vorvergänge

nichts vergeht allmählicher und
unruhig macht der zeitgeist
mit reichen gespenstern seine geschäfte
politclowns spielen gegen horrende gagen
vergessene vaterlandsdramen
barbusig protestieren frauenrechtlerinnen
banken zahlen kunden keine eintrittskarten
für agenten und spione suchen präsidenten
neue gefahren
ansonsten schickt der frühling
mit eisigen ostwinden
gewichtige schwermut voraus

und die zeit lässt sich mal wieder
vom glockenschlag der kirchturmsuhr
zu rein gar nichts bewegen
 

Label

Mitglied
Lieber Karl

Ich empfinde dein Gedicht als zweigeteilt, sowohl vom Thema als auch von der poetischen Dichte.

Der erste größere Teil - ein politischer Text, der ganz nett allgemein, Zustände aus verschiedenen Zeitfenstern zusammen betrachtet.

Der zweite ist für mich Poesie pur - einfache Worte verdichten ein Gefühl, für das man es analysierend, Bücher zur Beschreibung füllen würde.

mit einem lieben Gruß
Label
 
Hallo Label,
mir ging es in dem zweiten Teil darum deutlich zu machen, dass es sich bei den politischen Probleme auch nur um vorübergehende Zeiterscheinungen handelt.
Herzliche Grüße
und Dank für deine Kritik, über die ich noch nachdenke...
Karl
 

revilo

Mitglied
Moin Kalle...da hast Du aber wieder mächtig Wut abgelassen....inhaltlich geht es mir so wie Label....die ersten 9 Zeilen enthalten allgemeine politische Wertungen....dann kommt für mich ein gedanklicher Bruch...der Text wird wunderbar poetisch...es liest sich wie ein bissiges Frühlingsgedicht....

Mein bescheidener Tipp:

...kopple den Text ab Z 10 ab und verpasse ihm eine grantige Überschrift....es ist sehr reizvoll ein Gedicht mit
" ansonsten " zu beginnen, weil der Leser dann irgendwie im Nichts steht......

LG Grüße und zu Ostern besonders dicke Eier...;).....

revilo
 

Walther

Mitglied
hi karl,

in der tat sind das zwei texte in einem. aus würde sich anbieten, beide teile noch ein wenig auszuarbeiten. sie stünden gut alleine und hätten beide etwas zu sagen.

lg w.
 
nichts vergeht allmählicher und
unruhig macht der zeitgeist
mit reichen gespenstern seine geschäfte
politclowns spielen gegen horrende gagen
vergessene vaterlandsdramen
barbusig protestieren frauenrechtlerinnen
banken zahlen kunden keine eintrittskarten
für agenten und spione suchen präsidenten
neue gefahren

sie werden ein paar alte finden
 
P

penelope

Gast
"unruhig macht der zeitgeist/mit reichen gespenstern seine geschäfte"

ich glaube, hier liegt der hund begraben: wir sehen hier eine postalische zustellung: die post zwischen dem leib und der sprache selbst. hier wird nicht etwas verstellt, sondern aufgemacht. auch wenn hier alles körperlos erscheint (zeitgeist/reiche gespenster) bleibt und ist es ein körperlicher zustand. auch ein überstand der sprache, der jedenfalls immer noch sprache bleibt: menschliche sprache, für den menschen gedacht, damit er zu sehen vermag, wohin es mit uns geht.

ich finde die vermischung der lyrik mit einer exaltierten aussage für sehr gelungen...

gern gelesen...

lg penelope
 
Liebe penelope,
auf diese Interpretation wäre ich selbst gar nicht gekommen.
Umso mehr gefällt sie mir.
Danke dir herzlich
Karl
 

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