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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Zirkus
Eingestellt am 08. 01. 2010 21:41


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Gernot Jennerwein
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Der Tag bricht an, es ist ein SpĂ€tsommermorgen. Von den DĂ€chern der Baracken heben sich Dunstschwaden in einen wolkenlosen Himmel. Das Lager liegt ruhig, es ist still. Menschen stehen schweigend in einem großen Raum. Erste Sonnenstrahlen dringen ein und eine Stimme fragt in anteilnehmender Sorge:
„Sagen Sie, gute Frau, was hat das Kind?“
„Es liegt im Fieber, die Nacht war schlimm, aber es ist mir, als wĂ€re es ĂŒberstanden.“
Langsam dreht der Junge sein Gesicht, die Augen glĂ€nzen, als er zu sprechen beginnt: „Mutter, sag mir bitte, was du draußen vor dem Fenster siehst, was geschieht?“
„Mein Sohn, so weit ich sehen kann, erblicke ich lauter Wagen von stampfenden Pferden gezogen. Mit welcher Disziplin die Rosse im Gespann einhergehen, bunte Federn tragen sie auf ihren HĂ€uptern und die Karren, ich sag’s dir, herrlich geschmĂŒckt und ĂŒberall sind Fahnen. Leute, hundert, nein tausend springen ausgelassen auf der Straße. Sie tanzen und singen, und da, ich seh's so deutlich, als wĂ€r ich unter ihnen, da ist ein Clown, dort ein zweiter und ein dritter, ein vierter. Sie schlagen RĂ€der, zaubern lustige Sachen aus ihren HĂŒten und fortwĂ€hrend bewerfen sie die Menge mit unzĂ€hligen BlĂŒten. Sie winken zu uns her, ich seh's ganz deutlich, sie meinen uns hier, hinter dem Fenster.“
„Mutter, siehst du auch wilde Tiere?“
„Ja, wilde Tiere, eins nach dem anderen! Kamele, Elefanten, unvorstellbar in ihrer GrĂ¶ĂŸe und gewaltig. Und dort, in den KĂ€figen, ein Löwe, ein BĂ€r und zwei Tiger, wie ihre ZĂ€hne blitzen, zum FĂŒrchten ist es. Dem Himmel sei's gedankt, sind sie alle hinter Gitter, aber der bloße Anblick, als hĂ€tten sie Feuer im Mund, ich sag's dir, beinahe unertrĂ€glich ist mir ihre Wildheit.“
„Mutter, sag es schnell, was siehst du noch?“
„Ja, mein Junge, sie bleiben stehen, mitten auf der Straße! Viele HĂ€nde arbeiten unentwegt, ein GerĂŒst wird aufgestellt, und da, eine große Plane auseinander gelegt. Kind, jetzt weiß ich's, es ist ein Zirkus, der gekommen ist! Hörst du sie, hörst du, wie die Menschen jubeln?“
„Mutter, ach liebe Mutter, bitte gehe mit mir dahin.“
„Ja mein Sohn, dorthin wollen wir gehen, bald, wir werden uns schön machen und die besten Kleider anziehen und dann gehen wir, ich versprech es dir.“
„Mutter sieh, ein Mann tritt ein, er winkt so fordernd in den Raum, als hĂ€tte er großen Unmut. Sag, was möchte er von uns?“
„Ach Junge, du irrst dich, der Herr will uns nur den Weg zeigen, dorthin, wo sich die WaschrĂ€ume und Duschen befinden. Komm, ich trage dich.“
„Ja, Mutter“, glĂŒcklich lĂ€chelt das Kind.




Version vom 08. 01. 2010 21:41
Version vom 08. 01. 2010 22:06
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Version vom 09. 01. 2010 20:36
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Version vom 10. 01. 2010 13:14

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suzah
Guest
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hallo gernot,
der text ist nicht uninteressant, aber

allein schon die anrede "liebe frau", die sprache der mutter und des kindes und auch die beschreibung des zirkus weisen auf eine zeit im 19. oder anfang des 20. jh. hin in lÀndlicher einfacher umgebung hin.
dann lĂ€ĂŸt du die mutter am schluß sagen "wir werden duschen".
das passt ĂŒberhaupt nicht zusammen, sie hatten bestimmt keine dusche.
oder sind mutter und kind im kz, wo die leute angeblich zum duschen geschickt und dann vergast wurden und die mutter will das kranke kind durch eine fantasiegeschichte von dem schrecklichen ablenken, das ihnen bevorsteht? dann passt aber die sprache nicht.

im ĂŒbrigen sagst du wieder "inmitten der straße". das ist wohl mundartlich statt mitten auf oder mitten in der straße, m.e. sagt man inmitten einer menschenmenge, inmitten des waldes.

liebe grĂŒĂŸe suzah

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Gernot Jennerwein
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hallo @suzah

du hast meine eigenen BefĂŒrchtungen bestĂ€tigt. Die Sprache der Teilnehmer ist mir um 50 oder 100 Jahre daneben gegangen. Ich hab nun etwas angeglichen. Das "inmitten", verdammt, ich weiß auch nicht, warum mir das wieder einmal ausgerutscht ist.


und hallo Elisabeth ,

danke fĂŒr deinen Hinweis, *smile*, manchmal bin ich ein bisschen oberblind. Wenn der Text berĂŒhrt, dann hab ich einen Teil schon mal richtig gemacht, sprachliche Ungereimtheiten machen mich betroffen, aber ich arbeite daran.

schöne GrĂŒĂŸe euch beiden

Gernot

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FrankK
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Hallo Gernot
GefÀllt mir gut.
FĂŒr mich klingt der Dialog schlĂŒssig, die Sprache herrlich altbacken, wenn ich den Begriff gebrauchen darf.
Auch ich fĂŒhle mich an das Anfang des vergangenen Jahrhunderts versetzt.

FĂŒr den Einstieg in den Dialog darf die Anrede nicht wegfallen. FĂŒr ein "gnĂ€dige Frau", dass heißt, fĂŒr eine Dame in gehobener Stellung, klingt die Sprache des Kindes zu proletarisch.
Alternative: Als Anrede ein "gute Frau" eingesetzt, klingt weniger unterwĂŒrfig (aus Sicht des ansprechenden Herrn).
Oder Du drehst richtig auf und lÀsst das Kind die Mutter in der Höflichkeitsform anreden. Beispiel:
"Mutter, sagt mir bitte, was ihr draußen vor dem Fenster seht, was geschieht?"

Diese Form wĂŒrde ich fĂŒr diesen kurzen Text bevorzugen, liegt aber schlussendlich in Deiner Entscheidung.

FĂ€llt mir noch auf: Vor dem oben zitierten Satz (hinter dem Doppelpunkt) keinen Zeilenwechsel einfĂŒgen.

Das "Duschen" zum Ende hin - stösst auch mir noch sauer auf.
Sagt, verehrter Kollege des Schriftentums, in welcher Zeit mag Euer Geschichtlein spielen?


Viele GrĂŒĂŸe
Frank
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Gernot Jennerwein
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hallo Frank

ups, da gehört ein Punkt hin und kein doppelter. "gute" habe ich ĂŒbernommen, ist viel besser.

Wie ich schon sagte, ich hab mich mit der Sprache um einiges vertan. Ich sag dir, was da geschieht (suzah hatt's schon angemerkt):

Die Leute sind in einem KZ-Lager. Der Junge war krank, die Mutter wusste, dass man sie gleich holen wird um sie zu vergasen. Sie wollte dem Jungen noch ein kleines GlĂŒck geben, und dass er sich nicht Ă€ngstigt, wenn man sie zu den "Duschen" brachte. Es war sein letztes GlĂŒck.

liebe GrĂŒĂŸe
Gernot

Edit: Ich hab die Uniform mit eingebracht, vielleicht hilft es, auf die SprĂŒnge zu kommen.

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FrankK
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Oh!
Du hattest Suzahs Verdacht nicht bestÀtigt, deshalb hatte ich angenommen, Sie wÀre auf dem Holzweg gewesen.
Die Situation mit dem Lager hatte ich mir auch vorstellen können, hatte dann aber versucht, die ErzĂ€hlzeit auf einen noch frĂŒheren Zeitpunkt zu verlagern.

Hmm, ehrlich gesagt, im Lager waren, soviel ich weiß, Frauen und MĂ€nner getrennt untergebracht. Es dĂŒrfte sich um den Mann, der das GesprĂ€ch eröffnet, um einen WĂ€rter handeln.
Sorry, dann habe ich dich auf einen falschen Weg geschickt. Einer der Aufseher wĂŒrde nie mit der Frau so sprechen. Es klingt nicht verĂ€chtlich (von ihm) und unterwĂŒrfig (von ihr) genug.
Verbesserungsvorschlag:
"Rede, Weib! Was hat dein elendiges Balg?"
"Es liegt im Fieber, Herr. Die Nacht war schlimm, aber es ist mir, als wĂ€re es ĂŒberstanden."

Die Uniform wĂŒrde ich wieder herausnehmen. Mit dieser Einleitung und den Duschen, die etwas anders formuliert vielleicht etwas besser zur Geltung kommen:
"Ach Kind, du irrst, der Herr zeigt uns nur den Weg zu den Duschen. Komm, ich trage dich."

Da ist ĂŒbrigens immer noch der bewusste Absatz hinter dem Doppelpunkt.
Den wĂŒrde ich lassen, den Zeilenwechsel aber entfernen. Als Leser erhalte ich so einen unscheinbaren, aber wirkungsvollen Ankerpunkt darĂŒber, wer mit der wörtlichen Rede beginnt.


Denk noch mal in Ruhe drĂŒber nach - nichts ĂŒberstĂŒrzen.
Viele GrĂŒĂŸe
Frank
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