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wortlos

Ich habe mein altes Apfelbäumchen zurücklassen müssen.
Jedes Jahr kleidete es sich über und über mit zartrosa Blüten ein und nährte unzählige Bienen. Nun blüht es unter den Augen fremder Menschen, die es wenig zu schätzen wissen, denn seine Früchte sind zu klein zum Ernten. Es war einzig und allein ein verschwenderischer Schmuck in meinem Garten. Uns trennen nun Berg und Tal, Wiesen, Wälder - und ein Bach, in dem ein gefräßiger Reiher mit spitzem Schnabel nach Nahrung stochert. Sein Gefieder ist hässlich und grau. Niemand ist sicher vor dem kalten Schatten seiner ausgebreiteten Flügel. Ich bin geflohen.

Unter den Einwohnern, die in meinem neuen Wohnort schon seit Generationen leben, bin ich eine Fremde. Sie haben ihr Herz auf einem anderen Fleck als ich. Ihr Reden weiß ich nicht zu deuten, sie lächeln ohne Freundlichkeit und Wärme in den Augen. Ihre Mücken haben meine Worte zerstochen, bevor sie ihr Ohr erreichten. Sorgfältig holen sie schon morgens früh mit der Papierabfuhr die letzten Silben ab. Meine Satzzeichen hatte schon der eisige Wind über den Zaun geblasen, der Nachbar hat sie am Nachmittag mit dem Unkraut zusammengerecht und zum Kompost getragen. Und ich bin verstummt.

Übrig bleiben zielverfehlte Tage und schlafarme Nächte, die mir ihr Schweigen zuflüstern. Wie oft schon hat der Mond sein Leuchten hinter meinem Rücken verschleiert. Auf ihn war eigentlich noch nie Verlass. Am liebsten würde ich in das Klagelied der einsamen Amsel einstimmen und später, im Traum, mein Apfelbäumchen besuchen.
Nur die Zweige des weißen Flieders nicken mir in der Dämmerung aufmunternd zu.
 

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