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Leselupe.de > Kindergeschichten
Der Riese Ratzepu
Eingestellt am 05. 08. 2015 16:52


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molly
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In einem stillen, kleinen Dorf,
wo Spatzen von den DĂ€chern pfeifen
und Schwalben um die Mauern streifen,
wo HĂŒhner noch im Hofe scharren,
in jedem Haus die Treppen knarren,
da stört nur einer diese Ruh/,
das ist der Riese Ratzepu.
___________________________________________________________
Der Riese Ratzepu ab 4 Jahren

Der Riese Ratzepu saß im Gartenstuhl vor seiner HĂŒtte. Sein Bart war sehr lang und er schnitzte sich ein Paar Holzschuhe fĂŒr seine großen FĂŒĂŸe. Unten im Dorf arbeiteten die Bauern auf den Feldern. Wie gerne wĂ€re er dabei! Doch jedes Mal, wenn er die Leute besuchen wollte, flohen sie in ihre HĂ€user. Der Riese rannte ihnen winkend hinterher und rief: "Wartet doch! Ich will euer Freund sein!“ Aber die Menschen fĂŒrchteten sich vor seiner lauten Stimme und vor seinen riesigen HĂ€nden, die wie Schaufelbagger durch die Luft ruderten. Sie verriegelten die HaustĂŒr und hielten sich die Ohren zu.
Eines Tages gab es ein heftiges Gewitter. Der Sturm heulte um Ratzepus HĂŒtte und fegte Ziegel vom Dach. Ratzepu, der sich sonst vor nichts fĂŒrchtet, verkroch sich zitternd in der hintersten Ecke und nagte an seinen FingernĂ€geln. Als das Unwetter vorbei war, öffnete er das Fenster. Ratzepu sah einen Regenbogen am Himmel und auf dem Regenbogen sauste etwas auf die Erde. Rasch riss er die TĂŒr auf, doch nur der leuchtende Regenbogen stand am Himmel. Ratzepu vergaß fĂŒr einen Augenblick seinen Kummer, dass die Leute im Dorf ihn nicht mochten.
Plötzlich drang eine sanfte Melodie an sein Ohr. Neugierig schlich er den KlĂ€ngen nach. Er entdeckte hinter der HĂŒtte das schönste MĂ€dchen, das er je gesehen hatte. Es saß auf Ratzepus Bank und neben ihm lag ein blauer Rucksack. Seine goldenen Haare wehten leicht im Wind und es spielte auf der Flöte. Bevor der Riese sich verstecken konnte, hatte das MĂ€dchen ihn schon entdeckt und rief: "Hallo du, ich bin Lulu, die Regenbogenfee. Komm zu mir und sag mir, wer du bist.“
Der Riese antwortete: „Ich bin der Riese Ratzepu. Wie bist du hier her gekommen?" Lulu sagte: " Ich bin auf dem Regenbogen zur Erde gerutscht und bleibe ein wenig bei dir." Der Riese fragte: "Hast du keine Angst vor mir? LĂ€ufst du nicht davon?“ „Warum denn?“, fragte Lulu. „ Alle fĂŒrchten sich vor mir“, sagte der Riese. Er setzte sich neben Lulu und erzĂ€hlte ihr von seinem Kummer mit den Menschen im Dorf. Das MĂ€dchen sagte: „Die Menschen kennen dich nicht, aber das wird sich Ă€ndern! Ich ĂŒberlege mir einen Plan!“ Nun erkundigte sich der Riese: „Was hast du denn in deinem Rucksack?“ Lulu öffnete den Rucksack und Ratzepu entdeckte lauter kleine Flöten. „Die sind fĂŒr meine Freunde“, sagte Lulu.
ZunĂ€chst reparierte Ratzepu seine HĂŒtte, setzte die Ziegel wieder aufs Dach und rĂ€umte zwei kleine BĂ€ume, die der Sturm umgeknickt hatte, auf die Seite. Lulu beobachtete ihn. Der Riese beendete seine Arbeit und Lulu flĂŒsterte: „Komm, wir helfen den Menschen im Dorf!“

Mitten in der Nacht gingen Lulu und Ratzepu ins Dorf. Sofort machte sich der Riese ans Werk. Auch hier hatte der Sturm gewĂŒtet. BĂ€ume und Äste belagerten den Weg und mussten weggerĂ€umt werden. Die Ziegel vom Kirchturm lagen auf dem Boden. Lulu zauberte alle zerbrochenen Dachziegel ganz und im Nu hatte Ratzepu das Kirchturmdach gedeckt. Lulu kletterte noch auf seine Schultern und putzte den Wetterhahn. Zufrieden gingen sie zur HĂŒtte zurĂŒck.
Am nĂ€chsten Morgen bemerkten die Leute sogleich den reparierten Kirchturm. „Schaut euch den Kirchturm an! Und wie schön glĂ€nzt der Wetterhahn!“, riefen sie sich zu. Der BĂŒrgermeister sagte: „Keiner von uns ist so groß, dass er ohne Leiter zum Kirchturm kommt. Niemand ist so stark, dass er allein BĂ€ume und Äste wegrĂ€umen kann. Bestimmt hat uns der Riese geholfen! Ich möchte ihm danken.“ Da sagte ein Bauer: „Genau! Und wenn wir alle gehen, kann uns beim Riesen nichts Schlimmes geschehen."
Gesagt, getan, die Menschen strömten zu Ratzepu. Sie brachten Kuchen, Saft, WĂŒrstchen und Brot mit und stellten die feinen Sachen auf Lulus langen Tisch. Den hatte sie rasch herbei gezaubert, ebenso BĂ€nke und StĂŒhle fĂŒr die GĂ€ste. Nun aßen sie zusammen die leckeren Sachen, erzĂ€hlten sich Geschichten und Lulu spielte zwischendurch auf ihrer Flöte.
Am Abend reichten sie sich die HÀnde und einer sagte: "Ratzepu, das war ein schöner Tag, besuch uns bald im Dorf!"
Lulu betrachtete den glĂŒcklichen Riesen und die Menschen aus dem Dorf. Der Riese brauchte ihre Hilfe nicht mehr. Sie war sehr zufrieden und sagte zu ihm: „Auf mich wartet eine neue Aufgabe, ich ziehe weiter!" Ratzepu fragte: „Kommst du wieder einmal zu mir?“ „Versprochen“ flĂŒsterte sie ihm zu. Sie umarmte zum Abschied den baumlangen Freund. Dann zog sie eine Flöte aus ihrem Rucksack und schenkte sie Ratzepu." Sie sagte: "Wenn du einmal sehr traurig bist, dann blase auf der Flöte und ich komme, so schnell ich kann, zu dir."
Lulu, die Regenbogenfee, setzte sich den Rucksack auf, nahm ihre Flöte und musizierend wanderte sie weiter. Ratzepu, der Riese, lauschte der Melodie noch lange, lange nach.
____________________________________________________________-

In dem stillen, kleinen Dorf,
wo Pferde noch auf Weiden grasen
und Kinder spielen auf dem Rasen,
wo Vögel von den DÀchern pfeifen,
und an den BĂ€umen Äpfel reifen,
wo Hunde trÀge, schlÀfrig wachen,
und alle Menschen singen, lachen,
da wohnt der Riese Ratzepu,
und der gehört nun auch dazu.
©Monika Rieger



Version vom 05. 08. 2015 16:52
Version vom 20. 08. 2015 08:23

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HelenaSofie
???
Registriert: Apr 2010

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Hallo Monika,

nach dem Vorlesen dieser schönen, fantasievollen Geschichte werden die ganz Kleinen beruhigt und zufrieden einschlafen. Alles ist so, wie sie es gerne hĂ€tten, alles ist gut. GrĂ¶ĂŸere Kinder können anderes herausfinden:
Mit einem besseren Kennenlernen vergeht oft die Angst und die Scheu voreinander. DafĂŒr hat der Riese Ratzepu aber etwas getan. Er blieb nicht grollend und schmollend allein in seiner HĂŒtte. Er hat den Kontakt gesucht und mit Hilfe der Regenbogenfee den richtigen Weg gefunden. Am Schluss haben sowohl Ratzepu als auch die Dorfbewohner voneinander profitiert.

Ein paar Kleinigkeiten sind mir aufgefallen:
Der Riese Ratzepu saß allein in einem Gartenstuhl vor seiner HĂŒtte auf dem Berg.
Diesen ersten Satz wĂŒrde ich kĂŒrzen, da er auch zu viele Hebungen und Senkungen enthĂ€lt, was beim Vorlesen etwas holprig wirkt.
Der Riese Ratzepu saß im Gartenstuhl vor seiner HĂŒtte.


Sein Bart war sehr lang und er schnitzte sich ein Paar Holzschuhe fĂŒr seine großen FĂŒĂŸe.
Dass sein Bart lang war, passt besser an eine andere Stelle. Aber die Menschen fĂŒrchteten sich vor seiner lauten Stimme, seinem langen Bart und vor seinen riesigen HĂ€nden, die wie Schaufelbagger durch die Luft ruderten.

Sie brachten Kuchen, Saft, WĂŒrstchen und Brot mit und stellten die feinen Sachen auf Ratzepus großen Tisch.
Hier macht meine Vorstellung nicht mit. Um seine riesigen Beine unter den Tisch stellen zu können, muss dieser sehr hoch sein, d.h. fĂŒr Menschen zu hoch. Ich könnte mir vorstellen, dass Ratzepu seine karierte Tischdecke auf der Wiese ausbreitete und die Dorfbewohner ihr Mitgebrachtes darauf legten. Vielleicht hat Ratzepu auch noch etwas Gutes beigesteuert. Anschließend setzten sich alle ins Gras und ließen sich die guten Sachen schmecken.

Dann feierten sie bis zum Abend.
Woran erkennt man das? (erzÀhlen, lachen, singen, tanzen,...)


Vielleicht willst du etwas von meinen Überlegungen aufgreifen.
Liebe GrĂŒĂŸe

HelenaSofie

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molly
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Liebe HelenaSophie,

herzlichen Dank fĂŒr die BeschĂ€ftigung mit meinem Text.

""Sein Bart war sehr lang und er schnitzte sich ein Paar Holzschuhe fĂŒr seine großen FĂŒĂŸe."

"Dass sein Bart lang war, passt besser an eine andere Stelle."
"Aber die Menschen fĂŒrchteten sich vor seiner lauten Stimme, seinem langen Bart und vor seinen riesigen HĂ€nden, die wie Schaufelbagger durch die Luft ruderten."

Leder muss der Bart an seinem Platz bleiben, denn selbst bei uns im Dorf gibt es Menschen mit langen BÀrten, die zwar öfter abgeschnitten gehörten, aber aus Tradition weite gepflegt werden.

""Sie brachten Kuchen, Saft, WĂŒrstchen und Brot mit und stellten die feinen Sachen auf Ratzepus großen Tisch.""

Nun hat Lulu, wie ich hoffe, eine passende Tafel samt Sitzgelegenheit gezaubert. Selbst Zwerge, sollten die vorbei kommen, werden daran Platz nehmen können.

Auf die karierte Tischdecke am Boden habe ich verzichtet, schließlich war das Gras noch nass vom letzten Unwetter.

Beim nĂ€chsten Fest im Dorf wird der Riese etwas fĂŒr die Festtafel mitnehmen, denke ich. (Gibt keine Fortsetzung!)

Ich bin gespannt, wie Dir diese Fassung gefÀllt.

Liebe GrĂŒĂŸe und vielen Dank

Monika

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