Werkkanal

5,00 Stern(e) 4 Bewertungen

seefeldmaren

Mitglied
Für G. Trakl
Im Hinterhof, wo zwischen Tonnen lacht
ein Kind die Scherben eines Spiegels hütet,
wenn eisg der Böhmwind in den Fenstern wütet,
zerfällt sein Bilde hundertfache Nacht.

Wo Öl auf Öl im toten Werkkanal
zu Sternen mischt den Rost, die Taubenschisse,
trägt jeder Tropfen schwer das Ungewisse,
das Gottes Auge bricht wie ein Opal.

Ein Zug zerreißt den Himmel überm Damm
und während Krähen in den Pappeln darben,
erglüht ein Werbeschild in kranken Farben
mit Blut im Vlies von einem weißen Lamm.
 

Ubertas

Mitglied
Liebe Maren,
das Gottes Auge bricht wie ein Opal, selbst in ihm bleibt Milchiges, wahrlich Glitzerndes und trotzdem bleibt es unklar zurück. Ganz ganz sehr und heute total maulfaul, begrüße ich den Rost und Taubenschiss, beigemengt zu Sternen, wo Öl auf Öl im toten Werkkanal.
Liebe Maren, ich übernachte in deinem Gedicht!!
Tausendfach.
Liebe Grüße,
ubertas
 

klausKuckuck

Mitglied
Hey Maren,
ich weiß es nicht: Lässt dein Gedicht eine Trakl-Welt entstehen, in der Zerstörung, Hässlichkeiten, Verwesung die Farbtöne setzen und Realität reklamieren, oder hast du es als literarische Anverwandlung des Dichters Georg Trakl geschrieben? Wie auch immer: Es fällt aus dem Leselupen-Rahmen und greift an. Und kommt zum Spätherbst im geeigneten Augenblick. Und erinnert mich daran, dass in ein paar Monaten der Frühling vor der Tür stehen wird.
KK
 



 
Oben Unten