Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5552
Themen:   95240
Momentan online:
402 Gäste und 12 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Der Populist und ich - Folge 2 : Popliteratur
Eingestellt am 15. 07. 2017 17:24


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Papiertiger
AutorenanwÀrter
Registriert: May 2014

Werke: 5
Kommentare: 6
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Papiertiger eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

"Warum schreibst du nicht mal Popliteratur“, frage ich den Populisten, „Drogenerfahrungen, ein ĂŒberdrĂŒssiger und zynischer Blick auf die Welt, eine extrem dĂŒnne Handlung, fertig“

„Gibt‘s dieses Genre ĂŒberhaupt noch?“, entgegnet der Populist.

„Ich denke schon oder wie nennt sich das, was Ronja von Rönne so fabriziert?“

„Jugend hast du noch vergessen, das ist definitiv eine wichtige Zutat fĂŒr erfolgreiche Popliteratur“, merkt der Populist an. „Das wurde ja schon bei Charlotte Roach kritisiert, wĂŒrden solche Texte von einem vierzigjĂ€hrigen MauerblĂŒmchen stammen oder einer SiebzigjĂ€hrigen mit tatsĂ€chlich bemerkenswerten Ansichten, dann wĂŒrde so ein Buch keinen Verlag finden“

„Vorsichtig mit SĂ€tzen ĂŒber das Aussehen von Frauen!“, rate ich, „denk dran, MĂ€nner lesen eher selten BĂŒcher, die Verlage widmen sich dem Massenmarkt und schielen auf die weibliche Leserschaft. Autoren wie Ken Follet wissen das – unglaublich sein Reingeschleime bei den Leserinnen in „Die Nadel“ - DAS ist literarischer Populismus!“

„Ja, Texte schreiben, die dann nicht gelesen werden ist nicht das Ziel“, denke ich und entgegne: „Aber nochmal zurĂŒck zu Frau von Rönne – gehören Adelstitel eigentlich auch zum Grundrepertoire der Popliteratur, von Stuckrad-Barre, von Storch? Aber ich schweife ab! Jedenfalls musste ich sehr lachen ĂŒber die Szene in „Wir kommen“, indem die Ich-ErzĂ€hlerin schildert, dass sie kurz davor ist Amazon-Top-Rezensentin zu werden. Das ist lustig! Und ist nicht genau das eine Form von Popliteratur, Kundenrezensionen?“

„Na ja, Pop kommt von PopulĂ€r und bei Bewertungsportalen bekommt man die Stimme der Population, also der Bevölkerung ungefiltert mit. Und eine gut geschriebene Kritik oder ein fundierter Produkttest erfordern ein gewisses Maß an sprachlichem FeingefĂŒhl und Fleiß und man liest dort auch Meinungen aus nahezu allen Altersschichten und Berufen“, merkt der Populist an. „Das kann durchaus ein Anfang sein, um sich mit eigenen Texten an ein Publikum zu wenden. Im Gegensatz zu vielen Blogs und EintrĂ€gen in Sozialen Medien werden solche BeitrĂ€ge sogar gelesen und man kann anhand der Klicks und Kommentare lernen, besser zu werden. Theoretisch zumindest. In der Praxis ist das Meiste dort natĂŒrlich unqualifizierter MĂŒll aus der Orthographie- Hölle.“

„Also so wie unsere Kolumne hier?“, frage ich den Populisten.

„Siehst du, das unterscheidet Populisten von Idealisten und Realisten: ein Populist tĂ€uscht erfolgreich Selbstsicherheit vor und wĂŒrde nie zugegeben, dass er zweifelt“, denkt der Populist und entgegnet: „Diese Kolumne ist ganz besonders. Sie ist großartig. Und was du von den Kundenrezensionen gelernt hast ist, dass du Texte viel zu leicht und zu schnell veröffentlichen kannst. Das lĂ€sst einen zur NachlĂ€ssigkeit neigen. Da wird nicht grĂŒndlich redigiert und nachgedacht, sondern vorschnell irgendwas raus gehauen. Als Populist sollte ich das im Grunde begrĂŒĂŸen, aber da wir Beide diese Rubrik betreuen, rate ich: Lass mal mehr QualitĂ€t in die BeitrĂ€ge bringen, eine Pointe, einen roten Faden und diese GrundbedĂŒrfnisse der Leser.“

„Ich ĂŒberlege mir immer mal wieder zuerst Ende, Mitte und Anfang einer Geschichte, konstruiere ĂŒberraschende Wendepunkte, alles nach den zig LehrbĂŒchern, die ich teils sogar mehrfach gelesen habe. Dann beginne ich die Story zu schreiben, merke, dass ich keine realistischen Dialoge schreiben kann und viel lieber Geschichten konsumiere und ĂŒber sie nachdenke als sie zu schreiben. „

Der Populist rollt mit den Augen. „Fake it until you make it! Dieses herumjammern ist eine Zumutung. So etwas will doch niemand lesen.“

„Und die Pointe dieser Episode unserer wundersamen Kolumne könnte sein, dass eben doch Leser bis zum Ende gelesen haben.“

„Ja, andere öffentlich scheitern zu sehen hat seinen Reiz“

„Aber wir scheitern ja nicht, wir sind bereits bei Folge 2 angelangt.“

„Machen wir wĂ€hrend der siebten Staffel von Game of Thrones eigentlich weiter oder pausieren wir fĂŒrs erste?“

„Am besten guckst du weder die Serie noch liest du die BĂŒcher, die QualitĂ€t von George R. R. Martins Geschichten schĂŒchtert dich eh nur wieder ein und dann brauchst du wieder Monate bis du die das nĂ€chste Mal an einen Text herantraust. Mach jetzt einen Spaziergang, tanke Energie un...“

BING!

„Was war das?“, frage ich.

„Wir haben eine erste Reaktion auf unsere Serie erhalten. Mal sehen, was es ist.“

Mit diesem dramatischen Cliffhanger verabschieden wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, vorerst. Wird fortgesetzt – wenn es das Volk wĂŒnscht.

PS: Definition „Volk“ wĂ€re in diesem Fall mindestens eine Leserin oder ein Leser.




__________________
"Ich bin der König der Knallköpfe"

Homer J. Simpson

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


1 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung