wohninseldasein

4,00 Stern(e) 2 Bewertungen
ranzig mal und mehr
fenster weit aufgerissen
im rahmen hängen erinnerte
eintagsfliegengitter und schmale ketten
halten halbweisheiten auf

ranzig mal und mehr
kommen schattenseiten
der morgensonne in der abendsonne
zu spätem glanz
warten erstarrte mutausbrüche

ranzig mal und mehr
staube ich meine bücher ab
ein selbstporträt fällt glas splitternd
aus gelackten holzleisten
ich setze es wieder ein

ranzig mal und mehr

doch einmal werde ich
 

Perry

Mitglied
Hallo Karl,

"ranzig" gebraucht man meist in Verbundung mit Butter oder Fett, wobei es für alt, reif oder verschimmelt steht.
In deinem Text lese ich es als alt bis hin zu des Lebens müde.
Gut gefällt mir das ausgelassene "weniger" beim Refrain "ranzig mal mehr", sowie die Wendung "Mutausbrüche" als Neuausrichtung im Sinn von Lebenshoffnung.
Konstruktiv hätte ich mir noch eine Reflexion in Richtung von sexuell erregt gewünscht, das ja auch in der Wortbedeutung "ranzig" legt.
LG
Manfred
 
Lieber Manfred,
danke für deinen Kommentar.
Auf "ranzig mal" bin ich gekommen, da es klingt wie zwanzig Mal.
Deine Anregung hinsichtlich "sexuell" habe ich nicht ganz verstanden. Kannst du mich bitte aufklären.
Herzliche Grüße
Karl
 

Perry

Mitglied
Hallo Karl,

von ranzig mal auf zwanzig mal ist lautlich ja kein weiter Sprung.
Mit sexuell erregt meinte ich eine weitere Bedeutung des Wortes ranzig, das soviel wie brünstig bedeutet.
LG
Manfred
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Karl,

also "ranzig" in Verbindung mit sexueller Erregung erzeugt bei mir ein leichtes Ekelgefühl. Der Ausdruck ist mir auch völlig unbekannt und scheint mir regional sehr begrenzt zu sein. So eine Effekthascherei hat dein Gedicht auch gar nicht nötig und würde auch nicht zur Kernaussage des Textes passen.
Für mich geht es hier um die kleine Revolution im Alter, die sich dann doch meistens auf die eigenen vier Wände beschränkt.
Sehr gerne gelesen!

Liebe Grüße
Manfred
 
Lieber Manfred,
über deinen positiven Kommentar habe ich mich sehr gefreut.
Und mir geht es wahrlich in dem Text nicht um Sex. Danke, dass du das auch so siehst.
Herzliche Grüße
Karl
 

Label

Mitglied
Hallo Karl Feldkamp

mir gefällt dein Gedicht, auch wenn es lebenssatte Desillusion ausströmt.
damit meine ich nicht das ärgerliche - ich habe es satt - sondern wie nach einem Essen, wenn man einfach keinen Hunger mehr hat und sich höchstens noch zu einer kleinen Delikatesse durchringen kann.
Man hat von allem was auf dem Tisch war gegessen.

Übrigens ranzig ist in der Jägersprache ein paarungsbereiter Kater, Fuchs, Dachs oder Frettchen, darum hatte ich in deinem Gedicht diese Assoziation nicht.

liebe Grüße
Label
 
Ich vermisse Karl Feldkamp,

der solche Gedichte geschrieben hat:


treibholz

lichtspiele

sprachlos

müllprobleme

zukunftsfragen

Jetzt schreibt er von "ranzig mal", weil es sich auf zwanzig mal
reimt.

Enttäuschte Grüße
von Marie-Luise.

Ps. Ranzig ist ein hässliches Wort. Schlechtes Fett ist ranzig.
 
Liebe Marie-Luise,
"ranzig mal" habe ich nicht geschrieben, weil es sich auf zwanzig Mal reimt. Ich habe mit dem Wort gespielt, aber schon abgestanden gemeint, weil ich es manchmal schwierig finde, mit neuen Ideen aufzuwarten, weil sich so vieles wiederholt.
Aber die Hoffnung habe ich nicht aufgegeben - siehe letzte Zeile.
Herzliche Grüße
Karl
 
G

gitano

Gast
Lieber Karl!
Ich bin am grübeln was diese Version:

im rahmen hängen erinnerte
eintagsfliegengitter und schmale ketten
halten halbweisheiten auf

kommen schattenseiten
der morgensonne in der abendsonne
zu spätem glanz
warten erstarrte mutausbrüche

ich staube meine bücher ab
ein selbstporträt fällt glas splitternd
aus gelackten holzleisten
ich setze es wieder ein

und mehr

einmal werde ich

gegenüber der oberen verlieren würde...
es klingt einen Tick positiver..yepp. Aber hat doch auch die Besinnlichkeit und Selbstreflexion..

Nach meiner Ansicht wäre es eher ein Gewinn
oder vielleicht kapiere zum erstenmal einen text von Dir überhaupt nicht...kann ja sein.

Liebe Grüße zu Dir ;)
gitano
 
fenster weit aufgerissen
im rahmen hängen erinnerte
eintagsfliegengitter und schmale ketten
halten halbweisheiten auf

die schattenseiten
der morgensonne kommen
in der abendsonne zu spätem glanz
warten erstarrte mutausbrüche

meine bücher staube ich ab
ein selbstporträt fällt glas splitternd
aus gelackten holzleisten
ich setze es wieder ein

einmal werde ich
 
G

gitano

Gast
Ich bin nun doch etwas beruhigter...betreff meines Verständnisses Deiner Verse. Die Verliebtheit also , so, so ...bei so schnarchendem "r" nebst mittellangem "a" kann ich das gut verstehen....einfach phonetische und inhaltlich quergebürstete Verführung...
klarer Fall

Ich mag auch so einige Worte, um die ich gern mal ein paar Ranken flechte ;)
Bis bald !
gitano
 

Oben Unten