Wenn zwei sich streiten, stirbt der Dritte

Arcos

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Karl und Uwe stritten sich darüber,
wem die letzte Frikadelle moralisch gehört.
Karl argumentierte mit Tabellen.
Uwe mit Lautstärke.

Karl wirft Prinzipien durch den Raum.
Uwe fängt sie nicht.
Sie zerschellen am Kühlschrank
zwischen einem Einkaufszettel
und einer Gurke ohne Zukunft.

Die Frikadelle lag dazwischen
wie ein überforderter UN-Beobachter.

Im Hintergrund stand Dieter.
Dieter war der Dritte.
Dieter hatte mit der Frikadelle nichts zu tun.
Dieter wollte lediglich den Wasserkocher entkalken.
Er führte ein ruhiges Leben
und besaß drei Sorten Senf für besondere Anlässe.

Während Karl eine Serviette
als historische Quelle zitierte
und Uwe den Begriff „Prinzip“ so oft benutzte,
dass er jede Bedeutung verlor,
entkalkte Dieter weiter.

Aus Wörtern werden Möbel.
Aus Möbeln werden Argumente.
Ein Stuhl vertritt plötzlich eine Meinung.
Der Teppich ist dagegen.

Dann fiel ein Schrank um.
Vielleicht aus Solidarität.
Vielleicht aus Langeweile.
Vielleicht hatte er den Streit verfolgt
und beschlossen, auszuwandern.

Dieter hat keine Position.
Dieter hat jetzt einen Teebeutel.
Das erweist sich als Fehler.

Während Karl die Vergangenheit verteidigt
und Uwe die Lautstärke erhöht,
gerät die Wirklichkeit in Schieflage.

Eine Zimmerpflanze kündigt innerlich.
Ein Regal verliert den Glauben an die Statik
und setzt zum Höhenflug an,
Richtung Dieter.

Dieter erreicht die Notaufnahme.
Karl und Uwe einigen sich später darauf,
dass der andere angefangen hat.
Dieter bekommt Krücken.
Der Teebeutel bekommt mehr Aufmerksamkeit
als je zuvor.

So endet die Geschichte,
wie große Konflikte oft enden:
Die Beteiligten fühlen sich bestätigt.
Der Unbeteiligte kennt plötzlich Orthopäden.

Die Frikadelle war inzwischen verschwunden.
Der Hund hatte sie gefressen.

Er war der Einzige,
der einen klaren Plan verfolgt hatte.
 



 
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