He kwge, mir gefällt die Story. Kein Wunder, erinnert sie mich doch an meine Dorf, dass ich vor Jahrzehnten verlassen habe.
Meine Mutter hielt mich immer auf dem Laufenden über die Geschehnisse. Dieses Dorf in Mecklenburg-Vorpommern liegt zwanzig Kilometer von Grimmen entfernt.
Nach der Wende sind dort Umwälzungen eingetreten. Die LPG - Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft - machte dicht. Viele Leute suchten Arbeit in Schleswig Holstein. Meist in Hamburg, wo heute wohl die Hälfte der Dorfbevölkerung wohnt. Von einem winzigen Dorf in die Großstadt. Die meisten wollten aber lieber in der Heimat bleiben.
Nun habe ich mal nach der alten Gegend gegoogelt und erfahren, dass es bei uns keine Einkaufsmöglichkeit mehr gibt. Der Dorfkonsum hat aufgegeben. Für mich unvorstellbar. Ohne diesen Konsum hätte ich mir meine Kindheit nicht vorstellen können. Tausende Male bin ich mit zwei Einkaufstaschen beladen von dort gekommen. Auf dem Wege anderen potentiellen Einkäufern begegnet und Grüße ausgetauscht. Ohne diesen Konsum kein Dorf. Er war der Mittelpunkt des Lebens.
Und nun lese ich, dass es ihn nicht mehr gibt. Eventuell will vier Kilometer weiter, in Glewitz, ein Laden aufmachen. Es ist aber noch nichts raus und die Entfernung ist auch nicht ohne.
Es wurden Dorfbewohner interviewt, die sich alle den Laden zurückwünschten. "Selber schuld", dachte ich. Sie haben mit dem Auto ihre Einkäufe in den Supermärkten gemacht, die auf der grünen Wiese entstanden sind. So konnte sich der kleine Konsum nicht halten.
Und wenn ein neuer Laden aufmacht, wird das Gleiche geschehen. Die Leute sind geizig und begreifen nicht, dass sie um den Konsum zu erhalten, dort auch regelmäßig einkaufen müssen. Sonst geht er wieder pleite.
Die Bevölkerung, die keine Autos hat oder zu alt ist, um dieses zu fahren, wird mit fahrenden Läden versorgt. Sie kommen aber nur zu bestimmten Zeiten. Da kann man nicht einfach mal spontan einkaufen.
Ich wollte damit bloß sagen: "Ich sehe den neuen Laden, falls er irgendwann mal kommt, auch in die Insolvenz reinrutschen. Die Leute denken nicht mit. Lieber ein bisschen mehr Geld ausgeben und dafür eine Einkaufsmöglichkeit in der Nähe haben.
Deiner Ich-Erzählerin wird es vielleicht nicht anders ergehen. Sie probiert es aber.
Die AfD hat bei uns Zweiundfünfzig Prozent. Aus der zehnklassigen Oberschule, ich wohnte gegenüber, wurde eine Grundschule. Die Älteren müssen nach Triebsees mit dem Bus. Immerhin zwölf Kilometer. Kann ich mir gar nicht vorstellen. Eventuell soll die Schule bei uns im Dorf völlig abgewickelt werden.
Gruß Friedrichshainerin