Gesicht gezogen. Maria verschmilzt mit der Dunkelheit, damit das Kind sie nicht finden kann. Hat sie damit Erfolg, widmet Stavros sich wichtigeren Dingen. Gern sperrt er kleinere Kinder in die Tiefkühltruhe, die draußen vor der Taverne steht. Wenn ihm das schwächer werdende Klopfen aus dem Innern der Truhe langweilig wird, stellt er sich zusammen mit Opa an den Fuß des kleinen Hügels, der hinter der Taverne liegt. Von dort aus katapultieren sie gemeinsam kleine Welpen den Hügel hinauf. Manchmal binden sie einem besonders lebhaften Hündchen einen schweren Anker um den Hals und beobachten, wie es mit der Last zurechtkommt. Ist Opa noch munter genug, zeigt er seinem Urenkel bereitwillig, wie lange ein Kätzchen es ohne Luft unter Wasser aushält. Stavros selbst meidet das Meer. Er ist fett, unbeweglich und hockt lieber am Familientisch, um sich mit Fisch und Kartoffeln vollzustopfen.

In Antonis‘ Taverne findet sich keine lächelnde in ihre Strickarbeit vertiefte Oma im Schaukelstuhl. Auch gibt es keinen weißhaarigen Opa im antiken Sessel, der seinen pausbäckigen vor einem behaglichen Kaminfeuer versammelten Enkeln aus Moby Dick vorliest. Lediglich einen hundeschwingenden Opa und eine zu Tode verängstigte Oma hat die einzige Fischtaverne in Kastri zu bieten.

Abends, wenn eine große unsichtbare Hand den Mond wie einen gelben Lampion über dem Libyschen Meer in den Himmel hängt und die Zikaden wie auf ein Stichwort hin gleichzeitig in ihrem Gesang innehalten, steht Antonis draußen am Grill und brät die Fische, die er in der Nacht zuvor gefangen hat. Geschäftig rennt er mit dem schiefen Lächeln, das er von Alexis geerbt hat, zwischen Küche und Gästen hin und her, während sein Vater tief und fest auf seinem Stuhl schläft.

Bei Vollmond ist Alexis‘ Körper wie elektrisiert und seine Sinne um ein Vielfaches geschärft. So auch in jener Nacht, als Selene ihn mit ihrem süßen Gesang heimsucht und auch auf sein Bitten hin nicht von ihm ablassen will.

”Was willst du diesmal?”, murmelt Alexis und hält sich die Ohren zu.
”Bring mir einen Geißbock dar!”, singt die Mondgöttin.
”Du kannst mich mal!” Alexis dreht sich im Bett um.
”Bring mir einen Geißbock dar oder ich sehe mich gezwungen, dich wie einen Hahn krähen zu lassen“, setzt Selene ihr Lied fort, lächelt und entschwindet.
”Mit wem unterhältst du dich schon wieder?”, fragt Sofia, das rechte Auge wie eine Verhörlampe auf ihren Mann gerichtet, während das linke geschlossen bleibt.
”Schlaf weiter, Weib, ich habe nur geträumt”, antwortet Alexis und richtet sich im Bett auf.

Da sitzt er und horcht fünf Minuten in die Dunkelheit. Als alles ruhig bleibt, legt er sich wieder nieder und seufzt zufrieden in die Stille hinein. Der unbändige Drang, zu krähen, kommt etwa eine Viertelstunde später und scheint seinen Ursprung irgendwo zwischen Darm und Magen zu haben. So leise es geht, aber unter heftigem Kopfnicken, verlässt Alexis das Ehebett, presst sich die Hand vor den Mund und hüpft mit seinem Lieblingsmesser in die Nacht hinaus. Niemand hört den Geißbock schreien.

Alexis ist entschlossen, sich des geopferten Tiers zu entledigen, hieft es auf den Rücksitz seines Autos und fährt ein Stück die Serpentinen hoch. Er parkt den Wagen unmittelbar vor der kleinen Schlucht direkt neben Frau Glücks blauem Haus. Dort zieht er den Geißbock aus dem Auto, nimmt ihn bei den Vorderhufen und wuchtet ihn sich auf den Rücken.

Mit seinen 55 Jahren ist Alexis immer noch attraktiv. Sein Leben, das er hauptsächlich auf dem Meer beim Fischfang zubrachte, hat ihn nicht gerade stärker, aber zäher gemacht. Sein Gang ist leicht und nahezu tänzelnd, wenn er einmal nicht schwere Lasten hebt oder am Meer vor einer Wanne mit frisch gefangenem Fisch hockt, den er mit geschickten Handbewegungen sorgfältig ausnimmt und reinigt.

In dieser Vollmondnacht und unter dem Gewicht des Kadavers auf seinem Rücken wird aus dem Tänzeln starkes Schwanken. Unter erstickten Flüchen erreicht Alexis den Rand der Schlucht und begibt sich schwer atmend in gebückte Haltung. So ruht er sich eine Weile aus und hofft, dass ihn kein Mensch entdeckt.

Es ist eine Sache, ein quietschfideles Zicklein für das orthodoxe Osterfest an der Leine hinter sich herzuführen; eine andere ist es, einen toten Bock auf dem Körper herumzutragen, noch dazu in der Hocke. In Süden Kretas gibt ein Mann mit einem Geißbock auf dem Rücken Anlaß zu peinlichen Spekulationen, die unbedingt zu vermeiden sind.

Um die Strafbarkeit der Aktion indes macht sich Alexis keine Sorgen, da er den Geißbock als biologischen Abfall und sich selbst als das Opfer zwanghafter Handlung ansieht.

Alexis hat Glück. Die Nacht ist ruhig. Die einzigen Zeugen sind sein Auto und der Mond, dessen Lippen ja bekanntlich versiegelt sind. Tief geht er in die Knie, formt sein Rückgrat zu einem Bumerang und schleudert den Geißbock mit einer pfeilschnell angedeuteten Rolle vorwärts von seinen Schultern geradewegs in die Schlucht hinab. Auf das Geräusch knickender Äste folgt der dumpfe Aufprall, der Alexis zu einem zufriedenen ”étsi!” (so!) veranlasst. Er wischt sich die Hände an seinen Jeans ab und tänzelt zum Auto zurück. Zufrieden öffnete er eine Flasche Heineken, die er im Fußraum deponiert hat und trinkt sie mit wenigen Schlucken leer. Anschließend pfeffert er sie zu dem Bock in die Schlucht. Der hartnäckige Kräh- und Nickdrang hat erheblich nachgelassen und schon auf der Heimfahrt denkt er nicht mehr an die süßen Einflüsterungen, die ihn so spät in der Nacht aus dem Bett getrieben haben. Später, als er sich ins Haus zurückschleicht und auf Zehenspitzen zu seiner Bettseite huscht, wacht Sofia auf, rümpft die Nase und sagt:

”Du riechst eigenartig fremd”.
„So?“, brummt Alexis.
Sofia knipst die Nachttischlampe an, um ihren Mann bei Licht zu betrachten.
„Heilige Muttergottes! Du siehst aus, als wärst du unter einen Fünftonner geraten!”
Alexis stöhnt resigniert, zuckt die Schultern und löscht das Licht.
Sofia ist hellwach und tastet erneut nach dem Lichtschalter.
”Lüg mich nicht an! Ich kann bis hierher ihr Parfüm riechen. Welches Flittchen war es diesmal?”, klagt Sofia und trollt sich beleidigt aus dem Bett.
„Mir lief ein Lämmchen vor’s Auto, Weib.“
Sofia stemmt die Hände in die Hüften.
„Ein Lämmchen lief ihm vors Auto! Hört hört! Hatte das Lämmchen denn ein hübsches Kleidchen mit nichts darunter an?
Alexis wird zornig. „Ich hasse es, wenn du in der dritten Person von mir sprichst, so als wär‘ ich gar nicht da.
„Wenn es nach mir ginge, wärst du auch gar nicht mehr da“, keift Sofia und verlässt wütend das Schlafzimmer.

Alexis liegt mit hinter dem Kopf verschränkten Armen in der Dunkelheit. Soll seine Frau doch glauben, was sie will. Sie kann von Glück reden, dass er sie nicht zu Tode gepickt hat. Für ihn ist die leidige Angelegenheit beendet. Selene hat, was sie will und bis zum nächsten Vollmond liegt ein ruhiger Monat auf dem Fernsehstuhl vor ihm. Was aber, wenn sie beim nächsten Mal ein Menschenopfer verlangt? Oder, was noch schlimmer wäre, ihm befiehlt, das Rauchen und Trinken aufzugeben. Alexis wälzt sich unruhig im Bett herum. Erst als er sich fest vornimmt, mit einem Arzt über seine Zwänge zu sprechen, schläft er endlich ein. Das leise Gezeter seiner Ehefrau aus der Küche begleitet ihn bis in seine Träume.

Bereits am nächsten Tag erhebt sich Verwesungsgeruch vom Ort des Geschehens, orientiert sich am oberen Rand der Schlucht und lässt sich mit der nächsten Windbö bis auf Frau Glücks Grundstück tragen. Am Rand des Gemüsebeetes hält er kurz inne.

Frau Glück ist mit feinen Sinnen ausgestattet. Ihr Gehör ist überempfindlich. Erst kürzlich gab sie mir mit spitzen Fingern ihr Geburtstagsgeschenk, Bachs „Missa brevis“, zurück.

„Was ist los? Gefällt es dir nicht?“, fragte ich, als sie die CD wie eine heiße Kartoffel in meine Hände fallen ließ.
Frau Glück hob abwehrend die Hände. „Entschuldige, Liebes, aber dieses Flötenspiel - ein Mordanschlag!“
Ich war etwas beleidigt. „Was!?“
„Na hör mal! Ich war tagelang taub. Aber mach dir nichts draus! Die Schmerzen lassen schon nach.“

Mit ihrem Geruchssinn verhält es sich ähnlich. Oft bleibt sie vor leeren Tischen stehen, sticht ein paar Mal mit der Nase in die Luft und ruft angewidert:

„Pah! Hier riecht es nach altem Männerschweiß! Gurken-Costas hat hier gesessen. Und gleich neben ihm Nektarius, dieser versoffene Schäfer. Zwar nicht lange, aber sicher ein gutes halbes Stündchen. Dem Geruch nach zu urteilen saß seine Herde mit am Tisch.“

Der Verwesungsgeruch am Rand des Gemüsebeets passt den nächsten Luftwirbel ab, versenkt sich in ihm und marschiert von dort aus geradewegs in die Nasenlöcher von Frau Glück, die augenblicklich von ihrer großen bequemen Hängematte aufspringt und laut zu fluchen beginnt.

”Verdammt noch mal, was ist das für ein Gestank?!”, ruft sie und stapft empört durch den Garten. Wie immer trägt sie ein kurzes Tangokleidchen und als einzigen Schmuck ihr blaues Sturmfeuerzeug, das an einer langen Kette um ihren Hals baumelt. Wenn es ginge, würde Frau Glück auch schlafend rauchen.
Sie untersucht die Küche, den Abfallsack, der draußen am robusten Stamm eines Olivenbaums angebracht ist, und schließlich noch die Hundehütte ihres verwöhnten, aber freundlichen Mischlingsrüden, dem die Dorfbewohner den Namen Léllo (Lachen) gegeben haben. Doch nirgends kann sie die Quelle des Gestankes ausmachen. Sie beschließt, Ruhe zu bewahren und den nächsten Tag abzuwarten.

Der nächste Tag kommt und mit ihm ein noch schlimmerer Gestank, der nicht nur Fliegen, sondern auch jede Menge Ratten anlockt, die Léllo gleich einsammelt und stolz neben den gemütlichen Liegestuhl auf die Terrasse wirft. Dort kläfft er die Tiere wütend an, bevor er sie mit einem einzigen Biss ins Genick tötet. Die Rattenkadaver hält Frau Glück mit spitzen Fingern am Schwanz fest und wirft sie angewidert in den blauen Müllsack.

”Ich ekel mich, ich kann das nicht mehr!”, höre ich sie schon von weitem jammern, als ich den ausgetrampelten Pfad betrete, der sich durch einen Olivenhain bis zum blauen Haus schlängelt. Auf meinem Weg begegnen mir etliche Kätzchen aus Frau Glücks Alphabet. Die kaffeebraune Alpha sitzt wie immer etwas arrogant in einem großen Grasbüschel und der fröhliche schwarze Gamma purzelt mir von einem Olivenbaum direkt auf die Schuhe, um sich ein Stück weit mit tragen zu lassen. Frau Glücks Alphabet ist erstaunlich zutraulich. Kurz vor der Terrasse springt mir Léllo freudig mit einer Ratte im Maul entgegen.
„Hier, deine Einkäufe“, sage ich und überreiche Frau Glück eine Plastiktüte, in der sie gleich hektisch zu kramen beginnt.
„Hast du sie bekommen?“
„Ja, beim Baustoffhändler. Er hat mich ausgelacht.“
„Lass‘ ihn nur. Ihm wird das Lachen schon vergehen, wenn er erfährt, dass seine feiste Frau jeden Tag ins Kosmetikstudio fährt. Ich frag mich sowieso, was sie da mit ihr machen. Sie hat Blutergüsse im Gesicht.“
Frau Glück fischt die Staubmaske aus der Tüte und setzt sie sich auf den Mund.
„Es werden jeden Tag mehr, weißt du“, dröhnt es dumpf unter dem weißen Zellstoff hervor. „Mir reichen schon die Kakerlaken, die sich in meinem Toilettenschränkchen verkriechen. Aber Ratten! Es knackt so entsetzlich, wenn Léllo sie ins Genick beißt; ich träume schon davon.”

Auch Petros, der Nachbar, ist von der Rattenplage betroffen.
”Wir müssen etwas unternehmen!”, sagt er eines Tages, als er herüber kommt und mit verschränkten Armen vor Frau Glücks Terrasse stehenbleibt.
”Wir müssen herausfinden, woher der Gestank rührt und dann alles weitere veranlassen”, schlägt er vor.
Frau Glück ist erstaunt. Petros bewegt sich sonst nur, um Geld abzuzählen. Sie ergreift die Gelegenheit beim Schopf.
”Ich sag dir was, Petros, ich glaube, der Geruch kommt von der Schlucht da drüben. Ich kraxel da aber nicht rein. Du weißt, dass ich halb blind bin und leicht falle.“
„Dann geh‘ ich eben allein“, sagt Petros und verschwindet.
„Es ist ein halb verwester Geißbock“, ruft er Stunden später aus seinem Küchenfenster.
„Ach? Und was veranlassen wir jetzt?“, schreit Frau Glück, die gerade einen neuen Müllsack um die Olive drapiert.
„Nichts weiter.“ Petros klingt beschäftigt. Es entsteht eine lange Schweigepause, bis er gleichgültig fortfährt. ”Solange wir nicht wissen, wem er gehört hat, können wir nichts tun.“
„Scheiss Griechen!“, tönt es dumpf unter der Staubmaske.

Frau Glück schneidet das Thema ”Toter Geißbock” auch in Antonis‘ Taverne an. Lautstark ereifert sie sich über ihr Unglück.
”Das war meiner”, brummt Alexis, der wie immer an vollmondfreien Abenden auf seinem Lieblingsstuhl hängt und gebannt auf den Fernseher starrt.
Frau Glück bleiben die nächsten Worte im Halse stecken. Denn Alexis ist ihr Liebling.
”Er hat Charakter und ein gutes Herz”, sagt sie immer.
”Er ist nicht zimperlich und macht einen gegerbten Eindruck. Er ist mein alter Pirat!” Alle im Dorf bis auf Sofia wissen, dass Alexis oft bei Frau Glück vorbeischaut, um sich dort bis zum Abwinken voll laufen zu lassen. Er ist der einzige, der es schafft, auf der kurzen Strecke von ihrem Haus bis zu seinem Auto drei Dosen Bier zu leeren. Auf nur 100 Metern ist das selbst für einen Kreter schwierig.

Frau Glück ist verwirrt. Ihren Piraten kann sie nicht beschimpfen. Also richtet sie ihre Wut gegen den Geißbock, der die Stirn hatte, vor seiner Zeit zu sterben. Sie beschimpft auch die städtischen Veterinärämter, die nie rechtzeitig zur Stelle sind und schließlich macht sie sich über die regierende Partei und ihren Vorsitzenden her, der es versäumt hatte, beim letzten politischen Kongress ein Gesetz über die ordnungsgemäße und schnelle Entsorgung verstorbenen Nutzviehs anzuregen.

”Da verschleudert er die EU-Gelder zur Brandbekämpfung und Wirtschaftswachstum, jagt von einem Empfang zum andern und hier verendet ein dummer Geißbock, dessen Besitzer keine andere Wahl hat, als ihn neben mein Haus zu werfen!”, ruft sie wutentbrannt Richtung Meer und trommelt mit den Fäusten auf ihre Stuhllehne.
”Aber wenn ich mir seine winzige Frau mit ihren verkniffenen Augen ansehe, weiß ich schon, wem wir das zu verdanken haben”, fährt sie fort und beginnt, Raki zu trinken.
Frau Glück verträgt keinen Raki.
”Jawohl! Verkniffene Schlitze!”, hört man sie murmeln, als zwei kräftige Burschen sie spät in der Nacht den Berg hinauf nach Hause tragen.

Zwei Tage später wird der Verwesungsgeruch unerträglich. Selbst die Ratten verschwinden und machen Fliegenschwärmen Platz, die sich auf die kraftlose Frau in ihrer geschmackvollen, kleinen Liege stürzen. Bewaffnet mit roten Fliegenklatschen in Faustform schlägt sie mal kraftlos auf den Boden, mal auf die hölzerne Pergola ein.
”Es reicht”, murmelt sie schwach und schaut mich ratlos hinter ihrer großen Lesebrille an.
Neben ihr liegt ein aufgeschlagenes Büchlein. „Lieben Sie Brahms“ von Francoise Sagan, ihrer Lieblingsschriftstellerin. Auf dem Buchdeckel kleben zermatschte Fliegenkörper, die den Titel auf „Lieben Sie .rahm.“ reduziert haben.
”Nicht nur, dass es stinkt, nein, jetzt kommen noch diese fliegenden Sopranistinnen, die mir mit ihren hohen Frequenzen das Gehör zerstören. Wenn du etwas trinken möchtest, bedien‘ dich. Folge den Sängerinnen in die Küche!”
Ich verberge ein Lächeln.
”Durch den Geruch darfst du dich übrigens nicht stören lassen, in einem guten halben Jahr wird er verschwunden sein!”
„Warum stellst du ihn nicht endlich zur Rede?“, frage ich.
Frau Glück windet sich. „Ach nein! Er hatte sicher seine Gründe.“
„Er soll den Schaden wieder gut machen. Überleg‘ es dir. Wir können gleich losgehen.“

Wenig später stehen wir vor Alexis, der wie ein Toter über seinem Stuhl hängt und auf den Fernseher starrt.
Frau Glück rüttelt ihn freundlich und sagt im bestimmten Ton:
”Alexis, du musst den Geißbock oder das, was von ihm übrig ist, wieder aus der Schlucht holen. Verbrenn‘ ihn meinetwegen, aber schaff‘ ihn fort.”
Eine Zeitlang geschieht gar nichts. Alexis glotzt gleichmütig auf den Bildschirm. Irgendwann räuspert er sich, drückt sich das rechte Nasenloch zu, schnupft geräuschvoll auf den Küchenboden und brummt: ”Nein!”

”Er ist eben ein alter Pirat!”, erklärt mir Frau Glück, als wir kurz darauf am Meer sitzen und speisen.
”Er ist verdammter Ignorant”, sage ich und betrachte den Piraten, der im Innern der Taverne auf seinem Stuhl zusammengesunken ist und schnarcht.

Mittlerweile hat Sortiris, der Maurer, großes Mitleid entwickelt. Er kennt Frau Glück seit Jahren und kann sie nicht leiden sehen. Schweigend hat er Alexis‘ gleichgültige Reaktion zur Kenntnis genommen und wenig später einen heldenhaften Plan gefasst.

Schon am nächsten Morgen braust er auf seinem kleinen Motorroller die Serpentinen rauf und stattet Frau Glück einen Besuch ab.
”Ich habe das Problem beseitigt!”, ruft er bereits von weiten, als er sich auf dem Trampelpfad nähert.
”Oh, du hast den Geißbock weggeschafft!”, ruft Frau Glück erfreut und will Sortiris um den Hals fallen.
”Nein!”, antwortet er glücklich.
”Ich habe Gift gesprüht. Ich benutze es auch im Gewächshaus. Es ist bombensicher. Die Fliegen sind tot und alles andere Viehzeug auch.”
”Nein, Sortiris!”, ruft Frau Glück und rennt aufgeregt hin und her.
„Du willst mir doch nicht sagen, dass du diese furchtbare Chemiekeule in der Gegend versprüht hast? Es wird nicht nur die Fliegen töten, sondern auch meine Katzen und was mache ich bloß, wenn Léllo in die Schlucht läuft?”
Frau Glück beginnt zu weinen, Sortiris kratzt sich verdutzt den Kopf und Léllo bellt solidarisch.

Am Abend treten die ersten Todesfälle auf. Frau Glück findet neben mehreren toten Ratten auch einige Exemplare ihres Alphabets.
”Oh, Alpha, hat es dich auch erwischt!”, jammert sie und hebt das kaffeebraune Kätzchen auf, das selbst im Tode noch vornehm ausschaut.
Epsilon windet sich einige Tage später in Todeskrämpfen. Als der freche Gamma seinen letzten Atemzug tut, ist es mit Frau Glücks Geduld vorbei. Wutschnaubend rennt sie zu Alexis, der am Meer vor einer Wanne mit Fisch hockt und Selbstgespräche führt.
„Alexis!“
„Hm?“, brummt der Pirat. Eine filterlose Karelia hängt ihm im Mundwinkel.
”Warum, verdammt noch mal, hast du den Geißbock in die Schlucht geworfen? Jetzt sterben meine Katzen und ich habe Mühe und Not, Léllo im Haus zu halten!”
Der Pirat nimmt stur seine Fische aus.
„Wenn du mir nicht antwortest, brauchst du dich nie mehr bei mir blicken zu lassen!“
Frau Glück ist den Tränen nah. Sie packt Alexis bei den Schultern und rüttelt ihn. Der Pirat gibt ein heiseres Grunzen von sich, fährt aber in seiner Arbeit fort.
„Selene ist schuld,“ murmelt er wenig später, ohne aufzusehen und schlitzt einen weiteren Fischbauch auf. „Sie zwang mich dazu.“ Ein Aschehäufchen fällt in die Wanne.
„Skatá! (Scheiße!)“, flucht Alexis und schnippt die Zigarette ins Meer.
„Selene? Du bist mondsüchtig?“
„Hm“, brummt der Pirat, während er mit einem Messer die glitzernden Innereien aus dem Fisch herausschält.
„Es ist mehr als albern mir jetzt mit einer Göttin zu kommen! Wieso sollte ich dir das glauben?“, ruft Frau Glück und wendet sich erzürnt zum Gehen.
„Warte! Möchtest du heute Nacht mit mir zum Fischen hinausfahren? Wir haben Vollmond und ich werde kein Auge zumachen können.“
Frau Glück hält überrascht inne. Noch nie hat Alexis sie mit hinaus aufs Meer genommen. Sie wirft einen flüchtigen Blick auf das blaue, sanft im Hafen schaukelnde Boot, an dessen Bug in frischer weißer Farbe der Schriftzug „Eftichía (Glück)“ leuchtet.
„Du hast es nach mir benannt? Wo ist der alte Name hin?“
„Fort“, brummt der Pirat.
Vor Verlegenheit beginnt Frau Glück zu stammeln. „Aber...aber warum nur?“
„Das war Selene! Im vorigen Monat.“

Ich habe aufgehört, die Tage zu zählen, die verstrichen, seit ich das blaue Haus neben der Schlucht bezogen habe. Die silbrigen Zweige der Ölbäume, die sich nun unter der schweren Last der schwarzen Früchte herab neigen, verraten, dass der Winter sich dem Ende zuneigt und die Olivenernte kurz bevor steht. Die Ratten und Fliegen sind längst verschwunden. Doch noch immer hält Léllo Ausschau nach Frau Glück. In vielen Nächten verlässt er seine Hundehütte und rennt die Serpentinen hinunter zum Hafen. Dort sitzt er bewegungslos bis zum frühen Morgen, den Blick aufmerksam auf das Meer gerichtet. Die Griechen lassen ihn. „Solange der Hund schaut, ist Hoffnung“, sagen sie. Der Holzstuhl vor dem Fernseher in der Taverne ist leer und die Gespräche an den Abenden drehen sich um die Vollmondnacht, in der Alexis mit Frau Glück zum Fischen hinausfuhr. Lange Zeit verrieten die tanzenden Lichter der Positionsleuchten den Standort des Bootes. Als Selene bei der „Eftichía“ auftauchte und auf dem Meer ihr Lied sang, entbrannte in Antonis‘ Taverne gerade ein Streit über Gurken und Gewächshäuser. Nur die alte Maria draußen auf ihrem Eisenbett bemerkte das schwächer werdende Glimmen der Positionsleuchten, richtete sich auf und blickte der „Eftichía“ nach, bis sie am Horizont verschwunden war.
 

bluesnote

Mitglied
Leichte Kost, ansprechend aufgemacht.

Hallo majissa

Das erste, was mir auffiel, die Figuren sind super beweglich.
Lockere Dialoge, die sich einprägen, dazu ein Quentchen Humor. Die abrupten Scenenwechsel fordern dazu auf, weiter zu lesen. Nur, das Frau Glück raucht, passt nicht ganz, wie ich finde.
Eine Geschichte mit diesem Atem las ich nie, die muss so!
Ich hätte die Bewertung vergeben: Eine Bereicherung für die Leselupe.
 

majissa

Mitglied
Hallo bluesnote,

schön, dass du die lange Geschichte gelesen hast und sie dir sogar gefallen hat. Das freut mich; insbesondere, weil ich mich diesmal an einem etwas weniger skurrilen Schreibstil versuchte und nicht sicher war, wie er ankommen würde. Über deinen Hinweis zu Frau Glück habe ich nachgedacht. Ich hätte sie wohl besser beschreiben sollen. Denn es gibt sie tatsächlich und wer sie kennt, kann sie sich gar nicht ohne Zigaretten vorstellen. Doch woher soll der Leser das wissen? Im Text steht ja nicht, dass sie über 60 und sehr schlank ist, eine Stimme wie ein Reibeisen hat, an die 186 cm misst und darauf wartet, dass ihr Haar gleichmäßig weiß wird. Sie mag kein Grau. Erwähnenswert vielleicht auch, dass sie etliche Männer unter den Tisch trinkt, dabei laut redet, aber immer die Contenance wahrt. Frau Glück ist ein "Mittelding" zwischen Grand Dame und Seemann. Also ja, ich meine, das sollte der Leser womöglich doch erfahren. Dann passen auch die Glimmstengel, hm? Wozu ein objektiver Blick doch gut ist. Danke nochmal.

Liebe Grüße
Majissa
 

La Luna

Mitglied
Tagchen Majissa,

hey, das ging ja doch flotter als erwartet mit der Geschichte, was?
Beim Titel „Vollmond“ dämmerte es mir schon leicht, doch wie groß war mein Entzücken, als ich las, wie Selene die depperten Lunalisten an der Nase herumführte.
Ohja, zweifelsohne scheint diese Dame mir sehr nah zu stehen. Allerdings sollte ich vielleicht bei meiner griechischen Kollegin noch mal Unterricht nehmen, denn leider Gottes habe ich es noch nicht geschafft, dass für mich jemand durch’s Gras kriecht, geschweige denn einen ollen Ziegenbock für mich opfert. Unter uns gesagt, eine nützlichere Opfergabe wäre mir ohnehin lieber, denn sag’, was kann man mit so’nem Bock schon groß anfangen, hm? Außerdem stinken sie und rasieren sich nie. Jawohl, ich sagte nie!

Aber ich bin ja nicht nur zum Schwatzen hergekommen, und deshalb komme ich jetzt besser mal zur Sache, okay?

Beginnen werde ich mit den Kleinigkeiten:


Dort wartet er mit froschigem Blick auf die geeignete Frau, um sie aus der Deckung heraus hinterrücks anzuspringen und zu begatten, wobei er sich mit heftigem Schwanzwedeln am weiblichen Rücken festklammert, bis die Paarung vollzogen ist.

Bei diesem Bild, das du hier zeichnest, lag ich das erste Mal vor Lachen in der Ecke. Also nee, dieses Wedeln hat was, da wird man ja ganz kirre…*g*.
Was mir hier nicht so gut gefällt, ist der froschige Blick. Klar, ich weiß was du meinst, aber allein der Ausdruck „froschig“. Nein, das klingt nicht gut. Vielleicht hervorquellende Augen, oder einfach Stielaugen? Ja genau, Stielaugen fände ich prima!



Das inbrünstig ausgestoßene Geständnis „Ich leide an Lunalismus!“, wird kein Richter je zu Protokoll nehmen.

Ein Richter nimmt eh nix zu Protokoll. Das machen die sogenannten Gerichtsschreiber, und vor denen die Polizeibeamten beim Verhör. Und zu Protokoll nehmen sie alles, was der Angeklagte sagt. Der Richter entscheidet dann, inwieweit in diesem Fall mildernde Umstände eintreten könnten, u.s.w.



Ein Bluttest und der am Tatort aufgefundene rote Sombrero lassen keine Zweifel an der Vaterschaft des Täters.

Die Idee ist klasse, aber ohne den Bluttest wäre der Witz noch besser. Wenn du den weglassen würdest, wäre es erst so richtig beknackt. Die Vorstellung, dass allein dieser Sombrero über Wohl und Wehe entscheidet, wäre einfach herrlich.



Maria verschmilzt mit der Dunkelheit, damit das Kind sie nicht finden kann.

Nein, bei diesem Satz habe ich gar nichts zu mosern. Den wählte ich nur aus, um dir zu sagen, dass er genial ist! Ich lag echt daneben. Diese kurze prägnante Feststellung ist sehr effektiv.


Die Kleinigkeiten hätten wir jetzt hinter uns. Hier beginnen die Winzigkeiten:



Ist Opa noch munter genug, zeigt er seinem Urenkel bereitwillig, wie lange ein Kätzchen es ohne Luft unter Wasser aushält.

Hier würde ich nur ein Wort umplatzieren: „…wie lange es ein Kätzchen…“
Das liest sich einfach flüssiger.



… hieft es auf den Rücksitz seines Autos….

hievt



Unter erstickten Flüchen erreicht Alexis den Rand der Schlucht und begibt sich schwer atmend in gebückte Haltung.

Ich würde „in eine gebückte Haltung“ schreiben, sonst hat es so was Telegrammartiges.



Zufrieden öffnete er eine Flasche Heineken, die er im Fußraum deponiert hat [blue]Komma[/blue] und trinkt sie mit wenigen Schlucken leer.

Eingeschobener Satz.



„Scheiss Griechen!“, tönt es dumpf unter der Staubmaske.

„Scheiß Griechen“, weil ein langer Vokal vorangeht.



Frau Glück bleiben die nächsten Worte im Halse stecken. Denn Alexis ist ihr Liebling.

Diese beiden Sätze würde ich nur durch Komma trennen, weil der zweite in Bezug zum ersten steht. Sonst entsteht beim Lesen ein zu starker Bruch.



…fährt sie fort und beginnt, Raki zu trinken.

Das Komma kannst du streichen.




Du siehst, viel habe ich nicht gefunden, trotz Lupe.
Dennoch: Möge dir das Wenige hilfreich sein! :)

Ach übrinx, wusstest du schon, dass Selene ne unwahrscheinliche Ähnlichkeit mit dir hat?
Ehrlich, kannst ja den Ziegenbock fragen, der kann ein Lied von ihr singen.
Nun komm’ mir aber nicht damit, dass Böcke nicht singen könnten, es klingt nur etwas gedämpfter durch den Bart, aber wenn man genau hinhört…


Liebste Grüße
Julia – bekennende Selenistin
 

JoshHalick

Mitglied
Hallo liebe Majissa,

Ich bin nicht so ganz zufrieden mit deiner Geschichte. Ich sehe zwar, all das was ich auch bei anderen Geschichten von dir sehe, die Ideen, das Talent, aber dennoch stimmt hier etwas für mich nicht. Doch bevor ich genauer auf den Inhalt eingehe, werde ich dir erstmal erzählen welche Worte und Ausdrucksformen mir ganz persönlich nicht so besonders gut gefielen.
Hierbei muß ich aber mal wieder bemerken, dass es sich in den meisten Fällen nicht um Dinge handelt die ich als Fehler erachte, sondern einfach nur Dinge die mir nicht gefallen.

„Hey, was hattest du denn gestern Nacht auf unserem Garagendach zu suchen?“
„Wer? Ich?“
„Nun tu nicht so! Du warst nackt bis auf diesen roten Sombrero.“
„Was? Ich hab‘ keinen roten Sombrero.“
„Doch, hast du. Das alberne Ding aus deinem letzten Urlaub! Außerdem hab‘ ich dich an deinen Arschbacken erkannt. Du kneifst sie doch immer zusammen. Auch in Hosen. Auseinander und zusammen, wie ‘ne Ziehharmonika. Blöde Angewohnheit, was?“
„Ach, lass‘ mich doch in Ruhe!“


Hier hätte meiner Meinung nach, der Sombrero als Erkennungszeichen gereicht.

Dort wartet er mit froschigem Blick auf die geeignete Frau, um sie aus der Deckung heraus hinterrücks anzuspringen und zu begatten, wobei er sich mit heftigem Schwanzwedeln am weiblichen Rücken festklammert, bis die Paarung vollzogen ist.

Du kannst es dir sicher denken…. froschigem Blick. Mich würde interessieren ob es nur mir so geht oder ob auch andere Probleme haben sich einen froschigen Blick vorzustellen. Einen Froschblick ja! Aber froschig.. hm!


Der unbändige Drang, zu krähen, kommt etwa eine Viertelstunde später und scheint seinen Ursprung irgendwo zwischen Darm und Magen zu haben. So leise es geht, aber unter heftigem Kopfnicken, verlässt Alexis das Ehebett, presst sich die Hand vor den Mund und hüpft mit seinem Lieblingsmesser in die Nacht hinaus. Niemand hört den Geißbock schreien.

Das aber hier mochte ich absolut nicht! Keine Ahnung warum. Es klang für mich nicht so, kann aber durchaus an mir liegen.


Alexis ist entschlossen, sich des geopferten Tiers zu entledigen, hieft es auf den Rücksitz seines Autos und fährt ein Stück die Serpentinen hoch. Er parkt den Wagen unmittelbar vor der kleinen Schlucht direkt neben Frau Glücks blauem Haus. Dort zieht er den Geißbock aus dem Auto, nimmt ihn bei den Vorderhufen und wuchtet ihn sich auf den Rücken.


…wuchtet ihn sich auf den Rücken… Das könnte man auch schöner formulieren.


Mit seinen 55 Jahren ist Alexis immer noch attraktiv. Sein Leben, das er hauptsächlich auf dem Meer beim Fischfang zubrachte, hat ihn nicht gerade stärker, aber zäher gemacht. Sein Gang ist leicht und nahezu tänzelnd, wenn er einmal nicht schwere Lasten hebt oder am Meer vor einer Wanne mit frisch gefangenem Fisch hockt, den er mit geschickten Handbewegungen sorgfältig ausnimmt und reinigt.


Hier störte mich das sein Gang leicht und nahezu tänzelnd ist, es sei denn er hebt schwere lasten oder er hockt vor einer Wanne. Irgendwie klar das er da nicht tänzelt, er geht ja nicht mal :eek:P Davon abgesehen, den Fisch kann ich noch verstehen, das trägt zum Bild bei… es ist ja ganz spezifisch der Fisch und das gehört zu ihm, aber diese schweren Lasten…


In dieser Vollmondnacht und unter dem Gewicht des Kadavers auf seinem Rücken wird aus dem Tänzeln starkes Schwanken. Unter erstickten Flüchen erreicht Alexis den Rand der Schlucht und begibt sich schwer atmend in gebückte Haltung. So ruht er sich eine Weile aus und hofft, dass ihn kein Mensch entdeckt.

Hier gefiel mir das… unter erstickten Flüchen… nicht so. Dann das … „begibt sich schwer atmend in gebückte Haltung“. Im Ersten Moment mag es so scheinen als entspräche diese Beschreibung dem üblichen Erzählstil, auf den zweiten Blick passt sie für mich nicht mehr. Ich kanns nicht recht begründen, das ist nur so was intuitives.
Dann das entdeckt. Mir hätte besser gefallen, hätte dort gestanden, das er hofft ihn würde niemand beobachten, denn wenn du entdeckt schreibst, stelle ich mir vor das sehr viele Leute um ihn herum sind (du weißt wie ich das meine? Blöd ausgedrückt) von denen ihn einer entdecken könnte. Also hier fände ich ein andere Wort besser, und wenn du nur schreibst er hoffe ihn würde niemand sehen….

Um die Strafbarkeit der Aktion indes macht sich Alexis keine Sorgen, da er den Geißbock als biologischen Abfall und sich selbst als das Opfer zwanghafter Handlung ansieht.

Hier ist es das „indes“. Eigentlich traue ich dir nicht zu das du so ein Wort falsch platzierst. Ich muß aber trotzdem sagen das ich es anders gemacht hätte, allein des Klanges wegen.

Zufrieden öffnete er eine Flasche Heineken, die er im Fußraum deponiert hat und trinkt sie mit wenigen Schlucken leer. Anschließend pfeffert er sie zu dem Bock in die Schlucht. Der hartnäckige Kräh- und Nickdrang hat erheblich nachgelassen und schon auf der Heimfahrt denkt er nicht mehr an die süßen Einflüsterungen, die ihn so spät in der Nacht aus dem Bett getrieben haben.

….mit wenigen Schlucken leer. Ich finde … mit wenigen Schlucken aus, hätte besser geklungen. Aber da kann man sich drüber streiten, sehe ich ein. Dann der nächste Satz, der gefiel mir auch nicht. Zu dem Bock in die Schlucht… Ach ich weiß nicht, das klingt so speziell. Als ob der Bock unten steht und nur darauf wartet die Flasche aufzufangen.


„Ein Lämmchen lief ihm vors Auto! Hört hört! Hatte das Lämmchen denn ein hübsches Kleidchen mit nichts darunter an?
Alexis wird zornig. „Ich hasse es, wenn du in der dritten Person von mir sprichst, so als wär‘ ich gar nicht da.
„Wenn es nach mir ginge, wärst du auch gar nicht mehr da“, keift Sofia und verlässt wütend das Schlafzimmer.


Hier würde ich das … nichts drunter an… undbedingt streichen. Nun gut es ist ein Lamm, es ist witzig wenn dies Lamm ein Kleidchen anhat, weil es das für gewöhnlich nicht hat, aber ist es genauso witzig wenn man die Aufmerksamkeit auf dessen Unterwäsche lenkt die es von Natur aus sowieso nicht trägt?
Der darauf folgende Satz von Alexis war zu konstruiert. Als stünde er nur da, damit Sofia dann genau so wie sie antwortete auch antworten kann. Du weißt wie ich es meine? Es klingt nicht echt. Da würde es schon helfen, wenn du die dritte Person weglässt, wenn er so etwas schon sagt… dritte Person dann wäre es untypisch das noch zu erklären. Sogar wenn er weiß, das sie nicht weiß, was dritte Person bedeutet. Dann nämlich würde er, so sehe ich das, erst gar nicht mit der dritten Person anfangen. Vor allem nicht in dieser Situation.

Alexis liegt mit hinter dem Kopf verschränkten Armen in der Dunkelheit.

Besser fände ich: Die Arme hinter dem Kopf verschränkt liegt Alexis in der Dunkelheit.


Der Verwesungsgeruch am Rand des Gemüsebeets passt den nächsten Luftwirbel ab, versenkt sich in ihm und marschiert von dort aus geradewegs in die Nasenlöcher von Frau Glück, die augenblicklich von ihrer großen bequemen Hängematte aufspringt und laut zu fluchen beginnt.

Diesen Absatz würde ich streichen. Es ist nicht so das es nicht ganz komisch wäre, aber die Eigenständigkeit des Geruchs passt für mich nicht in diese Geschichte. In einer anderen ja, aber in dieser?


Dort kläfft er die Tiere wütend an, bevor er sie mit einem einzigen Biss ins Genick tötet. Die Rattenkadaver hält Frau Glück mit spitzen Fingern am Schwanz fest und wirft sie angewidert in den blauen Müllsack.

Das Verhalten des Hundes finde ich untypisch (wenn ich von meinen Hunden ausgehe, aber wer weiß schon ob die sich normal verhalten???). Nun ja, ich fragte mich ob ein Hund wirklich so eine Ratte fangen kann, die sind ja ganz schön flink und können ordentlich springen aber gut.
Ich weiß gar nicht ob ich das verpasst hab, aber ich kann mir gar nicht vorstellen wie nah genau Frau Glück an der Schlucht lebt damit die Ratten und die Fliegen sich bei ihr rumtreiben.
Ich kann mir nicht helfen, ich finde das eigenartig. Der Geruch ok! Aber die Ratten und die Fliegen… ich mein der Bock liegt in einer Schlucht und wie zumindest am Ende steht, steht das Haus von Frau Glück neben der Schlucht. Nun gut, ein paar Fliegen ok… die lasse ich auch noch durchgehen, aber die Ratten??? Nein ich weiß nicht!
Und später wird dann auch erwähnt, ich hoffe ich habe es nicht falschin Erinnerung, das Frau Glück Angst hat, ihr Hund könnte in die Schlucht laufen … eigentlich müsste der Hund sich dann ja auch an dem Bock vergreifen und da was von mampfen und sich in dem Leichenwasser suhlen. Und wenn der schon dahingeht… kommen doch noch ganz andere Tiere. Ich weiß nicht, die Ratten kann ich nicht so verstehen. Ich weiß ja nicht wie es da so mit der Rattenbevölkerung ist aber wenn hier mal irgendwo ein totes Wild wo rumliegt dann sitzt auch keine Schar von Ratten drum herum. Ich kann das alles ja durchaus falsch sehen. Wie gesagt ich bin kein Rattenexperte. Vielleicht habe ich ja nur ein falsches Bild von denen aber ich sehe sie eher in den Mülltonnen und kann mir gar nicht vorstellen dass sie in Scharen (ich sehs immer in Scharen vor mir) zu diesem Bock laufen. Kanns mir nicht vorstellen. Aber ich weiß es auch nicht besser, deshalb lassen wir das.

Ach ja aber, hält sie am Schwanz fest (die Betonung liegt auf fest) könnte man schöner ausdrücken. So ganz trifft es das für mich nicht... hält sie fest.

„Hier, deine Einkäufe“, sage ich und überreiche Frau Glück eine Plastiktüte, in der sie gleich hektisch zu kramen beginnt.
„Hast du sie bekommen?“
„Ja, beim Baustoffhändler. Er hat mich ausgelacht.“
„Lass‘ ihn nur. Ihm wird das Lachen schon vergehen, wenn er erfährt, dass seine feiste Frau jeden Tag ins Kosmetikstudio fährt. Ich frag mich sowieso, was sie da mit ihr machen. Sie hat Blutergüsse im Gesicht.“
Frau Glück fischt die Staubmaske aus der Tüte und setzt sie sich auf den Mund.
„Es werden jeden Tag mehr, weißt du“, dröhnt es dumpf unter dem weißen Zellstoff hervor. „Mir reichen schon die Kakerlaken, die sich in meinem Toilettenschränkchen verkriechen. Aber Ratten! Es knackt so entsetzlich, wenn Léllo sie ins Genick beißt; ich träume schon davon.”


Hier haben wir wieder einen Dialog. Hier kommt wieder etwas vor, was mich störte, und zwar das zu viele Leute auftauchen die keine Funktion erfüllen. Ich hab das mit dem, ihm wird das Lachen schon noch vergehen, wenn er erfährt... Da fehlt doch irgendwie was! So was sagt man doch üblicherweise wenn man einen Komplott plant. Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Freund schicke um mir eine Blume von Lieselottes Blumenladen zu holen, und der Freund dann zurück kommt und mir erzählt: Lieselotte hat mich ausgelacht weil ich lieber gelbe statt violette Stiefmütterchen mag, dann würde ich antworten: Lass sie nur lachen, das wird ihr noch vergehen, wenn ich meine Untersuchungen abgeschlossene habe und bei der Blumeninnung vorbringe das sie ihre Pflanzen unwürdig behandelt.
*räusper*
Das ist schon ein sehr dämlicher und ungekonnter Vergleich aber du wirst schon wissen was ich meine. Ich würde das also rausstreichen.
Dann gefiel mir nicht die Sache mit den Kakerlaken im Toilettenschränkchen. Auch das wirkte konstruiert. Genauso das mit den Ratten und dem Knacken. Hier ist es weniger der Inhalt an sich als mehr die Art wie er dargestellt wird. Das heißt die Worte… na ja, Mensch, du weißt was ich meine.

Auch Petros, der Nachbar, ist von der Rattenplage betroffen.
”Wir müssen etwas unternehmen!”, sagt er eines Tages, als er herüber kommt und mit verschränkten Armen vor Frau Glücks Terrasse stehenbleibt.


..sagt er eines Tages… Ich hab ja im Grunde genommen keine Probleme wenn Geschichten in der Gegenwart spielen… aber wenn ich eben in der Gegenwart war und dann die Gegenwart zu einer „eines Tages Gegenwart“ wird, dann stört das beim lesen. Kann man das nicht anders regeln?


”Wir müssen herausfinden, woher der Gestank rührt und dann alles weitere veranlassen”, schlägt er vor.
Frau Glück ist erstaunt. Petros bewegt sich sonst nur, um Geld abzuzählen. Sie ergreift die Gelegenheit beim Schopf.
”Ich sag dir was, Petros, ich glaube, der Geruch kommt von der Schlucht da drüben. Ich kraxel da aber nicht rein. Du weißt, dass ich halb blind bin und leicht falle.“
„Dann geh‘ ich eben allein“, sagt Petros und verschwindet.
„Es ist ein halb verwester Geißbock“, ruft er Stunden später aus seinem Küchenfenster.
„Ach? Und was veranlassen wir jetzt?“, schreit Frau Glück, die gerade einen neuen Müllsack um die Olive drapiert.
„Nichts weiter.“ Petros klingt beschäftigt. Es entsteht eine lange Schweigepause, bis er gleichgültig fortfährt. ”Solange wir nicht wissen, wem er gehört hat, können wir nichts tun.“
„Scheiss Griechen!“, tönt es dumpf unter der Staubmaske.




…verlassen“, schlägt er vor. Ich würde das „schlägt er vor“ streichen, denn im Satz zuvor kam schon einmal „sagte er“. Meines Erachtens ist es demnach
Dann kommen so Sachen wie: Geld abzuzählen. Was soll ich damit anfangen? Er könnte ja allerlei Geld abzählen. Vielleicht arbeitet er bei der Bank? Weiß einfahc nicht was ich damit anfangen soll.
„Ich klettere da nicht rein“ – „ich klettere da nicht runter“ … du weißt das ich halb blind bin und leicht falle.
Dann verstehe ich nicht, das Petros extra wegen dem Vieh da runterklettert aber anstatt gleich danach zu ihr zu gehen und es zu erzählen, was dem Leser weniger Raum für unnötige Fragen und Gedanken geben würde ruft er es aus seinem Küchenfenster.
… wem er gehört hat. … Das „hat“ würde ich streichen. Denn er gehört demjenigen ja immer noch, indem Sinne das er noch für ihn verantwortlich ist. Ansonsten wäre der Satz ja überflüssig.


”Das war meiner”, brummt Alexis, der wie immer an vollmondfreien Abenden auf seinem Lieblingsstuhl hängt und gebannt auf den Fernseher starrt.
Frau Glück bleiben die nächsten Worte im Halse stecken. Denn Alexis ist ihr Liebling.
”Er hat Charakter und ein gutes Herz”, sagt sie immer.
”Er ist nicht zimperlich und macht einen gegerbten Eindruck. Er ist mein alter Pirat!” Alle im Dorf bis auf Sofia wissen, dass Alexis oft bei Frau Glück vorbeischaut, um sich dort bis zum Abwinken voll laufen zu lassen. Er ist der einzige, der es schafft, auf der kurzen Strecke von ihrem Haus bis zu seinem Auto drei Dosen Bier zu leeren. Auf nur 100 Metern ist das selbst für einen Kreter schwierig.


…“Abends auf seinem Liegestuhl hängt“ würde ich umändern in… „Abends in seinem Liegestuhl hängt“. Klingt zwar auch komisch aber in etwas hängen find ich noch besser als auf etwas zu hängen…
Die nächsten Worte mag ich auch nicht. Langt es nicht einfach zu schreiben „die Worte“ … ich mein die übernächsten oder vornächsten werden es ja doch nicht sein. Den darauf folgenden Satz mit dem zimperlich und Eindruck (es ist besonders der Eindruck) empfinde ich nicht als Glaubhaft in der Wörtlichenrede. Den letzten Satz könnte man auch streichen. Ich weiß nicht ob man so einer kleinen Gegebenheit so viel Aufmerksamkeit schenken sollte. Na gut, eigentlich geht es aber mich persönlich stört es halt. Da hätte ich doch die ungefähre Strecke im Satz davor mit eingebracht. Etwas das… hm humorig sein sollte, finde ich, sollte immer kurz daherkommen, in zwei Sätzen verliert es seinen Witz.

”Nicht nur, dass es stinkt, nein, jetzt kommen noch diese fliegenden Sopranistinnen, die mir mit ihren hohen Frequenzen das Gehör zerstören. Wenn du etwas trinken möchtest, bedien‘ dich. Folge den Sängerinnen in die Küche!”
Ich verberge ein Lächeln.
”Durch den Geruch darfst du dich übrigens nicht stören lassen, in einem guten halben Jahr wird er verschwunden sein!”
„Warum stellst du ihn nicht endlich zur Rede?“, frage ich.
Frau Glück windet sich. „Ach nein! Er hatte sicher seine Gründe.“
„Er soll den Schaden wieder gut machen. Überleg‘ es dir. Wir können gleich losgehen.“


Meinst du mit den Sopranistinnen die Mücken? Ich weiß nicht warum die auf dem Weg in die Küche sind.
Ich kann eigentlich nur glauben das es Mücken sind weil die Fliegen… die kommen ja nicht jetzt erst oder? Waren die nicht schon vorher da? Die allerdings würden vielleicht in die Küche fliegen. Hm, ich weiß es nicht.
Der Dialog wieder… hm… nein, auch dieser überzeugt mich nicht. Und in den folgenden Absätzen kommen noch weitere davon, die ich aber nicht alle aufführen brauch, nur um das Gleiche wie hier noch mal drunter zu schreiben.

Das war es nun erstmal.

Komme ich mal zum Ganzen. Ich denke dass diese Geschichte an sich durchaus interessant ist aber in ihrem momentanen Zustand, empfinde ich sie nicht als perfekt.

Zum einen finde ich dass sie zu lang ist. Zu lang, wenn man sich mal genau anschaut wie wenig eigentlich darin passiert. Durch die Länge verlor sie für mich an Witz und Eindringlichkeit.
Die langen Erklärungen zu Anfang, mit der Taverne und den einzelnen Personen sind überflüssig. Ich fand sie zwar in keiner Weise schlecht, das will ich unbedingt betonen, damit du mich nicht falsch verstehst aber sie gehören nicht in diese Geschichte. Denn das alles spielte gar keine Rolle… Es trägt nichts zum Geschehen bei, sondern lenkt einzig und allein von der eigentlichen Geschichte ab, so das man schon gar kein Interesse mehr am Lunalismus hat wenn die Familie abgehakt ist, sondern lieber in der Taverne bleiben würde.

Dann, etwas wo ich mir nicht sicher bin, wie andere das sehen… Die Sprünge in der Gegenwart. Ich halte es für falsch die Gegenwart so weit führen zu lassen, ich bin mir gar nicht sicher ob das überhaupt möglich ist, weil du ja nicht fortlaufend erzählt hast sondern einfach sozusagen mehrere Tage ausgesetzt hast und einen also aus dem nichts von der einen Gegenwart in die nächste befördert hast.
Das erste mal wo in der Gegenwart erzählt wird ist ja Tage oder sogar 1-2Wochen vom Ende der Geschichte entfernt. Das halte ich nicht für gut. Mir hat es nicht gefallen.

Dann wurde Alexis zum Ende hin nur noch der Pirat genannt obwohl er zuvor nur Alexis genannt wurde und das stört. Man weiß gar nicht mehr wen man vor sich hat.

Außerdem hätte ich mir gewünscht das die Handlung … der Kern des Ganzen etwas mehr betont würde… wie soll ich das erklären. Ich hätte gern beim Lesen gespürt das der Weg, den ich gehe der richtige ist, das es nicht um die Ratten und Maria geht sondern um … was auch immer es im Kern ging, ob nun das Haus an der Schlucht oder die Mondsucht.
Mir wurde einfach nicht vermittelt wo genau ich langgehen musste um sicher ans Ende zu kommen. Die Substanz fehlte ein wenig.

Die Dialoge erwähnte ich, glaube ich, schon mehrmals. Sie schienen mir nicht immer dem Charakter gerecht zu werden. Vielleicht hatte ich auch nur ein falsches Bild von den Leuten? Aber eigentlich… Auf alle Fälle bei Frau Glück, ich fand ihre Redensart passte gar nicht zu ihr, vor allem wenn ich sehe wie du sie in deiner Antwort unter dem Text beschrieben hast. Ach ich weiß es einfach nicht. Du kannst ja einfach mal darüber nachdenken und wenn du es anders siehst, dann vergisst du einfach was ich geschrieben habe.


Ich würde diesen Text wirklich kürzen, obwohl ich eigentlich kein Fan des Kürzens bin aber hier fände ich es hilfreicher einfach um ihm mehr Substanz zu geben…. Mehr Biss…

Jetzt sieht ja meine Kritik sehr vernichtend aus. Nein, ich denke wirklich das die Geschichte gut ist, der Inhalt ist weniger was mich stört (stört mich eigentlich gar nicht)… aber wie sie erzählt wurde das könnte man durchaus besser machen. Da kann ich dir nichts vorlügen. Das ist das, was ich denke.
Mir ist auch schon bange, da ich weiß das du mir sicher vieles was ich hier aufgelistet habe erklären kannst, wie beim letzten Mal aber gut, dann lerne ich auch noch was, das nehme ich einfach mal in Kauf…

Das wars…

Die besten Grüße
Josh
 

majissa

Mitglied
Liebe Julia, lieber Josh,

ich bin zwar gerade mitten im einem chirurgischen Eingriff und tippe mit Blumenerde an den Händen, möchte mich aber doch unbedingt kurz bei euch für die ausführliche und wirklich brauchbare Kritik bedanken, auf die ich aber erst morgen detailliert eingehen kann. Bis dahin kann ich auch noch in Ruhe über die gegensätzlichen Eindrücke und Anregungen nachdenken und natürlich Rücksprache mit dem geheimsten aller Räte halten. Aber eines vorweg: Das falsch geschriebene "hieven" trieb mir minutenlange Schamesröte ins Gesicht. Also sowas auch!

Liebe Grüße (diesmal ohne diese unsäglichen Smiley-Fresschen)
Majissa
 

majissa

Mitglied
Liebe bekennende Selenistin,

ich habe jetzt einen geschlagenen Tag lang nachgedacht, was du mit einem Ziegenbock anfangen könntest. Mir fiel da echt nichts ein bis auf die Idee, dass du die hohe Kunst des Flechtens unter erschwerten Bedingungen mit Nasenklammer an seinem Bart erlernen könntest. Na? Das wär‘ doch was. Die Böcke stinken auf Kreta übrigens weniger als ihre Besitzer oder jene, die bei ihnen anzutreffen sind. Grausam, aber wahr.

Und nun zu deiner Kritik, die mir sehr hilfreich war. Über das „hieven“ habe ich mich schon ausgelassen. Das wird natürlich geändert. Der „froschige“ Blick mag zwar ungewohnt sein, lässt sich aber im Hinblick darauf, dass es ja durchaus üblich ist, auch von einem „froschigen“ Gang und einer „froschigen“ Stimme zu sprechen, hier doch gut verwenden. Ha! Das Protokoll! Du hast natürlich recht. Ein Richter lässt höchstens was zu Protokoll nehmen. Schimpflich, dass mir dieses Fehlerchen unterlief, wo ich doch tagtäglich auf diesem Gebiet zu tun habe. Hmpf. Ich soll den Sombrero allein über Wohl und Wehe entscheiden lassen? Hm...das ist wirklich schön schräg. Ja, das gefällt mir sogar ausgezeichnet. Ich bin geneigt, den Bluttest rauszuschmeissen.

Maria verschmilzt mit der Dunkelheit, damit das Kind sie nicht finden kann.

Nein, bei diesem Satz habe ich gar nichts zu mosern. Den wählte ich nur aus, um dir zu sagen, dass er genial ist! Ich lag echt daneben. Diese kurze prägnante Feststellung ist sehr effektiv.

Jaaa! Ich bin genial. ;)

Über das Kätzchen und die gebückte Haltung denke ich nach. Das Komma beim Einschubsatz wird gesetzt; ebenfalls vor „denn Alexis ist ihr Liebling“ und diese vermaledeite „ss/ß“-Regel werde ich hoffentlich irgendwann mal richtig anwenden können.

Danke für dein Lob. Deiner Kritik entnehme ich, dass du beim Lesen mehrfach auf den Boden stürztest und in verschiedenen Ecken lagst. Das freut mich jetzt ganz besonders, denn dann hat dich der Text unterhalten können. Dennoch überlege ich krampfhaft, inwiefern ich Ähnlichkeit mit Selene habe. Habe ich da was verpasst? Sollte ich das ganze lieber nicht hinterfragen und mich einfach freuen, dass ich keinen Bart habe? Wusstest du, dass es ganz entzückende Handtaschen aus Ziegenbockbärtchen gibt?

Herzliche Grüße
Majissa
 

La Luna

Mitglied
Hoo Majissa,

du unterschätzt mich gewaltig, denn ich kann schon flechten.
Jaja, nun staunst du, was?
Das hättest du jetzt nicht gedacht.
Somit bleibt mir wohl nur noch die Perspektive, den Bock zu einem Handtäschchen zu verarbeiten. Die Ausdünstungen dieses Accessoires werden mir zumindest ausreichende Sitzmöglichkeit im Kino garantieren. Falls nicht, lade ich einfach Alexis ein, sich zu uns zu gesellen.
Die Nasenklammer muss ich dann halt ständig dabeihaben, aber ist ja nicht so tragisch. Wiegt ja nicht viel so’n Ding.
Also was nun deine Ähnlichkeit zu Selene angeht, so brauchst du gar nicht so unschuldig zu tun.
Meinst du, ich hätte nicht erkannt, dass es der gleiche Schalk ist, den ihr im Nacken tragt?
Er sah mich schon so merkwürdig an, als wolle er sagen: »Wart’s ab, Mädchen, beim nächsten Vollmond bist du dran.«
Gott, da hab’ ich mich ganz schön verjagt, kann ich dir sagen.
Man gut, dass mich deine Geschichte anschließend davon ablenkte. Zwar bin ich vor Lachen wirklich ein paar Mal aus meinem Sessel geplumpst, aber sag selbst, was ist schon ein blauer Hintern im Vergleich zu gesträubten Nackenhaaren?
Aber um noch mal auf die Korrekturen zu kommen: Das „froschig“ würde ich wirklich noch mal überdenken. Kannst dir ja Zeit lassen dabei. Du wirst jetzt eh genug zu tun haben mit der Antwort an Monsieur Adlerauge…*feix*.
Naja, ich werde dann gegen Ende nächster Woche mit deiner Antwort rechnen.


Liebste Grüße
Julia – staatl. anerk. Flechterin
 

majissa

Mitglied
Ha! Monsieur Adlerauge! Das passt. Da hörstes selbst, Josh und dazu noch vom höchsten aller Räte. Hähähä...

@Julia
Nach meiner untenstehenden Antwort fühle ich mich wie eine schlappe Wollmaus. Sobald ich mich regeneriert habe, melde ich mich wieder.

Lieber Josh,

danke erst mal für deinen detaillierten Kommentar und die ganze Mühe, die damit verbunden war. Du hast mich wirklich zum Grübeln gebracht. Im Grunde grübel ich noch immer und werde es wohl auch noch in den nächsten Tagen tun. Denn du bist der erste, dem die Geschichte nicht zusagt. Das ist natürlich dein gutes recht und ich wäre weniger verwirrt, hätten nicht viele andere (auch außerhalb der Lupe) den Text gerade wegen seines Erzählstiles, mit dem du dich eher schwer tust, gelobt. Da ist die Verwirrung natürlich perfekt. Ich habe mir auch schon überlegt, ob die Story einfach nicht nach deinem Geschmack ist, weil du mit dem Thema wenig anfangen kannst, verwarf diesen Gedanken aber wieder, weil diese Erklärung natürlich zu einfach ist. Also gehe ich mal auf die wesentlichen Punkte deiner Kritik ein und versuche, etwas Licht in die Sache zu bringen. Du bist übrigens ein sehr gründlicher Leser.

Auf die „Arschbacken“ will ich nicht verzichten. Die gehören da hin. Man könnte natürlich anführen, dass ein alberner Sombrero als Erkennungszeichen vollkommen ausreicht; es sei denn, man würde an alle Mondsüchtige rote Sombreros verteilen. Das unverkennbare Zusammenkneifen ist für mich wichtig, da es das aufgrund der unüblichen Kopfbedeckung sowieso sinnlose Herausredenwollen des Nachbarn zur absoluten Farce verkommen lässt.

Der unbändige Drang, zu krähen, kommt etwa eine Viertelstunde später und scheint seinen Ursprung irgendwo zwischen Darm und Magen zu haben. So leise es geht, aber unter heftigem Kopfnicken, verlässt Alexis das Ehebett, presst sich die Hand vor den Mund und hüpft mit seinem Lieblingsmesser in die Nacht hinaus. Niemand hört den Geißbock schreien.

Das aber hier mochte ich absolut nicht! Keine Ahnung warum. Es klang für mich nicht so, kann aber durchaus an mir liegen.

Hm...hier weiß ich nicht, was du meinst, Josh. Was klang für dich nicht so?

Alexis ist entschlossen, sich des geopferten Tiers zu entledigen, hieft es auf den Rücksitz seines Autos und fährt ein Stück die Serpentinen hoch. Er parkt den Wagen unmittelbar vor der kleinen Schlucht direkt neben Frau Glücks blauem Haus. Dort zieht er den Geißbock aus dem Auto, nimmt ihn bei den Vorderhufen und wuchtet ihn sich auf den Rücken.

…wuchtet ihn sich auf den Rücken… Das könnte man auch schöner formulieren.

Ja? Dazu fällt mir auf Anhieb keine Alternative ein. Ich möchte mich auch nicht unbedingt davon trennen. Wuchten muss er den Geißbock, da er schwer ist. Ein Schwingen wäre hier zu sanft. Anstelle des Rückens könnten die Schultern herhalten. Aber ist es dann noch das, was ich ausdrücken wollte? Nein. Der Geißbock liegt ja auf dem Rücken auf. Oder stießest du dich an der Konstruktion „ihn sich“?

Mit seinen 55 Jahren ist Alexis immer noch attraktiv. Sein Leben, das er hauptsächlich auf dem Meer beim Fischfang zubrachte, hat ihn nicht gerade stärker, aber zäher gemacht. Sein Gang ist leicht und nahezu tänzelnd, wenn er einmal nicht schwere Lasten hebt oder am Meer vor einer Wanne mit frisch gefangenem Fisch hockt, den er mit geschickten Handbewegungen sorgfältig ausnimmt und reinigt.

Hier störte mich das sein Gang leicht und nahezu tänzelnd ist, es sei denn er hebt schwere lasten oder er hockt vor einer Wanne. Irgendwie klar das er da nicht tänzelt, er geht ja nicht mal :eek:P Davon abgesehen, den Fisch kann ich noch verstehen, das trägt zum Bild bei… es ist ja ganz spezifisch der Fisch und das gehört zu ihm, aber diese schweren Lasten…

Du hast Humor! Ich musste echt lachen, weil ich mir Alexis in der Hocke tänzelnd vorstellte. Und streng genommen muss ich dir recht geben. Wer vor einer Wanne hockt, kann wohl nicht tänzeln. Ich habe das gestern abend mal ausprobiert und es fiel mir verdammt schwer. Aber hier wird ersichtlich, wie gründlich du doch liest. Mir selbst wäre das nie aufgefallen. Die schweren Lasten machen dir zu schaffen? Meinst du, man hätte hier noch explizit auf die Lasten eingehen sollen?


In dieser Vollmondnacht und unter dem Gewicht des Kadavers auf seinem Rücken wird aus dem Tänzeln starkes Schwanken. Unter erstickten Flüchen erreicht Alexis den Rand der Schlucht und begibt sich schwer atmend in gebückte Haltung. So ruht er sich eine Weile aus und hofft, dass ihn kein Mensch entdeckt.

Hier gefiel mir das… unter erstickten Flüchen… nicht so. Dann das … „begibt sich schwer atmend in gebückte Haltung“. Im Ersten Moment mag es so scheinen als entspräche diese Beschreibung dem üblichen Erzählstil, auf den zweiten Blick passt sie für mich nicht mehr. Ich kanns nicht recht begründen, das ist nur so was intuitives.

Hier siehst du mich samt Geheimrat bocken! Natürlich flucht der gute Alexis mit dem bißchen Luft, das er unter der Last des Bockes noch hat und selbstverständlich begibt er sich schwer atmend (das Fluchen hat ihm ja noch mehr Luft genommen) in gebückte Haltung.

Dann das entdeckt. Mir hätte besser gefallen, hätte dort gestanden, das er hofft ihn würde niemand beobachten, denn wenn du entdeckt schreibst, stelle ich mir vor das sehr viele Leute um ihn herum sind (du weißt wie ich das meine? Blöd ausgedrückt) von denen ihn einer entdecken könnte. Also hier fände ich ein andere Wort besser, und wenn du nur schreibst er hoffe ihn würde niemand sehen….

Ha! Du liest wirklich genau. Auf Kreta ist es so, dass immer Leute um einen herum sind und glotzen. Aus allen Ecken und Nischen und 24 Stunden am Tag. Ein neugieriges Volk eben. Gesehen werden kann man immerzu. Egal, bei welcher Tätigkeit. Aber woher sollst der Leser das wissen? Es ist natürlich eine Kleinigkeit, die anderen gar nicht auffiel. Ich werde aber „entdecken“ durch „beobachten“ ersetzen.

Um die Strafbarkeit der Aktion indes macht sich Alexis keine Sorgen, da er den Geißbock als biologischen Abfall und sich selbst als das Opfer zwanghafter Handlung ansieht.

Hier ist es das „indes“. Eigentlich traue ich dir nicht zu das du so ein Wort falsch platzierst. Ich muß aber trotzdem sagen das ich es anders gemacht hätte, allein des Klanges wegen.

Ich habe mal nachgeschaut. Zumeist findet sich „indes“ nach dem Verb. Aber ich stieß auch auf folgendes Beispiel: „Der spanische Außenminister Pique indes bekräftigte, dass sich die EU sehr wohl die Möglichkeit von Sanktionen vorbehalte.“ (Quelle: Der Spiegel ONLINE)
Meines Erachtens klingt das sehr elegant.


„Ein Lämmchen lief ihm vors Auto! Hört hört! Hatte das Lämmchen denn ein hübsches Kleidchen mit nichts darunter an?
Alexis wird zornig. „Ich hasse es, wenn du in der dritten Person von mir sprichst, so als wär‘ ich gar nicht da.
„Wenn es nach mir ginge, wärst du auch gar nicht mehr da“, keift Sofia und verlässt wütend das Schlafzimmer.

Hier würde ich das … nichts drunter an… undbedingt streichen. Nun gut es ist ein Lamm, es ist witzig wenn dies Lamm ein Kleidchen anhat, weil es das für gewöhnlich nicht hat, aber ist es genauso witzig wenn man die Aufmerksamkeit auf dessen Unterwäsche lenkt die es von Natur aus sowieso nicht trägt?
Der darauf folgende Satz von Alexis war zu konstruiert. Als stünde er nur da, damit Sofia dann genau so wie sie antwortete auch antworten kann. Du weißt wie ich es meine? Es klingt nicht echt. Da würde es schon helfen, wenn du die dritte Person weglässt, wenn er so etwas schon sagt… dritte Person dann wäre es untypisch das noch zu erklären. Sogar wenn er weiß, das sie nicht weiß, was dritte Person bedeutet. Dann nämlich würde er, so sehe ich das, erst gar nicht mit der dritten Person anfangen. Vor allem nicht in dieser Situation.

Hm...so, wie du es erklärst, wirkt es nun wirklich etwas konstruiert. Das versuche ich lockerer zu gestalten.

Der Verwesungsgeruch am Rand des Gemüsebeets passt den nächsten Luftwirbel ab, versenkt sich in ihm und marschiert von dort aus geradewegs in die Nasenlöcher von Frau Glück, die augenblicklich von ihrer großen bequemen Hängematte aufspringt und laut zu fluchen beginnt.

Diesen Absatz würde ich streichen. Es ist nicht so das es nicht ganz komisch wäre, aber die Eigenständigkeit des Geruchs passt für mich nicht in diese Geschichte. In einer anderen ja, aber in dieser?

Streichen? Pah! *zetert fürchterlich*

Ein Wort zu den Ratten: Es gab den Tierkadaver tatsächlich. Ebenso die Ratten (in der von mir beschriebenen Gegend gibt es unzählige) und die in Schwärmen auftauchenden Fliegen. Der Kadaver lag in einer kleinen Schlucht. Léllo – auch er ist real – schleppte jeden Tag Ratten an. Er warf sie wirklich vor die Terrasse, spielte ein wenig mit ihnen herum und tötete sie dann mit einem Biß ins Genick. Das sah ich selbst. Es mag für einen Hund atypisch sein, aber für Léllo war das wohl normal. Er schleppte auch Kätzchen an. Er trug sie sanft im Maul und legte sie auch vor der Terrasse ab. Knacken deine Hunde eigentlich auch so gerne Nüsschen?

Soso, die Blumeninnung ;)) Ein herrliches Beispiel. Nein, im Ernst...du hast mich erwischt. Die Kosmetikgeschichte wirkt wirklich konstruiert. Ich dachte, damit durchzukommen. Hmpf.

Auch Petros, der Nachbar, ist von der Rattenplage betroffen.
”Wir müssen etwas unternehmen!”, sagt er eines Tages, als er herüber kommt und mit verschränkten Armen vor Frau Glücks Terrasse stehenbleibt.

..sagt er eines Tages… Ich hab ja im Grunde genommen keine Probleme wenn Geschichten in der Gegenwart spielen… aber wenn ich eben in der Gegenwart war und dann die Gegenwart zu einer „eines Tages Gegenwart“ wird, dann stört das beim lesen. Kann man das nicht anders regeln?

Nein! Oh Gott, nein. Ich hatte die Story bereits in der Vergangenheitsform, geriet dabei fortwährend in die Plusquamperfektfalle und entschloss mich dann endgültig für das Präsens. Was ist denn an „eines Tages“ in der Gegenwartsform so ungewöhnlich? Das las ich schon oft.

Beim Dialog mit Petros, dem Nachbarn, stimme ich dir zu, was die Geldzählerei anbelangt. Der Leser kann wirklich nicht wissen, dass die Kreter ständig an Geld denken und immerzu von Geld reden. Ungeschickterweise setzte ich dieses Wissen einfach voraus. Ich werde diese Textstelle also abändern.

”Nicht nur, dass es stinkt, nein, jetzt kommen noch diese fliegenden Sopranistinnen, die mir mit ihren hohen Frequenzen das Gehör zerstören. Wenn du etwas trinken möchtest, bedien‘ dich. Folge den Sängerinnen in die Küche!”
Ich verberge ein Lächeln.
”Durch den Geruch darfst du dich übrigens nicht stören lassen, in einem guten halben Jahr wird er verschwunden sein!”
„Warum stellst du ihn nicht endlich zur Rede?“, frage ich.
Frau Glück windet sich. „Ach nein! Er hatte sicher seine Gründe.“
„Er soll den Schaden wieder gut machen. Überleg‘ es dir. Wir können gleich losgehen.“

Meinst du mit den Sopranistinnen die Mücken? Ich weiß nicht warum die auf dem Weg in die Küche sind.
Ich kann eigentlich nur glauben das es Mücken sind weil die Fliegen… die kommen ja nicht jetzt erst oder? Waren die nicht schon vorher da? Die allerdings würden vielleicht in die Küche fliegen. Hm, ich weiß es nicht.
Der Dialog wieder… hm… nein, auch dieser überzeugt mich nicht. Und in den folgenden Absätzen kommen noch weitere davon, die ich aber nicht alle aufführen brauch, nur um das Gleiche wie hier noch mal drunter zu schreiben.

Mit den Sopranistinnen sind Fliegen gemeint. Womöglich sind die „Schwärme“ wirklich etwas übertrieben. Es sind aber viele Fliegen. Viel zu viele Fliegen. Eine grauenhafte Fliegenplage eben. Die schwirren dann auch Richtung Küche. Klinge ich, als würde ich mich rausreden wollen? ;)

So, das wars erst mal. Dass es der Geschichte an Substanz fehlt, höre ich zum ersten Mal und will einfach mal abwarten, ob es jemanden gibt, der es ähnlich sieht. Ich war zwar nicht 100%ig vom eigenen Text überzeugt, vermutete auch, dass er sicher über einige Längen verfügt, wäre aber nicht auf die Idee gekommen, ihn so zu kürzen, wie du es anregst. Das wäre nämlich dann sehr viel und entgegen meiner Überzeugung kann ich das nicht durchziehen. Sicher gibt es einige Informationen, die ich beim Leser nicht einfach so hätte voraussetzen sollen. Das sehe ich ein. Die Beschreibung der Taverne geriet so ausführlich, weil sich Alexis‘ Leben dort abspielt. Die Story befasst sich mit einer bei Vollmond ausgeführten Tat und deren Konsequenzen. Selenes Auftauchen am Ende sollte den Kreis wieder schließen. Vielleicht ist das bei dir nicht so angekommen und du fühltest dich, was die Aussage angeht, orientierungslos.

Liebe Grüße
Majissa
 

JoshHalick

Mitglied
Na da bahnt sich ja was an, klingt nach einem geheimen Indianerstamm…
… schlappe Wollmaus, flechtende Möndin und gründliches Adlerauge … klingt aber auch verdammt gut!



Doch liebe Majissa, kommen wir zur Sache:



Der unbändige Drang, zu krähen, kommt etwa eine Viertelstunde später und scheint seinen Ursprung irgendwo zwischen Darm und Magen zu haben. So leise es geht, aber unter heftigem Kopfnicken, verlässt Alexis das Ehebett, presst sich die Hand vor den Mund und hüpft mit seinem Lieblingsmesser in die Nacht hinaus. Niemand hört den Geißbock schreien.


Hm...hier weiß ich nicht, was du meinst, Josh. Was klang für dich nicht so?



Hab ich da nichts fett gemacht? So was. Ich meinte das „aber“ in: So leise es geht, aber unter heftigem…. Aber… das klingt so nach… wie soll ich’s nur sagen, na in jedem Falle komisch!


Alexis ist entschlossen, sich des geopferten Tiers zu entledigen, hieft es auf den Rücksitz seines Autos und fährt ein Stück die Serpentinen hoch. Er parkt den Wagen unmittelbar vor der kleinen Schlucht direkt neben Frau Glücks blauem Haus. Dort zieht er den Geißbock aus dem Auto, nimmt ihn bei den Vorderhufen und wuchtet ihn sich auf den Rücken.

…wuchtet ihn sich auf den Rücken… Das könnte man auch schöner formulieren.

Ja? Dazu fällt mir auf Anhieb keine Alternative ein. Ich möchte mich auch nicht unbedingt davon trennen. Wuchten muss er den Geißbock, da er schwer ist. Ein Schwingen wäre hier zu sanft. Anstelle des Rückens könnten die Schultern herhalten. Aber ist es dann noch das, was ich ausdrücken wollte? Nein. Der Geißbock liegt ja auf dem Rücken auf. Oder stießest du dich an der Konstruktion „ihn sich“?


Ja es ging mir allein um die Kombination von „ihn“ und „sich“. Wuchten soll er ihn auf jeden Fall, seh ihn vor mir wie einen Gewichtheber, fehlt nur noch der Strampler… hm.


Mit seinen 55 Jahren ist Alexis immer noch attraktiv. Sein Leben, das er hauptsächlich auf dem Meer beim Fischfang zubrachte, hat ihn nicht gerade stärker, aber zäher gemacht. Sein Gang ist leicht und nahezu tänzelnd, wenn er einmal nicht schwere Lasten hebt oder am Meer vor einer Wanne mit frisch gefangenem Fisch hockt, den er mit geschickten Handbewegungen sorgfältig ausnimmt und reinigt.

Hier störte mich das sein Gang leicht und nahezu tänzelnd ist, es sei denn er hebt schwere lasten oder er hockt vor einer Wanne. Irgendwie klar das er da nicht tänzelt, er geht ja nicht mal :eek:P Davon abgesehen, den Fisch kann ich noch verstehen, das trägt zum Bild bei… es ist ja ganz spezifisch der Fisch und das gehört zu ihm, aber diese schweren Lasten…

Du hast Humor! Ich musste echt lachen, weil ich mir Alexis in der Hocke tänzelnd vorstellte. Und streng genommen muss ich dir recht geben. Wer vor einer Wanne hockt, kann wohl nicht tänzeln. Ich habe das gestern abend mal ausprobiert und es fiel mir verdammt schwer. Aber hier wird ersichtlich, wie gründlich du doch liest. Mir selbst wäre das nie aufgefallen. Die schweren Lasten machen dir zu schaffen? Meinst du, man hätte hier noch explizit auf die Lasten eingehen sollen?


Jaja, das meinte ich. Es wäre ja ne Chance zu zeigen was er so macht usw. Weißt was ich meine? Es ist einfach so undefiniert… kann man das so sagen? Na ja, aber schwere Lasten… das könnte ja alles sein und das obwohl du es sonst immer so genau nimmst doch auf einmal kommen nur schwere Lasten und man fragt sich: Was für schwere Lasten denn? Jetzt werde ich neugierig. Ich will alles über diese Lasten wissen!
So ungefähr. O.k. ich gebe zu, vielleicht würde es niemand merken, aber solche Dinge und da bringt mich keiner von ab, wirken sich ganz unbewusst negativ auf den Lesespass aus.

In dieser Vollmondnacht und unter dem Gewicht des Kadavers auf seinem Rücken wird aus dem Tänzeln starkes Schwanken. Unter erstickten Flüchen erreicht Alexis den Rand der Schlucht und begibt sich schwer atmend in gebückte Haltung. So ruht er sich eine Weile aus und hofft, dass ihn kein Mensch entdeckt.

Hier gefiel mir das… unter erstickten Flüchen… nicht so. Dann das … „begibt sich schwer atmend in gebückte Haltung“. Im Ersten Moment mag es so scheinen als entspräche diese Beschreibung dem üblichen Erzählstil, auf den zweiten Blick passt sie für mich nicht mehr. Ich kanns nicht recht begründen, das ist nur so was intuitives.

Hier siehst du mich samt Geheimrat bocken! Natürlich flucht der gute Alexis mit dem bißchen Luft, das er unter der Last des Bockes noch hat und selbstverständlich begibt er sich schwer atmend (das Fluchen hat ihm ja noch mehr Luft genommen) in gebückte Haltung.


Ei, ei, ei! Ich drücke mich zu unverständlich aus, merke ich gerade. Es war nur die Formulierung, warum sollte ich etwas gegen erstickte Flüche haben die sind ja gängig. Ich denk es war so die Kombination… unter erstickten Flüchen erreicht er den Rand der Schlucht… Ach ich weiß auch nicht. Ich bin doof.


Dann das entdeckt. Mir hätte besser gefallen, hätte dort gestanden, das er hofft ihn würde niemand beobachten, denn wenn du entdeckt schreibst, stelle ich mir vor das sehr viele Leute um ihn herum sind (du weißt wie ich das meine? Blöd ausgedrückt) von denen ihn einer entdecken könnte. Also hier fände ich ein andere Wort besser, und wenn du nur schreibst er hoffe ihn würde niemand sehen….

Ha! Du liest wirklich genau. Auf Kreta ist es so, dass immer Leute um einen herum sind und glotzen. Aus allen Ecken und Nischen und 24 Stunden am Tag. Ein neugieriges Volk eben. Gesehen werden kann man immerzu. Egal, bei welcher Tätigkeit. Aber woher sollst der Leser das wissen? Es ist natürlich eine Kleinigkeit, die anderen gar nicht auffiel. Ich werde aber „entdecken“ durch „beobachten“ ersetzen.


Wie schön! Nun hab ich meine Schuldigkeit getan! Aber bitte hör doch auf zu erwähnen das dass was ich sage anderen nicht auffallen würde, ich krieg schon Komplexe! Vergiss nicht, der Teufel steckt im Detail! Versuche nur ihn dir auszutreiben!

Um die Strafbarkeit der Aktion indes macht sich Alexis keine Sorgen, da er den Geißbock als biologischen Abfall und sich selbst als das Opfer zwanghafter Handlung ansieht.

Hier ist es das „indes“. Eigentlich traue ich dir nicht zu das du so ein Wort falsch platzierst. Ich muß aber trotzdem sagen das ich es anders gemacht hätte, allein des Klanges wegen.

Ich habe mal nachgeschaut. Zumeist findet sich „indes“ nach dem Verb. Aber ich stieß auch auf folgendes Beispiel: „Der spanische Außenminister Pique indes bekräftigte, dass sich die EU sehr wohl die Möglichkeit von Sanktionen vorbehalte.“ (Quelle: Der Spiegel ONLINE)
Meines Erachtens klingt das sehr elegant.


Ja das tut es! Aber eben befremdlich doch ich kann damit leben!

„Ein Lämmchen lief ihm vors Auto! Hört hört! Hatte das Lämmchen denn ein hübsches Kleidchen mit nichts darunter an?
Alexis wird zornig. „Ich hasse es, wenn du in der dritten Person von mir sprichst, so als wär‘ ich gar nicht da.
„Wenn es nach mir ginge, wärst du auch gar nicht mehr da“, keift Sofia und verlässt wütend das Schlafzimmer.

Hier würde ich das … nichts drunter an… undbedingt streichen. Nun gut es ist ein Lamm, es ist witzig wenn dies Lamm ein Kleidchen anhat, weil es das für gewöhnlich nicht hat, aber ist es genauso witzig wenn man die Aufmerksamkeit auf dessen Unterwäsche lenkt die es von Natur aus sowieso nicht trägt?
Der darauf folgende Satz von Alexis war zu konstruiert. Als stünde er nur da, damit Sofia dann genau so wie sie antwortete auch antworten kann. Du weißt wie ich es meine? Es klingt nicht echt. Da würde es schon helfen, wenn du die dritte Person weglässt, wenn er so etwas schon sagt… dritte Person dann wäre es untypisch das noch zu erklären. Sogar wenn er weiß, das sie nicht weiß, was dritte Person bedeutet. Dann nämlich würde er, so sehe ich das, erst gar nicht mit der dritten Person anfangen. Vor allem nicht in dieser Situation.

Hm...so, wie du es erklärst, wirkt es nun wirklich etwas konstruiert. Das versuche ich lockerer zu gestalten.


Also o.k. bei dem Lämmchen habe ich mich geirrt, das wurde mich schon mitgeteilt. Ich sah eben nur noch das Lamm mit den Schlappohren und dem feschen Kleidchen und vergaß über diesen Anblick ganz wofür das Lämmchen eigentlich steht. Dennoch finde ich: mit nichts drunter an… ist nicht die beste Wortzusammenstellung die ich je in meinem Leben hörte. Das „denn“ mochte ich auch nicht, aber das verschweige ich.

Der Verwesungsgeruch am Rand des Gemüsebeets passt den nächsten Luftwirbel ab, versenkt sich in ihm und marschiert von dort aus geradewegs in die Nasenlöcher von Frau Glück, die augenblicklich von ihrer großen bequemen Hängematte aufspringt und laut zu fluchen beginnt.

Diesen Absatz würde ich streichen. Es ist nicht so das es nicht ganz komisch wäre, aber die Eigenständigkeit des Geruchs passt für mich nicht in diese Geschichte. In einer anderen ja, aber in dieser?

Streichen? Pah! *zetert fürchterlich*


Nicht streichen? Doppelpah!

Ein Wort zu den Ratten: Es gab den Tierkadaver tatsächlich. Ebenso die Ratten (in der von mir beschriebenen Gegend gibt es unzählige) und die in Schwärmen auftauchenden Fliegen. Der Kadaver lag in einer kleinen Schlucht. Léllo – auch er ist real – schleppte jeden Tag Ratten an. Er warf sie wirklich vor die Terrasse, spielte ein wenig mit ihnen herum und tötete sie dann mit einem Biß ins Genick. Das sah ich selbst. Es mag für einen Hund atypisch sein, aber für Léllo war das wohl normal. Er schleppte auch Kätzchen an. Er trug sie sanft im Maul und legte sie auch vor der Terrasse ab. Knacken deine Hunde eigentlich auch so gerne Nüsschen?

Gut, die Ratten wurden also geprüft und getestet, dann gebe ich mich geschlagen. Der Hund, ach ich fand eigentlich nur untypisch das er so wenig mit den Ratten spielt, meine wären noch drum herum getänzelt und hätten mit der Pfote drauf rumgepatscht und so. Aber so genau muß man es ja selbst wenn es nicht das wahre Verhalten wäre (WÄRE!!!) auch nicht nehmen. Gibt ja immer Querschläger.
Nüsschen! O ja! Und das ist ne Sauerei kann ich dir sagen! Schlimmer noch wenn sie son Zeugs vergraben und wieder rausholen wenn der Schimmel dran nagt *schüttel*.
Kätzchen! Ach da kann ich dir auch was erzählen, meine Hündin adoptierte mal einen kleinen Stoffhasen, auf den hat sie sich dann immer draufgeringelt zum schlafen. Dann hat sie ihn eines Tages im Garten verbuddelt und erst am nächsten Tag wieder rausgeholt, ich frag mich bis heute was das zu bedeuten hatte. Später kamen dann noch zwei Adoptivstofftiere dazu, war putzig.


Soso, die Blumeninnung ;)) Ein herrliches Beispiel. Nein, im Ernst...du hast mich erwischt. Die Kosmetikgeschichte wirkt wirklich konstruiert. Ich dachte, damit durchzukommen. Hmpf.

*seufz* endlich einmal Recht gehabt.

Auch Petros, der Nachbar, ist von der Rattenplage betroffen.
”Wir müssen etwas unternehmen!”, sagt er eines Tages, als er herüber kommt und mit verschränkten Armen vor Frau Glücks Terrasse stehenbleibt.

..sagt er eines Tages… Ich hab ja im Grunde genommen keine Probleme wenn Geschichten in der Gegenwart spielen… aber wenn ich eben in der Gegenwart war und dann die Gegenwart zu einer „eines Tages Gegenwart“ wird, dann stört das beim lesen. Kann man das nicht anders regeln?

Nein! Oh Gott, nein. Ich hatte die Story bereits in der Vergangenheitsform, geriet dabei fortwährend in die Plusquamperfektfalle und entschloss mich dann endgültig für das Präsens. Was ist denn an „eines Tages“ in der Gegenwartsform so ungewöhnlich? Das las ich schon oft.


Hm! Hm! Hm! Nun ja. Eines Tages liegt eben immer in der Zukunft und nicht in der Gegenwart. Ich hab mir da jetzt lange drüber Gedanken gemacht. Das ist doch eine sehr verteufelte Lage! Find ich zumindest. Also was eines Tages anbelangt, so hörte ich mal das man derartige Zeitangaben nicht in der Gegenwart machen darf, es sei denn du schreibst: eines Tages werde ich einen Flohzirkus eröffnen….
Aber ich frag mich eben ob man so in der Gegenwart rumhüpfen kann wie du es tust. Ich weiß es nicht aber vorstellen kann ich es mir überhaupt nicht. Aber hier ok, das wirst du besser wissen als ich… obwohl, nein wirklich ich finde es schon komisch wenn ich mir vorstelle ich sitze hier in der Gegenwart und mit einem Mal bin ich im Eines Tages… das gäbe mir schon zu denken… doch lassen wir das. Ich fürchte etwas falsches zu sagen. Mund zu!



”Nicht nur, dass es stinkt, nein, jetzt kommen noch diese fliegenden Sopranistinnen, die mir mit ihren hohen Frequenzen das Gehör zerstören. Wenn du etwas trinken möchtest, bedien‘ dich. Folge den Sängerinnen in die Küche!”
Ich verberge ein Lächeln.
”Durch den Geruch darfst du dich übrigens nicht stören lassen, in einem guten halben Jahr wird er verschwunden sein!”
„Warum stellst du ihn nicht endlich zur Rede?“, frage ich.
Frau Glück windet sich. „Ach nein! Er hatte sicher seine Gründe.“
„Er soll den Schaden wieder gut machen. Überleg‘ es dir. Wir können gleich losgehen.“

Meinst du mit den Sopranistinnen die Mücken? Ich weiß nicht warum die auf dem Weg in die Küche sind.
Ich kann eigentlich nur glauben das es Mücken sind weil die Fliegen… die kommen ja nicht jetzt erst oder? Waren die nicht schon vorher da? Die allerdings würden vielleicht in die Küche fliegen. Hm, ich weiß es nicht.
Der Dialog wieder… hm… nein, auch dieser überzeugt mich nicht. Und in den folgenden Absätzen kommen noch weitere davon, die ich aber nicht alle aufführen brauch, nur um das Gleiche wie hier noch mal drunter zu schreiben.

Mit den Sopranistinnen sind Fliegen gemeint. Womöglich sind die „Schwärme“ wirklich etwas übertrieben. Es sind aber viele Fliegen. Viel zu viele Fliegen. Eine grauenhafte Fliegenplage eben. Die schwirren dann auch Richtung Küche. Klinge ich, als würde ich mich rausreden wollen? ;)


Nein ganz und gar nicht, ich glaub dir ausnahmslos alles, nur die Wahrheit nicht. :eek:P



Das war also das Wichtigste. Nein also ich bleibe dabei, dieses auftauchen der ganzen Familie das halte ich für überflüssig, absolut. Das tut doch überhaupt nichts zur Sache. Es tut auch eigentlich nichts zur Sache wie Alexis lebt. Ganz einfach weil seine Rolle dafür zu klein ist.
Du schriebst doch: „Die Story befasst sich mit einer bei Vollmond ausgeführten Tat und deren Konsequenzen.“
So das ist der Inhalt und alles was nicht zur Handlung beiträgt (nicht alles, wir wollen ja nicht übertreiben [es stünde ja nur noch ein Knochen Gerüst da] aber alles etwas minimieren!) fliegt raus.
Ich kann es schlichtweg nicht nachvollziehen wozu ich wissen muß wer Neffen, Vetter, Tanten, Onkels usw. sind um die Geschichte zu verstehen und Spaß daran zu haben. Ich fand den Abschnitt ja gut, wie ich schon sagte und fände es auch sehr schade wenn das alles nicht mehr da wäre aber wenn ich nun auf die ganze Geschichte blicke… so im Ganzen, dann stört es das Bild, führt zu weit ab vom Weg. Wenn du es doch nur etwas unauffälliger einbinden könntest in die Geschichte, Stück für Stück… Es wäre schon eine Bereicherung (für mein Empfinden, versteht sich!!!) wenn diese Leute so kleine Parts mitten in der Story hätten und dadurch würde alles noch um einiges lebhafter und bunter werden… Aber als ich das las, diesen Abschnitt über die Familie, ganz ehrlich da fragte ich mich: Warum stand oben was vom Vollmond? Das tut ja scheinbar gar nichts zur Sache, dann als es wieder darum (um den Vollmond) ging, fragte ich mich: Warum war ich denn jetzt in der Taverne, es geht ja doch um den Vollmond. Wenn das jetzt ein Roman wäre, oder eine längere Geschichte könntest du dir ja derartige Freiheiten nehmen aber so in Anbetracht der Länge…
Ich finde es einfach nicht richtig das unbeteiligte Personen verhältnismäßig mehr Beachtung finden als die Aktivisten… ja Aktivisten. Das ist so als ob diese schöne, ja eigentlich gradlinige Geschichte irgendwo ne Delle hat.
Das musste ich jetzt noch mal betonen, das lag mir auf dem Herzen.

Von all dem abgesehen muß ich dir noch in einem Punkt widersprechen, es ist nicht richtig das ich mit dem Thema nichts anfangen kann, und es ist auch nicht so das die Geschichte mir nicht gefallen hat oder ich etwas gegen deinen Erzählstil habe. Ich fand nur das all dies ein paar winzige Schwächen hat, das ist alles. Zudem lasse ich meinen persönlichen Geschmack was Themen anbelangt außen vor, und wenn das mal nicht so ist erwähne ich es eigentlich.
Da irrst du dich also! So Ende.

Die besten Grüße
Josh
 

Grit1962

Mitglied
Mondsüchtig

Hallo Majissa,

ich gehöre nicht zu den Menschen und werde es wohl nie, die sich Gedanken darüber machen, wer bei Gericht etwas zu Protokoll nimmt, oder ob ein Komma an der Stelle nun passt, oder nicht. Nicht das man mich jetzt falsch versteht, mir fallen solche Sachen einfach nicht auf, wenn mich eine Geschichte in ihren Bann zieht.
Und das hat sie.

Besonders gefällt mir dein Humor hier, über den ich lachte und schmunzelte und auch das Skurrile hat was.

Wenn ich hier manche Geschichten lese, wünsche ich mir,ich könnte so schreiben. Nicht alles, aber tatsächlich bin ich auf einige Sätze hier wirklich neidisch ;-)

Genial

Viel Spaß noch
Grit
 

majissa

Mitglied
Liebe Grit,

schön, dass du dich durch die lange Story gekämpft und auch noch einen Kommentar geschrieben hast. Das hat mich wirklich gefreut, weil es nicht selbstverständlich ist. Noch mehr aber, dass dich der Text gefangen nahm. Was will sich ein Autor mehr wünschen? Im übrigen wünsche ich mir auch oft, anders oder besser schreiben zu können. Je nachdem, welchen Text ich gerade vor mir habe. Wahrscheinlich geht es jedem mal so.

Es macht überhaupt nichts, dass du keine Fehler gefunden hast...;)

Danke dir noch mal.

Liebe Grüße
Majissa
 
Fantastisch!

Liebe Majissa,

was soll ich sagen? Ich bin ganz hingerissen von Deiner Mondsucht! Dein Erzählen hat Wucht, Schärfe und Souveränität. Was soll ich mehr bewundern, Deine unsentimentale Beobachtungsgabe, die "Fellini-esque" Originalität der Charaktere, den derben Witz, die Eindringlichkeit der Symbole…? Aber ich will Dich nicht in Komplimenten ertränken. Etwas sollte ich doch kritisieren. Aber es ist schwer in Worte zu fassen. Vielleicht ist es eine leichte stilistische Inkongruenz zwischen Deinem Witz und den Charakteren. Die Personen Deiner Erzählung, und die Schärfe mit der Du sie schilderst, sind "zeitlos" und haben etwas "Archetypisches", etwas von "Weltliteratur", während Dein Witz manchmal etwas mehr an einen bestimmten (deutschen) Lesertyp gerichtet ist. Wenn Du willst, kann ich ein paar Beispiele geben.

Zunächst herzlichen Glückwunsch!

Rolf-Peter
 

majissa

Mitglied
Lieber Rolf-Peter,

was für eine schöne Überraschung, dich mal wieder hier zu lesen. Und dann gleich so viel Lob für mein Werk! Bei der Stelle "...etwas von Weltliteratur" wurde mir kurz schwarz vor Augen und ich drohte wirklich, im "Lob" unterzugehen.
Aber dann hangelte ich mich an dem von dir zugeworfenen "Kritik-Ring" wieder nach oben. Danke dir.

Interessant, was du über die stilistische Inkongruenz zwischen Witz und Charakteren schreibst. Da möchte ich ganz unbedingt mehr von dir erfahren, wenn du ein paar Beispiele parat hast. Denn ich ahne, dass das, was du schwer in Worte fassen kannst, genau das ist, was mich beim Schreiben quält und sich partout nicht greifen lassen will. Sollte ich rätselhaft klingen, so liegt das schlicht an der Hitze. Was ich eigentlich sagen will, ist, dass ich beim Schreiben schon merke, dass Witz und Ernsthaftigkeit sehr oft auseinanderdriften und sich nicht zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen lassen wollen. Diese Unstimmigkeit nervt mich dann und ich weiß nicht, woran es liegt, frage mich, ob ich es ernsthafter oder humorvoller angehen soll. Vielleicht helfen mir deine Beispiele da weiter.

Ich muss einfach wissen, was es mit dem (deutschen) Lesertyp auf sich hat.

Liebe Grüße
Majissa
 
Zusammengesetzte Amphibien

Liebe Majissa,

hier nun, wie versprochen, die Beispiele. Aber vielleicht sollst Du nicht zuviel darauf geben, da diese sicher - nach einem Vierteljahrhundert "Exil" - nur mein sehr subjektives Empfinden beim Lesen widerspiegeln.

Deine Einleitung nimmt unmittelbar gefangen und verführt mich zum Weiterlesen, aber es gibt soviel (modernen) Pfeffer darin, dass dann leider der Anfang der Erzählung, wenn Du die ersten Szenen auf Kreta schilderst, zunächst etwas fade schmeckt. Der Stil dieser Einleitung (und auch ein paar Metaphern später) erinnert mich an Deine Satire "Membrum Virile", während der eigentliche Kern der Erzählung mehr Deinen Kreta Werken entspricht, wo ja der "Pfeffer" direkt aus dem Charakter der Personen kommt. Dein Erzähler beobachtet mit einem deutschen und einem kretischen Auge. Eigentlich ist das sehr reizvoll, aber diese ausdruckslosen "wissenschaftlichen" Begriffe stören mich dann doch, diese kalten, amphibischen zusammengesetzten Hauptwörter (Abwehrstellung, Paarungsverhalten, Kopulationsverhalten, Bluttest, Grundstück), obwohl Du alles ironisierst, aber es verletzt etwas die zeitlose Ironie, die ja bereits in den Personen liegt. (Und übrigens, wenn schon die blöde Wissenschaft, dann sind die Laubfrösche sicher auch eher eine Ordnung der Amphibien und nicht der Reptilien.) Mich stören auch ein paar andere nicht sehr ausdrucksvolle Begriffe wie debattieren, traktieren, Strafbarkeit, biologischer Abfall etc. Das (Un)wesen dieser Begriffe paßt irgendwie nicht nach Kreta. "Ordnungsgemäße und schnelle Entsorgung verstorbenen Nutzviehs": das mag vielleicht gehen, da es dem "Glückschen" Denken entspringt, aber auch dieser Witz stört mich hier etwas.

Also, das wär’s bereits. Nimm dies nicht zu ernst, denn es entspringt nur meinem nicht sehr klar definierten subjektiven Gefühl. Ansonsten läßt mich Dein Einfallsreichtum sowohl er- als auch verblassen.

Herzlichen Glückwunsch nochmals und liebe Grüße,

Rolf-Peter
 
Also gut, der Vollmond:

1. "Gern sperrt er kleinere Kinder in die Tiefkühltruhe, die draußen vor der Taverne [strike][red]steht[/red][/strike] [blue]stehen[/blue]."

2. Ein fehlendes Komma, eine m.E. unpassende Formulierung: "Zufrieden öffnete er eine Flasche Heineken, die er im Fußraum deponiert hat[blue],[/blue] und trinkt sie [strike][red]mit wenigen Schlucken[/red][/strike] [blue]in einem Zug leer[/blue]."

3. "Wenn es [strike][red]ginge [/red][/strike][blue]möglich wäre[/blue], würde Frau Glück auch schlafend rauchen." - "ginge" ist Umgangssprache...
 

Mumpf Lunse

Mitglied
liebe majissa,
die geschichte ist so wie sie ist wunderbar.
entsprechend habe ich sie auch bewertet.

einzig eine stelle hat in mir fragen aufkommen lassen:
... das Paarungsverhalten des Laubfrosches nachzuahmen, was den Süchtigen zwangsläufig in das dichte Geäst der Bäume zwingt. Dort wartet er mit froschigem Blick auf die geeignete Frau, um sie aus der Deckung heraus hinterrücks anzuspringen und zu begatten, wobei er sich mit heftigem Schwanzwedeln am weiblichen Rücken festklammert, bis die Paarung vollzogen ist.
frösche haben keinen schwanz - zumindest bin ich ein überzeugter anhänger dieser ansicht - da es sich ja nicht wirklich um einen frosch handelt ist das eigentlich auch kein problem.
das sich froschig verhaltende menschenmännchen hat natürlich einen solchen. jetzt denke ich dauernd darüber nach wie ich (männchen) eine paarung vollziehen soll während ich mit dem selben wedle. verfügst du über kenntnise die mir bisher verborgen blieben oder reicht meine diesbezügliche fantasie einfach nicht aus?
steigen laubfrösche wirklich auf bäume um sich zu paaren?
resüme: deine geschichte hat nicht nur einen hohen unterhaltungswert sie regt auch zum nachdenken an.

liebe grüße
gunter
 

majissa

Mitglied
Hallo Alexander,

danke auch hier für die Anregungen, die zur Verbesserung des Textes beitragen werden. Nur der erste Punkt ist etwas missverständlich. Die Tiefkühltruhe steht vor der Taverne. Nicht die Kinder.

Lieben Gruß
Majissa
 

majissa

Mitglied
Lieber Gunter,

dass du „Vollmond“ wunderbar findest, freut mich enorm. Danke auch für die Bewertung. Kommen wir zur Paarung…;)

Was ritt mich nur, einem Frosch dies zusätzliche Organ anzudichten? Und wieso fiel mir das bisher nie auf? Ich bin wirklich fassungslos. Ich kann es mir nur so erklären, dass ich an eine Kaulquappe dachte, die ja durchaus noch einen Schwanz besitzt. Später nach der Bildung von Vorder- und Hinterbeinen bildet er sich jedoch zurück. Vielleicht hatte ich auch einen Schwanzlurch im Kopf. Wie dem auch sei – da muss ich nun für besagte Textstelle einen entsprechenden Ersatz finden. Wie fändest du den „Winkelzahnmolch“? Na ja, um ein wenig Recherche komme ich da wohl nicht herum.
In meiner Geschichte steigen mondsüchtige, die sich laubfroschig fühlen, natürlich auf Bäume, weil sie es nicht besser wissen und ja halb Mensch, halb Tier sind.

Zum Schwanzwedeln:

„…Wenn das Weibchen folgt, d.h. wenn es die Schwanzkante des Männchens mit der Schnauze berührt, legt das Männchen ein Spermienpaket - eine sogenannte Spermatophore - auf ein Steinchen o.ä. ab und führt durch Wedeln mit dem Schwanz das Weibchen darüber, das dann das Paket mit der Kloake aufnimmt…“

Quelle: http://www.hansthiele.de[/i]

Ist das nicht entzückend?

Ich bin dir wirklich dankbar für die Aufdeckung dieses Logikfehlers.

Lieben Gruß
Majissa
 

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