Wie man einen Kater kuriert

Als erstes verjagst du mal den Typ, der neben dir im Bett liegt.
Du weißt nicht mehr wie er heißt und du willst es auch nicht wissen, aber wenn du seinen nackten Körper und den Sabber an seinem Mundwinkel kleben siehst, merkst du, dass es das völlig wert war.
Du schickst du den Typ also raus, wünschst ihm noch ein schönes Leben, prägst dir seinen geilen, knackigen Ass in dein durchlöchertes Gedächtnis ein und gehst in die Küche, um erst mal ne Runde Paranoia zu schieben.
Dir wird klar, dass du kein Kondom benutzt hast und dass du dir 10.000 verschiedene Sachen hättest einfangen können.
Dann versuchst du dich zu beruhigen, geht aber nicht, weil dein Schädel klopft wie Sau und du ne Fresse hast, die so trocken ist, dass die Pflanzen in deiner Bude dagegen schon fast fresh aussehn.
Du hast also Durst, willst aber kein Wasser trinken, weil's einfach Scheiße schmeckt und du davon zu 99 Prozent immer kotzen musst.
Alternative wäre heißes Wasser, hast du mal beim Chinesen gelernt, gut für den Magen und so, aber alle deine Töpfe gammeln dreckig im Waschbecken und geschrubbt hast du gestern Nacht schon genug.
Also schaust du in den Kühlschrank und bewunderst deine eigene Intelligenz, weil du die Wassermelone findest, die du gestern noch im Spar gekauft hast. Vorausschauendes Denken, das war schon immer deine Stärke.
Außer halt beim Geschlechtsverkehr.
Du haust dir die Melone rein und merkst, wie sich dein ganzer Körper darüber freut.

So sehr hat er sich nicht mal gestern gefreut, als du nach dem ersten Abkotzen von den ganzen Tequilashots n Mango-Eis gekauft hast.
Der Fruchtzucker pusht dich fast so hart wie das Polenspeed und du drehst dir ne Kippe.
Du denkst, dass dir davon bestimmt wieder schlecht wird, aber die Melone hat dich anscheinend so sehr geheilt, dass du es nach der Kippe ohne Kotzen unter die Dusche schaffst und sogar bis um die Ecke zu deinem Lieblings-Hippiekaffee.
Dort holst du dir n fetten Cappu mit Kuhmilch, weil Yuppies gibt's schon genug auf dieser Welt, bestellst dir nen Hummus-Toast und chillst dich mit deinem wunden Arsch auf nen alten Hartholzsessel.
Du genießt die Aussicht, hörst neben dir zwei Frauen zu, die aussehen wie Summer Never Ends, bist überwältigt von den Honey Pickles auf deinem Toast und gehst danach zu 50 Prozent kuriert Richtung Markt.
Dort holst du dir nen Kurkuma-Ingwer-Shot und n Aloe-Vera-Drink und gehst straight zum See und lässt dir die Sonne erst mal ins Gesicht ballern.
Du denkst an gestern Abend, an die Party auf dem Boot, wie du dem Sonnenuntergang entgegengefahren bist und wie du nach der zweiten Flasche Wein im Ernst gedacht hast, du wärst seekrank geworden.
Nachdem du im kalten Wasser schwimmen warst, gehst du mit leichtem Sonnenbrand wieder zurück nach Hause, legst dich ins Bett und denkst noch mal an den Dude.
Jan, Jannis, Nils oder wie auch immer – du denkst an seine dicken flauschigen Haare und die Sommersprossen auf seinem Rücken, fängst fast an zu heulen, weil du ihn nicht nach seiner Nummer gefragt hast und ihn einfach aus der Bude geworfen hast.

Dann pennst du ein.
Der Wecker klingelt.
Du stehst auf, in deiner Wohnung ist es noch immer sauheiß.
Du packst dein Hemd und deine Krawatte ein und steuerst zur Arbeit.
Auf dem Weg dorthin fällt dir ein, dass du ein belehrendes Gespräch mit einem deiner Mitarbeiter führen musst (Verdacht auf Diebstahl!).
Du bist in der Firma, ziehst dich um, stehst mit den anderen vorm Kaffeeautomat, tust so als wär nichts passiert.
Gehst mit deinem Doppio auf die Terrasse, triffst die Abteilungsleiterin und die fängt erst mal an zu heulen.
Du fragst nicht wieso.
Du trinkst deinen Kaffee, rauchst gemütlich deine Zigarette und gehst wieder rein.
Drinnen wartest du auf den Mitarbeiter wegen dem Gespräch, er kommt wie immer fünf Minuten zu spät.
Als er endlich auftaucht, nimmst du ihn mit in dein Büro und erklärst ihm sachlich die Situation: (KEINE RECHNUNG GEGEBEN, FEHLENDE WARE, SODOM UND GOMORRA, EWIGE VERDAMMNIS).
Er streitet alles ab, du denkst dir: du kleiner Wichser, und lässt ihn wieder gehen.
N paar dumme Sprüche, fünf doppelte Espressi und ne Packung Zigaretten später gehst du wieder nach Hause.
Du fühlst dich super, dein Hangover ist jetzt zu 98 Prozent kuriert.
N bisschen Kopfweh haste noch, das sind die restlichen zwei Prozent, aber nicht so schlimm.
Das Einzige, was dir Sorgen macht, ist dass du nicht rechtzeitig einschlafen kannst, jetzt nachdem du den ganzen Tag verpennt hast.

Also gehst du auf ein Bier, nur eins, um besser einschlafen zu können.
Du setzt dich auf den Barhocker und bestellst.
Ein Tequilashot kommt mit dem Bier. – Geht auf mich, sagt der Barmann.
Du weißt, dass die ganze Sache heute für'n Arsch war, wenn du jetzt den Shot trinkst.
Aber war heute nicht sowieso alles für'n Arsch?
Der Typ, den du rausgeschmissen hast, die Alte, die geheult hat, der Mitarbeiter, der dich verarscht hat?
Und außerdem, was soll wegen einem Tequila schon passieren?
Du kippst ihn runter.
Du würgst.
Du kotzt dich fast an.
Du überlegst, ob du noch
Wassermelone
im Kühlschrank
hast.
 
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