vor dem kaffee

mortisha

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An so einem Tag hat man das Gefühl, in einer Warteschleife zu hängen. Der Himmel ist telekomgrau und es regnet fast ununterbrochen. Max zündet sich eine Zigarette an und flucht, weil er sich den Finger verbrannt hat. Das gibt ihm das Gefühl, nicht nur schlechte Laune zu haben, sondern auch noch ein kompletter Idiot zu sein. Im Bad rauscht die Dusche und seine Freundin singt den Song im Radio mit. Ziemlich laut. Max starrt aus dem Fenster, zieht an der Zigarette, die die erste an diesem Morgen und noch widerlicher ist als sonst. Er erinnert sich an eine Geschichte, die er als Junge einmal in einer Illustrierten gelesen hatte. Da hatte ein rollstuhlfahrender Typ seine herzschwache Frau umgebracht, indem er ihr das heiße Wasser beim Duschen abgedreht hatte, an der Therme in der Küche. Ist schon ne Weile her, dass Max die Geschichte gelesen hatte, aber selbst damals hatte es keine küchenthermebeheizten Duschwasserzuläufe gegeben. Hätte Max gewettet. Aber im Bad ist es jetzt eh still, und Max vergisst seine Mordgedanken. Auf dem Linoleum kann man nun nackte Fußsohlen leise Pfützen hinterlassen hören. Sag mal Max, lehnt die Freundin im Türrahmen. Hast du meinen Rasierer benutzt? Max grinst auf den sich dunkelbraunfärbenden Teppich und ist sich mit einem Mal sicher, dass das doch noch ein ganz guter Tag werden könnte.
 

 
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