weiher

Mondnein

Mitglied
[ 4]weiher


spazieren gehen im sommer unter kastanien
am teich quadrat entlang bei den quakenden enten
die aachener straße zur seite vom ost asiatisch

japanischen zentrum da setze ich mich auf die park bank
die ringe der wellen zu sehn mit den schaukelnden blättern
zerfasertes rohr schilf bambus ein gurren die spatzen

die schnappen die weiß brot reste dem schwan vor dem schnabel
gelb nase weiß weg doch verlieren sies schon an die tauben
wenns kühler wird nehm ichs rad und rolle zur uni

ich wohnte ganz nah im gemeinde haus in nem zimmer
ein loch in der wand: die rohre wurden gewechselt
die lippen der lider so weiß von staub als ich auszog
 

revilo

Mitglied
Moin......das ist ein wirklich schönes Gedicht...vor allem der Gefiederkampf ist gelungen..was mich allerdings stört, sind diese aufgesetzten Trennungen.....ein gutes Werk braucht solch´ Lyriklametta nicht......LG revilo
 

Mondnein

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Dieses "Lametta" hat den Namen Amphibrachyscher Pentameter.

Aber Lametta ist Schall und Rauch. (Und unsern kranken Nachbarn auch.)
 

revilo

Mitglied
egal, ob das Lametta Gisela oder Karl-Heinz heißt: es wirkt aufgesetzt.....aber es ist Dein Gedicht....schönen 1. Mai und Gruß ins wunderschöne Görlitz.....
 

Etma

Foren-Redakteur
Teammitglied
Haha! Endlich ein Gedicht von Hans, das ich zu 95% verstehe. Wenigstens inhaltlich. Bei "Amphibrachyscher Pentameter" steige ich jedoch schon aus. Formal so durch analysiert habe ich das Stück dann doch wieder nicht. Rhythmisch habe ich beim Lesen überhaupt nicht aufgeachtet - im Gegensatz zu deinen sonstigen Werken, ist dieses hier viel weniger liedhaft und klanglich gekonnt.
Außerdem weniger fachsprachlich bzw. einfach nur sprachlich einfacher, inhaltlich verständlicher, aus meiner Sicht jedenfalls.
Dadurch taugt mir das Gedicht umso mehr. Mein anfängliches Gefühl von "Oh nein, schon wieder ein Werk, dass ich nicht verstehen werde und bloß leise dudeln kann" (im ungarischen sagt man "dudolni" was übersetzt das Sing Sang eines Kindes ist, daher also "dudeln"), ist nach dem ersten Vers schon verschwunden und ich wurde aufmerksam und aß genüsslich zu Ende - und dann wieder und wieder.
Das einzige für mich nicht ganz klare, ist das mit den "Lippen der Lider" - wieso haben hier die Lider Lippen? Wie soll das aussehen, was soll das bedeuten? Ich stehe auf dem Schlauch. Selbst Tante Guhgel (ich glaube diesen Begriff habe ich von Ali - nie wieder verwende ich ihn) kennt keine "Lippen der Lider" ... Erklärung bitte oder eben nicht, ich erwarte lieber keine, da ich eh keine bekomme.

Die geschilderte Atmosphäre ist toll,
dass du verständlich schreibst ist toll,
das Gedicht ist toll,
alles ist toll,
toll!

honigsüße
Abendgrüße,
von
Peter

PS: ist das konstruktiv und "tief analysierend" genug um ganz öffentlich zu erscheinen?
 

Mondnein

Mitglied
Ja, danke Etma,

natürlich wäre Dein Beitrag "analysierend" genug gewesen, um mit dem richtigen (dem oberen) Button abgesendet zu werden.

Die Lider haben nicht Lippen, sondern sie sind wie Unter- und Oberlippe, wenn mann die Augen wie Münder sieht.

Ja, danke James Bond.
Ich war immer ein Verehrer japanischer Tuschebilder, ein Sesshu-Fan. Ein fleißiger Besucher des Museums und seiner jeweiligen Ausstellungen.

grusz, hansz
 

Mondnein

Mitglied
Noch einmal gehe ich auf etma (Peter) ein:
Bei "Amphibrachyscher Pentameter" steige ich jedoch schon aus.
Das ist etwa so absurd, als tränkest Du kein Wasser mehr, bloß weil Dir jemand klarmacht, daß der Hauptbestandteil H2O von Trinkwasser ist, ganz zu schweigen von den darin gelösten Salzen und ihren chemischen Molekülstrukturen.

Es steht Dir natürlich frei, auszusteigen, wo auch immer es Dir beliebt, sei es aus Flugzeugen, fahrenden Zügen, Autos, Fahrstühlen, Romanen, Liedern, Gesprächen, Denkakten usw. usw., aber Du brauchst Dich nicht beim Piloten, Lokomotivführer, Chauffeur, Nachbarn, Autor, Sänger, Gesprächspartner oder Dir selbst abzumelden. Wenn Du nicht mehr denken willst, dann fall doch einfach in Ohnmacht.
 

Etma

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo nochmal

Ein humorvoller Kommentar von dir :)

Mit
Bei "Amphibrachyscher Pentameter" steige ich jedoch schon aus.
sage ich bloß, dass ich den Begriff nicht kannte. Ich musste googeln, wurde aber auch dort nicht viel schlauer, das heißt die Erklärung war da, aber ich habe mir nicht die Mühe genommen, zu überprüfen, ob in Deinem Werk auch durchgehend der amphibrachysche Pentameter genutzt wird. Aber hey: neue Worte = neue Torte. Und es ist in meiner Stellung wohl fatal sich diese extra Mühe nicht zu nehmen!

Deine Einwände sind daher vollkommen legitim. Meine Einstellung gegenüber dem mir Unbekannten sollte schleunigst geändert werden.

Du brauchst Dich nicht beim Piloten, Lokomotivführer, Chauffeur, Nachbarn, Autor, Sänger, Gesprächspartner oder Dir selbst abzumelden.
Naja, man kann aber wohl den Chauffeur bitten, mal rechts ranzufahren und anzuhalten. Aber das habe ich nicht gemacht ... stattdessen habe ich angekündigt auszusteigen, ohne es wirklich zu tun. Merkwürdig. Hast Recht. Schweigen ist Gold. Wobei es wohl unerhört gewesen wäre, Dich, den Fahrer, zu bitten anzuhalten, nur weil ich aufgrund von Faulheit etwas nicht verstehe. Du hast mich nachdenklich gemacht - außerordentlich nachdenklich!

Wenn Du nicht mehr denken willst, dann fall doch einfach in Ohnmacht.
... wenn das bloß so einfach wäre! Aber man muss selektiv sein, bei Zeitmangel - man kann nicht über alles nachdenken. Glaubst du denn, dass es meine Zeit Wert gewesen wäre über "Amphibrachysche Pentameter" zu grübeln, wo ich doch noch nicht mal richtig weiß wann Kommata eingesetzt werden müssen? Solche Formalitäten sind auf jeden Fall noch eine große Stufe über mir. Noch nicht auf meinem Level. Ein Kampf für schwarze Gürtel.

Aber gut, dass das nochmal zur Rede gekommen ist!
Merci pour le commentaire supplémentaire :)

Gute Grüße,
Peter
 

Mondnein

Mitglied
nicht wirklich wichtig, wie man das "xXx xXx xXx xXx"-Metrum nennt. Zumal zwei Unbetonte zu einer zusammengezogen werden können (so ist es üblich).

Es kann übrigens durchaus sein, daß ich revilo zunächst mißverstanden habe: Er meinte wahrscheinlich nicht diesen einen Riß mitten durchs Wortgefüge beim langen Namen des ostasiatisch-japanischen Kulturinstituts, das wäre ja auch nur eine einzige Stelle gewesen, sondern die "englischen" Lücken zwischen den Einzelwörtern der Komposita (= Wortungetüme), die bei mir die Regel sind.

Ich glaube aber, daß es mehr Möglichkeiten der Deutung offenhält, wenn man "gelb nase weiß" schreibt, da dann sowohl die Gelbnase der Schwäne als auch das naseweiße Verhalten der Spatzen zu beiden Seiten hin gelesen werden kann. Oder "rohr schilf bambus" - die Trennung in drei Wörter erlaubt es dem Leser, die Wörter beliebig zusammenzuziehen.
 

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