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Leselupe.de > Erzählungen
"Du bist doch besoffen!"
Eingestellt am 28. 03. 2015 09:45


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Stefan Sternau
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Eine Geschichte als Entwurf eines Theaterstücks


Karl sitzt betrunken in der Wirtschaft, alleine an einem Tisch. Er hat 5 leere und 15 volle Biergläser vor sich stehen, die vollen Gläser in einer Reihe geordnet. Die Kneipe ist ziemlich leer, nur drei Männer stehen an der Theke und unterhalten sich mit dem Wirt.

Karl nimmt das 6. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und der PFARRER kommt in die Kneipe.
Pfarrer: „Ach, da sitzt ja der Karl, der arme Sünder. Karl, komme bald zur Beichte in die Kirche, damit dir deine Sünden vergeben werden. Denn wisse, der Herrgott freut sich gar sehr, wenn ein verirrtes Schäfchen zur Herde zurückkommt."

Karl: „Du bist doch besoffen!“

Pfarrer: „Unverschämtheit, du gottloser Geselle. Aber warte nur, wenn du dein sündiges Leben nicht aufgibst, wird dich der Teufel holen, so war ich ein Gottesmann bin.” – Der Pfarrer verlässt fluchend die Kneipe.

Karl nimmt das 7. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und der ARZT kommt herein.
Arzt: „Ach, das sitzt ja der Karl, mein Sorgenpatient. Karl, wenn du weiter so trinkst, machst du deine Leber kaputt. Du wirst vielleicht 10 Jahre kürzer leben. Komm mal nächste Woche in die Praxis, dann teste ich deine Leberwerte. Natürlich als Igel-Leistung.“

Karl: „Du bist doch besoffen!“

Arzt: „Dir ist nicht zu helfen, du Säufer. Sauf dich nur ins Delirium. Aber dann bist du zu gar nichts mehr nutze. Jetzt wärst du wenigstens noch als Organspender zu gebrauchen. Ich hätte da einen Interessenten für eine Niere, der würde gut zahlen. Überlege es dir.” – Der Arzt verlässt kopfschüttelnd die Kneipe.

Karl nimmt das 8. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und die PROSTITUIERTE kommt herein.
Prostituierte: „Hallöchen, Karl. Ich hatte heute einen Supertag, nur Premium-Freier, pass auf, Karl, ich mache heute mal umsonst die Beine für dich breit, wirklich für lau. Dann kannst du armes Würstchen auch mal einen versenken.”

Karl: „Du bist doch besoffen!“

Prostituierte: “Hör mal zu, du versoffenes Schwein. Wenn ich mich herablasse, dir einen Freifick anzubieten, dann hast du dankbar sein. Aber du Wicht kriegst ja sowieso keinen mehr hoch. Pass bloß auf, sonst sage ich meinem Zuhälter, du hättest mich vergewaltigt, was meinst du, was du dann für einen Ärger bekommst.“ – Die Prostituierte verlässt fußstampfend die Kneipe.

Karl nimmt das 9. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und der PSYCHOANALYTIKER kommt herein.
Psychoanalytiker: “Tag Karl, du bist auf der oralen Stufe stehen geblieben, du willst alles in deinen Mund reinsaugen. Wir müssen dringend einmal deine Mutterbeziehung aufarbeiten, du hast sicher einen Ödipus-Komplex. Du trinkst nur so viel, weil du eigentlich noch an der Mutterbrust saugen willst.”

Karl: „Du bist doch besoffen!“

Psychoanalytiker: “Ja, du bist wohl nicht für eine Psychoanalyse brauchbar. Freud sagte: Wo ES war, soll ICH werden. Aber du bist noch ganz im Es gefangen, also in deinen Emotionen und Trieben. Dein Ich ist völlig verkümmert, ein Über-Ich nicht vorhanden. Gut, vielleicht könnten wir trotzdem dein Ich aufbauen. Aber das eigentliche Problem ist: Du kannst bestimmt nicht meine Rechnungen für zehn Jahre Psychoanalyse mit 5 Wochenstunden bezahlen.“ – Geld zählend geht der Psychoanalytiker aus der Kneipe.

Karl nimmt das 10. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und die MUTTER kommt herein.
Mutter: “Ach Karl, mein Junge, da sitzt du nun schon wieder hier und trinkst. Willst du denn deine arme Mutter ganz unglücklich machen?! Ich hatte so große Hoffnungen auf dich gesetzt. Und du solltest mir doch meinen Lebensabend finanzieren.”

Karl: „Du bist doch besoffen!“

Mutter: “Na warte, Bürschchen, komm du mir mal nach Hause. So redet man nicht mit seiner Mutter. Ach hätte ich doch damals nur auf meine Freundin gehört und dich Balg abgetrieben. Oder hätte ich dich wenigstens nachher ins Heim gesteckt. Du hast so ein liebevolles Mutterherz gar nicht verdient. Ich habe dich doch immerhin 3 Tage gestillt, dann musste ich natürlich an meine Figur denken.” – Die Mutter verlässt schluchzend die Kneipe.

Karl nimmt das 11. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und der VATER kommt herein.
Vater: “Karl, mein Sohn, du trinkst viel zu viel. Du musst sehen, dass du noch etwas aus deinem Leben machst. Kann ich dir helfen? Du weißt doch, ich habe da einen Freund bei der Versicherung. Die können immer Klinkenputzer, ich meine Vertreter gebrauchen. Quatschen kannst du doch, dann kannst du doch auch irgendwelchen Leuten Versicherungen aufquatschen.”

Karl: „Du bist doch besoffen!“

Vater: “Hey, du alter Jammerlappen, nun reiß dich mal zusammen, einen Säufer als Sohn ist ja fast schlimmer als einen Schwulen. Wärst du nur zum Bund gegangen, dann hätten die dir schon Manieren beigebracht! Du bist nicht mehr mein Sohn.” – Der Vater bestellt beim Wirt drei Klare, kippt sie in Sekundenschnelle und wankt aus der Kneipe.

Karl nimmt das 12. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und der POLIZIST kommt herein.
Polizist: “Na, wieder am saufen, Karl. Gehe doch mal zu den anonymen Besoffenen oder wie die heißen. Und wenn du dann 5 Jahre trocken bist, schaue ich mal, ob ich vielleicht auf der Wache einen Aushilfsjob für dich habe: wir brauchen einen Dummen, der die Papierkörbe, Mülleimer und Aschenbecher leert.“

Karl: „Du bist doch besoffen!“

Polizist: “Hör zu, du Ratte. Das ist Beamtenbeleidigung. Du bist schon lange ein Ärgernis für mich, ich dulde keine Säufer in meinem Reich. Na warte, ich und meine Kollegen, wir kriegen dich schon noch. Wir warten darauf, dass du einmal betrunken ins Auto steigst. Dann sind wir da und schnappen dich. Oder wenn du irgendwo Streit anfängst. Ich habe eine Idee, wir bewerfen dich mit Bierflaschen, und wenn du dich wehrst, ist das Widerstand gegen die Staatsgewalt, und wir sperren dich ein.
Oder noch besser: Ich telefoniere gerade mal nach dem SEK, sage denen, du wärst Islamist und würdest hier Bier trinken. Die Typen sind so doof, das zu glauben. Aber ich verspreche dir: du wirst dich wundern, wie humorlos diese SEK‘ler sind, mit denen wirst du also viel Spaß haben.” – Der Polizist verlässt die Kneipe, die Hand drohend zur Faust geballt.

Karl nimmt das 13. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und die OPTIMISTIN kommt herein:
Optimistin: “Karl, sei fröhlich, lache, singe, tanze - das Leben ist so schön, schau, der Himmel ist blau, die Sonne lacht, die Vöglein singen. Wir leben in einer wonderful world, in einer beautiful world, I feel fine, I’m so glad, Don’t worry, be happy.”

Karl: „Du bist doch besoffen!“

Optimistin: “Ach, du Negativist, du Nihilist, du Pessimist, mit deiner Fresse machst du einen Anschlag auf meine gute Laune. Es ist Pflicht, gut drauf zu sein. Und es ist ein Egoismus, eine Rücksichtslosigkeit von dir, hier so miesepetrig rumzuhängen. Wegen dir Miesling muss ich jetzt zum Psychiater und mir Antidepressiva verschreiben lassen, damit ich nur nicht aus meinem High abstürze.” – Sie zeigt ihm den Mittelfinger und verlässt wutschnaubend die Kneipe.

Karl nimmt das 14. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und der SOZIOLOGE kommt herein.
Soziologe: “Aha, hier sieht man, wo es hinführt, wenn die kapitalistische Leistungsgesellschaft einen Menschen mit ihrer enormen Komplexität überfordert. Du Karl willst durch das Trinken eine Reduktion der Welt-Komplexität zu erreichen. Du müsstest stattdessen aber versuchen, deine Eigen-Komplexität so zu erhöhen, dass sich der Freiheitsraum deiner Handlungskompetenz signifikant vergrößert und du mehr funktionale Äquivalenzen zum Trinken herausbilden kannst.”

Karl: „Du bist doch besoffen!“

Soziologe: “Na ja, wissenschaftlich-soziologisch gesprochen bist du einfach ein asoziales Subjekt bzw. auch nur Objekt, kurz ein Assi. Dafür kann man dann schließlich nicht die Gesellschaft verantwortlich machen, hier kann auch die systemtheoretische Soziologie nicht weiterhelfen, weder die funktional-strukturelle noch die strukturell-funktionale, sondern nur ein Tritt in den Hintern.” – Notizen machend, geht es aus der Kneipe.

Karl nimmt das 15. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und der PHILOSOPH kommt herein.
Philosoph: “Sieh an, der Karl. An der Flasche. Aber sind wir nicht eigentliche alle Säufer? Und ist das ganze Universum nicht eigentliche eine unendlich große Flasche? Wir saufen das Leben ins uns rein, wir sind gierig, weil wir auf der Suche sind, auf der Suche nach dem Absoluten, dem Transzendenten, dem Universalen. Du Karl als konsequenter Säufer bist gewissermaßen unser Vorreiter oder Vorsäufer, pars pro toto, du säuft er für uns alle mit, um uns von unserem Hunger nach Sinn zu erlösen.”

Karl: „Du bist doch besoffen!“

Philosoph: “Hör mal zu, Karl, wenn ein Philosoph spricht, hat so ein Dummbeutel wie du zu schweigen. Du bist eine Dumpfbacke, ein Null-Denker, ein Schwachkopf, ein Vollpfosten, ein Superhirni, ein Alzheimerling.“ – Der Philosoph verlässt die Kneipe, während er weiter vor sich hinmurmelt: “ein Vollidiot, ein Schwachsinniger, ein ...”

Karl nimmt das 16. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und der humanistische PSYCHOLOGE kommt herein.
Psychologe: “Na Karl, du hast bestimmt Sorgen und darum säufst du. Ich verstehe dich und bin betroffen. Aber du weichst nur aus, du musst dich deinen Gefühlen stellen, lass deinen Schmerz und deine Angst mal raus. Schrei los!“

Karl: „Du bist doch besoffen!“

Psychologe: “Ja, du willst gar nicht gesund werden, du spielst ein neurotisches Spiel mit mir, aber das mache ich nicht mit. Du suchst die Schuld immer bei anderen, dabei bist du selbst schuld. Du bist sogar an deinen Eltern schuld, denn du hast dir deine Eltern selbst ausgesucht. Außerdem hast du bestimmt in deinem letzten Leben Böses verbrochen und musst jetzt dein negatives Karma abbüßen. Geschieht dir recht. Jeder bestimmt sein Leben total selbst. Also sauf nur weiter.” – Der Psychologe greift sich ein volles, das 17. Bierglas von Karl, trinkt es auf Ex und verlässt die Kneipe.

Karl nimmt das 18. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und die Frau von der ARBEITSAGENTUR kommt herein.
Arbeitsberaterin: “Karl, wo warst du beim letzten Termin? Ich habe einen tollen 1-€-Job für dich: Papier aufsammeln im Park. Als Papier-Untersammler. Wenn du das fleißig 3 Jahre durchziehst, kannst du Papier-Obersammler werden, mit weiteren Aufstiegschancen zum Premium-Papiersammler.”

Karl: „Du bist doch besoffen!“

Arbeitsberaterin: “Duz mich nicht, du fauler Sack, na ja, Sie fauler Sack. Als erstes kürze ich dir dein Hartz4 um 50%, streiche dein Wohngeld und hetze die Aufsicht auf dich. Außerdem bestelle ich dich jeden Tag zum Termin. Wenn du dann nur noch den kleinsten Fehler machst, landest du schneller auf der Straße, als du nur gucken kannst.” – Sie hastet aus der Kneipe, stolpert über die Schwelle und knallt hin. Die drei Männer an der Theke lachen lauthals, der Wirt kichert hinter vorgehaltener Hand, Karl reagiert nicht merklich.

Karl nimmt das 19. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und die FREUNDIN kommt herein.
Freundin: “Ach Karli, eigentlich bist du ja ein ganz lieber. Aber mit dieser Sauferei, da kann man keine Zukunft aufbauen, weißt du, ich möchte doch gerne ein Kind mit dir, und wir wollen doch zusammen ein Häuschen bauen. Kannst du nicht einfach aufhören zu trinken? Tue es mir zuliebe.”

Karl: „Du bist doch besoffen!“

Freundin: “Meine Mutter hat mich immer vor dir gewarnt, und sie hatte recht. Weißt du, dass Kevin gerne mein Freund sein will. Der hat einen guten Job, fährt einen BMW, so einen Loser wie dich kann ich nicht gebrauchen. Meinst du ich will, dass mein Kind sich mal wegen seinem Vater schämen muss. Ruf mich nicht mehr an.” – Sie schnippt mit dem Finger und rauscht aus der Kneipe.

Karl nimmt das 20. Bierglas und trinkt es auf Ex.


Die Tür geht auf und der BETRUNKENE FRANK kommt in die Wirtschaft.
Er geht etwas schwankend zu Karl und setzt sich zu ihm.
Frank: “Karl, du bist doch besoffen!”
Karl: “Endlich sagt mal einer was Vernünftiges.”

.........................................................................


Alternativer Schluss


Eigentlich finde ich den Schluss so ganz gut und pointiert. Aber ich denke, er wird manchen Leser doch etwas ratlos zurücklassen, er wird sich fragen, was ihm diese Geschichte eigentlich sagen will. Daher biete ich einen alternativen, erweiterten Schluss an, der bereits eine mögliche Interpretation des Stückes liefert.

Die Tür geht auf und der BETRUNKENE FRANK kommt in die Wirtschaft.
Er geht etwas schwankend zu Karl und setzt sich an seinen Tisch.
- Frank: “Karl, du bist doch besoffen!”
Karl: “Endlich sagt mal einer was Vernünftiges.”
- Frank: “Ich habe da lauter Leute wütend aus der Kneipe kommen sehen. Was war los?”
Karl: “Ach, all diese Heuchler. Ich trinke und trinke, damit ich deren Geschwätz nicht mehr höre.”
- Frank: “Das versteh ich.“
Karl: “Die mit ihren kleinen, billigen Glücksangeboten. Das kann doch nicht alles sein, da muss es doch noch etwas anderes im Leben geben, etwas Wirkliches, etwas Echtes, etwas Großes.“
- Frank: „Du und deine Wünsche sind denen im Grunde völlig egal.“
Karl: Ja, jeder will mich manipulieren, ich soll funktionieren, wie es ihnen passt, damit ihre spießige, verlogene Welt nicht zerbricht. Alle klammern sich an ihre Lebenslügen.“
- Frank: „Und wehe du widersprichst ihnen, wehe du spielst ihr krankes Spiel nicht mit.“
Karl: „Ja, dann zeigen sie ihr wahres, ihr hässliches, ihr böses Gesicht.“
- Frank: “Doch du willst trotzdem dein eigenes Ding machen.”
Karl: “Ja, alle beurteilen, analysieren, kritisieren mich und schreiben mir vor, was ich tun soll. Aber ich will so leben, wie ich es will. Wenn ich scheitere, dann scheitere ich eben. Aber es ist mein Scheitern, so wie es mein Leben und meine Entscheidung sind.”
- Frank: “Und nützt das Trinken was gegen diese Besserwisser?”
Karl: “Nicht wirklich.”
- Frank: „Ich glaube, für heute hast du genug getrunken. Und ich auch. Lass uns gehen.”
Die beiden verlassen die Kneipe.



Version vom 28. 03. 2015 09:45
Version vom 28. 03. 2015 18:40

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rothsten
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Hallo Stefan,

ob das nun für eine Geschichte taugt, lasse ich mal offen. Eine interessante Übung zum Thema "Wie schreibe ich einen glaubwürdigen Dialog" ist es allemal.

Im Einzelnen:

- Der Pfarrer

So schwulstig redet selbst ein Gottesmann nicht. "komme bald ...", das "e" stammt aus dem vor-vorigen Jahrhundert, heute benutzt das kein Mensch mehr. "Denn wisse" ...

Tipp: Lies das mal laut. Das erklärt hoffentlich alles, was es dazu zu sagen gibt.

- Der Arzt

Schon besser. Lediglich das mit der Organspende kaufe ich ihm nicht ab. Der Säufer lebt doch noch ...


- Die Nutte

Nahezu perfekt.

- Der Psycho-Heini

Fängt gut an, aber dann wirds zu viel. Immerhin gibt er ja einen ungefragten Rat, das hier klingt eher wie eine Vorlesung im Hörsaal.

- Mama

Er sollte ihr den Lebensabend finanzieren? So redet doch keine Mutter mit ihrem Sohn.

Du willst hier ne Menge Satire reinpacken. Die Idee ist gut, aber kann/sollte man das in drei, vier Sätzen versuchen?

- Papa

Der passt. Bis auf die Tatsache, dass er danach noch drei Kurze kippt. Er müsste sofort abhauen nach "du bist nicht mehr mein Sohn". Da bleibt doch keiner und trinkt seelenruhig ...

- Bulle

Der Dialog ist nicht schlecht, aber warum muss den (ersten Teil) ein Polizist führen? Den hätte auch ein x-beliebiges Arschloch von der Straße führen können. Der Polizist hätte hier nach dem Ausweis fragen sollen etc, etwas Polizeiliches halt machen sollen.

- Der Optimist

Hm, im ersten Teil wohl eher Kiffer denn Optimist, im zweiten Teil eher beleidigte Leberwurst. Eher schwacher Dialog.

- Sozi-Fuzzi

Das ist zu aufdringlich, die Besonderheiten müssten subtiler durchscheinen. So redet kein Mensch, auch kein Experte. Hier reden Menschen in einer Kneipe miteinander, nicht Fachleute auf einer Experten-Tagung.

- Der Philosoph

Den Dialog behalte mal schön in der Sammlung. Den kannst Du brauchen (Satire)!

- Psychologe

Zu aufgesetzt, siehe oben.

- Arbeitsamt

Jobvermittlung in der Kneipe? Der Vorwurf gilt übrigens für fast alle Dialoge (ärztliche Beratung etc.).

Und was wären wir ohne Klischees ...

Nebenbei: Wieviel ist in einem Glas eigentlich drin? Wir sind beim 19.

- Perle

Der Dialog ist ok. Kauf ich Dir ab.


Die Pointe ist witzig.

Die Alternative ist schlechter. Wie Du selbst festgestellt hast, liegt in der ersten Pointe bereits alles drin.



PUHHHHH!



Fazit:

Dialoge sind nicht einfach, ich finde es selbst ungeheuer schwierig, einen zu schreiben, der glaubwürdig klingt. Es muss halt passen zur Figur. Das ist hohe Kunst.

Wir müssen also üben, üben, üben!

Das hier ist eine Übung - ich habe sie gerne gemacht. Aber schieb das eher in "Fingerübungen". Man wirds Dir hier zerhauen, fürchte ich.

Vielen Dank und lg

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Stefan Sternau
???
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Hallo rothsten,
du hast meinen Text „Du bist doch besofffen!“ genau gelesen und ausführlich kommentiert – dafür erst einmal meinen Dank. Vieles kritisierst du, vor allem, dass manche Dialoge nicht realistisch seien. Das ist kein gutes Recht, aber ich habe auch das Recht, den Text eben anders zu sehen.

Vielleicht hätte ich mein Stück besser bei Satire eingestellt. Zwar geht es um einen ernsthaften Inhalt, aber doch in satirischer Form. Natürlich sind die Dialoge pointiert, überspitzt, eben satirisch übertrieben, um die Botschaft auf den Punkt zu bringen und dabei zugleich zu amüsieren. Und eine Satire muss nicht realistisch sein, sie darf es sogar nicht einmal. Aber anscheinend ist meine Form von Humor nicht immer verständlich, da hätte die Einordnung als Satire auch nicht viel geholfen.

Mit dem Vorwurf, ein Text sei nicht realistisch, kann ich nicht viel anfangen (auch wenn der Text nicht satirisch ist). Literatur ist Kunst. Sie muss nicht die Realität 1 zu 1 widerspiegeln. Das ist so, wie wenn man jedem Maler vorschreibt, er dürfe nur Foto-realistisch malen. Es geht aber gerade darum, dass die Maler die Welt unterschiedlich interpretieren, z. B. impressionistisch, expressionistisch, kubistisch, surrealistisch usw., ja dass sie die Realität in ihrem eigenen individuellen Stil, aus ihrem eigenen Blickwinkel darstellen - das macht doch gerade das Faszinierende der Malerei aus.

Ich habe in einer Antwort an Aligator die Idee entwickelt, dass ein oder mehrere Kritiker eine eigene Edition eines fremden Textes herausbringen. Das will ich dir hier ganz konkret anbieten. Schreibe eine eigne Version von “Du bist doch besoffen!“, so wie sie dir gefällt.
Die Version könnte z. B. heißen:
Stefan Sternau feat. rothsten: „Du bist doch besoffen!“
oder: Stefan Sternau: „Du bist doch besoffen!“ / Edition rothsten
Falls dir der Titel „Du bist doch besoffen!“ nicht gefällt, kannst du deinen Text auch gerne umbenennen (nur mit Hinweis auf den Original-Text).
Dann haben interessierte Leser eine Auswahl zwischen zwei Fassungen.

Viele Grüße
Stefan Sternau

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rothsten
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Hallo Stefan,

quote:
Mit dem Vorwurf, ein Text sei nicht realistisch, kann ich nicht viel anfangen (auch wenn der Text nicht satirisch ist). Literatur ist Kunst.

Literatur ist in erster Linie ein Handwerk. Nur wer das beherrscht kann mal vorsichtig darüber nachdenken, ob er sowas wie Kunst schaffe. Ich jedenfalls behaupte das nicht von mir.

Der Dialog ist in einer Erzählung unverzichtbarer Bestandteil. Ob Du ihn beherrscht, glaube ich Dir, wenn Du in einer Geschichte mehrere Figuren unterschiedlicher Prägung ausarbeitest und diese entsprechend sprechen lässt.

Dann glaube ich Dir, dass Du Dialoge kannst. Was zu beweisen wäre ...

quote:
Ich habe in einer Antwort an Aligator die Idee entwickelt, dass ein oder mehrere Kritiker eine eigene Edition eines fremden Textes herausbringen. Das will ich dir hier ganz konkret anbieten. Schreibe eine eigne Version von “Du bist doch besoffen!“, so wie sie dir gefällt.

Mit Verlaub, lieber Stefan, aber meine spärliche Freizeit reicht ja nichtmal für meine eigenen Textideen. Zum anderen verstehe ich dieses Forum auch nicht als Wettberwerb, sondern als Schreibwerkstatt. Letztlich fehlt mir auch die Lust. Warum sollte ich mich für jemanden bemühen, der andersum meinen Werken lediglich einen einzigen Kurzkommentar gewidmet hat? Stellst Du Dir das grundsätzlich so vor, dass sich alle nur um Dich zu bemühen haben?

lg



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Stefan Sternau
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Hallo,
die kundige Leserin und der kundige Leser werden es bemerkt haben: Ich benenne in meinem Text „Du bist doch besoffen!“ (ironisch) verschiedene Wege, das Leben zu interpretieren, aber vor allem Wege, das Leben zu gestalten und seine Probleme zu lösen. Zwar habe ich viele wichtige Wege angeführt: Religion, Arbeit, Beziehung, Sex, Familie, Gesundheit, Philosophie, Soziologie, Psychologie bzw. Psychotherapie, aber natürlich sind manche weitere Wege denkbar.

Heute will ich als Ergänzung einen Logiker einführen, Logik ist die Wissenschaft vom richtigen Denken und Schlussfolgern.

Die Tür geht auf und der LOGIKER kommt herein.
Logiker: Alle Menschen saufen, Karl ist ein Mensch, also säuft Karl. Das ist absolut logisch. Wir können auch sagen: Wenn alle Menschen nicht saufen würden und Karl säuft, dann wäre Karl kein Mensch. Das ist auch logisch. Oder mal anders: Wer Kölner ist, der säuft, und wer säuft, der ist auch besoffen. Wenn Karl Kölner ist, dann ist er auch besoffen. Logischer gehts gar nicht.

Karl: Du bist doch besoffen!

Logiker: Hör mal zu, einem Logiker widerspricht man nicht. Kennst du nicht den “Satz vom Widerspruch”? Der heißt: Widerspreche niemals einem Logiker - er könnte sonst eine Bierflasche nach dir schmeißen. Oder den “Satz vom ausgeschlossene Dritten”: Man ist entweder nüchtern oder besoffen, ein Drittes gibt es nicht. Aber stimmt das überhaupt? Kann nicht jemand nur zu 50% besoffen sein? Ich muss einmal darüber nachdenken. - Der Logiker verlässt die Kneipe, er nuschelt vor sich hin: „A oder nicht A, das ist hier die Frage!“

Stefan Sternau

(Bitte, liebe Kölner, keine Aufregung, es ist nur ein Beispiel bzw. ein Scherz, ich hätte ebenso jede andere Stadt nehmen können.)

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rothsten
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Hallo,
die kundige Leserin und der kundige Leser werden es bemerkt haben: Ich

ignoriere sämtliche wohlgemeinten Ratschläge, beraube mich damit selbst und werde mein Schreiben keinen einzigen Millimeter entwickeln, geschweige denn verbessern.

Bleib von mir aus, wie Du bist. Es gratuliert und antwortet Dir herzlichst ein allerletztes Mal,

rothsten

Frohe Ostern

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