Wendepunkt

timilu

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Schlüsselerlebnisse sind die Vorboten großer Veränderungen im Leben. Nach einem solchen, bemerke ich zufrieden, dass an dieser Aussage nichts dran ist. Alles läuft weiter wie bisher. Abgesehen von der Reiselust, die sich eingeschlichen hat. Abgesehen davon, dass ich jetzt gerne alleine mit mir bin. Weshalb auch immer.

Doch dann ist es da. Wie ein aufgeregtes Kind zupft es an mir herum. Zieht mich in neue Richtungen. Zeigt mir, was ich alles haben kann, wenn ich nur mutig genug dafür bin. Es weckt Begehrlichkeiten, die mir fremd sind. Immer schneller verlangt es von mir, ihm zu folgen. Zu fernen Orten mit unbekannten Zielen. Das Drängen wird energischer und je weniger Aufmerksamkeit ich dem Kind schenke, desto quengeliger wird es. Am Ende liegt es tobend auf dem Boden und ich wünsche mich weit weg von dieser unangenehmen Szenerie.

Es macht mich ratlos. Die Emotionen, die es in mir hervorruft, brechen mein Inneres auf, setzten einen Fragenkatalog in Gang, für dessen Beantwortung ich Wochen brauche. Mit diesen aufgewühlten Empfindungen stehe ich am Morgen auf. Sie begleiteten mich durch den Tag und bei Nacht nehme ich sie mit in den Schlaf. Ich glaube, das ist der Moment, wo sich viele klar werden, dass es Zeit ist, zu neuen Ufern aufzubrechen. Das alte Leben hinter sich zu lassen. Der Aufbruch zu einer Reise ohne Rückfahrschein. Ist mir das auch klar?

Die Gefühle überfordern mich und das tobende Balg dazu. Es befeuert diesen Prozess weiter in mir. Tag für Tag, Nacht für Nacht, mit jedem Atemzug, in jeder Sekunde. Ich bin nicht glücklich. Alles in mir drängt auf eine einschneidende Veränderung. Ich schrecke zurück und bewege mich nicht. Verlockungen rauschen an mir vorbei, wie ein wilder Gebirgsstrom. Soll ich hineinspringen? Mich mitreißen lassen? In ihm untergehen? Das Rauschen lässt nach, wird ruhiger, doch die Gefühle sind weiter in Aufruhr. Tag für Tag, Nacht für Nacht.

Und was mache ich? Ich schaue zu dem Kind, das mit den Fäusten auf den harten Boden trommelt, und mit den Beinchen in die Luft strammt. Das seine Wut, Verletzlichkeit und den Frust über das Vorenthaltene, in die Welt hinausschreit. Mit einem Mal wird es still. Es setzt sich auf und ein Lächeln legt sich auf sein nasses Gesicht.
Ich schaue zweimal hin, weil ich es nicht fassen kann. Die aufgebrochene Gefühlswelt meiner Seele hat sich beruhigt, wie ein tosendes Meer nach dem Sturm. Spiegelglatt liegt sie vor mir und die zufriedene Mimik des Kindes spiegelt sich darin. Es ist nichts passiert und nichts hat sich verändert.

Doch, etwas ist anders. Ich bin wieder in meinem alten und aktuellem Leben angekommen und begrüße, das warme Gefühl des Glücks in mir. Alles ist gut, so wie es ist. Ohne einer Versuchung nachgegeben zu haben, habe ich etwas zurückbekommen, das verloren schien und dabei immer in mir war: der Schlüssel zum Glück.
 

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