Wille

anemone

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Schon als Kind hatte Wille die Vorstellung, wie alles seiner Meinung nach sein sollte und davon war er auch nicht abzubringen. Dieses brachte ihn den Namen Wille ein. Wenn Mutter mit ihm durchs Kaufhaus lief, kam sie nicht eher heraus bis Wille das hatte, vor dem er stehen blieb, mal war es ein Spielzeugauto, mal ein Malbuch. Sein richtiger Name war Guido, aber den kannte man nur in der Schule und bei Behörden.

Eines Tages lernte Wille ein Mädchen kennen und er wusste: „Die will ich haben!“ Zu dumm nur, dass dieses Mädchen schon einen festen Freund hatte, der sie täglich von der Schule abholte und immer wie eine Klette an ihr hing. Wille versuchte zunächst die Kaufhausmethode: Sich vor sie hinstellen, bis er sie bekam, was sich allerdings als nutzlos erwies, denn Mutter stand nicht neben ihm, um sich um die finanzielle Angelegenheit zu kümmern.

Nun musste ihm etwas einfallen und zwar etwas Gutes, damit auch sie nur noch ihn wollte.
Gerade, als er sehr intensiv über dieses Thema grübelte, vergaß er es, diesem Mädchen, sie hieß übrigens Tanja, was aber bei dieser Geschichte nur eine nebensächliche Rolle spielt, hinterherzugehen und sich vor sie zu stellen. Was soll ich sagen? Tanja vermisste ihn! An diesem Tag fiel nämlich ihr Freund aus, weil er sich ein Auto kaufen wollte, denn er war gerade 18 geworden und sie fand es nicht schön, dass er sie nicht fragte, ob sie den Wagen nicht mit ihm gemeinsam aussuchen wollte. Nein, er kaufte ihn lieber mit seinem Bruder und das gefiel ihr absolut nicht. und da ihr Wille schon oft aufgefallen war, weil er immer in ihrer Nähe war, vermisste sie ihn jetzt eigenartigerweise.

Sie suchte ihn nach der Schule und fand ihn am Schulbrunnen, wo er auf dem Rand saß und seinen Gedanken nachging. So kannte sie ihn nicht, das war nicht der Wille, der er sonst war und sie begann sich für ihn zu interessieren. Sie setzte sich neben ihn und er bemerkte es noch nicht einmal. „Was ist los!?“ fragte sie ihn. Er sah auch nicht auf, sondern antwortete wie automatisch: „Ich muss nachdenken, wie ich an sie rankomme! Hätte sie nur nicht ihren Freund!“ „Aber der ist doch heute gar nicht gekommen!“ raunte sie in sein Ohr und dann sah er sie erst und spontan umarmte er sie. Ob Wille es noch mal versucht hat? Dann hieße er wohl nicht Wille!
 

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