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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Bruchstücke III
Eingestellt am 07. 06. 2005 08:45


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Otto Lenk
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Eine Feder für jeden Flug
Ein Alles für das Nichts
Ein Stein für alle Berge

Die Bucht von Carmel, wie immer um diese Uhrzeit, im Nebel. Die Äste der Zypressen frisiert vom Wind, landeinwärts. Über allem der penetrante Verwesungsgestank des Tang. Das Kreischen der Möwen klingt ängstlich, kleinlaut. Die Glocken der Carmel Mission schlafen seit Jahrhunderten. Der Highway 1, die Silhouette einer Schlange, die sich an den Klippen entlang windet. Über allen Pflanzen kriecht Poison Ivy…Margie hatte mir erzählt, dass es giftig sei. Leider habe ich vergessen, was daran giftig ist.

Ja, ja…die Kinder. Schon gut, ich vergesse es nicht! Scheiß Verantwortung, ich vergess dich schon nicht.

Die Kinder. Sie spielen am Strand. Schmeißen Erdnuss-Flips in die Luft. Die Möwen, aus dem Nichts, fangen sie im Flug. Jennifer ähnelt ihrer Mutter sehr. Nicht äußerlich.

Ein Schwarz für jeden Tod
Ein Blau für jedes Leben
Ein Grün für jede Hoffnung

Ein erster Sonnenstrahl dringt durch das Grau. Diese Insel aus Licht erinnert mich an dich.
Langsam schmilzt der Nebel. Das Meer dahinter ist von einem beständigen Grau. Manchmal, wenn es die Sonne gut meint, von Silber durchzogen. An windstillen Tagen gleicht das Meer einer zähen Masse aus Quecksilber. Keine Bewegung, wie erstarrt.
Mit dem Licht kehrt der Wind zurück. Mit dem Wind die Töne und Gerüche aus Monterey.

Der Geruch von Fisch. Ich schließe die Augen und schlendere über den Trinidad Pier. Vorbei an Fischerbooten und alten Holzhütten. Links und rechts sitzen Pelikane und Möwen. Sie warten auf ankommende Boote, auf den Abfall. Alles hier atmet Vergangenheit, kaum noch Gegenwart, keine Zukunft.
Auf den Felsen, die aus dem Meer ragen, wimmelt es von Seelöwen. Ihre Rufe werden mit dem Wind an Land geschwemmt, bringen mich zurück zum Strand.
Ich blicke hinüber nach Monterey, lausche dem Heulen…
It´s too late, it´s too late, klagt es in mir wieder.

Ein Auf für jedes Ab
Ein Du…
Einen Augenblick für die Ewigkeit

In zwei Tagen werden wir um 04:03Uhr aus dem Schlaf gerissen werden. Die Hängelampe unseres Motelzimmers wird an die Decke schlagen, die Fenster aus dem Rahmen fallen, der Fernseher zu Boden. Ich werde glauben, den realistischsten Traum meines Lebens zu träumen, bis ich aus dem Bett falle und kapiere...Erdbeben. 7,3. Alles in Bewegung. Mein Herz springt. Abgrundtiefe Angst. Der Tod ist da. Er steht direkt neben mir und lacht. Es gleicht dem Geheul der Seelöwen…
Nein, ich will nicht sterben.

O8:17Uhr. Ein zweites Beben. 6,8.

Geheilt.

Ich werde die alten Tagebücher in den Bergen begraben. Der Bergsee in der Sierra Nevada, das einsame Haus… Ein guter Ort, voller Frieden. Auf der letzten Seite folgender Eintrag:

irgendwann
wird meine seele
wieder funkeln

wie wellen
im licht

bette mich
in deine erde

bis dahin

Arm in Arm mit dir am Strand von Carmel. Über uns tanzen Möwen. Die ganze Welt schmeckt nach Liebe.

meine seele
eine welle aus licht

Jetzt, am Ende, welcher ein Anfang ist, verstehe ich. Ich blicke den Strand entlang und entdecke überall Spuren.

Manche Wege sind ein Leben lang.

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Otto Lenk
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Erinnerst du dich?
Der Wind in der Wüste
Dieser Riss in der Erde
Wie durchs Herz
Tief und rot

Wir auf dem See
Hinter der nächsten Biegung
Anfang der Welt

Du in meinen Armen
Unberührt
Dieser Riss durchs Herz
So rot und tief
Wie die See

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Otto Lenk
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hinein.

er
wollte sterben
glitt ins wasser
ertrank
im letzten be-
wussten moment
spürte er
- eine ewigkeit -
dass er
fisch gewesen
irgendwann
und schwamm
aus sich heraus
in die welt

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Otto Lenk
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gezeiten.

laternen zeichnen
milchiges licht auf
verlorene wege
ertrunken in mir
wate ich durch
altes land
pflücke
traurige träume

ein zug aus glas
fährt vorüber
die menschen darin
winken mechanisch
ich erkenne sie
keine tür führt zu ihnen
endlos die reise
nach süden

immer weiter
ziehen die bilder
hinaus
aufs offene meer
sehne ich mich
nach dem grund
und lasse los

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Otto Lenk
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manchmal…wenn ich zu den sternen sehe
verspüre ich den drang sie auszublasen
mit einem Schrei – sie einfach
vom himmel wegzupusten
sie stören mich, in ihrer ewiglichen prächtigkeit
für die es kein auf und ab zu geben scheint-

gleichförmig strahlen sie und deuten alles gut
~hier oben, hier oben, hier oben lebt der kleine prinz~
so klingt es silberstreu- und schnuppenschön
oh mann, oh mann, hier unten leuchte ich
in graumelierten tönen und leck mich fett eintönigkeit
ja manchmal, wenn ich zu den sternen sehe…

…dann könnt ich, würd´ ich, tät ich gern,
so ewig glücklich scheinen.

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Otto Lenk
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wort für wort

die muse, die mir einst
den arsch geküsst
ist längst schon fort
ich weiß nun
dass sie eine hexe ist
nur auf verdammnis aus
sie gaukelt einen
wort für wort
in eine welt, die alles,
alles will und nichts
verspricht
(außer der seele not)
die saugt und saugt
bis fäulnis jedes wort
befleckt und spitze zungen
dornenreich
durchs ohr ins hirn vordringen
blutend flüsternd
vom einzig wahren wort

doch mein geist
ist längst schon fort
wort für wort
an einem anderen ort

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