Warum ich nie wieder ins Ballett gehe

Kultur erleben! Warum nicht? Wir hungerten danach. Es war ja nur eine knappe Stunde Fahrzeit zur nächst größeren Stadt mit einem auserlesenen Angebot. Meine Tochter besorgte also Eintrittskarten für einen Ballettabend in der Staatsoper. Sie kosteten 8 Euro pro Person. Wir saßen zwar dafür nur in der Reihe 7 von 7 Reihen und nur im 3. Rang von 3 Rängen, aber ziemlich in der Mitte und mit guter Sicht auf die Bühne. Das war genial.

Die Aufführung entwickelte sich zu einem Hochgenuss! Gebannt schaute ich zu. Kraftvolle Sprünge, zarteste Drehungen und farbenfrohe Kostüme – eine Freude für die Augen. Selbst die Pause war ein Höhepunkt. Die großartige, weltweit bekannte Tänzerin und Choreografin Marcia Haydee gab im Kostüm Autogramme. Auge in Auge ihr gegenübersitzen dürfen, einen Moment der nahen, stummen Bewunderung erleben können! Und so etwas für nur 8 Euro! Ich hielt den Atem an.

Wir hatten aber auch ganz profanen Hunger und Durst. Schließlich war es heiß gewesen im hoch gelegenen Theaterrund. So kauften wir uns eine Brezel für 1,50 Euro und teilten sie uns. Auch das Getränk für 2,50 Euro reichte für uns beide. Wir wollten die Ausgaben ja nicht unnötig in die Höhe treiben!

Nach gut 2 Stunden war das Ballett zu Ende. Ende gut – alle tot, so wollte es das „Drehbuch“. Wir beklatschten die Tänzer, die Choreografin und das Orchester begeistert. Doch dann rutschte nach und nach meine Hochstimmung in tiefere Lagen.

Es begann damit, dass ich die Garderobenmarken nicht fand, mit der wir unsere Mäntel an der Garderobe abholen wollten. Weil ich sie so lange suchen musste, waren wir die Letzten, die das Opernhaus verließen. Irgendwie war mir das peinlich.

Draußen in der Nähe des Opernhauses wehte uns die raue Wirklichkeit entgegen. Volksnahes Getümmel riss uns aus dem klassischen Ballett-Musik-Olymp, aus unsren romantischen Träumen. Lautstark fand eine Fasnachtsveranstaltung statt. Schräge Fanfaren schrillten unseren, von harmonischen Klängen verwöhnten Ohren entgegen. Wild kostümierte, laut grölende Leute hielten sich vor einem Lokal auf. Trotzdem faszinierte uns diese verquere Welt, wir schauten dem Treiben aus sicherer Entfernung eine Weile zu. Doch dann ein plötzlicher Gedanke: unser Auto, in der Tiefgarage mitten im Stadtzentrum! O weh! Das wird teuer. Und es war teuer: 8,20 Euro. Mich ärgerte das.

Und dann noch die Heimfahrt! Sie wurde eine Irrfahrt durch die mir nicht sehr vertraute Stadt, ein einziges ewiges Rumgesuche im schwach beleuchteten Straßengewirr nach der richtigen Ausfallstraße Richtung Autobahn (ohne Navigator).Wir erreichten zwar schließlich eine Autobahn, aber die falsche, fuhren zunächst in die Gegenrichtung, also einen Umweg, um auf „unsere“ Autobahn zu kommen und fanden uns trotz der so späten Stunde in einem Stau wieder. Auch das noch! Wir krochen über 10 Kilometer scheinbar millimeterweise voran.

Die letzte Strecke zu unserem Wohnort verlief dann auf einer Bundesstraße. Der Gegenverkehr blendete, sonst aber war es stockfinster. Nur noch ein Gedanke: Möglichst schnell nach Hause. Unser Ort lag in greifbarer Nähe. Ich saß müde und hungrig am Steuer und - übersah prompt das Ortsschild. Ich erschrak tüchtig durch den Blitzer, den ich ausgelöst hatte. Man hatte mich erwischt! Auch das noch! 10 Euro zusätzlich!

Zum Glück sind wir heil und unversehrt angekommen. Das schon. Aber in dieser Nacht habe ich mir geschworen: Ich gehe nie wieder ins Ballett. Bei d e n Unannehmlichkeiten!

Und diesen Schwur habe ich bis jetzt elf Jahre lang durchgehalten. Was zu viel ist, ist zu viel. Kultur hin oder her.

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21.02.2007
 

ThomasQu

Mitglied
Hallo Mistralgitter,

was ich nicht ganz verstehe, warum gibst du der Ballettaufführung die Schuld für das nachfolgende Ungemach? Das hätte dir doch nach jedem anderen Event genauso passieren können.

Grüße, Th.
 
Das ist doch nur folgerichtig - wenn mir solche Missgeschicke nach einem Ballettabend geschehen sind und in solcher Häufung, muss man das doch nicht wiederholen! Ist doch logisch ;-)
*Schmunzeln erlaubt*
Viele Grüße
Mistralgi
 

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