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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Roboter oder "Bleiben Sie Mensch!"
Eingestellt am 04. 02. 2017 12:33


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SilberneDelfine
???
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Es war ein frustrierender Arbeitstag gewesen. Der Chef hatte über Joshuas neueste Idee gemault, die Kollegen verhalten reagiert, er meinte sogar, Verena mitleidig lächeln gesehen zu haben und Joshua hatte dann zum x-ten Mal daran gedacht, alles hinzuwerfen und zu kündigen. Was er sich natürlich nicht leisten konnte. „Scheißtag!“ dachte er, als er zuhause in seine Garage fuhr, aus dem Wagen stieg und die Autotür zuknallte.

Als er die Haustür aufschloß, hörte er Tamara singen. „It's a heartache“, wenn er sich richtig erinnerte, irgendeine alte Erfolgsnummer von Bonnie Tyler, nur dass Tamaras Stimme die Rauchigkeit dazu fehlte. Aber immerhin schien wenigstens sie gut gelaunt zu sein. Etwas aufgeheitert, betrat er die Küche und blieb im selben Moment wie angewurzelt stehen.

Tamara saß am Küchentisch, hatte eine aufgeschlagene Zeitschrift vor sich liegen – auf den ersten Blick erkannte er die Werbung (er hatte sie ja selbst entworfen): „Das ist die Zukunft Ihres Lebens! Robert wird es richten! Haben Sie zuviel Arbeit? Robert hilft! Haben Sie Sorgen? Robert nimmt sie Ihnen ab! Robert hilft in jeder Lebenslage! Für Sie: Robert, der Roboter! Bleiben Sie Mensch!“ Joshua war vollkommen verdattert. Genau diese Werbung hatte sein Chef doch nicht akzeptiert. Und das war erst heute gewesen. Und wieso sprang sie ihm nun trotzdem aus der Zeitschrift entgegen? Und was noch viel seltsamer war: An der Spüle hantierte ein Roboter. Dabei hatten Tamara und er doch darüber gesprochen, dass sie sich einen Roboter nicht leisten konnten. Er wollte gerade anfangen, Tamara mit Fragen zu bombardieren, da lächelte sie und sagte: „Ja. Das ist unser Robert. Da ja alle aus der Fabrikation Robert heißen und er doch einen eigenen Namen braucht, habe ich beschlossen, ihn Rob I zu nennen.“ „Wie originell“, dachte Joshua sarkastisch, stammelte jedoch nur: „Aha.....“ . Tamara lächelte ihren Mann an. „Ich weiß, du bist überrascht. Und eigentlich hätte ich dich vorher fragen sollen. Aber er war im Angebot. Und da konnte ich nicht widerstehen – wir brauchen so oder so einen. Außerdem – die Werbung da“ - sie deutete auf die aufgeschlagene Zeitschrit - „die ist doch von dir?“ Und als Joshua nickte, fuhr sie fort: „Da dachte ich mir – wenn du die Werbung gemacht hast und die ganze Sache ein Verkaufsschlager wird, dann ist es nur recht und billig, wenn wir uns auch einen Robert zulegen. Naja, vielleicht nicht billig. Aber ich hab ihn auf Kredit bekommen. Diesen Monat 100 Euro Anzahlung, und den Rest stottern wir in 20 Monatsraten ab.“

Eigentlich schossen Joshua nun tausend Gedanken durch den Kopf. Wie kam seine Werbung, die der Chef gar nicht akzeptiert hatte, schon in die Zeitung? Aber ehe er dazu kam, Tamara zu fragen, ließ sich eine Stimme von der Spüle her vernehmen: „Ja, das ist richtig. Das würde mich an Ihrer Stelle auch wundern. Aber es ist eigentlich schon eine Woche später als heute morgen. Das habe ich arrangiert. Wie Sie sich vielleicht erinnern, habe ich auch eine Funktion, um die Zeit vor- oder zurückzudrehen. Das hat sich die Menschheit schließlich schon immer gewünscht.“
Die Stimme gehörte natürlich Rob I, dem Roboter. Für einen Roboter hörte sie sich sehr angenehm und überhaupt nicht blechern an. Was man vom Aussehen des Roboters nicht behaupten konnte. Überall Blech. Zumindest, soweit Joshua das beurteilen konnte. Ab der Hüfte trug der Roboter tatsächlich eine Jeans. Und ehe er fragen konnte, wozu ein Roboter eine Hose brauchte, brach dieser in Lachen aus: „Nun, auch das gehört dazu. Ein Roboter sollte in jeder Lebenslage hilfreich sein. Wenn Sie mal wieder so viele Überstunden machen müssen – Ihre Frau hat mir da einiges erzählt – dann kann ich Ihre Frau sexuell verwöhnen. Na, Sie wissen schon was ich meine. Später können Sie dann natürlich weitermachen. Es wäre allerdings anzüglich, wenn ich mein gutes Stück ohne Kleidung ständig präsentieren würde. Es ist wirklich perfekt gebaut.“ Und der Roboter, Joshua hätte es schwören können, grinste selbstzufrieden. Jetzt musste er auch noch aufpassen, was er dachte, denn dieses Stück Blech war offenbar imstande, Gedanken zu lesen.

„Nana“, sagte der Roboter, „ein Stück Blech? So sehen Sie mich? Aber eines ist richtig, ich kann Gedanken lesen.“ Und er lächelte Joshua an.

„Er ist toll“, sagte Tamara da. „Er hat schon fast den ganzen Haushalt für heute komplett erledigt. Er kann einfach alles – spülen, Wäsche aufhängen, staubsaugen. Sogar die Fenster hat er schon geputzt.“

„So“, sagte Joshua. Mehr fiel ihm gerade nicht ein.

„Nun, das war doch immer unser Wunschtraum, nicht? Dass wir einen Roboter haben, der uns die ganze Arbeit abnimmt. Und wir können unser Leben genießen. Ach, Joschi, mach doch nicht so ein Gesicht.“

Bei dem Wort „Joschi“ verschluckte sich der Roboter anscheinend. Oder er tat so. Joshua war sicher, dass er gelacht hatte. Aber er warf dem „Blechding“ nur einen zornigen Blick zu.

„Wie kann man das Ding ausschalten?“

„Gar nicht. Ist auch nicht nötig. Wenn er ausgeschaltet ist, kann er ja nichts arbeiten. Und das ist ja schließlich seine Aufgabe.“

Joshua ließ sich nun endlich auf einen Stuhl sinken. „Oh Mann. Kann man ihn zurückgeben?“

„Nicht ohne guten Grund. Und er war bis jetzt vollkommen perfekt. Warum willst du ihn zurückgeben?“

„Ach Tamara – bitte. Ein Ding, das dich sexuell verwöhnen will, wenn ich nicht da bin. Was soll denn das?“

„Ach, Liebling – du bist doch wohl nicht eifersüchtig auf ein Stück Blech? Das wäre kindisch.“

Und Rob I blieb.

Er versorgte den Haushalt mustergültig. Joshua musste zugeben, dass sein Zuhause noch nie so aufgeräumt, sauber und ordentlich gewesen war. Es gab keinen Grund, sich zu beschweren. Bis auf einen ….

Als er eines Abends früher zu Hause war, da sein Chef abends nicht mehr im Büro erscheinen würde und daher angekündigte Überstunden ausfielen, hörte er schon, als er aus dem Auto ausstieg, Tamara stöhnen. Nicht so, als wenn sie sich wehgetan hätte. Auch nicht so, als würde sie etwas Schweres heben. Auch nicht so, als würde sie sich ärgern. Auch nicht so, als …. „Hör auf“, dachte er, „du weißt schon, was los ist. Was nimmt dieses Blechding sich heraus?“ Und wütend stürmte er ins Schlafzimmer. Dort waren aber weder Tamara noch der Roboter. Er folgte dem Stöhnen und fand beide im Wohnzimmer – Tamara saß kerzengerade auf einem Sessel und ließ sich von Rob I massieren. Offenbar gefiel es ihr außerordentlich.
„Was macht ihr da?“ fragte er, mühsam beherrscht.

„Ach, Joschi. Das siehst du doch. Rob I massiert mich. Es tut verdammt gut.“ Und Tamara lächelte ihn an. Joshua schwieg und sagte nicht weiter dazu, aber er überlegte, was gewesen wäre, wenn er wirklich Überstunden gemacht hätte. Es ließ ihm keine Ruhe.

In dieser Nacht schlief er sehr schlecht. Mehrmals träumte er, wie er diesem Blechding sämtliche Schrauben herausdrehte und es dann nicht mehr funktionieren würde. Und immer funktionierte es doch noch. „Unzerstörbar“ leuchtete ständig im Traum ein Knopf am Roboter auf.

Dann wurde Joshua um 3.00 Uhr nachts wach. Er warf einen Blick auf Tamara, die friedlich im Ehebett schlief. Dann stand er auf. Sein Entschluss stand fest. Er würde dem Ding den Saft abdrehen. Egal wie.

Aber Rob I war nicht zu finden. Normalerweise nächtigte er auf der Couch im Wohnzimmer. Dort war er nicht. Auch nicht in der Küche. Und auch sonst nirgendwo zu finden. Nachdem Joshua über eine halbe Stunde gesucht hatte, ging er wieder ins Bett. Tamara war wach geworden. „Was machst du denn solange um die Uhrzeit?“ fragte sie.

„Rob I ist weg“, sagte Joshua, als er sich wieder neben sie ins Bett legte. „Wer?“ fragte Tamara, aber sie war schon wieder im Halbschlaf und so musste Joshua nicht antworten.

Am nächsten Morgen um 7.00 Uhr klingelte der Wecker, wie immer. Als sie aufstanden, sagte Tamara: „Was hast du mich heute Nacht gefragt?“ „Ach nichts“, antwortete Joshua. „Nicht wichtig.“

Aber er war sich nicht ganz sicher, ob er die ganze Sache wirklich nur geträumt hatte. Und vorsichtshalber beschloss er, dem Chef heute eine andere Werbung zu unterbreiten als die über Robert, der „in jeder Lebenslage“ hilft.







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Wipfel
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Hi, habe den Text gerne gelesen, obwohl das so gar nicht mein Thema ist. Gern, weil er sauber geschrieben ist, da erkennt man das Handwerk. Warum der Text aber für mich nicht funktioniert: Es ist soooo vorhersehbar, dass es auf eine Träumerei hinaus läuft. Und einen wirklichen Konflikt gibt es nicht. Wenn er den Schrotthaufen zum Fenster hinaus geschmissen hätte oder vom Nebenbuhler erwürgt worden wäre oder oder oder... Aber so klingt der Text wie für eine Frauenzeitschrift geschrieben... Damit kann man auch Geld verdienen, nichts dagegen - nur eben nicht meins.

Grüße von wipfel

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Hallo SD

Ich notiere mal kurz was mir auf die Schnelle so aufgefallen ist.

quote:
Es war ein frustrierender Arbeitstag gewesen.
Der Chef hatte über Joshuas neueste Idee gemault, die Kollegen verhalten reagiert, er meinte sogar, Verena mitleidig lächeln gesehen zu haben und Joshua hatte dann zum x-ten Mal daran gedacht, alles hinzuwerfen und zu kündigen.

Dieser Sazt ist einfach zu lang geraten. Die verschiedenen Informationen gehören hier auch nicht zusammen in einem Satz verpackt. Da ist einmal der Chef, dann die Kollegen, irgendwer (ein er? der Chef? oder Joshua? das ist hier nicht ganz klar) meint, die Verena (wer ist Verena? sie kommt ansonsten nicht mehr vor) beim Lächeln gesehen zu haben, und dann die Reaktion Joschis – alles zusammen Informationen für 3 Sätze.

Was er sich natürlich nicht leisten konnte. „Scheißtag!“ dachte er, als er zuhause in seine Garage fuhr, aus dem Wagen stieg und die Autotür zuknallte.

Als er die Haustür aufschloß, hörte er Tamara singen. „It's a heartache“, wenn er sich richtig erinnerte, irgendeine alte Erfolgsnummer von Bonnie Tyler, nur dass Tamaras Stimme die Rauchigkeit dazu fehlte. Aber immerhin schien wenigstens sie gut gelaunt zu sein. Etwas aufgeheitert, betrat er die Küche und blieb im selben Moment wie angewurzelt stehen.

Die singende Tamara und der Umstand dass es sich um einen Bonnie-Tyler-Song handelt, spielen zwar keine wichtige Rolle, kann man aber so machen. Allerdings hast du dem Singen duch den Extra-Absatz,ein Gewicht verliehen, welches die Szene ja gar nicht hat. Diese Nebensächlichkeit gehört für meinen Geschmack nicht so expliziet herausgestellt

Tamara saß am Küchentisch, hatte eine aufgeschlagene Zeitschrift vor sich liegen – auf den ersten Blick erkannte er die Werbung (er hatte sie ja selbst entworfen):
Klammern sind immer unschön – vielleicht mit Bindestrichen, aber ich bin da auch nicht so firm.
„Das ist die Zukunft Ihres Lebens! Robert wird es richten! Haben Sie zuviel Arbeit? Robert hilft! Haben Sie Sorgen? Robert nimmt sie Ihnen ab! Robert hilft in jeder Lebenslage! Für Sie: Robert, der Roboter! Bleiben Sie Mensch!“ Joshua war vollkommen verdattert. Genau diese Werbung hatte sein Chef doch nicht akzeptiert. Und das war erst heute gewesen. Und wieso sprang sie ihm nun trotzdem aus der Zeitschrift entgegen? Und was noch viel seltsamer war: An der Spüle hantierte ein Roboter. Dabei hatten Tamara und er doch darüber gesprochen, dass sie sich einen Roboter nicht leisten konnten. Er wollte gerade anfangen, Tamara mit Fragen zu bombardieren, da lächelte sie und sagte: „Ja. Das ist unser Robert. Da ja alle aus der Fabrikation Robert heißen und er doch einen eigenen Namen braucht, habe ich beschlossen, ihn Rob I zu nennen.“ „Wie originell“, dachte Joshua sarkastisch, stammelte jedoch nur: „Aha.....“ . Tamara lächelte ihren Mann an. „Ich weiß, du bist überrascht. Und eigentlich hätte ich dich vorher fragen sollen. Aber er war im Angebot. Und da konnte ich nicht widerstehen – wir brauchen so oder so einen. Außerdem – die Werbung da“ - sie deutete auf die aufgeschlagene Zeitschrit.... Zeitschrift.... - „die ist doch von dir?“ Und als Joshua nickte, fuhr sie fort: „Da dachte ich mir – wenn du die Werbung gemacht hast und die ganze Sache ein Verkaufsschlager wird, dann ist es nur recht und billig, wenn wir uns auch einen Robert zulegen. Naja, vielleicht nicht billig. Aber ich hab ihn auf Kredit bekommen. Diesen Monat 100 Euro Anzahlung, und den Rest stottern wir in 20 Monatsraten ab.“

Eigentlich schossen Joshua nun tausend Gedanken durch den Kopf. Wie kam seine Werbung, die der Chef gar nicht akzeptiert hatte, schon in die Zeitung? Aber ehe er dazu kam, Tamara zu fragen, ließ sich eine Stimme von der Spüle her vernehmen: „Ja, das ist richtig. Das würde mich an Ihrer Stelle auch wundern. Aber es ist eigentlich schon eine Woche später als heute morgen. Das habe ich arrangiert. Wie Sie sich vielleicht erinnern, habe ich auch eine Funktion, um die Zeit vor- oder zurückzudrehen. Das hat sich die Menschheit schließlich schon immer gewünscht.“
Die Stimme gehörte natürlich Rob I, dem Roboter. Für einen Roboter hörte sie sich sehr angenehm und überhaupt nicht blechern an. Was man vom Aussehen des Roboters nicht behaupten konnte. Überall Blech. Zumindest, soweit Joshua das beurteilen konnte. Ab der Hüfte trug der Roboter tatsächlich eine Jeans. Und ehe er fragen konnte, wozu ein Roboter eine Hose brauchte, brach dieser in Lachen aus: „Nun, auch das gehört dazu. Ein Roboter sollte in jeder Lebenslage hilfreich sein. Wenn Sie mal wieder so viele Überstunden machen müssen – Ihre Frau hat mir da einiges erzählt – dann kann ich Ihre Frau sexuell verwöhnen. Na, Sie wissen schon was ich meine. Später können Sie dann natürlich weitermachen. Es wäre allerdings anzüglich, wenn ich mein gutes Stück

Ok, das 'gute Stück' geht schon in Ordnung, allerdings – und hier plaudere ich mal aus dem Nähkästchen – ich kenne niemanden, der sein 'bestes Stück' 'bestes Stück' nennt, zumindest nicht im Gespräch zwischen Mann und Mann, bzw. Mann und Roboter.
Aber wie gesagt: 'beste Stück' geht da schon in Ordnung. Da dein Text ja nur unterschwellig erotischer Natur ist, kann man sich da mit so einer albernen Umschreibungen ein bisschen durchmogeln. Ansonsten heißt es: Die Dinge beim Namen nennen!


ohne Kleidung ständig präsentieren würde. Es ist wirklich perfekt gebaut.“ Und der Roboter, Joshua hätte es schwören können, grinste selbstzufrieden. Jetzt musste er auch noch aufpassen, was er dachte, denn dieses Stück Blech war offenbar imstande, Gedanken zu lesen. ....das habe ich mal blau markiert, weil es ein gutes Beispiel für die Arbeit mit den Absätzen ist. Nach 'perfekt gebaut' müsste hier eine neue Zeile beginnen. Warum? Der Handlungsträger wechselt hier vom Rob 1 zu Joschi. Und diese Absatzarbeit ist, ähnlich beim Sprecherwechsel im Dialog, immer so zu handhaben. Diese Vorgehen erleichtert das Lesen und das schnelle Verstehen.

„Nana“, sagte der Roboter, „ein Stück Blech? So sehen Sie mich? Aber eines ist richtig, ich kann Gedanken lesen.“ Und er lächelte Joshua an.

„Er ist toll“, sagte Tamara da. „Er hat schon fast den ganzen Haushalt für heute komplett erledigt. Er kann einfach alles – spülen, Wäsche aufhängen, staubsaugen. Sogar die Fenster hat er schon geputzt.“

„So“, sagte Joshua. Mehr fiel ihm gerade nicht ein.

„Nun, das war doch immer unser Wunschtraum, nicht? Dass wir einen Roboter haben, der uns die ganze Arbeit abnimmt. Und wir können unser Leben genießen. Ach, Joschi, mach doch nicht so ein Gesicht.“

Bei dem Wort „Joschi“ verschluckte sich der Roboter anscheinend. Oder er tat so. .... hier einen Absatz!!!... Joshua war sicher, dass er gelacht hatte. Aber er warf dem „Blechding“ nur einen zornigen Blick zu.

„Wie kann man das Ding ausschalten?“

„Gar nicht. Ist auch nicht nötig. Wenn er ausgeschaltet ist, kann er ja nichts arbeiten. Und das ist ja schließlich seine Aufgabe.“

Joshua ließ sich nun endlich auf einen Stuhl sinken. „Oh Mann. Kann man ihn zurückgeben?“

„Nicht ohne guten Grund. Und er war bis jetzt vollkommen perfekt. Warum willst du ihn zurückgeben?“

„Ach Tamara – bitte. Ein Ding, das dich sexuell verwöhnen will, wenn ich nicht da bin. Was soll denn das?“

„Ach, Liebling – du bist doch wohl nicht eifersüchtig auf ein Stück Blech? Das wäre kindisch.“

Ich habe nun im gesamten Dialog nichts markiert. Möchte da extra ein paar Zeilen verlieren. Diese Dialogsituation gäbe mehr her, meine ich. Da fehlt mir etwas Schmiss; das könnte saftiger sein. Erstmal finde ich diese Absatzarbeit misslungen. Ich würde zwischen den Sprechen keine Leerzeilen setzen, das nimmt nur das Tempo raus.
Sie hat was, er will was – also eine klassische Dialogsituation mit Konfliktpotential. Aber wie gehst du es an? Hier ist kein Tanz ums Eigentliche, aber es geht ja ums erotische, also erstes verklemmtes Anfragen, ein Ausweichen, wieder nachfragen "und, wie ist er?", ein bisschen Hin und Her, vielleicht etwas Witz, und dann gerät er in Rage: "Sag nicht, er leckt auch noch besser als ich!", und dann die Erkenntnis, dass er's doch tut. Statt dessen spricht er vom 'sexuellen Verwöhnen'. Puh! Reden Paare in einer Stresssituation so miteinander? Vielleicht kennen ich aber auch nur die falschen Paare, keine Ahnung. Gut, auch wenn du den Dialog nicht in diese Richtung bringen willst, meine ich, dass du hier etwas nachjustieren könntest.


Und Rob I blieb.

Er versorgte den Haushalt mustergültig. Joshua musste zugeben, dass sein Zuhause noch nie so aufgeräumt, sauber und ordentlich gewesen war. Es gab keinen Grund, sich zu beschweren. Bis auf einen ….

Als er eines Abends früher zu Hause war, da sein Chef abends nicht mehr im Büro erscheinen würde und daher angekündigte Überstunden ausfielen, hörte er schon, als er aus dem Auto ausstieg, Tamara stöhnen.

... wieder so ein langer Satzt mit 2 eingeflochtenen Nebensätzten. Den ersten könnte man getrost streichen, das 'schon' auch.

Nicht so, als wenn sie sich wehgetan hätte. Auch nicht so, als würde sie etwas Schweres heben. Auch nicht so, als würde sie sich ärgern. Auch nicht so, als …. „Hör auf“, dachte er, „du weißt schon, was los ist. Was nimmt dieses Blechding sich heraus?“ Und wütend

Ich würde die Gedankenrede nicht in Gänsefüßchen setzten. Macht man wohl auch nicht. Lese gerade Falladas 'kleiner Mann, was nun?' in einem Satz von 1955 (Aufbau-Verlag). Dort ist jede Art der erlebten Rede in einfache Anführungszeichen gesetzt. Also ich weiß schon, dass man die Gedankenrede markieren kann, meine aber auch zu wissen, dass man das heute einfach nicht mehr tut. Meist ist sie situativ in den Erzählbericht eingebettet, und das ist gut so.

stürmte er ins Schlafzimmer. Dort waren aber weder Tamara noch der Roboter. Er folgte dem Stöhnen und fand beide im Wohnzimmer – Tamara saß kerzengerade auf einem Sessel und ließ sich von Rob I massieren. Offenbar gefiel es ihr außerordentlich.
„Was macht ihr da?“ fragte er, mühsam beherrscht.

„Ach, Joschi. Das siehst du doch. Rob I massiert mich. Es tut verdammt gut.“ Und Tamara lächelte ihn an. Absatzt – ja, auch hier Joshua schwieg und sagte nicht weiter dazu, aber er überlegte, was gewesen wäre, wenn er wirklich Überstunden gemacht hätte. Es ließ ihm keine Ruhe.

In dieser Nacht schlief er sehr schlecht. Mehrmals träumte er, wie er diesem Blechding sämtliche Schrauben herausdrehte und es dann nicht mehr funktionieren würde. Und immer funktionierte es doch noch. „Unzerstörbar“ leuchtete ständig im Traum ein Knopf am Roboter auf.

Dann wurde Joshua um 3.00 Uhr nachts wach. Er warf einen Blick auf Tamara, die friedlich im Ehebett schlief. Dann stand er auf. Sein Entschluss stand fest. Er würde dem Ding den Saft abdrehen. Egal wie.

zweimal 'dann'. Das kannst du besser!

Aber Rob I war nicht zu finden. Normalerweise nächtigte er auf der Couch im Wohnzimmer. Dort war er nicht. Auch nicht in der Küche. Und auch sonst nirgendwo zu finden. Nachdem Joshua über eine halbe Stunde gesucht hatte, ging er wieder ins Bett. Tamara war wach geworden. „Was machst du denn solange um die Uhrzeit?“ fragte sie.

Mit den Verben ist es ja so eine Sache. Mark Twain sagte mal so in etwa: Wenn ich die Wahl habe zwischen einem 50-Dollar-Wort und einem 50-Cent-Wort, entscheide ich mich immer für das billigere. Und nicht nur billig, sondern auch recht wäre hier: schlafen (er schlief). Schlafen ist schon konkret genug, alles andere wäre hier eine unnötige Umschreibung.

„Rob I ist weg“, sagte Joshua, als er sich wieder neben sie ins Bett legte. „Wer?“ fragte Tamara, aber sie war schon wieder im Halbschlaf und so musste Joshua nicht antworten.

Am nächsten Morgen um 7.00 Uhr klingelte der Wecker, wie immer. Als sie aufstanden, sagte Tamara: „Was hast du mich heute Nacht gefragt?“ „Ach nichts“, antwortete Joshua. „Nicht wichtig.“

Aber er war sich nicht ganz sicher, ob er die ganze Sache wirklich nur geträumt hatte. Und vorsichtshalber beschloss er, dem Chef heute eine andere Werbung zu unterbreiten als die über Robert, der „in jeder Lebenslage“ hilft.




Sorry, nun musst du meinen, dass mir dein Text nicht gefallen hat. Dem ist nicht so. Das waren halt nur so ein paar kleine Dinge, die mir beim Lesen so aufgefallen sind. Meine Texte sind ja am Ende auch nicht besser. Ich sehe das meist nur bei anderen.

in diesem Sinne: Vagant.

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SilberneDelfine
???
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Hallo Wipfel,

vielen Dank für das Kompliment über das Handwerk, das hat mich sehr gefreut! Ja, möglicherweise war für den einen oder anderen nicht genug Action, aber ich wollte auch eine eher "ruhige" Geschichte schreiben. Dass sie für eine Frauenzeitschrift geeignet erscheinen würde, daran dachte ich gar nicht, aber ich denke jetzt auch, das würde passen.

Hallo Vagant,

ich finde es toll, wieviel Mühe du dir gemacht hast, um meine Geschichte zu analysieren! "Verena" hätte ich völlig weglassen können, da hast du recht, sie ist für den Rest der Geschichte völlig irrelevant. Es ist nur so, wenn ich anfange, eine Geschichte zu schreiben, dann komme ich irgendwie gerne ins Plaudern, ich fange an, und beim Schreiben kommen weitere Ideen - die Geschichte habe ich nie fertig im Kopf, wenn ich anfange zu schreiben - und dann ändere ich später ungerne noch etwas um. Aber hier hätte ich es machen sollen.

Auf zu lange Sätze und Absätze müsste ich ebenfalls achten, das werde ich mir für nächstes Mal vormerken und dann nochmal Korrektur lesen.

Ob Männer im Männergespräch ihr "bestes Stück" so nennen, weiß ich ehrlich gesagt nicht, habe da noch nie zugehört mir schien es hier einfach passend.

Zwischen den Sprechzeilen keine Leerzeilen, das merke ich mir ebenfalls vor, genau wie in einen Satz keine zwei Nebensätze einzuflechten.

Was ich verteidigen möchte, ist das Wort "nächtigte". Ein Roboter schläft doch eigentlich nicht, jedenfalls nicht wirklich wink aber auch wenn man es ihm zugesteht, wäre mir das Wort "schlafen" hier zu "menschlich".

Ansonsten freue ich mich sehr über deine sehr gute Analyse und deine Beschäftigung mit meinem Text!














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Vagant
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Hallo SD

kleiner Nachtrag,

da ich glaube, dass ich bezüglich der Absätze nicht ganz verständlich war.

Dort wo ich 'Absatz' sagte, meinte ich wahrscheinlich: 'neue Zeile' – also immer beim Wechsel des Handlungsträgers eine neue Zeile. Im Buchdruck hast du dann noch den Zeileneinschub um 3 oder 4 Leerzeichen. Den kann man hier mit den entsprechenden Codes auch generieren; macht aber viel Arbeit.
Einen Absatz (also mit Leerzeile) brauchst du eigentlich nur beim Wechsel der Szenen. Beschreibt deine Kurzgeschichte nur eine Szene an einem Ort, dann würde es bei dieser Länge (schätze mal so um die 1500 Wörter) Sinn machen, die Geschichte in 3 Absätze, gemäß des dramaturgischen Ablaufs - Exposition/Konfrontation/Klimax –, zu gliedern.
Falls deine Dramaturgie etwas mehr Pfiff hat – was bei einer Länge von 1500 Wörtern eigentlich selten vorkommt – dann brauchst du natürlich auch die entsprechende Kennzeichnung im Text.

Vagant.

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SilberneDelfine
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Hallo Vagant,

danke für die ausführliche Erklärung! Dass du "neue Zeile" meintest, dachte ich mir schon interessant ist wann - beim Wechsel der Szenen. Darauf hatte ich bisher beim Schreiben fast nie geachtet.

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