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Leselupe.de > Kindergeschichten
Das Südseepiratenschokoladeneis
Eingestellt am 26. 07. 2017 08:36


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mapetiterandalette
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2017

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Ahoi Kinder!

Wenn man so wie ich auf allen 93 Weltmeeren gesegelt ist, von Norden nach Süden, von Osten nach Westen, von Chile bis Honolulu und von Timbuktu bis Schanghai, da hört man natürlich jede Menge spannende Geschichten. Die, die ich euch heute erzähle, hab‘ ich sogar selber erlebt. Es geht um etwas, was mir altem, dicken Piratenkapitän sehr, sehr wichtig ist: ums Essen.

Habt ihr auch ein Lieblingsessen? Ja? Was denn? Also, ich verrate euch ein Geheimnis: Mein aller-, allerliebstes Lieblingsessen ist Schokoladeneis.

Und ich kann euch sagen, das kann manchmal ganz schön schwierig zu kriegen sein. Stellt euch bloß mal vor, ihr segelt auf eurem Piratenschiff, mitten in der Südsee, und habt kein Eisfach an Bord. Und dann kriegt ihr plötzlich wahnsinnige, unbändige Lust auf ein Schokoladeneis. Versteht ihr, was ich meine? Ein echtes Problem!

Was macht da der schlaue Piratenkapitän? Als erstes: Ruhe bewahren. Ganz wichtig. Und dann, als zweites, dann macht er sich einen Plan.

Also. Was braucht man alles für ein gutes Schokoladeneis? Eis, klar. Und Schokolade, oder jedenfalls Kakao. Dann brauchen wir Zucker. Soll ja auch süß schmecken. Einen Holzstiel… aber der gehört eigentlich nicht zum Grundrezept, und wenn wir wirklich einen brauchen, nehmen wir das Holzbein vom Bootsmann. Und Sahne, beziehungsweise Milch. Die brauchen wir unbedingt.

Wir segelten also durch die Südsee und suchten die Zutaten für unser Schokoladeneis.

Das mit dem Eis war knifflig. Ich habe mir tagelang den Kopf zerbrochen. Dann kam uns der Zufall zu Hilfe. Eines schönen Nachmittags rief unser Ausguck, das ist der, der oben auf der Spitze des Mastes im Krähennest sitzt und den ganzen Tag mit dem Fernrohr den Horizont nach feindlichen Piraten und Schatzinseln absucht, also der rief plötzlich so laut, dass es über das ganze Deck hallte: „Pinguine voraus!“ Und tatsächlich: Am Horizont trieben drei schwarz-weisse Pinguine, mitten in der Südsee, auf einer kleinen Eisscholle.

Das ist in der Tat sehr ungewöhnlich. Natürlich haben wir sofort Kurs gesetzt und sind hingesegelt, um nachzusehen. Und was soll ich euch sagen: Die drei Jungs hatten sich total verfranzt. „Wo wollt ihr denn hin?“, fragte ich. „Zum Südpol“, krächzte einer. „Ja genau! Zum Südpol!“ krächzten die anderen. „Jungs“, sagte ich, „Jungs, das hier ist die SüdSEE. Ihr seid hier völlig verkehrt! Wisst ihr denn wenigstens die Richtung?“ Nö. Wussten sie nicht. War ja klar.

Ich schlug den dreien einen Handel vor. Wir warteten bis zur Dunkelheit, und dann, als die Sterne am Firmament aufleuchteten, zeigte ich ihnen den Nordstern. Der zeigt ja bekanntlich immer nach Norden. Sie mussten also nur immer von ihm weg fahren, dann würden sie irgendwann wieder nach Hause kommen. Die Pinguine waren begeistert! Im Austausch dafür gaben sie mir ein Stück von ihrem Eisberg ab, etwa so groß wie ein Kühlschrank, und dann paddelten sie mit ihren kleinen platten Füßen los, in Richtung Süden. Tschüss, Pinguine!

Wir hatten also unser Eis. Ich war selig! Also weiter mit dem Plan. Das mit der Schokolade sollte das kleinste Problem sein, denn wir waren in der Südsee, und in der Südsee liegt die Osterinsel. Und wer wohnt da? Na klar: der Osterhase! Und der Osterhase ist ein guter alter Kumpel von mir.

Wir liefen also die Osterinseln an und sagten dem Osterhasen Hallo. Der freute sich sehr über unseren Besuch und lud uns zum Tee ein. Wie ich mir gedacht hatte, hatte der Osterhase jede Menge Schoko-Ostereier da, und weil gerade Sommer war, brauchte er sie nicht alle. Er hat uns also drei Schuhkartons voll eingepackt und mit auf den Weg gegeben. Wir bedankten uns sehr herzlich, wünschten ihm noch alles Gute und legten wieder ab.

Wir hatten also Eis und Schokolade. Was fehlt noch? Milch, und Zucker.

Das mit der Milch war jetzt so eine Sache. Welches anständige Piratenschiff hat schon eine Kuh an Bord? Kennt ihr eins? Also, ich nicht. Das würde wohl nicht so einfach werden… Plötzlich hatte ich eine Eingebung! Ich lief zur Reling, beugte mich hinüber und rief hinab in die Gischt: „Nellie! Hallo, Nellie! Bist du da?“ Und tatsächlich: Nellie war da! Gleich ist sie aufgetaucht, meine liebe, alte Freundin Nellie. Manchmal schwimmt sie gerne ein paar Seemeilen mit. Nellie ist keine Kuh, aber sie ist eine Seekuh. Groß, grau, mit einer sehr hübschen dicken Nase. Nellie war bezaubernd wie immer. Nachdem ich ihr unsere Notlage erklärt hatte, war sie sofort bereit, sich melken zu lassen. Und dann hatten wir ein paar Liter dicke, sahnige Seekuhmilch.

Fehlte also nur noch der Zucker. Und der stellte sich, wie ich insgeheim erwartet und befürchtet hatte, als das größte Problem heraus. Wo, mitten in der Südsee, sollten wir bloß Zucker hernehmen? Irgendjemand eine Idee? Ich war ratlos, und kurz davor, zu verzweifeln.

Die rettende Idee hatte, wie so oft, mein Bootsmann. Mein Bootsmann ist überhaupt der beste. Er hat zwei Hakenhände, ein Holzbein und eine Augenklappe, und ihm fällt immer etwas ein. „Käpt’n,“ raunte er mir zu, „Käpt’n, ich hab da so eine Idee, büschn verrückt vielleicht…“ Ihm waren nämlich die Wattestäbchen in unserem Kielraum eingefallen…

Wie jedes anständige Piratenschiff hatten wir eine größere Ladung Wattestäbchen an Bord; um genau zu sein, 93 Kisten. Warum Wattestäbchen so wichtig sind? Na, damit sich meine Piraten die Ohren putzen können! Sie sollen doch meine Befehle verstehen, und wenn ich brülle: „Deck schrubben!“, dann sollen sie gefälligst das Deck schrubben, und nicht etwa das Vordersegel aufziehen!

Was also, hatte sich mein Bootsmann gedacht, wenn unter den 93 Kisten vielleicht ein paar Stäbchen mit einem kleinen Fehler wären? So produktionsbedingt? Wenn sie, sagen wir mal, nicht aus Watte gemacht wären, sondern aus…?! Faszinierende Möglichkeiten! Das musste unbedingt untersucht werden. Wir packten also 93 Kisten Wattestäbchen aus, und ich sage euch, Kinder, an Deck sah es aus, als hätte es geschneit. Und tatsächlich: Zum Schluss hatten wir eine kleine Handvoll Wattestäbchen gefunden, die waren versehentlich aus Zuckerwatte gemacht. Bingo!

Jetzt gab es kein Halten mehr. Mir lief schon das Wasser im Mund zusammen. Wir nahmen unserem Schiffsjungen dem Eimer weg – „lass gut sein, Piet, kannst später weiter Deck schrubben“ – und kippten alle Zutaten hinein. Das Eis. Die Seekuhmilch. Die Schokoladeneier. Die Wattestäbchen aus Zucker. Alles rein in die Pütz. Dann schnallten wir unserem Bootsmann das Holzbein ab und mixten damit alles kräftig durch. Und dann: Ich als Kapitän durfte natürlich als erster. Ich nahm zwei Finger und fuhr damit tief durch die kalte, braune Masse. Endlich. Mmmmmh! Aaaah! Lecker! Bestes Piratenschokoladeneis aller Zeiten!

Also, meine Lieben, so wurden wir gerettet. Und wenn ihr mal in die Verlegenheit kommt, mitten in der Südsee auf einem Piratenschiff wahnsinnig Lust auf ein Schokoladeneis zu kriegen: Ihr wisst ja jetzt, wie’s geht.

__________________
"this ain't no Lesung - it's an Erzählung"

Version vom 26. 07. 2017 08:36

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hera
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