Winter auf sder Insel

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anemone

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Die Fähre sollte uns an Land bringen und so geschah es auch. Wir sahen uns um auf dieser Insel, die jetzt mehrere Wochen unser Zuhause sein sollte. Die Ferienwohnung war leicht zu finden. In ihr war es kalt. Auch hier am Meer war es Winter und gerne hätte ich, wie unsere Vorgänger beheizte Bettdecken und ein Fahrzeug gehabt.
Bobby stürzte sich sogleich ins Badezimmer um die Kacheln zu inspizieren Nach dreißig Jahren waren sie nicht mehr die aller modernsten und ich wusste, er würde vorläufig damit beschäftigt sein, diese zu erneuern.
Ich lief in meiner warmen Jacke um das Haus und suchte nach Kaminholz. Man hatte uns erzählt, dass das Haus keinen Fernseher besaß. So lebten wir also jetzt wochenlang von der Welt abgeschieden. Wollten wir die Nachrichten hören, müssten wir sie uns von Nachbarn erzählen lassen und das mir, die ich fast täglich im Internet surfte. Mich überfiel schon gleich an diesem ersten Tag eine Unruhe. Meinen Labtop hatte ich diesmal zu Hause gelassen und gleich wollte ich mich nicht ins Internetcafe schleichen. Aber sicher war das bald schon möglich.
Das musste einfach sein. Ich fühlte mich hier wie ein Hirte auf einer Schafweide: Einsam, einsam, einsam! Schon zum Frühstück am nächsten Morgen benötigten wir dringend Holz. Die karge Landschaft ringsum gab solcherlei nicht her und die Baustoffhandlung öffnete erst um 10 Uhr im Winter. „Macht nix!", meinte Bobby. „Dann lass uns noch bis um 10 in die Betten kriechen!". Gesagt, getan. Nichts leichter als das. Wir kuschelten uns unter der kalten Bettdecke wieder eng aneinander und stellten fest, dass es hier so ganz anders, als daheim war. Es war absolut still. Es fuhren keine Fahrzeuge. Man hörte nur ab und zu einen Hund bellen. Aber wir hatten ja uns und unsere Mägen knurrten. „Was solls!", sprach Bobby aus „Heute Mittag werden wir uns so richtig satt essen!"
und wir besorgten uns reichlich Lebensmittel und Holz, dass es für die kommenden Wochen reichen musste.
Bobby musste natürlich mit einkaufen, weil ich die Lebensmittel unmöglich selbst schleppen konnte und das Kaminholz schon erst gar nicht. Bobby hatte die Schubkarre aus der Garage zum Einkauf mitgebracht. Auf dem Hinweg durfte ich in ihr Platz nehmen. Es war ungemütlich und kalt in dem Gefährt und am nächsten Tag
hatte ich mir die Blase erkältet. Während Bobby die Fliesen im Badezimmer an die Wand haftete, musste ich immer wieder seine Arbeit unterbrechen. Er stand gerade im Bereich der Türe und kniffelte dort mit dem Plattenschneider herum. Bei jedem Besuch stieß er einen Fluch aus und ich zuckte auf meiner Toilette zusammen. Am Sonntag wollten wir uns einen Roller mieten und die Gegend erforschen. Hoffentlich schien einmal die Sonne. Auch bei dieser Tour mussten wir uns warm anziehen und wir sahen Schafe, Schafe, Schafe!

Jetzt, wo der Kamin brannte, sah man mich nur noch an einem Ort: Unter der Decke vor dem Kamin sitzen und lesen.
 

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