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anemone

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Meine Nachbarin steht vor der Türe und erinnert mich:
"Denkst du daran, das Heiligenhäuschen zu putzen!?"
"Ja! Das geht in Ordnung!", verspreche ich ihr und blicke auf den Kalender. >Ach bis dahin habe ich noch die ganze Woche Zeit!<, tröste ich mich und beeile mich in keinster Weise. Denn nächste Woche Donnerstag ist erst Fronleichnam.

Ich erinnere mich an meine Kindheit. Wie an diesem Feiertag
die Glocken läuten: Fron-leich-nam, Fron-leich-nam. Und wie vorher die Erwachsenen damit beschäftigt sind, die Altäre zu schmücken. Stundenlang streuen sie die gesammelten Blumenköpfe, um damit einen herrlichen Teppich zu legen, über den wenig später der Pastor seine Hostie tragen wird
um im Freien die Messe zu zelebrieren.

Doch heute ist alles anders. In Windeseile putze ich das Heiligenhäuschen, denn schon morgen zieht die Fronleichnamsprozession, weil der Ort keinen eigenen Pastor mehr hat und der vom Nachbarort sich nicht aufteilen kann.
Gut, dass man mich heute noch rechtzeitig daran erinnerte.
Wie konnte ich es auch wissen, da ich ein seltener Gast
in der Kirche geworden bin?!

Das mit dem Blumenteppich gibt es schon lange nicht mehr.
Aber, dass die Nachbarschaften die Altäre schmücken
mit Blumen Kreuz und Tischtuch und Fähnchen aufstellen; das ist noch geblieben.

Wie lange noch?
 

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