zwei seiten eines briefes

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Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Patrick,

erstmal eine Verbesserung:
Es müsste heißen "auf weiße Stellen Papiers".

Zum Gedicht:

Die erste Strophe ist sehr gut. Das Bild des Nomadenzeltes zwischen den Zeilen eines Briefes ist ein ausdrucksstarkes Bild. Für kurze Zeit sesshaft, aber jederzeit bereit, die Zelte abzubrechen.

Leider kannst du mit der zweiten Strophe dieses starke Bild nicht halten und das Gedicht verliert sich im Ungefähren.
Das ist schade, da kann man mehr daraus machen.
Ich hätte hier das Bild des (weiterziehenden) Nomaden weitergesponnen.

Da solltest du unbedingt dranbleiben, die erste Strophe ist es wert!

Liebe Grüße
Manfred
 
Hallo Manfred
Ich habe jetzt länger nachgedacht und noch immer
keine gute weiterführung der ersten Strophe gefunden.
Ich muss also noch ein bischen warten, bis es hoffentlich
von alleine kommt.

L.G
Patrick
 
Nomade heißt
hier
zwischen die wörter gestellt
ein zelt
auf weiße stellen papiers.

entscheide wieder
zwischen schwarz und weiß.
dazwischen
brennt der kamin.
 

Keram

Mitglied
Ich finde dein Gedicht ebenfalls gelungen. Der Nomade ist nicht seßhaft, ist frei, keinem Dogma verhaftet. Kann aufbrechen und innerhalten - wann, wo bzw. wenn er will. Ob nun sinnbildlich, d.h. zwischen den Worten, Zeilen, wo das Eigentliche in der Stille zu sprechen vermag, oder auch im Außen, von Fernweh ergriffen. Man könnte da noch mehrere Sinnbilder etc. finden.

Was deine 2.Strophe betrifft, so könnte sie gut ohne dem "dazwischen" auskommen:

entscheide wieder
zwischen schwarz und weiß
brennt der kamin.


Also, für mich bilden Schwarz und Weiß gegensätzliche Pole. Dazwischen, d.h. die Bewegungen in diesem Spannungsfeld, sind für mich das Leben, der brennende Kamin, die Kraft, der Antrieb, die Auflösung des alten. So in der Art ...
Sich für Schwarz oder Weiß zu entscheiden, würde m.E. Stagnation bedeuten, und letztlich Gefangensein, Dogma meinetwegen auch.

Grüße von keram
 

revilo

Mitglied
Nomade:
hier
zwischen die wörter gestellt
auf weiße stellen

entscheide dich
zwischen schwarz
und weiß.

LG revilo
 

Walther

Mitglied
hi Patrick,

den vorrednern möchte ich mich weitgehend anschließen.

das problem entsteht m.e. durch das doppelte "weiß". das ist in diesem kurzem text ein reizpunkt, der einen echten grund haben müßte - hat er aber nach meiner überlegung nicht, weil man das erste "weiß" durch z.b. "leer", "frei", "unbeschrieben", "unbesiedelt" o.ä. ersetzen könnte.

was meinst du?

lg W.
 

Ralf Langer

Mitglied
Hallo Patrick,

Ich lese weiss hier zweideutig,
Einmal weiss: Farbe
Einmal weiss: Wissen.

Deshalb kein Punkt nach

... schwarz und weiss.

Sondern ein Komma oder besser noch ein Doppelpunkt.

Trotzdem nach der sehr gelungenen ersten Strophe fällt die zweite ab.
Sie sucht eine Auflösung, will aber auch nicht zu viel Preis geben.
Meinem Empfinden nach 'scheitert' es eher am Kamin.
Warum?

Einerseits ist der Kamin Ort der 'Auflösung'. Also ein Ort der Verbrennung. Also beinahe nicht metaphorisch sondern ganz und gar Eindeutig!

Zum anderen beisst sich der Kamin mit dem Zelt und den Nomaden.
Ein Kamin steht in einem Haus, er ist verortet,sozusagen beheimatet. Das ist ein metaphorischer Widerspruch.
( Ich rätsele welche Absicht du damit verfolgst.Glaube nicht das du ihn zufällig gewählt hast)
Wahrscheinlich ist lyrich dort:
Ein Schreibtisch,die Briefe,der Kamin,der alles in Rauch auflöst)
Hm.
Also nach meiner Erkenntnis müßtest du entweder den Kamin tauschen mit etwas nomadehaftem, oder eine neue zweite Strophe schreiben, die den Leser sozusagen von der Einsamkeit der Zelte zum Kamin und der Behausung führt.

LG
Ralf
 
Hi.
Das Gedicht hab ich inzwischen total vergessen.
Daher muss ich selber nochmal darüber nachdenken wie ich mit ihm verfahren werde. Bis dahin schonmal vielen Dank für die Rückmeldungen :)
L.G
Patrick
 

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