Worte im Fluss - Sonett

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HerbertH

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Gemeißelt werden Worte in dem Fluss
Zu Schatten, träg mäandernd bis zur Mündung
Als Dunst am Wasserfall, als Schlierenkuss
Im Abendregen, harren der Verkündung

Als Nebel über'm Delta, zu Minuskeln
Zerteilt vom Scherenkrebs, als frischer Code
Im Netz des Fischers, gewandelt zu Majuskeln,
Gebärdensprache wider Artentod.

Verdaut und ausgeschieden, aufgetischt
Als Zeichennahrung in den Lebensspielen,
Wird altes Erbgut aufgefrischt, gemischt,
Belebt, ergötzt es sich an neuen Zielen.

Für immer bleibt die Frage nach den Lügen
Im panta rhei: wird Sprache uns betrügen?
 

morgenklee

Mitglied
HerbertH

Sehr gelungen!

Es wirkt auf so "schwer", dass ich einen leichten Einwand gar nicht wagen würde - ich habe auch keinen.

Nur eine Frage zum Sonett: Es geht auch 3x4+1x2 (und eben nicht 2x4+2x3)?

Weiter so!
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Walther,

es ist tatsächlich einige Zeit ins Land gegangen. Insofern passt das Gedicht thematisch. Die Ideen dazu sind allerdings schon einige Zeit im Fluss, siehe steinschatten...

Danke für die anerkennenden Worte und die Superwertung.

Liebe Grüße

Herbert
 

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