Zugvögel

Anders Tell

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Wahrscheinlich bin ich etwas begriffsstutzig, aber ich habe keine Ahnung, worum es in dieser Geschichte geht, obwohl ich sie zweimal gelesen habe.
Anders
 

Shallow

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Hallo @kwge,

ein paar Leseeindrücke:

Scheinbar hat sich in der Zeit ihrer Abwesenheit wenig verändert. Bei ihrer Rückkehr hat sie ein Dorf vorgefunden, in dem es immer noch keine Einkaufsmöglichkeiten und keinen Arzt gibt. Aus der Verwandtschaft, die verstreut in der Umgebung lebt, kommen regelmäßig Beschwerden über die schlechter werdenden Lebensbedingungen auf dem Land. Die Sorgen vor Ort kennt sie, so wurden das nächstgelegene Krankenhaus vor Jahren geschlossen und eine Busverbindung eingestellt, manche Nebenstraße sieht wie damals löchrig aus. Es finden sich genügend Umstände, die die Leute verdrossener gemacht haben. Gleich geblieben ist auch gefühlte die Gleichgültigkeit, mit denen man von höheren Stellen ihrer Ortschaft begegnet.

Da geht einiges durcheinander: Bei ihrer Rückkehr findet sie ein Dorf vor, dass dies und das nicht, aus der Verwandschaft kommen regelmäßig Beschwerden über schlechter werdende Lebensbedingungen. Der zeitliche Bezug macht keinen Sinn, geschlossene Krankenhäuser und eingestellte Busverbindungen, manche Straßen sehen löchrig aus. Das ist nicht wirklich gut erzählt. Eigentlich gar nicht erzählt, gefühlte Gleichgültigkeit, (wobei der letzte Satz völlig falsch ist), naja, erzähl das doch, zeig irgendwas!
Der folgende Dialog ist keiner, dem Leser werden Gegebenheiten mitgeteilt.

„Es ist hier nicht anders, wie an anderen Orten“, meint Britta. „Wir haben euch gehen lassen müssen, damit ihr es zu etwas bringt. Und freilich habt nicht nur ihr euch verändert.“

So spricht niemand. Obwohl: "... anders wie ..." Ok, würde ich vielleicht kaufen, wenn der Rest nicht wäre.

„Schön, dass du zurück bist“; sagt Britta zu ihr, eine Frau, mit der sich bereits ihre Eltern gut verstanden haben und es immer noch tun. „Gewiss ist es mutig, nach so vielen Jahren wieder dorthin zurückzukehren, wo einen wenig erwartet.

Das musst du anders machen, das Semikolon muss weg, die Erklärung muss weg und die wörtliche Rede "Gewiss ist es mutig ..." muss anders!

„Es wird langsam dunkel, ich mach mal die Lichter an“,

Irgendwas muss man dem Leser anbieten, ihn bei der Stange halten, ihn unterhalten, authentisch sein.

Ich möchte dich keinesfalls entmutigen, mach weiter, mir hilft es manchmal, Dialoge laut vorzulesen. Dann fällt einem einiges auf. So geht es noch nicht, denke ich, aber das ist natürlich völlig subjektiv, andere werden das anders einschätzen.

Schönen Gruß von

Shallow
 
He kwge, mir gefällt die Story. Kein Wunder, erinnert sie mich doch an meine Dorf, dass ich vor Jahrzehnten verlassen habe.
Meine Mutter hielt mich immer auf dem Laufenden über die Geschehnisse. Dieses Dorf in Mecklenburg-Vorpommern liegt zwanzig Kilometer von Grimmen entfernt.
Nach der Wende sind dort Umwälzungen eingetreten. Die LPG - Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft - machte dicht. Viele Leute suchten Arbeit in Schleswig Holstein. Meist in Hamburg, wo heute wohl die Hälfte der Dorfbevölkerung wohnt. Von einem winzigen Dorf in die Großstadt. Die meisten wollten aber lieber in der Heimat bleiben.
Nun habe ich mal nach der alten Gegend gegoogelt und erfahren, dass es bei uns keine Einkaufsmöglichkeit mehr gibt. Der Dorfkonsum hat aufgegeben. Für mich unvorstellbar. Ohne diesen Konsum hätte ich mir meine Kindheit nicht vorstellen können. Tausende Male bin ich mit zwei Einkaufstaschen beladen von dort gekommen. Auf dem Wege anderen potentiellen Einkäufern begegnet und Grüße ausgetauscht. Ohne diesen Konsum kein Dorf. Er war der Mittelpunkt des Lebens.
Und nun lese ich, dass es ihn nicht mehr gibt. Eventuell will vier Kilometer weiter, in Glewitz, ein Laden aufmachen. Es ist aber noch nichts raus und die Entfernung ist auch nicht ohne.
Es wurden Dorfbewohner interviewt, die sich alle den Laden zurückwünschten. "Selber schuld", dachte ich. Sie haben mit dem Auto ihre Einkäufe in den Supermärkten gemacht, die auf der grünen Wiese entstanden sind. So konnte sich der kleine Konsum nicht halten.

Und wenn ein neuer Laden aufmacht, wird das Gleiche geschehen. Die Leute sind geizig und begreifen nicht, dass sie um den Konsum zu erhalten, dort auch regelmäßig einkaufen müssen. Sonst geht er wieder pleite.
Die Bevölkerung, die keine Autos hat oder zu alt ist, um dieses zu fahren, wird mit fahrenden Läden versorgt. Sie kommen aber nur zu bestimmten Zeiten. Da kann man nicht einfach mal spontan einkaufen.
Ich wollte damit bloß sagen: "Ich sehe den neuen Laden, falls er irgendwann mal kommt, auch in die Insolvenz reinrutschen. Die Leute denken nicht mit. Lieber ein bisschen mehr Geld ausgeben und dafür eine Einkaufsmöglichkeit in der Nähe haben.

Deiner Ich-Erzählerin wird es vielleicht nicht anders ergehen. Sie probiert es aber.

Die AfD hat bei uns Zweiundfünfzig Prozent. Aus der zehnklassigen Oberschule, ich wohnte gegenüber, wurde eine Grundschule. Die Älteren müssen nach Triebsees mit dem Bus. Immerhin zwölf Kilometer. Kann ich mir gar nicht vorstellen. Eventuell soll die Schule bei uns im Dorf völlig abgewickelt werden.

Gruß Friedrichshainerin
 



 
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