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Leselupe.de > Ungereimtes
Am Ganges
Eingestellt am 22. 02. 2018 16:30


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Vera-Lena
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Am Ganges

Wie mag es sein, wenn diese Augen
dereinst trĂŒb geworden
von der schwarzen Haut umrandet
nur noch matt glÀnzen werden? Das frage ich mich,
die weiße EuropĂ€erin, die ich bin.

Jetzt aber entzĂŒnden deine dunklen Augen
ein Leuchtfeuer
und du entfesselst den Reichtum
deiner bildgewaltigen Sprache,
alltÀgliche Wörter kettest du aneinander
bis ich dabvon fast betrunken bin,
um mir zu sagen, dass die Frau
die Krönung der Schöpfung sei.

Stumm stehe ich vor dir und kann mich nicht
glaubhaft in deine Worte einbetten,
weiß auch nicht, ob sie mir schmeicheln sollen.

Mit deinem linken Zeigefinger gleitest du
ĂŒber meine Stirn, den Zweifel zu vertreiben,
schöner Fremder.








__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Version vom 22. 02. 2018 16:30
Version vom 22. 02. 2018 19:44
Version vom 22. 02. 2018 20:01

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Mondnein
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quote:
du entfesselst den Reichtum
deiner bildgewaltigen Sprache,
um mir zu sagen, dass die Frau
die Krönung der Schöpfung sei

das besagt, wenn ich es richtig verstehe, daß der Satz "Die Frau ist die Krone der Schöpfung" den Reichtum einer bildgewaltigen Sprache entfessele.
ZunĂ€chst ist dieser Satz so etwas wie die Halbierung der alten Formulierung, der Mensch sei die Krone der Schöpfung, wie sie von Benn in dem berĂŒhmten Gedichtanfang zitiert worden ist "Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch". Wer kennt den Vers nicht? Der Entfessler des Reichtums seiner bildgewaltigen Sprache vielleicht, der kennt den Vers wahrscheinlich nicht, sonst hĂ€tte er die Formulierung vermieden.
Jetzt also nur noch die weibliche HĂ€lfte des Menschen.
"Die Krone der Schöpfung, das Schwein, die Frau" - ?

Und das ist nun "der Reichtum einer bildgewaltigen Sprache" - wessen?

Ich vermute, das ist metaphorisch gemeint. "Reichtum" ist Metapher fĂŒr "Armut"; "bildgewaltig" ist Metapher fĂŒr "nichtssagend"; "Sprache" ist Metapher fĂŒr "KlanghĂŒlse".

Dann wird es vielleicht ein sinnvoller Vers, versteckt in einer Scheinphrase. Ein Hilferuf voller Verzweiflung.


__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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Vera-Lena
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Hallo Mondnein,

danke fĂŒr Deine MĂŒhe!

Nein so hatte ich es nicht gemeint.

Du hast schon recht, hier fehlt, wer am Ganges zu Hause ist, und wer der eigentlich Fremde ist.

So wie es jetzt da steht, ist alles zu ungenau und man kann es gar nicht interpretieren.

Darum ist es ja auch gut, so etwas einzustellen, weil man das selber gar nicht merkt.

Ich werde das jetzt Àndern.

Liebe GrĂŒĂŸe
Vera-Lena



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Vera-Lena
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Nun möchte ich doch einmal sagen, was mir an diesem Text wichtig ist.

Nachdem ich soviel "FlĂŒchtlingsgedichte" geschrieben habe, lag es mir am Herzen, hier einmal deutlich zu machen, wie es sein kann, wenn Fremdes Fremdem begegnet, ohne dass einer von beiden unter irgendeinem Ă€ußeren oder psychischen Druck steht.

Das ist doch unmöglich, dass man den anderen auf Anhieb sofort versteht.

Aber neugierig sollte man bleiben und sich öffnen fĂŒr Ungewohntes, fĂŒr Neuartiges, fĂŒr eine andere Welt.


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Tula
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Hallo Vera-Lena

Ein Problem sehe ich hier in der 'bildgewaltigen Sprache'. Das deutet an, dass du etwas von der anderen Kultur verstehst, ich meine mehr als ein Tourist mit seinem ReisefĂŒhrer in der Hand. Dann fehlte aber in der Tat ein tiefer gehender Bezug auf einen Teil jener Kultur. Es reicht ja nicht, den Reichtum einfach nur zu benennen.

Jetzt lese ich in deinem Kommentar, dass deine Absicht das 'nicht-Verstehen' durchaus einrĂ€umt. Ich wĂŒrde dieses Empfinden also direkter in S2 einbauen.

LG
Tula

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Vera-Lena
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Hallo Tula,

danke fĂŒr Deinen Kommentar und Deine Wertung!

Ein wenig habe ich jetzt eingefĂŒgt, wie das gegenwĂ€rtige Hindi, unter anderem zu erzĂ€hlen sich anschickt.

Es bildet Ketten von Wiederholungen, benutzt aber auch andere Mittel wie Auslassungen, Verkleinerungen usw.

Die deutsche Sprache der Romantik bemĂŒhte Ă€hnliche Mittel der Wiederholung.

Bei dem einzigen Roman von Mörike "Maler Nolten" bekommst Du das Geschehen auch immer noch einmal erzÀhlt aus einer anderen Sicht von anderen Personen.

Liebe GrĂŒĂŸe
Vera-Lena


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