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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Urteil
Eingestellt am 08. 05. 2016 17:13


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pacapacaacapac
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2016

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Wie das Gesetz es vorschrieb, wurde C. das Todesurteil im FlĂŒsterton mitgeteilt. Der Prozess fand in einem kleinen fensterlosen Raum hinter verschlossenen TĂŒren statt. Anwesend waren neben dem Angeklagten C. nur der Richter und die AnklĂ€gerin. Beide waren auch zwei der vier WĂ€chter des GefĂ€ngnisses, in dem C. lebte.

Er wusste nicht, wie lange er schon an diesem Ort war. Es gab keine Erinnerung an die Zeit davor, sodass er sogar glaubte, dort geboren zu sein. Man konnte nicht behaupten, dass es ein unangenehmer Ort war. Er bekam genug zu essen, auch wenn die Mahlzeiten rationiert und meist dasselbe waren. Zudem boten die WĂ€chter ihm manchmal Unterhaltungsprogramm, auch wenn auch das in den letzten Jahren nachgelassen hatte. C. wusste nicht, warum er hier war, wofĂŒr er so sorgsam am Leben gehalten wurde. Es gab Regeln, die er nicht verstand und er hatte doch keine andere Wahl, als sie zu befolgen. Er konnte sich sogar frei bewegen, nur das GebĂ€ude nie verlassen. Die TĂŒren waren verschlossen, die Fenster immer verriegelt. Bis zum gestrigen Tag.

„Du weißt, du darfst nicht nach draußen“, flĂŒsterte die AnklĂ€gerin leise. Niemand außerhalb des Raumes sollte erfahren, was hier vor sich ging. Sie hielt C. am Nacken fest und strahlte ihm mit einer Taschenlampe ins Gesicht.
„Draußen ist es gefĂ€hrlich und schmutzig. Du könntest sterben! Aber bei uns ist es sicher“.
„Wir haben leider keine andere Wahl, als dich dafĂŒr zu bestrafen“, ĂŒbernahm der Richter feierlich das Wort. Er trug einen Schlafanzug, wie die AnklĂ€gerin auch und hielt außerdem einen Stock wie einen Zepter in der Hand.

C. wusste nicht, ob das Fenster aus Unachtsamkeit einer der WĂ€rter offen stand oder ob es ein Test gewesen war. Nur einmal zuvor – er erinnerte sich sehr verschwommen daran – hatte er sein GefĂ€ngnis verlassen. Er war noch sehr jung gewesen und er merkte, dass ihm in seiner Abgeschiedenheit etwas sehr Grundlegendes fehlte. Innerlich aufgewĂŒhlt hatte er begonnen, die GegenstĂ€nde um ihn herum zu zerstören. Die WĂ€chter wurden wĂŒtend und packten ihn in eine abgedunkelte Kiste mit einem kleinen Gitterfenster. Er wurde an einen anderen Ort abtransportiert und in einem Raum mit grellem Neonlicht herausgelassen. Ein Mann in einem weißen Kittel gab ihm eine Spritze und die nĂ€chste Erinnerung war, dass er wieder in seinem alten GefĂ€ngnis aufwachte und sich sein GemĂŒt seitdem beruhigt hatte.

„FĂŒr uns ist es nicht gefĂ€hrlich, aber du musst hier bleiben“, fuhr die AnklĂ€gerin fort. Es ließen sich Schritte vor der TĂŒr vernehmen.
„Ruhe im Gerichtssaal!“, zischte der Richter sofort.
Dann hörte man das PlÀtschern von Wasser im Raum nebenan. Nun wusste C. was ihm bevorstand und er versuchte sich panisch aus dem Griff der AnklÀgerin zu winden.
„Pscht, keine Angst, es wird nicht so schlimm, wir machen es ganz schnell“, wisperte sie ihm ins Ohr.
C. versuchte sich jaulend an der Wand festzukrallen, als plötzlich die TĂŒr aufgerissen wurde.

„Kinder, was macht ihr hier? Ihr sollt nicht mit der Katze spielen, die hat sich draußen in irgendwelchen MĂŒlltonnen herumgetrieben!“
„Ja, Mama, wir waschen sie ja gleich
“, maulten die beiden Geschwister und trugen C. widerwillig ins Badezimmer.


Version vom 08. 05. 2016 17:13

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DocSchneider
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Hallo, pacapacaacapac
(was fĂŒr ein Avatar-Name )
ZunĂ€chst auch von mir ein herzliches Willkommen im grĂŒnen Haifischbecken der Leselupe.

Den Einstiegssatz, ĂŒbernommen aus einem anderen Werk, solltest Du wirklich irgendwie kennzeichnen. Klar, ein Zitatblock am Anfang sieht blöd aus.
Aber wie wÀre es mit einer Zeilenschaltung und einem davorliegendem Sternchen?*
Am Ende des Textes könntest Du dann nach vier/fĂŒnf Leerzeilen ...




*die Quelle nennen.



Ansonsten - ein gelungener Einstiegstext. Die Überraschung am Schluß ist Dir gelungen. Ich habe bis zum Ende gerĂ€tselt, worauf es hinauslĂ€uft.

ein paar winzige Erbsen sind mir aufgefallen:

quote:
Zudem boten die WĂ€chter ihm manchmal Unterhaltungsprogramm, auch wenn auch das in den letzten Jahren nachgelassen hatte.

quote:
Es gab Regeln, die er nicht verstand und er hatte doch keine andere Wahl, als sie zu befolgen.

quote:
„Draußen ist es gefĂ€hrlich und schmutzig. Du könntest sterben! Aber bei uns ist es sicher.“
(Satzzeichen am Ende)

Mehr ist mir nicht aufgefallen.


GrĂŒĂŸe aus Westfalen
Frank
__________________
Leben und leben lassen.

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