Was Dichter ist

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Walther

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Was Dichter ist

„Was Dichter ist“, fragt locker flockig
Der Kritiker. Der Mann ist bockig.
Poeten geht das auf die Klöten.
Der Dichter, ja, er ist in Nöten,

Gern würde er mit Mia flöten,
Die Chancen nehmen, die sich böten,
Wär nicht der Kritiker am Labern,
Dass die Aerosole wabern.

Der Dichter ist zum Glück geimpft.
Doch als der Dichtexperte schimpft,
Die Dichtung sei doch meistens bräsig
Und selbstbezüglich mittelmäßig,

Da wird der Dichter überdrüssig
Der heißen Luft, und laut und flüssig
Entfährt es des Poeten Mund:
„Jetzt wird es nicht bloß mir zu bunt!

Was mancher Mensch zur Nacht gedichtet,
Am nächsten Tag wird es vernichtet
Von einem, der nicht dichten kann.
Da wird man undicht, dann und wann!“

Die alte Frage, was ist Dichter,
Beantwortet sich oft viel schlichter,
Als mancher Kritiker erwartet.
Der Streit ist danach ausgeartet.
 

FrederikH

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Der letzte Vers ist herrlich, trocken an der Pointe angekommen. Ist förmlich als Bild aufgeschlagen bei mir. Der alte Konflikt mit dem Kritiker, deren höchster Anführer der Dichter womöglich und gewöhnlich selbst ist. Nach Bernstein gelte das ja auch andersherum.... „Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.“
 

Walther

Mitglied
Der letzte Vers ist herrlich, trocken an der Pointe angekommen. Ist förmlich als Bild aufgeschlagen bei mir. Der alte Konflikt mit dem Kritiker, deren höchster Anführer der Dichter womöglich und gewöhnlich selbst ist. Nach Bernstein gelte das ja auch andersherum.... „Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.“
Hi Frederik,
der berühmte kollege hat recht. meist sind kritiker verhinderte autoren, die gerne welche geworden wären. wobei man vorsichtig sein muss, aus zwei gründen. zum einen wurden manche späterhin welche, und dann sogar gute. und zum anderen kann es nicht schaden, wenn ein kritiker etwas von dem versteht, das er kritisiert. er darf nur keine schlechten gefühle hegen, weil er selbst nichts gutes hinbekommen hatte.
nun wissen wir aber auch, dass die zahl der schlechten dichter die der schlechten kritiker wahrscheinlich deutlich übersteigt. denn dichten kann ja jeder, nicht wahr?
lg W.
 

FrederikH

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Hi Walther,

denke da ist was dran. Letztlich lesen und schreiben beide meist viel bis mit Glück nach vielen Jahren was Gutes oder zu mindest hinreichend erfolgreiches dabei rum kommt - die Kritiker und die Autoren.

lg
 

Tula

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Hallo Walther
Herzlich gelacht bei S2 :)
Ja, wir haben anderswo den Wunsch nach mehr Textarbeit diskutiert. Wie man "gute Kritik" (also nicht grundlos wohlwollende) wäre ein anderes Thema.

Gernhardt hat dieses Thema mal in einem seiner Gedichte veralbert. An den Titel erinnere ich mich jetzt nicht, müsste im 1000-Seiten Buch eine Weile suchen. Sinngemäß geht es darum, dass bei den Kritikern ein Werk entweder absolute Sahne ist oder totale Scheiße. Das bewusste, böswillige Zerreißen gehört also zu diesem Business genauso wie das Hochjubeln. Wir sind hier auf LL also nicht die einzigen, die beim Kritiker-spielen hin und wieder Probleme haben.

LG
Tula
 


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