Wer ist's?

Mondnein

Mitglied
Du hast, HerbertH,

alles lückenlos aneinander gehängt. Ich vermute, Du hast schon überlegt, ob es in drei Vierzeiler oder eher in vier Dreizeiler zu gliedern ist. Natürlich habe ich das mal durchprobiert, auch um der inneren Echo-Rhythmik nachzugehen, die ich beim Lesen gespürt habe.

Beim Dreizeilern sah ich dann, daß die Refrainzeile in dem Fall am Anfang der Strophen steht. Das ist auffällig, da Refrains gerne den pointierten Abschluß einer Strophe bilden. Nun also eher ein anaphorisches "Aufgreifen" des Themas.

Zu der rhythmischen Gliederung gehört auch die Reimfolge:
a b c c
b a c c
b c b c

oder bei Dreizeilern:
a b c
c b a
c c b
c b c

Man sieht dann, daß die drei Vierzeiler stärkere Reimharmonie haben, mit den drei "c"s in der Schlußwirkung.

Es hat (in meiner Sicht) etwas von einer Collage mit zitathaft wiederholten Tapetenmustern. Was man so bei Siebdrucken nachahmt (wie Warholes Triple-Elvis). Die Form greift dann etwas von der Bewegungswiederholung beim Tanzen auf.

grusz, hansz
 

blackout

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Soll ich das Gedicht nun als eine Kritik an dieser Hochzeit, um die es in diesem Gedicht geht, werten? Denn dann ginge es nicht um eine Liebeshochzeit, sondern nur um einen bürokratischen Amtsakt: Besiegeln wir die Verbindung der beiderseitigen Vermögen. Eine solche Kritik, wenn sie denn Kritik sein soll, wird mit diesem Gedicht aber leider nicht bewältigt.

Wobei ich mich bei dem Vers "Wer aber ist's, der singe?" doch ein bisschen unter der Beschädigung der deutschen Sprache krümme. Der Konjunktiv von singen wäre in diesem Fall nämlich sänge.

blackout
 

Mondnein

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"singe" ist Konjunktiv 1 (alte Klassifikation: "Konjunktiv Präsens"); "sänge" heißt heute Konjunktiv 2 (alt: Konjunktiv Präteritum). Letzteren nimmt man vorwiegend beim Irrealis der Gegenwart. Ersteren bei präsentischer indirekter Rede (was hier der Fall ist).
 

blackout

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Ich finde die Formulierung dieses Verses selbst Käse.
Deutlicher wäre doch: Wer wollte (dazu) singen? Es geht doch nicht um den, der singen würde, sondern darum, dass niemand dazu singen würde. Dieses hohl aus der Tonne klingende "Wer ist's" ist sowieso stilistisch überhöht. Deshalb empfand ich das als Irrealis. Leider reimt sich mein Vorschlag nicht, aber das ganze Gedicht hapert daran, dass da vieles inhaltlich nicht genügt. Sowieso im Vers "In der Sonne Glanz" bricht der Autor unerklärlicherweise aus dem Jambus aus und legt einen Trochäus hin.

blackout
 

Mondnein

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jambisch ist hier fast gar nichts.

Die meisten Verse sind daktylisch, "in der Sonne Glanz" beginnt mit einem Anapäst; der metrische Wechsel ist hier aber durchweg frei gehandhabt. Warum auch nicht.

So, ich muß arbeiten gehen. Tschüß.
 

HerbertH

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Im Lichte von Luna
Erstrahlten die Ringe
In dunklem Glanz
Was für ein Tanz
Sie tauschten die Ringe
Und schlürften die Bluna
Was für ein Tanz
Ein Mummenschanz
Ob vieler Dinge
Was für ein Tanz
Wer ist's der singe?
Wer bindet den Kranz?
 

HerbertH

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Lieber Hansz,

ich habe hier ein rhythmisches Gedicht im Zweiertakt geschrieben, das man auch tanzen können soll. Z3 habe ich so verändert, dass sie im selben Rhythmus wie die Mummenschanz-Zeile gelesen werden kann (und um die
etwas schwierig zu verstehende Luna-Sonnen-Andeutung eines Vom-Abend-bis-in-den-Morgen zu entschärfen :)).

es ist wohl ein ausgelassenes Fest, nicht wirklich formell, also ohne feste Form. Es ist auch kein Zwiefacher der da getanzt wird.


Wer weiss schon, was da für Ringe getauscht werden, von Von Freundschafts- über Verlobungs- bis hin zu Eheringen ist alles mõglich...

Die Einteilung in Strophen entspräche eher einem Lied, weniger einem Tanz. Daher habe ich keine Stropheneinteilung vorgenommen. Aber wenn man wollte, könte man auch über 2 Sechszeiler nachdenken, wobei auch die 3 Vierzeiler in Frage kämen. Selbst die 4 Dreizeiler liegen nahe, mit den refrainartigen "Was für ein Tanz"-Zeilen am Anfang.

Wenn ich Zeit finde, werde ich eine Retitation liefern, aus der der mir vorschwebende Rhythmus klarer wird.


Bis dahin bitte ich noch um Geduld.

Herzliche Grüße

Herbert
 

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