Vom Mengerschwamm ein halbes Gramm (Überarbeitete Version)

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Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich ging als Kind in Baden-Baden
im Sommer mal in einen Laden,
es war die Meier-Drogerie,
was dort geschah, vergess' ich nie.

„Was möchtest du denn gerne haben?"
„Ich möchte für die Hausaufgaben
ein kleines bisschen Mengerschwamm,
ich brauche nur ein halbes Gramm.“

Und der Drogist bat mich, zu warten,
auch hätte ich sehr gute Karten,
die Waage wäre neu justiert,
sie wäre gut und frisch geschmiert,

auch sei noch Mengerschwamm auf Lager,
der sei nicht grad ein Kassenschlager
und doch genau, wie er sein soll,
- und bald schon war die Waage voll;

doch statt, wie üblich, auszuschlagen,
schien hier die Waage nichts zu tragen,
ein reines umfangreiches Nichts
im blassen Scheine blassen Lichts.

Und der Drogist begann zu schleppen,
um das Ergebnis aufzupeppen,
bald füllte sich das halbe Haus,
jedoch, der Zeiger schlug nicht aus.

Doch der Drogist, von alter Garde,
trug Mengerschwamm bis zur Mansarde,
und viel viel höher, so Gott will,
der Zeiger stand, stocksteif und still.

Gefüllt sind Häuser, Parks und Wege,
damit der Zeiger sich bald rege,
der zeigt nicht mal ein Pikogramm
von all dem vielen Mengerschwamm.

Trotz all dem Schicht-auf-Schichten-Schichten
und selbst trotz Mengerschwammverdichten
wiegt nichts der ganze große Berg!
Und weiter geht das große Werk!

Der Schwamm, der reicht - man kann es ahnen -
bis hin zu den Planetenbahnen -
das All, mit Mengerschwamm gefüllt,
ist völlig darin eingehüllt;

der Mengerschwamm füllt Sternenmeere
und hat doch nicht die kleinste Schwere,
das reicht nicht für ein halbes Gramm -
und überall ist Mengerschwamm.

Ich würde ohne Hausaufgaben
bald jede Menge Ärger haben,
dabei brauch ich vom Mengerschwamm
gerade mal ein halbes Gramm.
 

SánchezP

Mitglied
Hallo Bernd,

gleich mal vorweg: Dein Gedicht ist wunderbar, eine wahre Meisterleistung! Ich bin sehr beeindruckt!

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, mathematischen Inhalt in Gedichtform zu vermitteln. Du hast das in deinem Werk sowohl sprachlich als auch inhaltlich hervorragend hinbekommen.

Fraktale Mengen sind schon etwas besonderes, es fängt schon mit der eindimensionalen Cantor-Menge an, geht mit dem zweidimensionalen Sierpinski-Dreieick weiter und in der dritten Dimension gibt es dann den Menge-Schwamm: Ein Objekt mit unendlicher Oberfläche und einem Volumen von Null.

Hast Du auch schon mal ein Gedicht über Torricellis Trompete geschrieben?

Viele Grüße
Sánchez
 
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