SeelenFeuer64
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Es ist früher Morgen, so gegen 5.30 Uhr und ich werde langsam wach. Langsam stimmt nicht ganz, weil ich als Frühaufsteher immer ziemlich schnell von 0 auf 100 durchstarte. Ich erwache im gemeinsamen Ehebett, das ich mit meiner geliebten Frau teile, mit der ich seit über 20 Jahren verheiratet bin. Sie ist noch nicht hier. Meist schläft sie abends im Wohnzimmer auf dem Sofa ein und kommt erst gegen 6:00 Uhr in unser Schlafzimmer. Ich warte auf sie. Ich freue mich auf sie. Ich liebe sie.
Sie ist Mitte 50. Eine aussergewöhnliche Frau. Sie steht mit beiden Beinen im Leben, verfügt über eine faszinierende, pragmatische Intelligenz, ist warmherzig, sensibel, spirituell und muss ihre Weiblichkeit nicht verbergen, um stark zu sein. Ihre blauen Augen blicken oft unendlich klar und wissend.
Sie ist mittelgroß, hat eine normale Figur und wunderschöne Beine, um die sie manch 18jährige beneiden dürfte. Ihre große Nase gibt ihr ein Charaktergesicht – für mich ist sie schön.
Wenn sie morgens in unser gemeinsames Bett kommt, rücke ich manchmal zu ihr rüber, lege sanft meine Hand auf ihren Oberschenkel und spüre das Entstehen unfassber intensiver Gefühle. Eine tiefe Liebe und allumfassende Zuneigung entstehen in mir. Ich weiss nicht, ob sie mich auch liebt. Sie schätzt mich! Sie mag mich! Sie respektiert mich! Begehren tut sie mich nicht!
Zwei Seelen tanzen nicht einfach so miteinander und schon gar nicht in großer Harmonie. Sie sind anspruchsvoll. Es müssen Voraussetzungen erfüllt sein: eine beidseitige, tiefe Liebe, körperliches Verlangen, innere Ausgeglichenheit, Zeit und Zärtlichkeit. Die körperlichen Bedürfnisse können zudem sehr unterschiedlich sein. Nur wenn alles für den Moment zusammenpasst, kann die Zeit stillstehen, kann ein atemberaubend schöner Tanz zweier Seelen vollführt werden.
Wenn wir dann morgens vor dem Aufstehen im Bett liegen, stelle ich mir vor, wie sie mich berührt. Sie legt ihre Hände auf meine Brust und küsst mich zärtlich. In meiner Vorstellung begehrt sie mich. Ich streichle sanft ihren Rücken und über ihren Kopf. Wir kommen uns näher. Wir haben Zeit – lassen Liebe, Zuneigung und Lust ihren Lauf. Es gibt keine Erwartungen. Es gibt nur uns beide und zärtliche Leidenschaft.
Liebe? Tanzende Seelen? Wie kam es dazu?
Ich war nie ernsthaft krank. Ich war über 55 Lebensjahre hinweg nie auch nur eine Nacht in einem Krankenhaus – bis eben vor zwei Jahren. Eine akute innere Verletzung zwang mich in die Notaufnahme eines Krankenhauses. Die Ärzte arbeiteten konzentriert und gründlich. Sie fanden schnell heraus, was mit mir nicht stimmte. Trotzdem neigte sich meine Lebenszeit an diesem Tag unerbittlich ihrem Ende zu. Die Nieren hatten bereits ihre Arbeit vollständig eingestellt. Es wurde umgehend operiert. Während die Ärzte um mein Leben kämpften, machte ich sie, meine Nahtoderfahrung. Sie war so real. So ganz anders als die mir bekannten Nachtträume. Ich sah meinen Körper friedlich im Krankenbett liegen. Die Augen waren geschlossen, die Hände auf der Bettdecke gefaltet. Meine Seele entfernte sich langsam nach oben. Die Szene war unendlich friedlich und hell. Der Übergang ins Licht tut nicht weh. Der Übergang ins Licht ist sanft und friedvoll. Er ist von freundlichen, hellen Farben begleitet. Als ich vielleicht drei Meter über meinem Körper schwebte, wurde ich sanft aufgehalten. Eine männliche Stimme sprach freundlich zu mir und meinte, dass meine Zeit noch nicht gekommen sei. Ich hätte noch eine wichtige Aufgabe in diesem Leben zu erfüllen. Ich müsse mich um das Thema „Liebe“ kümmern.
Irgendwann wachte ich in meinem Krankenbett auf und war völlig verwirrt. Was für eine Operation wurde da überhaupt durchgeführt? Wie schwer krank bin ich? Was hat es mit dem Thema „Liebe“ auf sich? Warum liege ich alleine in einem Einzelzimmer und nicht auf der Intensivstation? Weshalb kommen nur Menschen herein, die Schutzanzüge tragen und komplett vermummt sind? So viele Fragen…
Ich war müde, kraftlos und isoliert! Die Notoperation war soweit erfolgreich verlaufen. Nebenbei hatte man festgestellt, dass ich Corona positiv war und deshalb isoliert unter Quarantäne bleiben musste.
Ich habe mich mein Leben lang bemüht, ein rational denkender, analytisch handelnder Mensch zu sein – so wie das in unserem technologie- und wissenschaftsaffinen Land üblich ist. Was bitte sollte ich jetzt mit dem Thema „Liebe“ anfangen? Wie könnte das meine vorrangige Lebensaufgabe werden? Was soll ich diesbezüglich tun? Noch mehr Fragen und wieder erst einmal keine Antworten.
Aber ich war ja in meinem Zimmer alleine. Niemand durfte mich besuchten. Verlassen durfte ich es auch nicht. Ich hatte Zeit – unendlich viel Zeit. „Liebe“!? Habe ich je voller Wärme und Überzeugung meiner Frau gesagt, dass ich sie liebe? Oder meinem Sohn? Oder sonst jemandem? Liebe ich mich selbst? „Ich liebe Dich!“ hört sich für mich irgendwie merkwürdig und holprig an. Weshalb eigentlich. Es ist doch wunderbar jemanden zu lieben und geliebt zu werden. Wen kann man alles lieben? Den Partner! Die Kinder! Sich selbst! Die Menschen, denen man tagtäglich begegnet, Tiere, die Natur, das Leben, … Liebe ist ein wahrlich großes Thema.
Nach nur sieben Tage wurde ich entlassen und durfte nach Hause. Ich war erst einmal hauptsächlich damit beschäftigt, wieder mehr als 50 Meter am Stück ohne Pause gehen zu können. Ich schämte mich für einen künstlichen Darmausgang. Vor der Operation wog ich 93 Kg. Nun war ich 10 Kg leichter. Das Thema Liebe musste warten - vorerst. Es gab jetzt Anderes zu tun. Ich wollte wieder Kraft bekommen, mein früheres, selbstbestimmtes Leben führen und gesund werden. Dieser künstliche Darmausgang würde nach ein paar Wochen wieder zurückverlegt werden. Also keine Panik.
Ich bemerkte emotionale Veränderungen an mir: ich empfand tiefere Gefühle als je zuvor. Gefühle wie Dankbarkeit, Liebe, Zuneigung, Wärme, Freude, Trauer - und auch Lust. Neue und unbekannt intensive Emotionen überwältigten mich nahezu täglich. Aber ich merkte auch zunehmend, dass Meine Frau der Dreh- und Angelpunkt zu „meinem“ neuen Thema Liebe war.
Ich sagte meiner Frau voller Wärme und Überzeugung, dass ich sie liebe. Ich offenbarte ihr, dass ich mich intensiver um unsere Liebe und Partnerschaft kümmern möchte. Offenbar kam mir nie in den Sinn, dass die Veränderung eines Teils einer Partnerschaft nicht automatisch die Veränderung des anderen Teils mit sich bringt. Meine Veränderung kam für meinen Menschen wohl zu schnell und unerwartet. Ich brachte das bisherige Gleichgewicht ins Wanken.
Ich musste schmerzhaft lernen, dass es mit der Intensivierung unserer Liebe und Leidenschaft nichts wird - zumindest nicht sofort. Das tat weh. Das war sehr frustrierend, ernüchternd und unerwartet. Aber ich kann es heute akzeptieren. Liebe und Leidenschaft kann man nicht erzwingen. Tanzen kann schön sein. Es ist in jedem Fall freiwillig und von beiden Tänzern gewollt. Ein Tanz wird jedenfalls nur dann großartig, wenn er mit ganzer Leidenschaft geführt wird.
Heute, knapp zwei Jahre später ist die Sehnsucht meiner Seele nach einem harmonischen Tanz in Vollendung mit der Seele meiner Frau nicht kleiner geworden. Ich liebe sie nach wie vor sehr. Wahre Liebe ist bedingungslos. Sie ist einseitig und unabhängig von Erwiderung. Es gibt mehr als miteinander tanzende Seelen in perfekter Harmonie, auch wenn es eine wundervolle Vorstellung ist.
So habe ich mich arrangiert: in den frühen Morgenstunden berühre ich sie oft zärtlich, achte aber sehr darauf, sie nicht in irgendeiner Form zu belästigen. Das mag sich merkwürdig anhören. Aber es ist für mich Teil eines neuen Gleichgewichts, mit dem ich derzeit gut leben kann. Ich lasse meine Gefühle zu. Ich erahne in diesen frühen Momenten, wie es sich anfühlen wird, wenn unsere Seelen den einen großen, alles um sie herum vergessenden, Tanz vollführen - vielleicht morgen. Vielleicht auch erst übermorgen. Irgendwann.
Sie ist Mitte 50. Eine aussergewöhnliche Frau. Sie steht mit beiden Beinen im Leben, verfügt über eine faszinierende, pragmatische Intelligenz, ist warmherzig, sensibel, spirituell und muss ihre Weiblichkeit nicht verbergen, um stark zu sein. Ihre blauen Augen blicken oft unendlich klar und wissend.
Sie ist mittelgroß, hat eine normale Figur und wunderschöne Beine, um die sie manch 18jährige beneiden dürfte. Ihre große Nase gibt ihr ein Charaktergesicht – für mich ist sie schön.
Wenn sie morgens in unser gemeinsames Bett kommt, rücke ich manchmal zu ihr rüber, lege sanft meine Hand auf ihren Oberschenkel und spüre das Entstehen unfassber intensiver Gefühle. Eine tiefe Liebe und allumfassende Zuneigung entstehen in mir. Ich weiss nicht, ob sie mich auch liebt. Sie schätzt mich! Sie mag mich! Sie respektiert mich! Begehren tut sie mich nicht!
Zwei Seelen tanzen nicht einfach so miteinander und schon gar nicht in großer Harmonie. Sie sind anspruchsvoll. Es müssen Voraussetzungen erfüllt sein: eine beidseitige, tiefe Liebe, körperliches Verlangen, innere Ausgeglichenheit, Zeit und Zärtlichkeit. Die körperlichen Bedürfnisse können zudem sehr unterschiedlich sein. Nur wenn alles für den Moment zusammenpasst, kann die Zeit stillstehen, kann ein atemberaubend schöner Tanz zweier Seelen vollführt werden.
Wenn wir dann morgens vor dem Aufstehen im Bett liegen, stelle ich mir vor, wie sie mich berührt. Sie legt ihre Hände auf meine Brust und küsst mich zärtlich. In meiner Vorstellung begehrt sie mich. Ich streichle sanft ihren Rücken und über ihren Kopf. Wir kommen uns näher. Wir haben Zeit – lassen Liebe, Zuneigung und Lust ihren Lauf. Es gibt keine Erwartungen. Es gibt nur uns beide und zärtliche Leidenschaft.
Liebe? Tanzende Seelen? Wie kam es dazu?
Ich war nie ernsthaft krank. Ich war über 55 Lebensjahre hinweg nie auch nur eine Nacht in einem Krankenhaus – bis eben vor zwei Jahren. Eine akute innere Verletzung zwang mich in die Notaufnahme eines Krankenhauses. Die Ärzte arbeiteten konzentriert und gründlich. Sie fanden schnell heraus, was mit mir nicht stimmte. Trotzdem neigte sich meine Lebenszeit an diesem Tag unerbittlich ihrem Ende zu. Die Nieren hatten bereits ihre Arbeit vollständig eingestellt. Es wurde umgehend operiert. Während die Ärzte um mein Leben kämpften, machte ich sie, meine Nahtoderfahrung. Sie war so real. So ganz anders als die mir bekannten Nachtträume. Ich sah meinen Körper friedlich im Krankenbett liegen. Die Augen waren geschlossen, die Hände auf der Bettdecke gefaltet. Meine Seele entfernte sich langsam nach oben. Die Szene war unendlich friedlich und hell. Der Übergang ins Licht tut nicht weh. Der Übergang ins Licht ist sanft und friedvoll. Er ist von freundlichen, hellen Farben begleitet. Als ich vielleicht drei Meter über meinem Körper schwebte, wurde ich sanft aufgehalten. Eine männliche Stimme sprach freundlich zu mir und meinte, dass meine Zeit noch nicht gekommen sei. Ich hätte noch eine wichtige Aufgabe in diesem Leben zu erfüllen. Ich müsse mich um das Thema „Liebe“ kümmern.
Irgendwann wachte ich in meinem Krankenbett auf und war völlig verwirrt. Was für eine Operation wurde da überhaupt durchgeführt? Wie schwer krank bin ich? Was hat es mit dem Thema „Liebe“ auf sich? Warum liege ich alleine in einem Einzelzimmer und nicht auf der Intensivstation? Weshalb kommen nur Menschen herein, die Schutzanzüge tragen und komplett vermummt sind? So viele Fragen…
Ich war müde, kraftlos und isoliert! Die Notoperation war soweit erfolgreich verlaufen. Nebenbei hatte man festgestellt, dass ich Corona positiv war und deshalb isoliert unter Quarantäne bleiben musste.
Ich habe mich mein Leben lang bemüht, ein rational denkender, analytisch handelnder Mensch zu sein – so wie das in unserem technologie- und wissenschaftsaffinen Land üblich ist. Was bitte sollte ich jetzt mit dem Thema „Liebe“ anfangen? Wie könnte das meine vorrangige Lebensaufgabe werden? Was soll ich diesbezüglich tun? Noch mehr Fragen und wieder erst einmal keine Antworten.
Aber ich war ja in meinem Zimmer alleine. Niemand durfte mich besuchten. Verlassen durfte ich es auch nicht. Ich hatte Zeit – unendlich viel Zeit. „Liebe“!? Habe ich je voller Wärme und Überzeugung meiner Frau gesagt, dass ich sie liebe? Oder meinem Sohn? Oder sonst jemandem? Liebe ich mich selbst? „Ich liebe Dich!“ hört sich für mich irgendwie merkwürdig und holprig an. Weshalb eigentlich. Es ist doch wunderbar jemanden zu lieben und geliebt zu werden. Wen kann man alles lieben? Den Partner! Die Kinder! Sich selbst! Die Menschen, denen man tagtäglich begegnet, Tiere, die Natur, das Leben, … Liebe ist ein wahrlich großes Thema.
Nach nur sieben Tage wurde ich entlassen und durfte nach Hause. Ich war erst einmal hauptsächlich damit beschäftigt, wieder mehr als 50 Meter am Stück ohne Pause gehen zu können. Ich schämte mich für einen künstlichen Darmausgang. Vor der Operation wog ich 93 Kg. Nun war ich 10 Kg leichter. Das Thema Liebe musste warten - vorerst. Es gab jetzt Anderes zu tun. Ich wollte wieder Kraft bekommen, mein früheres, selbstbestimmtes Leben führen und gesund werden. Dieser künstliche Darmausgang würde nach ein paar Wochen wieder zurückverlegt werden. Also keine Panik.
Ich bemerkte emotionale Veränderungen an mir: ich empfand tiefere Gefühle als je zuvor. Gefühle wie Dankbarkeit, Liebe, Zuneigung, Wärme, Freude, Trauer - und auch Lust. Neue und unbekannt intensive Emotionen überwältigten mich nahezu täglich. Aber ich merkte auch zunehmend, dass Meine Frau der Dreh- und Angelpunkt zu „meinem“ neuen Thema Liebe war.
Ich sagte meiner Frau voller Wärme und Überzeugung, dass ich sie liebe. Ich offenbarte ihr, dass ich mich intensiver um unsere Liebe und Partnerschaft kümmern möchte. Offenbar kam mir nie in den Sinn, dass die Veränderung eines Teils einer Partnerschaft nicht automatisch die Veränderung des anderen Teils mit sich bringt. Meine Veränderung kam für meinen Menschen wohl zu schnell und unerwartet. Ich brachte das bisherige Gleichgewicht ins Wanken.
Ich musste schmerzhaft lernen, dass es mit der Intensivierung unserer Liebe und Leidenschaft nichts wird - zumindest nicht sofort. Das tat weh. Das war sehr frustrierend, ernüchternd und unerwartet. Aber ich kann es heute akzeptieren. Liebe und Leidenschaft kann man nicht erzwingen. Tanzen kann schön sein. Es ist in jedem Fall freiwillig und von beiden Tänzern gewollt. Ein Tanz wird jedenfalls nur dann großartig, wenn er mit ganzer Leidenschaft geführt wird.
Heute, knapp zwei Jahre später ist die Sehnsucht meiner Seele nach einem harmonischen Tanz in Vollendung mit der Seele meiner Frau nicht kleiner geworden. Ich liebe sie nach wie vor sehr. Wahre Liebe ist bedingungslos. Sie ist einseitig und unabhängig von Erwiderung. Es gibt mehr als miteinander tanzende Seelen in perfekter Harmonie, auch wenn es eine wundervolle Vorstellung ist.
So habe ich mich arrangiert: in den frühen Morgenstunden berühre ich sie oft zärtlich, achte aber sehr darauf, sie nicht in irgendeiner Form zu belästigen. Das mag sich merkwürdig anhören. Aber es ist für mich Teil eines neuen Gleichgewichts, mit dem ich derzeit gut leben kann. Ich lasse meine Gefühle zu. Ich erahne in diesen frühen Momenten, wie es sich anfühlen wird, wenn unsere Seelen den einen großen, alles um sie herum vergessenden, Tanz vollführen - vielleicht morgen. Vielleicht auch erst übermorgen. Irgendwann.