Bill trat aus dem Haus, als er den Wagen seines Büro-Kollegen über den Kies fahren hörte. Arthur Fogerty stieg aus und konnte vor Staunen keinen Schritt gehen.
„Du meine Güte!“ Er schluckte. „Das ist das Paradies: Ein schmuckes Wochenendhäuschen, ein See zum Baden und Angeln, eine göttliche Ruhe und Natur, wohin man schaut. Das hätte ich nicht erwartet.“
„Du übertreibst, mein Lieber. Es ist so einsam hier; dass es manchmal wehtut. Komm ins Haus und bring dein Gepäck mit.“
Sie setzten sich, und als sie sich einen Kaffee einschenkten, betrat Danny den Raum.
„Das ist mein Sohn Danny, ein großer Angler vor dem Herrn. Er fängt immer die großen Brocken, während ich mit dem Mittelmaß zufrieden geben muss.“ Er wandte sich seinem Sohn zu. „Mr. Fogerty bleibt über Nacht. Ich nehme ihn morgen mit auf den See.“
„Dad übertreibt wieder. Er ist der bessere Angler. Noch!“ Er lachte, und Arthur musste grinsen.
„Der Junge weiß, was er will“, konstatierte er. „Wie alt bist du, Danny?“
„Elf, Mister Fogerty.“
„Nenn mich Arty, mein Junge. Wir sind doch hier unter Männern.“
*
„Bill, ich will ja nicht neugierig erscheinen, aber mich würde es interessieren, was du für das Häuschen mit Grundstück bezahlt hast. So etwas könnte auch unser Traum sein; ich meine meine Frau Alice und mich.“
„Wir haben das Anwesen vor 15 Jahren gekauft. Du weißt, wie die Preise inzwischen in den Staaten gestiegen sind.“
„Das weiß ich wohl.“
„Also, Alles in Allem rund 140 Grand.“
Arthur kam gleich auf den Punkt. „Bill, wo ist der Haken? An dem Preis kann etwas nicht stimmen.“
„Na ja, wenn du’s unbedingt wissen willst: Dieser See trägt den Namen makwa-zaaga’igan. Das ist Indigenensprache und heißt Bärensee. Und dieser Name trügt nicht. Es gibt hier tatsächlich eine Menge Bären, braune und schwarze. Es gibt die Geschichte, dass in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts ein Grizzly hier am See ein Kind zerfetzt hat, und vor 17 Jahren hatte der Vorbesitzer eine schlimme Begegnung, die ihn einen Arm gekostet hat.“
„Schlimm sowas!“ Arthur schüttelte mitfühlend den Kopf.
„Die Sache ging durch die örtliche Presse. Der Mann wollte verkaufen, aber keiner wollte das Grundstück haben, und so habe ich zugeschlagen.“
„Hattest du schon mal eine Begegnung mit einem …“
„Ich habe das Grundstück abgesichert. Das ist mit heutiger Technik kein Problem. Überall Lichtschranken mit Kameras zur Objekterkennung. Menschen, Autos und Tiere aller Art können passieren; bei Bären schlägt die Anlage Alarm. KI macht‘ s möglich.“ Arthur nickte erstaunt. „So, und jetzt lass uns was essen, und danach erzähl ich dir, was du fürs Fischen morgen wissen musst.“
„Ja, das interessiert mich sehr.“
*
Es dämmerte draußen, als Bill zwei große Boxen auf den Tisch stellte. „Ich werde dich jetzt in die Geheimnisse des Bärensees einweihen. Du wirst sehen, dass Angeln mehr sein kann, als einen Wurm im Wasser zu baden. Hier musst du Naturbeobachter sein und das Beobachtete umsetzen können. Dann wirst du auch fangen. Nur dann!“
Arthur nickte beeindruckt.
„Danny, holst du uns zwei Bier aus dem Kühlschrank?“
Der Junge brachte zwei Dosen Bier, setzte sich auf die Couch und begann zu lesen. Sein Vater öffnete derweil die Deckel der beiden Boxen. Es klimperte und rasselte, als würden feine Metallteile aufeinandertreffen, und als der Blick in die Boxen frei war, fiel Arthur die Kinnlade herunter. Was ihm offenbart wurde, war eine Sammlung Hunderter glänzender und glitzernder, ein- und mehrfarbige Kunstköder in diversen Größen und Formen.
„Erschrick nicht! Das macht alles Sinn. Diese Köder arbeiten auf verschiedene Art.“ Er griff in die Box und entnahm ihr einen metallenes, verwirrendes Konstrukt. „Schau, das hier ist ein Spinner.“
Arthur musste grinsen. „Heißt der wirklich so?“
„Ja doch, dieses Metallblättchen hier“, Bill hielt es mit zwei Fingerspitzen, „das dreht sich im Wasser ständig um den schwereren Körper. Und dabei passiert Folgendes, und jetzt steigen wir tiefer ein, Arty. Ein Raubfisch reagiert auf zwei Dinge, nämlich auf optische Attraktoren wie zum Beispiel Lichtreflexe oder Farben. Das zweite ist …“
„Daddy, Daddy, dort am Fenster! Ein Mann!“, rief Danny aufgeregt und zeigte auf eines der beiden Fenster. „Daddy …“
Bill blickte sofort auf – und sah nichts. Nur Dunkelheit hinter den Scheiben des Fensters. Keinen Mondschein, keine Sterne, nichts. „ Wie sah der Mann aus, Danny?“
„Er war alt und runzlig und hatte wenig Haare. Er sah mit seinen aufgerissenen Augen aus, als hätte er Angst.“
„Wenn jemand etwas will, soll er an die Tür klopfen, wie es sich gehört. Was ist denn so aufregend, was du da liest? Du hat bestimmt Gespenster gesehen.“
„Nein, Daddy, ganz bestimmt nicht.“
„Na gut, beruhige dich, draußen ist niemand, Danny. Du kannst weiterlesen.“ Dann wandte er sich an Arthur. „Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, der zweite Attraktor. Du hast bestimmt schon einmal die sogenannte Seitenlinie bei einem Fisch gesehen?“
Arthur nickte verhalten.
„Diese Linien sind Sensoren, mit denen ein Fisch Turbulenzen im Wasser erkennen kann.“
„Turbulenzen, sagst du? Wieso Turbulenzen?“
„Ein Fisch verursacht durch seinen Flossenschlag Verwirbelungen, die ihn verraten. So gibt zum Beispiel ein verletzter Fisch, der sich erratisch bewegt, eine bestimmte Beutesignatur ab. Und jetzt kommen wir auf die Kunstköder zurück. Sie erzeugen diese Signatur künstlich.“
Arthur griff sich ins lockige Haar. „Hätte nie gedacht, Bill, dass das Fischen so detailbezogen ist. Das ist ja eine Wissenschaft. Na ja, Halbwissenschaft. Ich bin beeindruckt. Und was ist mit den anderen Ködern?“
„Jetzt kommen wir zu meinen Lieblingsködern: Hier, das ist ein Fischchen aus Balsa …“
„Daddy, Daddy, da ist er wieder. Daddy! Dad!“ Danny zeigte aufgeregt auf das andere Fenster.
Bill legte den mit drei Drillingshaken versehen Köder vorsichtig auf den Tisch, wandte sich seinem Sohn zu und stand auf. Er schaute auf das zweite Fenster und sah wieder nichts. Nur pure Dunkelheit.
„Danny, bist du dir sicher? Hast du genau gesehen …“
„Ja, Daddy, er hat wieder hereingeschaut. Ich bin mir ganz sicher. Sein Mund hat sich bewegt, als wollte er etwas sagen.“
Bill stand auf und ging zum Fenster. Er suchte die Umgebung ab, konnte aber bei der schwachen Raumbeleuchtung draußen kaum etwas sehen. Er schaute zur Sicherheit nach rechts, nach links, nach unten und auf den See. Ihm fiel nichts auf, was seine Aufmerksamkeit erregt hätte, und so ging er zurück zum Tisch.
„Dieser Fischkörper aus Balsaholz ist an sich nicht viel wert. Aber: Siehst du diese kleine Plastikschaufel unter dem Kopf?“ Er schnippte mit einem Fingernagel dagegen. „Diese Schaufel hat zwei Funktionen. Sie verursacht einen Wasserstau, eine Turbulenz also, und dadurch bewegt sich der Holzkörper wie ein realer Fisch. Man nennt diese Köder Wobbler. Und jetzt stell dir vor, du führst diesen Köder direkt unter der Wasseroberfläche, und dann kommt so ein Biest aus der Tief hochgeschossen, das riesige Maul öffnet sich, packt deinen Köder breitseitig und lässt das Wasser explo …“
„Daddy, bitte schau doch! Da ist er wieder. Daddy, bitte, bitte! Er schaut zu uns herein! Daddy, ich habe Angst. Tu doch etwas!“ Danny war außer sich und verzweifelt. „Schau doch nach, wer das ist, bitte, Dad!“
Bill wurde ärgerlich, stand behäbig auf, schaute durchs Fenster und fand nichts Verdächtiges. Er kehrte zum Tisch zurück , zog die Augenbrauen hoch und rückte mit zusammengepressten Lippen den dritten Stuhl am Tisch in eine Position, dass die Lehne zum Fenster zeigte. „So, mein Junge“, sagte er genervt, „jetzt setzt du dich dahin und hörst zu, was ich Arty erkläre.“
Nach einer weiteren Stunde gingen sie zu Bett.
*
Jeder bereitete sich in der kleinen Küche ein Frühstück und begab sich an den Tisch, an dem sie am Abend zuvor gesessen hatten. Als Bill in sein Toastbrot mit Marmelade beißen wollte, erstarrte er plötzlich. Er zwinkerte mit den Augen, fokussierte seinen Blick immer wieder auf eines der beiden Fenster und wollte nicht wahrhaben, was er sah: Es war der blutverschmierte Abdruck zweier Hände, die von der Mitte der Scheibe nach unten geglitten waren. Es ihm war sofort klar, dass es sich um jenen Mann gehandelt haben muss, den Danny gesehen hatte. Aber blutig? Davon hatte sein Sohn nichts gesagt.
Bill zitterte am ganzen Leib, stand überhastet auf und eilte zur Ausgangstür. „Ihr bleibt da!“, wies er die anderen an. Es bedurfte nur eines einzigen Schrittes auf die Terrasse, um zu erkennen, dass ein menschlicher Körper unter dem Fenster lag. Er war übel zugerichtet, soviel konnte er aus der Entfernung erkennen, und er war blutüberströmt. Es gab keinen Zweifel, dass keine Hilfe mehr möglich war, trotzdem wollte er sich um das Opfer kümmern. Aber nach einem weiteren Schritt auf der Terrasse entdeckte er Blutspuren auf dem hölzernen Boden. Es waren Abdrücke von riesigen „Händen“. Etwa fünfzehn Zentimeter breit, zehn lang, und an der kurzen Seite das Profil von fünf Krallen von vielleicht je drei Zentimetern Länge. Eindeutig die Tatzen eines Grizzly. Bill ging schleunigst zurück ins Haus und lud vorsichtshalber seinen „Bärentöter“ vom Kaliber 8x57.
makwa-zaaga’igan
„Du meine Güte!“ Er schluckte. „Das ist das Paradies: Ein schmuckes Wochenendhäuschen, ein See zum Baden und Angeln, eine göttliche Ruhe und Natur, wohin man schaut. Das hätte ich nicht erwartet.“
„Du übertreibst, mein Lieber. Es ist so einsam hier; dass es manchmal wehtut. Komm ins Haus und bring dein Gepäck mit.“
Sie setzten sich, und als sie sich einen Kaffee einschenkten, betrat Danny den Raum.
„Das ist mein Sohn Danny, ein großer Angler vor dem Herrn. Er fängt immer die großen Brocken, während ich mit dem Mittelmaß zufrieden geben muss.“ Er wandte sich seinem Sohn zu. „Mr. Fogerty bleibt über Nacht. Ich nehme ihn morgen mit auf den See.“
„Dad übertreibt wieder. Er ist der bessere Angler. Noch!“ Er lachte, und Arthur musste grinsen.
„Der Junge weiß, was er will“, konstatierte er. „Wie alt bist du, Danny?“
„Elf, Mister Fogerty.“
„Nenn mich Arty, mein Junge. Wir sind doch hier unter Männern.“
*
„Bill, ich will ja nicht neugierig erscheinen, aber mich würde es interessieren, was du für das Häuschen mit Grundstück bezahlt hast. So etwas könnte auch unser Traum sein; ich meine meine Frau Alice und mich.“
„Wir haben das Anwesen vor 15 Jahren gekauft. Du weißt, wie die Preise inzwischen in den Staaten gestiegen sind.“
„Das weiß ich wohl.“
„Also, Alles in Allem rund 140 Grand.“
Arthur kam gleich auf den Punkt. „Bill, wo ist der Haken? An dem Preis kann etwas nicht stimmen.“
„Na ja, wenn du’s unbedingt wissen willst: Dieser See trägt den Namen makwa-zaaga’igan. Das ist Indigenensprache und heißt Bärensee. Und dieser Name trügt nicht. Es gibt hier tatsächlich eine Menge Bären, braune und schwarze. Es gibt die Geschichte, dass in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts ein Grizzly hier am See ein Kind zerfetzt hat, und vor 17 Jahren hatte der Vorbesitzer eine schlimme Begegnung, die ihn einen Arm gekostet hat.“
„Schlimm sowas!“ Arthur schüttelte mitfühlend den Kopf.
„Die Sache ging durch die örtliche Presse. Der Mann wollte verkaufen, aber keiner wollte das Grundstück haben, und so habe ich zugeschlagen.“
„Hattest du schon mal eine Begegnung mit einem …“
„Ich habe das Grundstück abgesichert. Das ist mit heutiger Technik kein Problem. Überall Lichtschranken mit Kameras zur Objekterkennung. Menschen, Autos und Tiere aller Art können passieren; bei Bären schlägt die Anlage Alarm. KI macht‘ s möglich.“ Arthur nickte erstaunt. „So, und jetzt lass uns was essen, und danach erzähl ich dir, was du fürs Fischen morgen wissen musst.“
„Ja, das interessiert mich sehr.“
*
Es dämmerte draußen, als Bill zwei große Boxen auf den Tisch stellte. „Ich werde dich jetzt in die Geheimnisse des Bärensees einweihen. Du wirst sehen, dass Angeln mehr sein kann, als einen Wurm im Wasser zu baden. Hier musst du Naturbeobachter sein und das Beobachtete umsetzen können. Dann wirst du auch fangen. Nur dann!“
Arthur nickte beeindruckt.
„Danny, holst du uns zwei Bier aus dem Kühlschrank?“
Der Junge brachte zwei Dosen Bier, setzte sich auf die Couch und begann zu lesen. Sein Vater öffnete derweil die Deckel der beiden Boxen. Es klimperte und rasselte, als würden feine Metallteile aufeinandertreffen, und als der Blick in die Boxen frei war, fiel Arthur die Kinnlade herunter. Was ihm offenbart wurde, war eine Sammlung Hunderter glänzender und glitzernder, ein- und mehrfarbige Kunstköder in diversen Größen und Formen.
„Erschrick nicht! Das macht alles Sinn. Diese Köder arbeiten auf verschiedene Art.“ Er griff in die Box und entnahm ihr einen metallenes, verwirrendes Konstrukt. „Schau, das hier ist ein Spinner.“
Arthur musste grinsen. „Heißt der wirklich so?“
„Ja doch, dieses Metallblättchen hier“, Bill hielt es mit zwei Fingerspitzen, „das dreht sich im Wasser ständig um den schwereren Körper. Und dabei passiert Folgendes, und jetzt steigen wir tiefer ein, Arty. Ein Raubfisch reagiert auf zwei Dinge, nämlich auf optische Attraktoren wie zum Beispiel Lichtreflexe oder Farben. Das zweite ist …“
„Daddy, Daddy, dort am Fenster! Ein Mann!“, rief Danny aufgeregt und zeigte auf eines der beiden Fenster. „Daddy …“
Bill blickte sofort auf – und sah nichts. Nur Dunkelheit hinter den Scheiben des Fensters. Keinen Mondschein, keine Sterne, nichts. „ Wie sah der Mann aus, Danny?“
„Er war alt und runzlig und hatte wenig Haare. Er sah mit seinen aufgerissenen Augen aus, als hätte er Angst.“
„Wenn jemand etwas will, soll er an die Tür klopfen, wie es sich gehört. Was ist denn so aufregend, was du da liest? Du hat bestimmt Gespenster gesehen.“
„Nein, Daddy, ganz bestimmt nicht.“
„Na gut, beruhige dich, draußen ist niemand, Danny. Du kannst weiterlesen.“ Dann wandte er sich an Arthur. „Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, der zweite Attraktor. Du hast bestimmt schon einmal die sogenannte Seitenlinie bei einem Fisch gesehen?“
Arthur nickte verhalten.
„Diese Linien sind Sensoren, mit denen ein Fisch Turbulenzen im Wasser erkennen kann.“
„Turbulenzen, sagst du? Wieso Turbulenzen?“
„Ein Fisch verursacht durch seinen Flossenschlag Verwirbelungen, die ihn verraten. So gibt zum Beispiel ein verletzter Fisch, der sich erratisch bewegt, eine bestimmte Beutesignatur ab. Und jetzt kommen wir auf die Kunstköder zurück. Sie erzeugen diese Signatur künstlich.“
Arthur griff sich ins lockige Haar. „Hätte nie gedacht, Bill, dass das Fischen so detailbezogen ist. Das ist ja eine Wissenschaft. Na ja, Halbwissenschaft. Ich bin beeindruckt. Und was ist mit den anderen Ködern?“
„Jetzt kommen wir zu meinen Lieblingsködern: Hier, das ist ein Fischchen aus Balsa …“
„Daddy, Daddy, da ist er wieder. Daddy! Dad!“ Danny zeigte aufgeregt auf das andere Fenster.
Bill legte den mit drei Drillingshaken versehen Köder vorsichtig auf den Tisch, wandte sich seinem Sohn zu und stand auf. Er schaute auf das zweite Fenster und sah wieder nichts. Nur pure Dunkelheit.
„Danny, bist du dir sicher? Hast du genau gesehen …“
„Ja, Daddy, er hat wieder hereingeschaut. Ich bin mir ganz sicher. Sein Mund hat sich bewegt, als wollte er etwas sagen.“
Bill stand auf und ging zum Fenster. Er suchte die Umgebung ab, konnte aber bei der schwachen Raumbeleuchtung draußen kaum etwas sehen. Er schaute zur Sicherheit nach rechts, nach links, nach unten und auf den See. Ihm fiel nichts auf, was seine Aufmerksamkeit erregt hätte, und so ging er zurück zum Tisch.
„Dieser Fischkörper aus Balsaholz ist an sich nicht viel wert. Aber: Siehst du diese kleine Plastikschaufel unter dem Kopf?“ Er schnippte mit einem Fingernagel dagegen. „Diese Schaufel hat zwei Funktionen. Sie verursacht einen Wasserstau, eine Turbulenz also, und dadurch bewegt sich der Holzkörper wie ein realer Fisch. Man nennt diese Köder Wobbler. Und jetzt stell dir vor, du führst diesen Köder direkt unter der Wasseroberfläche, und dann kommt so ein Biest aus der Tief hochgeschossen, das riesige Maul öffnet sich, packt deinen Köder breitseitig und lässt das Wasser explo …“
„Daddy, bitte schau doch! Da ist er wieder. Daddy, bitte, bitte! Er schaut zu uns herein! Daddy, ich habe Angst. Tu doch etwas!“ Danny war außer sich und verzweifelt. „Schau doch nach, wer das ist, bitte, Dad!“
Bill wurde ärgerlich, stand behäbig auf, schaute durchs Fenster und fand nichts Verdächtiges. Er kehrte zum Tisch zurück , zog die Augenbrauen hoch und rückte mit zusammengepressten Lippen den dritten Stuhl am Tisch in eine Position, dass die Lehne zum Fenster zeigte. „So, mein Junge“, sagte er genervt, „jetzt setzt du dich dahin und hörst zu, was ich Arty erkläre.“
Nach einer weiteren Stunde gingen sie zu Bett.
*
Jeder bereitete sich in der kleinen Küche ein Frühstück und begab sich an den Tisch, an dem sie am Abend zuvor gesessen hatten. Als Bill in sein Toastbrot mit Marmelade beißen wollte, erstarrte er plötzlich. Er zwinkerte mit den Augen, fokussierte seinen Blick immer wieder auf eines der beiden Fenster und wollte nicht wahrhaben, was er sah: Es war der blutverschmierte Abdruck zweier Hände, die von der Mitte der Scheibe nach unten geglitten waren. Es ihm war sofort klar, dass es sich um jenen Mann gehandelt haben muss, den Danny gesehen hatte. Aber blutig? Davon hatte sein Sohn nichts gesagt.
Bill zitterte am ganzen Leib, stand überhastet auf und eilte zur Ausgangstür. „Ihr bleibt da!“, wies er die anderen an. Es bedurfte nur eines einzigen Schrittes auf die Terrasse, um zu erkennen, dass ein menschlicher Körper unter dem Fenster lag. Er war übel zugerichtet, soviel konnte er aus der Entfernung erkennen, und er war blutüberströmt. Es gab keinen Zweifel, dass keine Hilfe mehr möglich war, trotzdem wollte er sich um das Opfer kümmern. Aber nach einem weiteren Schritt auf der Terrasse entdeckte er Blutspuren auf dem hölzernen Boden. Es waren Abdrücke von riesigen „Händen“. Etwa fünfzehn Zentimeter breit, zehn lang, und an der kurzen Seite das Profil von fünf Krallen von vielleicht je drei Zentimetern Länge. Eindeutig die Tatzen eines Grizzly. Bill ging schleunigst zurück ins Haus und lud vorsichtshalber seinen „Bärentöter“ vom Kaliber 8x57.
makwa-zaaga’igan