Wertbeimessungsstörung (Doppelt-so-nett) (gelöscht)

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Mondnein

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Toll! Chaire, Alexandria!

Im letzten Terzett sind einige nachstolpernde Dakt[blue]y[/blue]l[blue]e[/blue]n [/blue]- und ein unreimer Trochäus - hängen geblieben:
Nichts will ich mehr behal[ 4]ten. Auch die leeren, bloßen
einst ach so voll[blue]e[/blue]r [red]Unfug[/red][ 4] und Recht erworbnen, pechern
gestrichnen Körbe - Hut[ 4]ab! - Weg m[blue]i[/blue]t d[blue]e[/blue]n Körb[blue]e[/blue]n [blue]u[/blue]nd Kerben!
 

James Blond

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Wo wir schon bei den Korrekturen sind, bitte auch den "Grahl" verbessern!

Aber davon mal abgesehen: Ein großartiges Thema und sehr ansprechend gelöst! Wer stellt sich heute noch solchen Herausforderungen (- außer Mondnein natürlich)? ;)

Die Form passt zum Inhalt, es überträgt sich die Akribie der doppelten Reimerstellung direkt ins Thema, die Gereiztheit des Lyrischen Ich wird spürbar.

Allerdings lässt die Zauberwirkung gegen Ende hin nach; dem fulminanten Einstieg folgt keine Lösung, der Eigenappell läuft ins Leere, mir fehlt ein Ausblick, eine Erkenntnis oder Pointe.

Die Reime "stoßen" und "Rosen" sollten ihre Plätze tauschen, damit es sauber klingt und "äschern" reimt sich (im Hochdeutschen) nicht gut auf "...ächern", vielleicht gelingt hier etwas mit "...fächern"? Und dem "be-halten" fehlt leider das gedehnte "a" seiner Reimpartner.

Doch insgesamt ein erfrischend schwungvolles Sonett, auch wenn sich daran noch einiges verbessern ließe.

Grüße
JB
 

Soljanka

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Chaire Mondnein,

Hallo James,

besten Dank für s Mit- und Korrekturlesen und für das fette Lob.

Dass die letzte Strophe formal gesehen eine Katastrophe ist, will ich nicht leugnen.
Sie ist es m.E. auch auf der Bildebene. Es ist einfach wie im richtigen Leben. Man macht sich entschlossen an das Aufräumen und nimmt sich fest vor, sich endlich zu trennen von den Dingen, die einen doch eigentlich nur noch belasten. Und dann fallen einem diese blöden Körbe ins Auge, die man gekriegt hat. Und dabei holen einen die Erinnerungen ein und die Gedanken stolpern plötzlich übereinander und man kann sich nur noch mit Mühe zur Ordnung zwingen.

Für mich macht das Sinn. Ich habe sogar überlegt, im letzen Halbvers noch eine Senkung einzufügen:
-- ab! Und weg mit den Körben und Kerben!

Ich gebe allerdings zu, dass ich mir bis vor zwei Tagen nie wirklich Gedanken darüber gemacht habe, wie viel Bewegung und Ereignis ein Sonett als solches verträgt. Also wenn eine Katastrophe im Sonett gar keinen Platz hat, könnte ich mir überlegen, die Körbe in einem eigenen Gedicht zu entsorgen.

Auch das mit dem Einäschern erscheint mir selbst suboptimal. Aber was mit Fächern hatte ich ja schon. Und an dieser Stelle ist dem Lyrich noch klar, dass die Unordnung nicht mehr mit Sortieren zu bewältigen ist. Da brauche ich schon was Radikaleres als Fächer.

Die Reime stoßen und Rosen schau ich mir noch mal an.
Und auch der Gral soll ein solcher werden.

Besten Dank nochmal...
 

Zirkon

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Soljanka,
anscheinend ist hier die Doppelvariante verlorengegangen.
Du versuchst dich am Alexandriner-Sonett, das du ja selbst in einem Kommi ins Spiel brachtest.
6 Hebungen, Zäsur nach dem dritten Jambus.
Bei Strahlen,behalten und Körbe Hut ist das leider misslungen.
Da die Zasur normalerweise auch mit einm Sinnabschnitt endet, passt das hier gar nicht.Da würde z.B. die gedankliche Zäsur eher bei ab erfolgen, Hut ab.
Der Ausflug in die Daktylen wurde schon erwähnt.

Abgesehen davon, ob einem der gebrochene Fluss durch die Zäsur beim Klangeggedicht gefällt, finde ich es mutig, einen Alexandriner zu wagen.

ZUm inhaltlichen:
jemand wagt hier den Protest gegen sich selbst, gegen seine eigene Unordnung, die Zubemessung der Pflicht von anderen und der Anpassung. Jemandem einen Korb geben wäre hier ein gutes Wortspiel.
Gerne gelesen mit lieben Grüßen von Zirkon
 
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