was sich nicht begraben lässt

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Worte

die wir in gedichten begraben
entwachsen den lippen. sie

sind dünn und kalt. die blicke
ins tal liegen verstreut.

auf einer bank sitzt ein paar
und lächelt. sie sind älter als wir.

seit einem sommer bist du fort.
schwärme von vögeln fädelt sich auf.

Ich gehe die wege rückwärts. dort
wo wir oft saßen,

wächst mein schatten ins gras.
er ist schwarz und leer. aber

so wird es immer sein.
 

HerbertH

Mitglied
Hallo Patrick,

ein traurig schönes Gedicht, wohl aus dem selben Anlass, wie schon mindestens eins Deiner früheren, vermute ich.

Statt

schwärme von vögeln fädelt sich auf.
müsste es doch

schwärme von vögeln fädel[blue]n[/blue] sich auf.
heissen. Oder übersehe ich da etwas?

Interessant ist das "Ich", als einziges Wort in Großschreibung. Allerdings hat sich mir die genaue Bedeutung dieses Stilmittels nicht erschlossen.

Herzliche Grüße

Herbert
 

Mondnein

Mitglied
gutes Lied!

Lieber Patrick,
ich lese das als einen charakteristischen Hinweis auf die Jahreszeit:
schwärme von vögeln fädelt sich auf.
auch
wächst mein schatten ins gras.
ich meine auf die Zugvögel im Herbst und die dann auch immer mehr anwachsenden Schatten.
Aber das wird nicht "immer so sein", sondern kehrt sich im auf diesen Winter folgenden Frühling wieder um.
Das heißt: Der Schlußvers wendet sich trotzig gegen den Wechsel der Jahreszeiten, ist Ausdruck von - Resignation.

grusz, hansz
 

Tula

Mitglied
Hallo Patrick

insgesamt gefällt es mir sehr. Die einzige Stelle, bei der ich einen leisen Zweifel habe, ist der Anfang:

die wir in gedichten begraben
entwachsen den lippen.



Dem Dichter fließen die Worte ins Gedicht; die Dinge, die er im Herz begraben zu sein glaubt und den Lippen nicht entweichen (weil niemand da ist, sie zu hören), erheben sich im Werk des Dichters. Ich würde es also eher umgekehrt fassen:

Worte
die wir in uns begraben
entwachsen den Gedichten

Die letzten 5 Zeilen finde ich wunderschön! vor allem der ins Gras wachsende Schattten

LG
Tula
 

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