vor der Haustür

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anemone

Mitglied
vor der Haustür

Vor unsrer Türe steht ein Mann
und hält mir einen Zettel hin
Wohl eingeschweißt und wasserdicht
steht d’rauf : „Seht her, wie arm ich bin!“

„Helft meiner kranken Tochter“, steht
jhr Passfoto auf diesem Blatt
Zwei Jahre ist inzwischen sie
Ihr Herz ist schlapp und sie ist matt.

„Oh bitte helft, muss operieren!“
Mit wehleidiger Stimme spricht
der Mann mit Leidensbittermiene
Ausdruck von Trauer im Gesicht

„Wie stell’n sie sich die Hilfe vor?“
will einen Versuch zum Gespräch ich wagen.
Er kommt mir klein und schmächtig vor,
zeigt auf den Mund, als könnt er nichts sagen.

Presst die Lippen zusammen, als spräche er nicht
„Betrüger“, hieß jenes Wort, was ich dachte
als mit meinem Fuße ich reagierte
und vor seiner Nase die Türe zu machte.

Mit dieser Masche kommt bestimmt
bei alten Leuten er gut an
und plötzlich staun’ ich über mich
wie so brutal ich mich zeigen kann.

Doch hätte auf dem Blatt gestanden
Seht her ich bin aus Pakistan
und habe Haus und Hof verloren
Käme dieser Mann bei mir gut an.

Dann hätt’ den Geldsack ich geöffnet
und diesem Bruder, der da stammelt
ein Scheinchen in die Hand gegeben
Bald hast du alles wieder zusammen!




Zitat Marquis de Sade:
Es ist nicht schlimm, wenn man missverstanden wird.
Schlimmer ist es, wenn man verstanden wird.
 
P

Pelikan

Gast
Hallo, Annemone, ich denke Du kritisierst hier ein wenig überspitzt. Es ist nicht, dass die Leute hierzulande auf Abwehr gehen, wenn jemand in Not ist, doch hier wird dermaßen viel betrogen (ich habe solches zigmal schon erlebt, bin hereingefallen auf diese Masche und habe dann anderntags die gleichen Leute wieder froh und fröhlich mit einer anderen Masche betteln sehen) ich bin da ein gebranntes Kind und kann die Abwehr vieler hier verstehen. Ob die Leute auf eine Sammelbitte in Richtung Pakistan freigiebiger reagieren,
das kann ich natürlich nicht sagen, da müßte man die Hilfsorganisationen befragen. Auf jeden Fall muß Dein Gedicht
ein wenig enthoppelt werden. Ich habs versucht und bin wieder so nah wie möglich an Deinem Text geblieben -
weil ich nichts verpfuschen möchte und den Text nicht zu
meinem machen möchte ;)



Vor der Haustür

Vor unsrer Türe steht ein Mann
und hält mir einen Zettel hin,
wohl eingeschweißt und wasserdicht.
Ich les: „Seht her, wie arm ich bin!“

„Helft meiner kranken Tochter“ steht
samt Passfoto, auf diesem Blatt.
Zwei Jahre ist inzwischen sie,
ihr Herz ist schlapp und sie ist matt.

„Oh bitte helft, muss operieren!“
Mit wehleidiger Stimme spricht
der Mann, mit Leidensbittermiene
und tiefer Trauer im Gesicht.

„Wie stell’n sie sich die Hilfe vor?“
will ein Gesprächsversuch ich wagen.
Er kommt mir klein und schmächtig vor,
zeigt auf den Mund, der nichts kann sagen,

zusamm'gepresst, als spräch' er nicht.
"Betrüger" war was ich mir dachte,
als mit dem Fuß ich reagierte -
die Tür ihm vor der Nas' zu machte.

Mit dieser Masche kommt bestimmt
bei alten Leuten er gut an
und plötzlich staunt' ich über mich,
wie herzlos ich mich zeigen kann.

Doch hätte auf dem Blatt gestanden:
"Seht her ich bin aus Pakistan
und habe Haus und Hof verloren"
käm' auch bei mir er sehr gut an.

Dann hätt’ den Geldsack ich geöffnet
und diesem Bruder, der da stammelt
ein Scheinchen in die Hand gegeben:
"Bald hast du alles eingesammelt!"



mit herzlichen Grüßen, Pelikan ;)
 

anemone

Mitglied
vor der Haustür

Vor der Haustür

Vor unsrer Türe steht ein Mann
und hält mir einen Zettel hin,
wohl eingeschweißt und wasserdicht.
Ich les: „Seht her, wie arm ich bin!“

„Helft meiner kranken Tochter“ steht
samt Passfoto, auf diesem Blatt.
Zwei Jahre ist inzwischen sie,
ihr Herz ist schlapp und sie ist matt.

„Oh bitte helft, muss operieren!“
Mit wehleidiger Stimme spricht
der Mann, mit Leidensbittermiene
und tiefer Trauer im Gesicht.

„Wie stell’n sie sich die Hilfe vor?“
will ein Gesprächsversuch ich wagen.
Er kommt mir klein und schmächtig vor,
zeigt auf den Mund, der nichts kann sagen,

zusamm'gepresst, als spräch' er nicht.
"Betrüger" war was ich mir dachte,
als mit dem Fuß ich reagierte -
die Tür ihm vor der Nas' zu machte.

Mit dieser Masche kommt bestimmt
bei alten Leuten er gut an
und plötzlich staunt' ich über mich,
wie herzlos ich mich zeigen kann.

Doch hätte auf dem Blatt gestanden:
"Seht her ich bin aus Pakistan
und habe Haus und Hof verloren"
käm' auch bei mir er sehr gut an.

Dann hätt’ den Geldsack ich geöffnet
und diesem Bruder, der da stammelt
ein Scheinchen in die Hand gegeben:
"Bald hast du alles eingesammelt!"

anemone (danke Pelikan)

Zitat Marquis de Sade:
Es ist nicht schlimm, wenn man missverstanden wird.
Schlimmer ist es, wenn man verstanden wird.
 

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