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Leselupe.de > Science Fiction
2033 – Besiedlung des Mars
Eingestellt am 25. 11. 2016 14:59


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KUF
???
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2033 – Besiedlung des Mars

»Ein revolutionärer Schritt für die Menschheit!«, jubelte Rudy in die Kamera, winkte den Milliarden gebannt am Bildschirm Sitzenden zu, sprang aus der Raumkapsel und landete auf dem Mars.
Die Kolonie des Raumshuttles bestand aus fünfzig Männern und Frauen, die alle verheiratet waren, um sicherzustellen, dass die Fortpflanzung auch optimal genutzt wurde. Die Schwulen-und Lesbenverbände hatten die Einigung aller Völker unter der Bedingung unterschrieben, auf dem Mars das Recht auf freie Sexualität im Grundrecht zu verewigen, das auf einer Granittafel auf der höchsten Erhebung des Roten Planeten verankert worden war.
Die Verbindung zur Erde lief über TV-Serien, die mit frei wählbaren Kameraperspektiven die Marsexpedition in Big-Brother-Art filmten und so mitfinanzierten. Doch eines der Erdenländer hatte sich beim Versuch, nukleare Abfälle mit Schwarzer Materie zu verschmelzen, verkalkuliert, und damit dem tobenden Weltkrieg ein jähes Ende gesetzt.

Nachdem sich die Dunstwolke über dem Erdball nach einigen Jahrzehnten verzogen hatte, entdeckten die Marsbewohner zahlreiche Überlebende mit den Satellitenkameras an Orten weitab der Kernkraftwerke, die alle gleichzeitig explodiert waren.
Die Urenkel der ersten Marsbesiedler beobachteten, wie der letzte Grünfleck verschwand. Lebende Erdbewohner sahen sie jedoch nicht mehr. Manchmal schwelgten ihre Urgroßväter in Erinnerungen an ihre Zeit auf der sterbenden Mutter Erde. Die Alten berichteten einheitlich, das Bier aus dem Wasser sprudelnder Bergquellen ihrer Heimat das Hopfengetränk der künstlichen Marsquellen um Lichtjahre übertraf. Darum legten sie im Reinheitsgebot fest, nur mit Erdenwasser gebrautes Bier dürfe auch Bier heißen. Es gab auf dem Mars nur eine Bierflasche, die im Museum für Erdgeschichte in der Hauptstadt bewundert wurde. Die neue Generation erweiterte ihre Gedanken lieber beim Genuss von Marihuanatee, denn Rauchen kannte sie nicht mehr. Hartnäckig hielt sich die Legende, dass Rudy die Samen bei der Marseroberung von der Erde mitgeschmuggelt hatte. Nun ja, teilweise richtig – er war nur nicht der Einzige gewesen, der in Amsterdam Kaffee trinken gewesen war, bevor die Marsmission startete.

Inzwischen hatte sich der Rote in einen grünen Planeten verwandelt, auf dem türkise Ozeane zwei Drittel der Fläche überdeckten.
Über viele Generationen blühte die Zivilisation, bis wegen der drohenden Überbevölkerung nur noch jede zweite Frau die Genehmigung zu einer Geburt erstellt bekam, was wiederum erste Korruptionsfälle hervorrief. Ein Marsbeben riss die Granittafeln aus dem Fundament und stürzte sie in die Tiefe, die Menschenrechte krachten auf einen Granitfelsen und verfielen zu Staub.
Bald darauf hatten sich viele Länder gebildet. Der erste Krieg zerstörte die bis dahin nachhaltige Nutzung der Ressourcen. Die ökologische Balance geriet aus den Fugen und die mittlerweile natürlich funktionierende künstlich geschaffene Atmosphäre bröckelte, kosmische Strahlung und UV-Licht trockneten den Mars aus.

Die Überlebenden fertigten eine neue Granittafel mit Menschenrechten und bauten ein Raumschiff, um zurück zur Erde zu fliegen, die sich inzwischen vom letzten Menschenbefall erholt hatte.

Diesmal lief es besser. Tausende Jahre herrschten paradiesische Zustände. Bis zu dem Tag, an dem ein Wissenschaftler versuchte, die Lichtgeschwindigkeit zu übertreffen. Trotz Brummschädel, die Folgen ausgiebigen Hopfenwassergenusses am Vortag, wagte er den ersten Test des Warp-Antriebs.
Ob es sein Raumschiff wirklich auf Lichtgeschwindigkeit brachte? Er vermochte seinen Lebenstraum nicht mehr empirisch zu prüfen. Bei der Zündung zischte ein Lichtblitz über die Erde, alle meteoriteneinschlagsicheren sich selbst reinigenden Wasserstoffkraftwerke explodierten zeitgleich. Wir ahnen, was darauf passierte?

Nun, anfangs blieben die Folgen relativ gering, wobei die Betonung hier auf relativ liegt. Abgesehen von den Millionen Menschen, die in der Nähe der Kraftwerke lebten und zu Sternenstaub zerfielen, hielt die Atmosphäre dem Inferno stand. Die verbliebene Menschheit atmete tief durch. Obwohl: Die Erde begann, vermehrt zu beben, und Vulkane sprossen wie Pilze aus dem Boden. Die Lufthülle verdunkelte sich. Findige Chemiker fanden eine Lösung, den Schwefeldampf zu absorbieren. Das funktionierte zunächst wie erhofft, nur mehrten sich Fehlgeburten, und viele Tiere verendeten oder wurden immer riesiger, und passten sich den sprießenden Riesenbäumen an, die das Gewächshausklima hervorbrachte.

Die Pläne der letzten Marsbesiedlung lagen ja noch vor. Erneut machten sich die überlebenden Menschen auf, dem Roten Planeten neues Leben einzuhauchen.
Diesmal wollten sie es besser machen. In der Tat, einige Millionen Jahre lebte die Menschheit nachhaltig und im Einklang mit Mutter Mars und beobachtete aus der Ferne die Folgen des chemischen Stoffes, der die Vulkandämpfe auf der Erde vor Urzeiten hätte neutralisieren sollen. Riesige Echsentiere bevölkerten ihre einstige Heimat und lieferten imposante Bilder in die Fernsehapparate der glücklichen Marsbevölkerung.

Irgendwann, Millionen von Generationen später, die Riesenechsen waren längst ausgestorben – die Liveübertragung des spektakulären Meteoriteneinschlags hatten die Menschen damals im Public Viewing verfolgt – doch selbst dieses Ereignis lag bereits einige Eiszeiten zurück, da erwachte eine neue Marsanschauung. Ein Philosoph verachtete den Frieden. Er habe beim Sturz von einer Leiter auf den Hinterkopf Erleuchtung erfahren. Er überzeugte damit eine kleine Minderheit, die es gelangweilt vom friedlichen Miteinander für unabwendbar hielt, ein neues System einzuführen. Die Menschheit könne sich nur weiterentwickeln, wenn mehr Wettbewerb existiere. Die Einführung von Geld, das seit Millionen Jahren verdammt war, ermöglichte eine neue Gesellschaftsform, die stetig wachsen musste, um sich selbst zu tragen, und in der Ressourcen und Menschen zum Erhalt der Wirtschaft ausgebeutet wurden, wodurch in der Folge Rohstoffknappheit herrschte. Zum Raubbau an der Natur kamen natürlich, oder besser eben menschlich, Kriege hinzu.

Die letzten Überlebenden einer Kolonie, die weitab und völlig isoliert in den Bergen dem neu erschaffenen Kapitalismus ferngeblieben waren, und noch nach der alten Philosophie der Menschenwürde lebten, bauten sechs Raumfähren. Gerade noch rechtzeitig vor dem nuklearen Armageddon verließen sie die löchrige Marsatmosphäre und landeten an verschiedenen Stellen verteilt auf der Erde. Allerdings zerstörten sich die Raumschiffe kurz nach der Landung selbst. Denn diesmal wollten die verbliebenen Menschen den Neustart ohne jegliche Technologie durchführen.

Viele Tausend Jahre später las Theo die Zeitung auf dem Sofa. Statt eines Kaffees trank er den dritten Jagdmeister und biss in eine trockene Brezel. Nur flüchtig blickte er zu seiner Frau, die gerade im Evakostüm in die Küche spazierte und den Kühlschrank öffnete. Theo erwartete den täglichen Rüffel, wieder Arbeit zu finden oder wenigstens mit dem Trinken aufzuhören. Ja, der ewige Teufelskreis. Zylfie griff nach dem Nutella, das laut Theo nicht ins Kühlfach gehörte. Da er sich ein eigenes Glas jedoch nicht mehr leisten konnte, verkniff er sich seinen üblichen Kommentar. Er wusste, das Gespräch würde mit der Aufforderung enden, endlich einen verdammten Job zu suchen, dann könne er sich seinen Schleim wieder aufs Brot schmieren.
Zylfie schritt lächelnd auf ihn zu und stellte die Haselnussnugatcreme triumphierend auf den Esstisch. »Das war kein gutes Jahr für uns, aber es ist ja bald vorbei. Wir sollten völlig neue Wege gehen und einen Neustart wagen.«
Theo freute sich über seine gut gelaunte Schönheit und nickte. »Ja! Die Menschheit sollte langsam aufwachen, sonst zerstören wir das Gleichgewicht der Erde und sind womöglich noch dazu gezwungen, auf dem Mars eine Kolonie zu gründen, auch wenn das albern klingt.«
Zylfie schmiegte sich sanft an Theo, der erfreut ihre Rundungen koste. »Das ist genau, was ich meine. Hast du den Sportteil durch? Die Jobanzeigen liest du ja sowieso nicht, aber auf der letzten Seite steht ein reizvoller Artikel über eine geplante Marskolonie.« Zylfie sah ihn mit jenem eindringlichen Blick an, wegen dem er sich unsterblich in sie verliebt hatte. »Theo, die suchen verheiratete Pärchen Mitte zwanzig, mit einem philosophischen Bildungsabschluss, um fünfzehn Jahre dafür ausgebildet zu werden, eine Kolonie auf dem Mars zu gründen. Was meinst du?«
Theo füllte das Schnapsglas mit Jagdmeister, trank aber erst einen kräftigen Schluck aus der Flasche. »Wir können uns ja bewerben. Auch wenn ich nicht glaube, dass die ausgerechnet uns zwei Globetrotter nehmen, die mehr Zeit auf Reisen als in irgendwelchen Büros verbracht haben.«

Tatsächlich tauschte er den Jagdmeister mit dem täglichen Besuch des Fitnesscenters um die Ecke.
Nachdem das Pärchen den Fitnesstest der europäischen Raumfahrtbehörde bestanden hatte, folgte eine Einladung zum globalen Mars-Besiedlungsprogramm.

Siebzehn Jahre durchschritten sie die Ausbildung für die Marsmission. Theos unzählige Drogeneskapaden blieben unentdeckt, die vierzigköpfige Crew wählte ihn einstimmig zum Kapitän. Er war zweiundvierzig, als er das Raumschiff unter dem Jubel der Menschen und den Tränen der Angehörigen kommandierte, das im Januar 2033 n. Chr. den Erdorbit verließ.
»Ein revolutionärer Schritt für die Menschheit!«, jubelte Theo in die Kamera, winkte den Milliarden gebannt am Bildschirm Sitzenden zu, sprang aus der Raumkapsel und landete auf dem Mars.

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KUF
???
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Ohne Kritik kein literarisches Werk

Liebe Freunde literarischer Werke,

diese Kurzgeschichte entstand aus einer Laune und der Folge einer anregenden Diskussion mit dem Thema: In welchen Dimensionen schwebt denn unser Gehirn, das die Vergangenheit und die Gegenwart vereint und die Zukunft lenkt? Darauf erörterten wir die Auswirkungen und Möglichkeit der Wissenschaft und verflechtenden das mit der Entwicklung der Menschheit, die sich im Kreis dreht. Kulturen sprießen und erblühen, dann folgt der Verfall und der Wiederaufbau ... in derselben Nacht schrieb ich »2033 – Besiedlung des Mars«..

Es würde mich freuen, wenn denn jemand das Werk kritisieren oder gar interpretieren möchte.

Euer

KUF

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FrankK
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Hallo, KUF
Willkommen im Haifischbecken der Leselupe und willkommen zurück in der Science Fiction Ecke.

So unterhaltsam die Grundidee sein mag - ich habe ein Glaubwürdigkeitsproblem damit.
Rudy landet auf dem Mars, winkt Milliarden anderen auf der Erde zu, der Planet ist überbevölkert, dicht besiedelt, die Resourcen nahezu aufgebraucht. Es gibt einen Krieg auf der Erde - warum ist egal. Anschließend die völlige Vernichtung (?)(Schwarzes Loch vs. Nuklearer Abfall).
Der Mars wird besiedelt, die Menschen vermehren sich wie die Karnickel, die Resourcen werden (zumindest) abgeschöpft ...
Rückkehr zur Erde, die sich inzwischen erholt hat ...

Hier mein erstes Verständnisproblem: Die Resourcen waren geplündert, Artenreichtum nach einem nuklearen Winter sehr stark dezimiert.

Aber die Kolonisten beginnen wieder bei Null, die Erde wird besiedelt, die Menschen vermehren sich wie die Karnickel, die Resourcen werden (weiterhin) abgeschöpft ...

Fiasko mit einem Warpantrieb, explodierende Kraftwerke ...

Die Pläne der letzten Marsbesiedlung lagen ja noch vor. Erneut machten sich die überlebenden Menschen auf, dem Roten Planeten neues Leben einzuhauchen.

Hier mein nächstes Verständnisproblem: Die Resourcen waren geplündert.

Aber die Kolonisten beginnen wieder bei Null, der Mars wird besiedelt, die Menschen vermehren sich wie die Karnickel, die Resourcen werden (weiterhin) abgeschöpft ...

Bis es erneut nicht mehr geht ... Krieg ... Flug zur Erde ... Besiedelung ... bis es erneut nicht mehr geht ... und so weiter und so weiter.

Allerspätestens jetzt - bei der Dritten Erdbesiedelung, hätten die Kolonisten dumm aus der Wäsche gucken müssen.
Kupfer - abgebaut.
Brohm - abgebaut.
Eisenerz - abgebaut.
Öl und Kohle sind in den Jahrmillionen vielleicht ein "nachwachsender Rohstoff", aber die Mineralien und Erze?

Die gesetzte Pointe versucht ja gerade darauf anzusetzen, dass unsere augenblickliche Existenz auf Erden tatsächlich der "dritten Besiedelungswelle" entspricht.
Wir waren also schon zwei Mal hier und haben die Erde geplündert?

Für eine konzeptionelle Grundidee durchaus brauchbar, aber etwas zu oft hin und wieder zurück.
__________________
Leben und leben lassen.

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KUF
???
Registriert: Nov 2016

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Hallo FrankK,

vielen Dank für deine hilfreichen Statements. Ein kleiner Fisch schwimmt zwischen den Haizähnen hindurch. Aber endet der Weg in der Magensäure oder findet das Fischchen das Gehirn des Hais und lässt sich inspirieren?

Ein Outing: KUF schreibt seit drei Jahren an einem historischen Roman mit tiefsinnigen gesellschaftskritischen Freidenkerelementen. In der Zukunft folgen Fantasywerke und auch ein Märchen. Ideen für Dokumentationen hätte ich auch reichlich ... aber ich bin wahrlich kein SF Experte. Gestern las ein Freund aus Nottingham die englische Version von 2033: »Brilliant. This is science-Fiction. How many SF books have you read? Can you recommend one?«
Dies Frage brachte mich ins Stutzen, nach gründlichem Nachdenken fiel mir ein einziges ein ...

2033 soll Freude beim Lesen bereiten und gleichzeitig zur Besinnung anregen.
Humor vereint mit bitterernsten Themen, wie gut tut ein Lächeln?

Der Autor erhebt keinerlei Ansprüche auf endgültige Wahrheiten, weder kennt er den Tod, doch er ahnt den Kreislauf. Zuerst muss sich unser Verstand zu Höherem entwickeln. Ansonsten ist die Wissenschaft die größte Gefahr der Menschheit, wobei die Religion diesen Sonnenplatz nicht kampflos abgibt. Was hat der Zweite Weltkrieg in wenigen Jahren alles an Glanzleistungen der Technik hervorgebracht, welche Geisteskraft machte wahnsinnige Entwicklungssprünge möglich? Vom Propeller zum Düsenflugzeug, Raketen – Hiroshima.


Nun zu Deinen Anregungen. Sie sind hilfreich für jeden Autor, der an SF herangeht. Beantworten möchte ich sie dann mit der Sprache von 2033, Homo Humorusernstus.

quote:
Es gibt einen Krieg auf der Erde - warum ist egal.

Der Grund für den Weltkrieg der ersten Menschengeneration ist wissenschaftlich zurzeit nicht nachweisbar, wohl aufgrund fehlender Beweise in Form von Funden. Vermutlich religiöse Auseinandersetzungen.
Rudy, alias Homos Rudolfensis, – der erste Mensch auf dem Mars – glaubte an den Kreislauf wiederkehrender Leben. Jedenfalls in dem Moment, als er bei einer Außenreparatur auf dem Raumschiff lag und vom All aus die Erde in ihrer Schönheit betrachtete. Eine harmonische Welt ohne Grenzen. Die Wirkung des Mondes auf die Ozeane. Wolkenbänder, vereiste Pole, Wüsten, Berge, Wälder. Rudy erfasste den Erdglobus, der um die Sonne braust und sich dabei um die eigene Achse dreht und dachte an die immerfort auf uns wirkenden Kräfte des Sonnenkreislaufs, und addierte die Geschwindigkeit der Galaxien, die um schwarze Löcher sausen.

quote:
die Menschen vermehren sich wie die Karnickel


Karnickeln wollen wir alle doch täglich.
Entwicklung der Erdbevölkerung: Zwischen 1927 und 2011 ist die Weltbevölkerung um fünf Milliarden angestiegen.

quote:
die Ressourcen werden (zumindest) abgeschöpft ...

Die damaligen Ressourcen waren lange nicht ausgeschöpft, da war Mutter Erde noch jung und kraftvoll, stetig am Gebären.

quote:
Artenreichtum nach einem nuklearen Winter sehr stark dezimiert

Vor Kurzem irgendwo gelesen, persönliches Überprüfen aus gesundheitlichen Gründen verhindert: In Tschernobyl herrscht Artenvielfalt und Wildtiere vermehren sich.
quote:
Öl und Kohle sind in den Jahrmillionen vielleicht ein "nachwachsender Rohstoff", aber die Mineralien und Erze?

Die Form der Erde ändert sich in Jahrmillionen ständig. Deutschland war Wüste, tropisches Meer und völlig von Eis bedeckt, dazu gibt es die Polsprünge.
*Augenzwinkern* in jener Zeit, in der dieser namenlose Wissenschaftler, mit Vorliebe für Hopfenwasser, bereits dicht an der Lichtgeschwindigkeit kratzte, gab es ja Raumschiffe, die Mineralien und Gase aus dem gesamtem Sonnensystem zur Erde bzw. dem Mars frachteten.

quote:
und haben die Erde geplündert?

Nein uns gegenseitig bekriegt, unsern natürlichen Lebensraum vernichtet, und verseucht. Die Mutter Erde lebt auch ohne den Menschen fort ... Bis zu dem Tag, an dem die Energie der Sonne sich in einem schwarzen Loch ballt, Mutter Erde anzieht und wieder mit sich vereint. Und darin wiedergeboren wird ...

Homo sapiens hinterlässt seit über 200.000 Jahren Spuren, Homo Rudolfensis ist 1,9 Millionen Jahren alt. Rudy hatte, geschätzt, die Hälfte des heutigen Gehirnvolumens. Laut Einstein nutzen wir höchstens zehn Prozent des Denkpotenzials, und wir sollten uns vor der Dummheit der Wahrscheinlichkeitstheorie des unendlichen Universums hüten. Wir dürfen die Urmenschen nicht herabwürdigen. Nichts wissen wir von ihrem Denken, auch hatten sie wesentlich größere Köpfe.


Der Autor wird wenig überrascht sein, wenn wir bei einer Marslandung in der Zukunft zunächst Fundamente von Gebäuden und dann Skelette eines denkenden Wesens entdecken, das uns nicht unähnlich ist ...


Beste Wünsche

Kai, die lebende Reinkarnation von Rudy
__________________
Inspiration umgibt uns zu jeder Zeit, selbst im Schlaf – doch es bedarf immer einen Anschub, einer Uridee, die zu einem Werk heranreift.

KUF

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jon
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Es ist natürlich schwierig, einen Text auf Glaubwürdigkeit abzuklopfen, der schon mit seinem Ansatz alle "Science" über den Haufen wirft. Nichts in der Grund-Story hält einem genaueren Blick stand (*) - bis auf das Phänomen der menschlichen Dummheit vielleicht –, und das soll es offenbar auch nicht. Störend sind diese Fehler aber trotzdem, auch wegen ihrer Schwere.

* z. B.:

quote:
Die Kolonie des Raumshuttles bestand aus fünfzig Männern und Frauen, die alle verheiratet waren, um sicherzustellen, dass die Fortpflanzung auch optimal genutzt wurde.
Wieso? Haben Verheiratete immer Kinder (und zwar genug für eine Kolonisierung)? Und warum nur Verheiratete - was hat das mit Kinderkriegen zu tun?? (Wenn das eine Anspielung auf ein bestimmtes Bild in Sachen Sexualleben sein soll, dann gestalte es auch so aus!)
* z. B.:
Die bilden die Leute 15 Jahre lang aus? Worin? Und warum fangen die dann nicht mit jüngeren an – die „beste“ Fortpflanzungszeit liegt nicht bei 30plus, sondern bei ca. 18plus.

PS: Unsere Sonne wird kein Schwarzes Loch werden, dazu ist sie zu leicht. Hier klicken )


Nun würden mich diese Dinge schon genug stören, um den Text nicht gut zu finden, aber er ist außerdem auch erzählerisch nicht gut gebaut.
Es wäre zum Beispiel besser gewesen, sich zwischen szenischem Erzählen (wie bei Theos "Vorleben") und dem vorwiegend brichtsarteigen Erzählen (mit ganz kleinen Szenen-Einsprengseln) zu entscheiden. (Die Szene mit Theo bricht den Stil, ohne dass dieser Bruch irgendeinen neuen Aspekt indie Handlung bringen würde.)
Die Ansprache des Leser mittendrin hängt lose in der Luft.
Witzigkeiten entfalten sich nicht, sondern wirken eher wie Kalauer. Auch Anspielungen (wie das mit den Tafeln) wirken eher plump als harmonisch zum Text passend.

Und dazu kommen noch sprachliche Makel wie bei den oben schon erwähnten Verheirateten: Sind die auch miteinander verheiratet, also sind es 50 Ehepaare? Oder das "und damit dem tobenden Weltkrieg ein jähes Ende gesetzt." – welcher tobende Weltkrieg? Von sowas ist bis dahin nicht mal ansatzweise die Rede. Wieso Globetrotter? Eben noch ist uns Theo als mittelloser versoffener Faulpelz verkauft worden.


Alles in allem ein sehr enttäuschender Text. Die Idee hätte deutlich mehr Respekt (meint: Engagement beim Umsetzen) verdient gehabt.

__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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Tula
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Hallo nochmal

Ich denke, der Text hat so viele Ungereimtheiten und ist bewusst auf Absurdität ausgelegt, dass er sich von vornherein einer logischen Analyse entzieht. Insofern war meine erste Frage durchaus ernst gemeint: vielleicht ist der Text noch nicht bizarr genug. Jedenfalls sehe ich ihn nicht als science fiction im eigentlichen Sinne, eher als einen humoristischen Versuch, ein bekanntes Thema auch mal anders anzugehen. Nonsens, der dennoch eine 'message' enthält.

Die vor allem von Frank aufgedeckten groben Fehler fallen allerdings sofort auf, und könnten dahingehend behoben werden. Vielleicht reicht auch eine einmalige Wiederholung der Geschichte, dann wird das Ganze weniger konfus und man könnte dann einige lustig-absurde Details weiter ausbauen.

LG
Tula


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