zeilen aus dem buch der hundertrose

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Das ewigkeitsdunkel
im aug

im schädel
versteinerte zeit
kein zeichen
das etwas bedeutet -
das sich wendet
gegen den
der es ausspricht.

ich schweige

auch über
den trügerisch
gebogenen sommerwind
trage

die skelette
kaum benutzter worte
den sprachlosen
tiefen der ozeane zu.

steine
gestehen langsam ihre lieder
die unermüdliche
symbolik des wassers

gestikuliert
vor dem blau meiner augen

von denen du sagst
ich trüge dir
mit ihnen das gefrorene

abbild meiner sprache zu.

das unendliche eiskristall.
 

HerbertH

Mitglied
sehr schön.

Nur am Schluss stört mich "das eiskristall" ...
Wie wäre es mit "das kristalleis"?

Herzliche Grüße

Herbert
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Patrick,

wir beide sind ja Lyriker, die eine ständige Melancholie in uns tragen.

Dein Gedicht gefällt mir ausgesprochen gut, bis auf einige Kleinigkeiten:

Das "Ewigkeitsdunkel" am Anfang hätte mich fast abgeschreckt, das Gedicht weiter zu lesen. Das ist m.E. etwas zu dick aufgetragen. Hier hätte "Dunkel" durchaus gereicht.
Auch das "Aug", welches etwas altmodisch daherkommt, will nicht wirklich zum Rest der Sprache deines Gedichtes passen. "Auge" würde die Sache im Handumdrehen reparieren.

Ansonsten ganz ausgezeichnet!

Liebe Grüße
Manfred
 
Das dunkel
im auge

im schädel
versteinerte zeit
kein zeichen
das etwas bedeutet -
das sich wendet
gegen den
der es ausspricht.

ich schweige

auch über
den trügerisch
gebogenen sommerwind
trage

die skelette
kaum benutzter worte
den sprachlosen
tiefen der ozeane zu.

steine
gestehen langsam ihre lieder
die unermüdliche
symbolik des wassers

gestikuliert
vor dem blau meiner augen

von denen du sagst
ich trüge dir
mit ihnen das gefrorene

abbild meiner sprache zu.

das unendliche kristalleis.
 
Hallo Herbert und Manfred
Ihr habt recht, ich habe eure Anregungen sehr
gerne übernommen. Ich denke so ist es runder.

Ich hoffe nur dass das dunkle im Auge, sowie
das Blaue Auge keinen unüberwindbaren Widerspruch
für den Leser bildet, da das Gedicht ihn
nicht erklärt.

L.G
Patrick
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Patrick,

ein Gedicht muss nichts erklären. Es findet im Kopf des Lesers statt.

Liebe Grüße
Manfred
 
Das dunkel
im auge

im schädel
versteinerte zeit
kein zeichen
das etwas bedeutet -
das sich wendet
gegen den
der es ausspricht.

ich schweige

auch über
den trügerisch
gebogenen sommerwind
trage

die skelette
kaum benutzter worte
den sprachlosen
tiefen der ozeane zu.

steine
gestehen langsam ihre lieder
die unermüdliche
symbolik des wassers

gestikuliert
vor dem blau meiner augen

von denen du sagst
ich trüge dir
mit ihnen das gefrorene

abbild meiner sprache zu.

das wortlose. ewig.
 

Monochrom

Mitglied
Hi PS,

eindrucksvolle, sehr greifbare Bilder.

"im schädel
versteinerte zeit
kein zeichen
das etwas bedeutet -
das sich wendet
gegen den
der es ausspricht"

Ganz großes kritisches Kino, klasse.

Auch die Wende von Sprache zum "Auge", dem Bild, in den letzten Strophe, das ist sehr gut getroffen.

Gerne gelesen,
Monochrom
 

morgenklee

Mitglied
Buchstaben zu Bildern transformiert / Ungereimtes

Hallo P.S.

Sehr eindrucksvolle Zeilen!
Du kannst Buchstaben in eindrucksvolle
Bilder verwandeln.
Das kann nicht jeder!

Eine Frage: Folgen die Leerzeilen
einem bestimmten Rhythmus
oder hast Du sie nach Gefühl
integriert? (... trage ...)

Noch 'ne Frage: Hundertrose?
 
Hi morgenklee
Danke für die lobenden Worte.

Die Leerzeichen setzte ich intuitiv, greife auch
oft daneben damit.

Das "Buch der Hundertrose" ist ein Sammelband
den ich geschrieben habe. Auch mein
neuestes Stück stammt daraus.

L.G
Patrick
 

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