X in der Psychiatrie

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Max Neumann

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Riesig, eitel, Straßenslang, väterlich
Klug, Summa Cum Laude, Bärenschwanz
Unbegreifbar pleite, Schuldenberg
Von seinen Kindern isoliert: Ave Maria

Hörst du ihn flüstern?
Seine Stimme strömt durch Mauern
Selten sind ihre Ziegel
Ein milder Tonfall des Aufgebens

Kapitulieren der erste Heilungsschritt
Heilung ist Kern heutiger Nüchternheit
Ohne Nüchternheit stirbt X ruckzuck
Als Leiche schützt er seine Kinder nicht

Das Recht zu atmen ist X bloß gewährt
Gott steuerte X' Geburtstag, die Wehen
Nur für heute das Gelassenheitsgebet
Allmächtig die zwitschernden Vögel

Die Psychiatrie: Depression, Wahn
Paranoia, Diebstähle, Medikation
Psychosen, brennendes Haar
X kaut Blätter beim Akutgespäch

Aus Furcht ist der Tonfall der Ärzte mild
Täglich erkämpft sich X ihr Vertrauen
Vertrauen ist die Währung des Überlebens
Überleben gegen Selbstmord: Ave X

Heile, bleibe, arbeite, iß, furze, heile
Eingravierte Erinnerungen: Karmatausch
Vergangenheit ist in rot geschrieben
Verstehst du, X? In Rotbuchstaben

Ein Donnie Darko lebt in jedem Land
Gigantenwellen werden Wandel erzwingen
Noch ist dieses Zeitalter fern: Ave Zukunft
Scheiße, bist du manisch, X!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Sicher dir ein Bett in allen Psychiatrien
Hast's dir verdient, Kumpel, Brummbär
Feministinnen sehnen sich nach Papa
Väter sind Federn, fragil, wegschwebend
 
Zuletzt bearbeitet:

Max Neumann

Mitglied
Das ist eine Wiederveröffentlichung. Ich habe dieses Gedicht im Mai 2022 geschrieben, als ich in psychiatrischer Behandlung war und nüchtern wurde.

Ein weiser Mann sagte einmal: „Wer schreibt, der bleibt“, und er hatte recht. Schreiben kann Leben retten.

Finde etwas für dich selbst, das dir innere Stärke und ein Gefühl von Selbstwert gibt.

So können wir auf diesem Planeten überleben.
 

Tula

Mitglied
Hallo Max
So ist es. Schreibe weiter!
Zum Gedicht: Es fängt recht spannend an, die ersten 3 Strophen ergäben mMn durchaus ein vollständiges Gedicht. Mit treffendem Abschluss, denn man lebt nicht nur für sich allein und der Gedanke genau daran hilft in kritischen Gemütsstunden.
Dann aber ziehst du es in die Länge. Ohne die Dramatik persönlicher Erfahrungen in Frage zu stellen, aber 'kürzer' würzt und wirkt in der Regel mehr.

LG Tula
 

Max Neumann

Mitglied
Morgen Tula, danke für dein Feedback.

Diesen Text habe ich in einem sehr speziellen und heftigen seelischen Zustand geschrieben und für mich gehört das definitiv zusammen an dieser Stelle.

Mir ist bewusst, dass kürzere Texte generell mehr Leser finden und mehr Feedback hier in der Leselupe und woanders, aber für mich ist das ganz einfach so, dass wenn der Text so geschlossen ist, dass er dann auch so bleibt.

Ich habe gestern auf der Leselupe "Über das Schreiben" veröffentlicht und dort bestärkt, dass ich meine Gedicht ganz schnell loslasse.


Ich lege es nicht darauf an, dass das durch bestimmte Anpassungen mehr Leser/Erfolg hat oder Verleger findet.

Das ist Fakt, für mich zählt das Werk in seiner Originalität, in seinem Blut, in seinem Ursprung und so lasse ich die Texte dann auch.

Bis bald.
 



 
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