Von Düne und Glas

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die kann nicht stillsitzen
_______________________die zeit
wie willst du sie schließen in ein verlies
dort sie auf und ab und nicht wieder hinaus
_______________________steigt


so hast du gesprochen da bliest du ein glas
ganz aus deiner haut damit
schlossest du ein
_______________________die zeit
und den goldenen sand


da stehst du nun zoll
im mittigen knoten
_______________________des glases
das rinnsal des goldenen sandes fließt
vorüber an dir


und durch ihr korn sehnst du
_______________________ein garn
zu stoßen
zu binden das eine nahe dem anderen korn


zu tragen die körner wie perlen
_______________________wie ein collier
das ist geschlagen an einem ende
mit einem nagel


in den balken vom dach
 
Zuletzt bearbeitet:

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Eis ohne Vergangenheit,

ein interessantes Gedicht, in das ich mich sehr gerne vertieft habe.
Mir sind nur einige Sachen aufgefallen:

die kann nicht stillsitzen
_______________________die zeit
wie willst du sie schließen in ein verlies
dort sie auf und ab und nicht wieder hinaus
_______________________steigt
Das hört sich etwas gestelzt an. Warum nicht:
dort steigt sie auf und ab und nicht wieder hinaus

und den goldenen sand der zeit
In der zweiten Strophe ist "der zeit" m. E. entbehrlich. Das geht aus dem Zusammenhang hervor.

da das rinnsal des goldenen sandes fließt
Hier könnte man das "da" streichen.

und durch ihr korn sehnst du
_______________________ein garn
zu stoßen
zu binden das eine nahe dem anderen korn


zu tragen die körner wie perlen
_______________________wie ein collier
das ist geschlagen an einem ende
mit einem nagel


in den balken vom dach
Zu den letzten beiden Strophen gibt es nichts zu sagen, außer, dass sie in ihrer bildhaften Sprache ganz ausgezeichnet gelungen sind.

Liebe Grüße
Manfred
 
Vielen Dank für deine Empfehlungen, Manfred,
Ich hatte schon befürchtet, das Gedicht wird gar nicht mehr gelesen und für peinlich langweilig empfunden.

Ich habe gleich zwei deiner Änderungen angenommen, die haben mir beide gefallen, die letzten beiden. Du hast auch beim ersten recht; das klingt ungewollt pathetisch. Da muss ich mir noch etwas einfallen lassen, denn mit deiner Änderung läse es sich nicht mehr als Frage...aber ich danke für den guten Hinweis!
 

Mondnein

Mitglied
Der Nagel, liebes Eis,

und dann vor allem der Balken vom Dach am Ende, - klingt völlig aus dem Konzept geraten, nachdem die große Metapher von der Sanduhr so reichhaltig ausgestaltet worden ist.

Nun ja, das Garn paßt auch nicht gut ins Bild, aber die surreale Seite der Dichtkunst lebt von Metaphernbrüchen, denn wir sind darin frei. So ist die Sanduhr etwas bildbrüchig unter die Haut geraten. Nun ja.

Aber der Balken vom Dach, der Nagel, an dem das Collier hängt, das aus den Körner der Sanduhr geschmiedet ist, ... ... ...

grusz, hansz
 
Der balken, lieber mondnein,

und das collier aus den körnern geflochten, das daran befestigt ist, sollten auf einen Strick um den Hals, getragen wie ein collier, raten lassen. Ich muss versagt haben, wenn das nie zu vermuten war, vielleicht hat mich da eine kleine Idiosynkrasie in meine kryptischen Tümpel geführt.
Ich danke dir, dass du es gelesen hast.
 

Mondnein

Mitglied
Nicht schlecht, die schließliche Strick-Metapher, so verstehe ich es besser.

Die Schwierigkeit liegt im Metaphernwechsel von Sanduhr zu Faden, von Faden zu Collier, von Collier zu Strick.
 

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