vorfreude

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HerbertH

Mitglied
vorfreude


aber dann war da noch diese unsinnige ansage
drängend warnend vor dem geisterfahrer
ganz ohne überholen und nur ganz rechts und
ach so vorsichtig den buick zu lenken

wie immer eintönig die langsam lange sichtbaren
roten lichter rechts die verdeckten halb
in den zwischenbüschen huschenden weißen
und blauhalogegnerischen strahler schräg links

nichts aufregendes selbst in der beschworenen
gefahr kein abenteuer kein gefühlssturm
kein pochendes arterienblut nur behäbig
rinnendes venenviolett in erschlafften hängehäuten

und dann der gedanke an den einen tiefen blick
aus aufgerissenen in aufgerissen lidentblößte
augen hinter milchigen scheiben frontal vor dem kühler
und spannung in allen gliedern nur das steuer nicht

zu verreißen gilt es da schwillt der kamm der einfalt
das echtzeit showdown feeling viel besser als in platten
zuwiderspielen ohne drohung sich gegenseitig die knochen
brechend mit metall die steifen glieder zu zermalmen

ganz ohne angst vor schmerz der kommt nur kurz
und bei hundertundsiebzig hilft kein airbag außer zu über -
flüssiger schmerzverlängerung und kein knautsch der zonen
und schon ist man für einen tag berühmt

entkommen aus dem grauen einerlei so vieler einsam
abgefahrner stunden den rechten fuß pedalisch fest
gewurzelt gibt er gas denn bremsen will man lieber
nicht verliert man doch den schwung und auch esprit

und dann erschrickt der traum sich in die welten gegen
das gesetz der großen zahl verblüfft weil just
auf diesen metern ein schwarzer höllenhund den schlund
voll aufgerissen mit nebelleuchten aufgeblendet naht

und fänge chromisch angestrahlt vom licht des buicks
wie blaugestählte zahnbewehrte kiefer sich ungebremst
beschleunigt ungehemmt durch einsicht rotgeränderte
pupillen als katzenaugen sich zum wahnsinn saugen

und magisch dreht sich wie von selbst das steuerrad zwingt
buick und fahrer weit nach links so wie zum überholen
und schon dröhnt in den ohren das vertraute hol över fährmann
- da zuckt und blinzelt angstvoll jener unbekannte kein

stolz hält ihn auf kurs der schwarze panther schlingert
auf asphaltstaub braust nach links gerissen
rechts am buick vorbei und rast von keiner planke
aufgehalten den abhang bis ins kalte grab des sees hinab

und matt lenkt er den buick erschlafft jetzt ohne druck in seinen
adern von neuem stumm und einsam durch lebenswüsten
mit graugetrübten augen wieder blicklos schon
in der nächsten kurve dreht er rasch das radio lauter
 
O

orlando

Gast
Musst nicht seufzen, Herbert, wir befinden uns halt mitten im Sommerloch. Da gehen auch gute Texte schon einmal unter.
Ein paar kleine Änderungen vorab:

aber dann war da noch diese unsinnige ansage
drängend warnend vor dem geisterfahrer
ganz ohne [blue]zu[/blue] überholen und nur ganz rechts und
[blue]den buick vorsichtig[/blue] lenken

[strike]wie immer[/strike] eintönig die langsam lange sichtbaren
roten lichter rechts die verdeckten halb
in den zwischenbüschen huschenden weißen
und blauhalogegnerischen strahler schräg links

nichts aufregendes selbst in der beschworenen
gefahr kein abenteuer kein gefühlssturm
kein pochendes [strike]arterien[/strike]blut nur behäbig
rinnendes venenviolett in erschlafften hängehäuten

und dann der gedanke an den einen tiefen blick
aus aufgerissenen [strike]in aufgerissen[/strike] lidentblößten
augen hinter milchigen scheiben frontal vor dem kühler
und spannung in allen gliedern nur das steuer nicht

[strike]zu [/strike]verreißen gilt es da schwillt der kamm der einfalt
das echtzeit showdown feeling viel besser als in platten
zuwiderspielen [strike]ohne drohung[/strike] sich gegenseitig ohne drohung die knochen brechen mit metall die steifen glieder [strike]zu[/strike] zermalmen

ganz ohne angst vor schmerz der kommt nur kurz
[strike]und [/strike]bei hundertundsiebzig hilft kein airbag außer zu über -
flüssiger schmerzverlängerung und kein knautsch der zonen
[strike]und[/strike] - schon ist man für einen tag berühmt

entkommen aus dem grauen einerlei so vieler[strike] einsam[/strike]
abgefahrner stunden den rechten fuß pedalisch fest
gewurzelt gibt er gas denn bremsen will man lieber
nicht verliert man doch den schwung und auch esprit

und dann erschrickt [blue]sich[/blue] der traum [strike]sich[/strike] in die welten[blue] und[/blue] gegen
das gesetz der großen zahl [blue]verblüffend[/blue] weil just
auf diesen metern ein schwarzer höllenhund den schlund
voll aufgerissen mit nebelleuchten aufgeblendet naht

und fänge chromisch angestrahlt vom licht des buicks
wie blaugestählte zahnbewehrte kiefer sich ungebremst
beschleunigt ungehemmt durch [blue]die blicke der[/blue] rotgeränderten
pupillen - katzenaugen [blue]die den[/blue] wahnsinn saugen

und magisch dreht sich wie von selbst das steuerrad zwingt
buick und fahrer weit nach links [strike]so wie[/strike] zum überholen
und schon dröhnt in den ohren das vertraute hol över fährmann
- da zuckt und blinzelt angstvoll jener unbekannte kein

stolz hält ihn auf kurs der schwarze panther schlingert
auf asphaltstaub braust nach links gerissen
rechts am buick vorbei und rast von keiner planke
aufgehalten den abhang bis ins kalte grab des sees hinab

und matt lenkt er den buick erschlafft jetzt ohne druck in seinen
adern von neuem stumm und einsam durch lebenswüsten
mit graugetrübten augen wieder blicklos schon
in der nächsten kurve dreht er rasch das radio lauter
Alle Änderungsvorschläge sollen der Straffung und Klangverbesserung des Textes dienen. Vielleicht möchtest du das eine oder andere umsetzen?

Insgesamt gefällt der Sound, den dein Gedicht hat und auch dessen Inhalt. - Ganz ohne Zweifel liegt in gefährlichen, auch aussichtslosen Situationen eine eigene, große Faszination - das Spiel mit dem: "Wenn ich jetzt ...", mit den Möglichkeiten eines kühnen "Jetzt könnt ihr mich alle mal!" usw.
Nicht eben wenige erliegen ihr. - Hier passt die Verbindung mit antiken Mythen ganz ausgezeichnet!
Außerdem schätze ich das vorgegebene Tempo, das bei mir sozusagen (Denk-) O-Ton des LyrIs suggeriert.

Dir einen herzlichen Gruß
orlando
 

HerbertH

Mitglied
Liebe orlando,

danke für die Vorschläge. Ich werde sie mir einzeln durch den Kopf gehen lassen. Bei einem solchen, relativ langen prosaischen Gedicht gibt es sicherlich fast immer andere Möglichkeiten.

Die "Story" steht hier mehr im Mittelpunkt als sonst in der Lyrik.

Liebe Grüße

Herbert
 

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