Liebe Petra, liebe Aniella,
jetzt versuche ich schon den ganzen Tag eine adäquate Antwort zu formulieren, und so schlicht der Text anmuten mag, will es mir nicht so recht gelingen.
... die Einheit existiert nur als gelebte Unmittelbarkeit; in dem Moment, in dem sie erinnert wird, wird sie zur Vorstellung – und zerfällt ...
... die Sehnsucht ist selbstreferenziell. Sie entsteht erst durch die Reflexion des Erlebten und verweist gleichzeitig auf das, was nicht mehr unmittelbar erfahrbar ist ...
Um erst mal noch weiter abzuschweifen; ich las von der gar nicht mal so unplausiblen Theorie, dass für ein Teilchen, welches sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, keine Zeit vergeht. Folglich wäre es immer und überall, was wiederum bedeuten würde, das ganze Universum besteht aus einem einzigen Elektron und im Umkehrschluss – in jedem Elektron wäre das ganze Universum. Hmm, maybe? ...
Vollkommenheit ist kein Zustand. Ein „Ich“, ein „Du“ benötigt den Riss. Existenz ist der Riss, der Bruch der Symmetrie.
Die Vollkommenheit muss unvollkommen werden, um ihre Vollkommenheit begreifen zu können, und deshalb sind wir fremd im Tag – Sehnsucht ist das Potenzial des Unvollkommenen hin zur Vernichtung des Selbst.
Das Ich entsteht erst in der Abspaltung – und mit ihr überhaupt erst so etwas wie ein Anderes.
In der Vollkommenheit gibt es kein „Du“ oder „Ich“; Distanz und Differenz sind nachträgliche Konstruktionen – und nachträgliche Konstruktionen benötigen Distanz und Differenz.
Vielleicht ist das der Riss, der mich zu uns zerreißt.
Wie gesagt, es will mir nicht so recht gelingen, vielleicht ist es genau das; alles, was aus der Dunkelheit entborgen wird, rinnt bei Licht wie Sand durch die Finger. Wir entfernen uns, um uns anzunähern – noch sind wir fremd, bis wir uns gänzlich verloren haben. Kondensieren in der Zeit und kristallisieren an unseren Rändern ...
Alles anzureichende Näherungen, andererseits eine asymptotische Bewegung auf das, was nur als Verlust in dieser Bewegung existiert, die Singularität aus der wir fielen und der wir uns nur unendlich wieder annähern können; doch genau das wäre, was ich ausdrücken wollte, respektive die Konsequenzen dessen, wenn man es rückwärts denkt – aus dem Bewussten zur Unendlichkeit – „To infinity and beyond“
Liebe Grüße
Rufus