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Leselupe.de > Science Fiction
Ehrgeiz
Eingestellt am 09. 09. 2016 15:39


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brndmtzk
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VerĂ€rgert stieß Hendricks die Tastatur von sich. Sie krachte gegen den Fuß des Monitors, der bedenklich ins Wanken geriet. Durch seine Shutter-Brille sah er in diesem Moment nicht nur zwei Protonen, sondern sogar vier. Zusammen mit den anderen Teilchen auf dem Schirm erinnerte ihn das Bild an ein Gesicht mit einem großen, lachenden Mund.
Er schaffte es, die Brille abzulegen ohne sie dabei zu beschĂ€digen. Eine Meisterleistung. Zumindest fĂŒr ihn. In diesem Moment der EnttĂ€uschung.
Er war nie ein besonders beherrschter Mensch gewesen. Sonst hĂ€tte er auch nicht die Gelegenheit zu diesem Experiment bekommen. Er hatte sich durchgeboxt. BĂ€rtige JĂŒnglinge aus dem Weg gedrĂ€ngt, glubschĂ€ugige Vorzimmerdamen mit seiner cholerischen Art eingeschĂŒchtert und Kontrahenten lautstark nieder diskutiert. Der moderne Wissenschaftsbetrieb eignete sich nun mal nicht fĂŒr konsensfĂ€hige Weicheier.
Er hatte sich die Chance auf dieses Experiment geschaffen und dafĂŒr seinen letzten Gönner geopfert. Doch nun? Hoch gepokert, hoch verloren?
Nervös schaukelte er mit seinem Stuhl hin und her. Es musste ein Fehler der Sensoren sein. Die Messergebnissse waren MĂŒll. Und deshalb konnten sie seine These nicht widerlegen. Genau genommen hatte er sein Experiment also gar nicht durchfĂŒhren können. Vielleicht ließe sich mit dieser BegrĂŒndung eine Wiederholung erreichen? Irgendwann?

* * *

Drei Monate spĂ€ter brĂŒtete Hendricks immer noch ĂŒber den Daten des Experiments. Er hatte einen neuen Termin bekommen. In acht Monaten. Das war immer noch schneller als gedacht, denn der Beschleuniger war eigentlich auf Jahre hinaus ausgebucht. Bis dahin wollte er versuchen, aus den Rohdaten der missglĂŒckten Messung wenigstens etwas Brauchbares herauszufiltern.
Unmittelbar vor dem Auftreffen der beschleunigten Teilchen begann das Ziel-Proton zu zittern. Und dann erschienen auf den Sensoren plötzlich ein zweites Proton. Im selben Moment auch BruchstĂŒcke der Kollision. Die noch gar nicht stattgefunden hatte.
Ein Echo in den Signalleitungen? Fehlerhafte Synchronisation der Sensoren? Ein Fehler in der Auswertungssoftware?
Vielleicht könnte er die Auswirkung des Fehlers auf die Messung herausrechnen, wenn er die Ursache fand. Es brauchte eine Lösung! Ohne BestÀtigung seiner Theorie konnte er seine Laufbahn vergessen.
Immer wieder drĂ€ngte sich das grinsende Gesicht in seine Gedanken, das ihm der wackelnde Monitor fĂŒr einen Augenblick vorgegaukelt hatte. Bewegung des Bildes wegen der Vibration des Monitors und Zeitversatz der Bilder wegen der 3D-Darstellung. Logisch.
Zeitversatz! Das Wort ließ Hendriks nicht mehr los. Waren die Messwerte zeitversetzt? Das hatte er schon ausgeschlossen. War das Proton zeitversetzt? Hatte er die Zeitreise eines Protons beobachtet?
     Die folgenden Wochen vergrub sich Hendricks in seinem Labor. War es wirklich eine Zeitverschiebung? Wenn er beim nĂ€chsten Experiment die Zeitreise reproduzieren könnte, wĂ€re das eine Sensation. Aber was hatte sie ausgelöst? Die einzige ungewöhnliche Beobachtung war das kurze Zucken des ersten Protons. Interferenzen von irgendwas? Gravitationswellen?
     Nach und nach formte sich in Hendricks Kopf eine Theorie. Er wĂŒrde die Rahmenbedingungen des nĂ€chsten Experiments nur geringfĂŒgig Ă€ndern mĂŒssen, um die Theorie der Zeitreisen beweisen zu können.

* * *

Hendricks gehörte nicht zu den Menschen, die von Selbstzweifeln geplagt wurden. Er war sicher, dass sein Versuch die Möglichkeit einer Zeitreise bestĂ€tigen wĂŒrde. Die Versuchsanordnung war aufgebaut, die Computer programmiert. Es gab nichts, was jetzt noch verĂ€ndert oder gar verbessert werden könnte. Was zu tun war, war getan. Er sah keinen Grund, im Labor zu bleiben. Mit flĂŒchtigem Gruß verabschiedete er sich von seinen Mitarbeitern und ging.
     FĂŒr die Externen gab es einige Zimmer im obersten Geschoss des InstitutsgebĂ€udes. Klein, aber mit hĂŒbscher Aussicht. Nach 8 Monaten ununterbrochener Arbeit wollte Hendricks einen Abend genießen ohne an die Wissenschaft zu denken. Er besaß das Talent, den Alltag ausblenden zu können.
Entgegen allen Gesundheits- und Modetrends bevorzugte er Korn. Keinen Rotwein, keinen Whisky, keinen Cognac, und erst recht keinen Absinth. Guten, alten deutschen Roggenkorn. Jahre im Holzfass gelagert, leicht trĂŒb, rund und herrlich aromatisch.
Es entsprach seiner Natur, mit niemandem mehr ĂŒber seine Vorliebe zu sprechen. Oder gar zu einem Glas einzuladen. Zu groß war das UnverstĂ€ndnis, auf das er in der Vergangenheit gestoßen war.
BedĂ€chtig goss er den Schnaps in einen Cognacschwenker und sah aus dem Fenster. Es war bewölkt. Doch durch eine kleine LĂŒcke zwĂ€ngte sich ein roter Strahl der untergehenden Sonne und ließ einen Teil des Himmels von unten her erglĂŒhen.
     "Ein seltener Anblick, nicht wahr?"
Hendricks nahm die Stimme wahr, aber er reagierte nicht. Nur langsam dĂ€mmerte ein ungutes GefĂŒhl in ihm auf. Er war in seinem Zimmer. Er hatte hinter sich abgeschlossen. Er war allein. Wer zum Teufel...
VerblĂŒfft drehter er sich um. Was vor ihm stand konnte er nicht wirklich als Menschen bezeichnen. Eher als Wesen. Schon irgendwie menschlich. Von der Grundstruktur her. Aber auch mitleiderregend. Krank. Abstrakt. Picassohaft.
"Wie kommen sie hier rein?"
Hendricks war es in diesem Moment völlig egal, wer da vor ihm stand. Wissenschaftler fragen anders als normale Menschen. Und ihn interessierte vor allem, wie dieses Wesen durch die verschlossene TĂŒr in sein Zimmer gelangt war.
"Das sollten Sie doch ahnen, Dr. Hendricks." Trotz seines fratzenhaften Aussehens konnte Hendricks das ironische LĂ€cheln in diesem fremdartigen Gesicht nicht ĂŒbersehen.
"Durch die Zeit natĂŒrlich. Nicht durch die TĂŒr. Genau genommen bin ich schon lĂ€nger hier und sie sind zu mir gestoßen. Mitsamt ihrem Zimmer, diesem herrlichen Sonnenuntergang und ihrem Schnaps. Und dem ganzen Rest."
Hendrick erstarrte. FĂŒr einen Moment hatte er an einen schlechten Scherz seiner Kollegen geglaubt. Niemand mochte ihn wirklich und ab und zu ließen sogar emotionsarme Wissenschaftler ihren negativen GefĂŒhlen freien Lauf. Aber niemand wusste von seiner Zeitreise-Theorie. Er hatte niemanden informiert, nichts angekĂŒndigt. Auch aus der Versuchsvorbereitung konnte man nicht darauf schließen.
     "Woher...".
"Ich erklÀre es Ihnen sofort. Aber wenn Sie zunÀchst so freundlich wÀren..." Er deutete auf das Glas in Hendricks Hand. "Bei uns ist so etwas Mangelware. Eigentlich mangelt es an allem, nicht nur an solchen Köstlichkeiten."
Hendricks fĂŒllte ein zweites Glas und reichte es seinem Besucher. Er zuckte zurĂŒck, als sein Blick auf die verformten Finger fiel, die sich dem Glas entgegen streckten.
Der Fremde nahm es gelassen.
"Wie gesagt, ich erklĂ€re es Ihnen sofort. Aber lassen Sie uns zuerst anstoßen."
Hendricks prostete ihm zu doch ihre GlĂ€ser berĂŒhrten sich dabei nicht. Er hĂ€tte es nie zugegeben. Aber in diesem Moment brauchte er den Schnaps wie nichts anderes in der Welt. Er kippte das ganze Glas in einem Zug hinunter.
     "Setzen wir uns." schlug er vor.
Der Fremde nippte nochmals an seinem Glas und setzte es ab. Hendricks schenkte sich nach.
"Es wird also funktionieren?"
Ein stummes Nicken war die Antwort. Doch er fand im Blick seines GegenĂŒbers keine Euphorie. Nur Trauer. Abgrundtiefe, endlose Trauer.
"Ja, es wird funktionieren. Deshalb bin ich hier."
Urplötzlich wurde Hendricks euphorisch.
"Na dann schießen Sie mal los."
"Ich hoffe, das wird nicht nötig werden." Hendricks entging, dass der Mann bei diesen Worten nicht lĂ€chelte. Er lehnte sich zurĂŒck und lauschte.
"Sie haben mit Ihrer Vermutung recht. Raum erfordert Zeit und Zeit erfordert Raum. Man kann eines auf Kosten des anderen ĂŒberwinden. Die Wissenschaft wird diesen Zusammenhang theoretisch schlĂŒssig beweisen. In 200 Jahren. Vorher wird es die Voraussetzungen einfach nicht geben."
Hendricks nickte vor sich hin. Ja es stimmte. Er hatte eine Vermutung und wusste, wie man sie experimentell bestÀtigen konnte. Aber er hatte absolut keine Ahnung, warum das alles so war.
     "Eigentlich benötigt man unvorstellbare Energiemengen fĂŒr eine Manipulation der Zeit. Zumindest in unserem Universum. Die Wissenschaftler nach Ihnen haben lange gerĂ€tselt, wie Sie diese Energie ĂŒberhaupt bereitstellen konnten. Bis schließlich die Theorie der Gravitationswellen die Lösung brachte. Sie ĂŒberkreuzen sich. Genau hier, genau zu diesem Zeitpunkt. Es gibt Überlagerungen, extreme Stauchungen und Dehnungen im Raumzeit GefĂŒge, in winzigen, subatomaren Dimensionen. Aber auch in ungeahnter StĂ€rke. FĂŒr die Zeitreise eines Protons reicht die Energie aus."
     Die Traurigkeit seines Blicks schlug sich jetzt auch in seiner Stimme wieder. Wortlos bittend reichte er Hendricks das Glas, das dieser bereitwillig nachfĂŒllte. Gierig nach den nĂ€chsten Informationen sah er seinen GesprĂ€chspartner an.
"Genau diese Wellen haben vor 8 Monaten eine extreme Dehnung des Raums bewirkt, genau dort wo sich ihr Proton befand. Und sie haben es bemerkt. Und ihre SchlĂŒsse gezogen."
BedÀchtig nahm er einen weiteren Schluck.
"Die Wahrscheinlichkeit fĂŒr all das ist extrem niedrig. Eine Zahl mit noch höherem Exponent als es Teilchen im Universum gibt. Aber es ist geschehen."
Hendricks stutzte. "Soll das heißen, dass die Raumpulsationen nicht stĂ€ndig auftreten? Es war alles ein Zufall?" Er bekam plötzlich Angst, sein Experiment nicht reproduzieren zu können.
"Im Prinzip treten sie stĂ€ndig auf. Überall. Nur eben nicht so stark wie hier und jetzt. Ein Jahr frĂŒher oder ein Jahr spĂ€ter und wir wĂ€ren uns nie begegnet."
Hendricks atmete auf.
"Aber es gibt nun mal unendlich viele Zeitlinien im Universum. Jedes Ereignis, so unwahrscheinlich es auch ist, wird sich auf einer von ihnen irgendwann ereignen. Und wir beide haben mit unserer Zeitlinie leider den schwarzen Peter gezogen, wie Sie es zu ihrer Zeit so schön formulieren."
     Der Verlauf des GesprĂ€chs gefiel Hendricks nun gar nicht mehr. Der Fremde machte nicht den Eindruck, als wolle er zur Entdeckung der Zeitreisen gratulieren. Ihn umgab eher die Aura eines AnklĂ€gers.
"Was wollen Sie damit sagen?"
"Ich will, damit sagen, dass Ihre Entdeckung 200 Jahre zu frĂŒh kommt. Mindestens. Ihr Experiment wird morgen die Möglichkeit von Zeitreisen bestĂ€tigen. Und Ihnen natĂŒrlich den Nobelpreis einbringen. Leider wird Ihre Theorie dazu rudimentĂ€r bleiben. Sie werden deshalb auch nichts von den katastrophalen Folgen ahnen."
Jetzt dÀmmerte Hendricks, worauf sein Besucher hinaus wollte.
     "Nein!"
Nein, er wĂŒrde seinen Versuch nicht abbrechen. Um nichts auf der Welt wĂŒrde er auf den Ruhm verzichten, die Zeitreise entdeckt zu haben. "Wir können spĂ€ter korrigieren. Sie wissen, was falsch gelaufen ist. Wir können es Ă€ndern!"
Der Mann aus der Zukunft schĂŒttelte den Kopf. "Dieses eine Experiment morgen ist bereits eines zuviel. Der Effekt wird viel stĂ€rker ausfallen als Sie vorausberechnet haben. Die Gravitationsinterferenzen. Sie sind morgen viel stĂ€rker als vor 8 Monaten. Sie verstehen?"
Er wartete Hendricks Antwort nicht ab.
"Jede Zeitmanipulation löst Verwerfungen der Raumzeit aus. Sie schaukeln sich auf. In 200 Jahren wird man so weit sein, dass man die Theorie entwickelt und die Folgen erkennt. Man wĂŒrde auf Experimente verzichten. Aber der Zufall hat es so gewollt, dass in unserer Zeitlinie zuerst das Experiment kommt."
Er streckte Hendricks seine HĂ€nde entgegen. Verformte Finger. Verdreht. Übereinander liegend. Knotige Gelenke, fleckige, schuppige Haut. FingernĂ€gel wie Krallen, gelblich, schwarz unterlaufen.
"Der Rest meines Körpers sieht nicht besser aus. Die Wellen in der Zeit haben Einfluss auf die Materie. Destruktiven Einfluss. Und belebte Materie reagiert besonders empfindlich."
     Hendricks schluckte. "Aber wenn ich meine Entdeckung nicht mache verĂ€ndere ich die Zukunft. Jeder drittklassige Science Fiction Roman warnt davor. Sie wĂŒrden gar nicht geboren werden. Es gĂ€be Sie gar nicht."
Der Fremde nickte. "Richtig. Genau deshalb bin ich hier. VerĂ€ndern Sie unsere Zeitlinie! Wir wĂŒnschen uns, nie geboren zu werden. Nicht in dieses Leben, das wir leben mĂŒssen."
     Verwirrt sank Hendricks in seinen Sessel zurĂŒck. "Das geht nicht. Ich kann das nicht. Ich will das nicht!"
"Sie mĂŒssen." erwiderte der Fremde. Ohne zu fragen schenkte er sich selbst nach.
Die Gedanken in Hendricks Gehirn kreisten auf Hochtouren. Langsam sortierte er die Fakten. "Wenn ich das Experiment nicht durchfĂŒhre dann wird es keinen Anlass fĂŒr Ihre Zeitreise geben. Aber Sie sind hier. Das ist unlogisch."
"Sie haben das Problem erkannt. In der aktuellen Version dieser Zeitlinie werden sie Ihr Experiment auf jeden Fall durchfĂŒhren."
Er griff zum Glas und leerte es in einem Zuge.
Hendricks begriff den letzten Satz und erstarrte.
     Das kleine KĂ€stchen, das der Fremde aus der Tasche zog sah nicht aus wie eine Waffe. Eine Technologie, die irgendjemand irgendwann in der Zukunft fĂŒr einen ganz anderen Zweck erfinden wĂŒrde entzog Hendricks Körper sĂ€mtliche Energie. Auf atomarer Ebene. In Bruchteilen einer Sekunde verwandelte er sich in einen Eisblock mit der Temperatur des absoluten Nullpunkts.
     Mitarbeiter des Instituts öffneten am nĂ€chsten Vormittag die TĂŒr des Apartments, nachdem man vergeblich auf Hendricks Erscheinen gewartet hatte. Man fand etwa 80 Liter Schleim, der spĂ€ter als organisch identifiziert wurde. Und zwei benutzte GlĂ€ser.




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Okay, na dann ran an die Details! Ich schau mal, wie weit ich jetzt komme 


Generell: Die Leerzeilen scheinen willkĂŒrlich gesetzt, sie sind fast nie durch den Inhalt (Szenenwechsel, Orts- oder Zeitsprung etc.) unterfĂŒttert.

Am Stil kann ich nicht groß rummeckern. Mir persönlich ist er etwas zu gleichmĂ€ĂŸig in seinem Klang - wie eine KiesflĂ€che. Ich weiß nicht, ob das der Grund ist, warum ich den Text kaum spannend fand.

Vielleicht ist es auch so, weil nach "Jetzt dÀmmerte Hendricks, worauf sein Besucher hinaus wollte." noch so viel Text kommt. Dieser Satz leitet die Pointe ein, du schweifst aber nochmal zur Vorbereitung der Pointe (zur ErklÀrphase) um. Effektiver wÀre sicher, wenn der Gast das mit dem "verdreht" erzÀhlt und andeutet, dass niemand so leben will - und dass Hendricks erst da realisiert, dass der Gast ihn von dem Experiment abhalten will. Dann kann H sofort protestieren und der Gast (der damit ja gerechnet hat) ganz schnell das Problem lösen. Danach der Schluss und die fast perfekte Spannungskurve steht.

Details:

quote:
VerĂ€rgert stieß Hendricks die Tastatur von sich. Sie krachte gegen den Fuß des MonitorsKOMMA der bedenklich ins Wanken geriet. Durch seine Shutter-Brille sah er in diesem Moment nicht nur zwei ProtonenKOMMA sondern sogar vier. Zusammen mit den anderen Teilchen auf dem Schirm erinnerte ihn das Bild an ein Gesicht mit einem großen, lachenden Mund.



quote:
Er schaffte es, die Brille abzulegen ohne sie dabei zu beschĂ€digen. Eine Meisterleistung. Zumindest fĂŒr ihn. In diesem Moment.
Das "fĂŒr ihn" wird im folgenden erklĂ€rt, das "in diesem Moment" hĂ€ngt echt lange in der Luft.

quote:
Er war nie ein besonders beherrschter Mensch gewesen. Sonst hĂ€tte er auch nicht die Gelegenheit zu diesem Experiment bekommen. Er hatte sich durchgeboxt. BĂ€rtige JĂŒnglinge aus dem Weg gedrĂ€ngt, glubschĂ€ugige Vorzimmerdamen mit seiner cholerischen Art eingeschĂŒchtert und Kontrahenten lautstark nieder diskutiert. Der moderne Wissenschaftsbetrieb eignete sich nun mal nicht fĂŒr konsensfĂ€hige Weicheier.

Das ist alles ganz hĂŒbsch, aber hat nur wenig Bedeutung fĂŒr die Story, oder? Mich hat der Ausflug gestört, weil ich mich viel mehr fĂŒr "diesen Moment" interessiert habe.
"niederdiskutiert" fÀnde ich besser

quote:
Er hatte sich die Chance auf dieses Experiment geschaffen und dafĂŒr seinen letzten Gönner geopfert. Doch nun? Hoch gepokert, hoch verloren?

Die Gönner spielen nie wieder eine Rolle, das brauch ich nicht. Was ich gebraucht hÀtte, wÀre ein Hinweis darauf gewesen, wieso er jetzt irgendwas von "verloren" denkt. HÀtte er jetzt Gönner gebraucht?

quote:
Nervös schaukelte er mit seinem Stuhl hin und her. Es musste ein Fehler der Sensoren sein. Die Messergebnissse waren MĂŒll. Und deshalb konnten sie seine These nicht widerlegen. Genau genommen hatte er sein Experiment also gar nicht durchfĂŒhren können. Vielleicht ließe sich mit dieser BegrĂŒndung eine Wiederholung erreichen? Irgendwann?

Warum ist er nervös, wenn die Ergbnisse seine These nicht widerlegen? Ist doch nicht schlecht. Es wĂ€re natĂŒrlich besser, sie wĂŒrden die These belegen, aber so besteht immerhin noch eine Chance 

Wie: Er hatte sein Experiment nicht durchfĂŒhren können? Stromausfall? Und wieso nur "genau genommen hatte er es nicht durchfĂŒhren können"? Sehr kryptisch das alles 



quote:
* * *

Drei Monate spĂ€ter brĂŒtete Hendricks immer noch ĂŒber den Daten des Experiments. Er hatte einen neuen Termin bekommen. In 8 Monaten. Das war immer noch schneller als gedacht, denn der Beschleuniger war eigentlich auf Jahre hinaus ausgebucht. Bis dahin wollte er versuchen, aus den Rohdaten der missglĂŒckten Messung wenigstens etwas Brauchbares herauszufiltern.
Unmittelbar vor dem Auftreffen der beschleunigten Teilchen begann das Ziel-Proton zu zittern. Und dann erschienen auf den Sensoren plötzlich ein zweites Proton. Im selben Moment auch BruchstĂŒcke der Kollision. Die noch gar nicht stattgefunden hatte.

Zahlen ausschreiben! (Es sei denn, das wird unĂŒbersichtlich - aber "acht" kann man recht lesen.)
Das war eher, als er gedacht hatte - oder?
Dann erschien ein Proton, nicht erschienen.

quote:
Ein Echo in den Signalleitungen? Fehlerhafte Synchronisation der Sensoren? Ein Fehler in der Auswertungs-Software?
Wenn ein Binde-S im zusammengesetzten Wort steht, schreibt man es nicht mit Bindestrich.
Wenn es ein Fehler in der Sychronisation der Sensoren gewesen wĂ€re, dĂŒrfte das PhĂ€nonem nicht auf allen auftauchen. Es dĂŒrfte af keinem auftauchen - nur die Anzeigen in der Summe dĂŒrften diese Diskrepanz aufweisen.

quote:
Vielleicht könnte er die Auswirkung des Fehlers auf die Messung herausrechnenKOMMA wenn er die Ursache fand. Es brauchte eine Lösung. Ohne BestÀtigung seiner Theorie konnte er seine Laufbahn vergessen.
Ausrufezeichen nach "Lösung" fÀnde ich besser.
Es brauchte eins Lösung? Er brauchte eine!
Jetzt geht als doch darum, seine These zu bestÀtigen, nicht darum, sie zu widerlegen 


quote:
Immer wieder drĂ€ngte sich das grinsende Gesicht in seine Gedanken, dassdas ihm der wackelnde Monitor fĂŒr einen Augenblick vorgegaukelt hatte. Bewegung des Bildes wegen der Vibration des Monitors und Zeitversatz der Bilder wegen der 3D-Darstellung. Logisch.
Richtig ist es, den Attribut-Satz an das nĂ€her zu bestimmende Wort (bzw. die Wortgruppe) anzuhĂ€ngen - also an „Gesicht“, nicht an „Monitor“. Von dieser Regel weicht man eigentlich nur ab, wenn hinter dem zu bestimmenden Wort (bzw. der Wortgruppe) ein oder zwei Partikel (z. B. der zweite Teil eines Verbes) folgt.
Wieso ist "Zeitversatz wegen 3-D-Darstellung" logisch?


quote:
Wenn er beim nÀchsten Experiment die Zeitreise reproduzieren könnteKOMMA wÀre das eine Sensation.


quote:
Nach und nach formte sich in Hendricks Kopf eine Theorie. Er wĂŒrde die Rahmenbedingungen des nĂ€chsten Experiments nur geringfĂŒgig Ă€ndern mĂŒssen, um sie zu beweisen. Die Theorie der Zeitreisen.
Der letzte Satz gehört inhaltlich und klanglich hinter den ersten. Da dir dann die Info des zweiten Satzes verloren ginge, musst du wohl ein bisschen stÀrker umbauen.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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