zwangsarbeit

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DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Bei manchen Zwangsarbeitern könnte man nach einer Pause noch ergänzen:

rehabilitiert........

LG Doc
 

HerbertH

Mitglied
Hallo Doc,

"rehabilitiert" würde eine bestimmte Form der Zwangsarbeit implizieren, eine, der man sich irgendwann entziehen kann, durch Entlassung. Du schriebst ja auch "manche Zwangsarbeiter". "gestorben" würde zu "rehabilitiert" nicht passen.

Interessant, wie ein einziges weiteres Wort die ganze Blickrichtung verändern kann. Eine Art sprachlicher Schmetterlingseffekt.

Liebe Grüße

Herbert
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich dachte eigentlich an die Zwangsarbeiter, denen nach sehr langer Zeit eine Entschädigung zugesprochen wurde, wobei die bereits Verstorbenen davon natürlich nichts haben. Oder an Denkmale, die ihnen gesetzt wurden, an Entschuldigungen, die aus den Reihen der Politik kamen. An die Zeitungsartikel, die endlich auf diese Menschen aufmerksam machten.
Auch durch solche Artikel wie Deinen!
LG Doc
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo,

eingentlich sollte es möglich sein, trotz des Minimalismus stärker eine Dramaturgie herauszuarbeiten. Ist hier m.E. leider nicht gelungen.

geschrieben
geschrieben
gescheitert

hahaha. Nein, in dem Kontext nicht lustig und als Humor ebenso gezwungen wie das Gedicht als Experiment.

Sorry - war allerdings einen Versuch wert.

Gruss

Jürgen
 

Thylda

Mitglied
Lieber HerbertH

Ich sehe da jede Menge Dramaturgie.

gefangen [ 4]sich gewehrt
geschlagen
gebrochen
gezwungen
geschuftet geschuftet [ 4]was er konnte
geprügelt [ 4]weil man noch mehr wollte
geschuftet geschuftet
geschuftet [ 4]ueber das Menschenmoegliche hinaus
geprügelt [ 4]immernoch nicht genug
geschuftet [ 4]in den letzten Zuegen
gestorben
Der Text ist der Hammer, auch bildlich.

Liebe Gruesse
Thylda
 

HerbertH

Mitglied
Liebe Thylda,

freut mich, dass der Text bei Dir Bilder wecken konnte. Drama ist da dicht, sehr dicht, auf jeden Fall.

Liebe Grüße

Herbert
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
gelesen:
gezwungen

Hallo,

sorry, aber aus meiner Sicht braucht dieses Gedicht kein Mensch. Das Thema ist zu ernst um damit Spielchen ohne jeglichen Erkenntnisgewinn zu treiben.

Nicht schlecht gemacht, wirkt auf mich aber ein wenig gezwungen. Ich sehe hier keine Verdichtung sondern eine gekünstelte, handwerklich gut gemachte aber dennoch gekünstelte, Reduktion und Reduktion ist hier unangebracht.

Gruss

Jürgen
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Jürgen,

Reduktion ist hier nicht angebracht, Du hast recht.
Hätte ich allerdings reduzieren wollen, hätte ich

geschuftet
gestorben

daraus gemacht.

Meine Idee war hier nicht Reduktion, sondern Abbildung
in die Sprache. Das Gedicht ist so geschrieben, wie ich mir vorstelle, wie ein Zwangsarbeiter die Zwangsarbeit empfindet, wenn kaum noch etwas übrig ist vor lauter Schufterei.

Nicht jedes Bild gefällt... Wie hättest Du das Thema umgesetzt?

Liebe Grüße

Herbert
 

Mir

Mitglied
Hi,
Hat mich berührt! Die Wiederholung von 'geschuftet' schien beim ersten Lesen redundant. Das Argument aus der Perspektive des Zwangsarbeiters zu schreiben, ist durchaus einleuchtend. Im letzten Wort wird diese Pespektive aber aufgehoben. Formal bleibt für mich ein kleiner Mangel, das Gedicht ist aber inhaltlich eindringlich und überzeugend.
LG,
Mir
 

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Herbert,

gar nicht (hätte ich das Thema umgesetzt). Nicht bevor sich ein Rudel zungenfertiger Musen sich auf mich stürzt...
Es gibt Themen, die ich nicht künstlerisch bearbeite, weil ich fürchte, sie sind grösser als meine künstlerischen Mittel.

Gruss

Jürgen
 

Thylda

Mitglied
Lieber JoteS

Zum Teil muß ich Dir Recht geben, einige Themen sind zu groß um sie abschließend zu behandeln. Wenn man genau ist, sind alle Themen zu komplex, sie mit Sprache völlig einzufangen. Und doch beschäftigen sich Gedichte aller Güteklassen genau damit, indem sie versuchen, das Wichtigste, einen Teilaspekt oder ein Muster herauszuarbeiten.

Ein Punkt, mit dem ich meine Schwierigkeiten habe, ist die Andeutung deinerseits, es gäbe Themen, die nicht angerührt werden sollten. Das halte ich geradezu für gefährlich, denn Themen, die der Diskussion entzogen werden, haben die Angewohnheit, ungesunde Blüten im Untergrund zu treiben. Jeder Dampfdrucktopf braucht ein Ventil, sonst...

Man kann natürlich empfinden, eine Umsetzung sei weniger gelungen, aber der Versuch sollte doch immer begrüßt werden.

Ich glaube nicht, daß Herbert Zwangsarbeit in seiner Komplexität einfangen, sondern nur ein bestimmtes Muster aufzeigen wollte, das zum Nachdenken und zur Diskussion einlädt. Das ist ihm doch zweifellos recht eindrucksvoll gelungen.

Liebe Grüße
Thylda
 

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