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Leselupe.de > Kindergeschichten
Ein Drache zu Weihnachten
Eingestellt am 26. 12. 2018 18:56


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Pinoca
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2018

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„Ich will einen Drachen, aber einen echten. Einen, der Feuer spucken kann. So richtig, nicht auf Knopfdruck. Einen, der sich von allein bewegt, der atmet und mich überall hinfliegen kann.“ Niklas hatte diese Diskussion mit seinen Eltern schon sehr oft geführt, aber so wie sie sich ansahen, nahmen sie ihn einfach nicht für voll. Dabei war er schon neun Jahre alt und wusste genau, was er wollte. Jedes Jahr das Gleiche. Einen Drachen als besten Freund.
„Ich hoffe, du hast noch andere Wünsche“, beendete sein Vater das Gespräch beim Abendessen. „Zieh dich um, geh Zähneputzen und dann ab ins Bett“, fügte seine Mutter hinzu.
Enttäuscht machte Niklas ausnahmsweise einmal genau das, was seine Eltern wollten und bereits zwanzig Minuten später lag er in seinem Bett. Die Geschenke, die seine Eltern ihm bisher immer gemacht hatten, waren toll, aber ein echter Drache war nie dabei. Bedrückt zog er sein Stofftier näher zu sich heran, ein kleiner roter Drache. Er hatte ihn Druff genannt, das war wohl ein ordentlicher Name für einen Drachen.
Als Niklas aufwachte, war es stockfinster, aber irgendetwas war anders. Er setzte sich und zog Druff schützend an sich. Irgendetwas stimmte nicht, das konnte er spüren. Sollte er seine Eltern rufen? Da war es wieder. Es war draußen und es tanzte am Fenster. Der Weihnachtsmann? Seine Eltern würden ihn nur verscheuchen. Auf Zehenspitzen schlich Niklas sich ans Fenster und schaute hinaus. Da es in der Nacht geschneit hatte, konnte er jedoch kaum etwas sehen, nur ein flimmerndes Licht vor der Scheibe. Er wischte mit dem Ärmel seines Schlafanzuges über die Scheibe, aber auch das half nicht, er konnte nur hören, wie das Glas unter seinem Arm quietschte. Das hieß wohl, das Fenster ist nun sauber.
Plötzlich wurde es warm und der Schnee vor dem Fenster war fort. Dafür schaute Niklas in ein riesengroßes Auge und zwei schwarze Löcher. Er stolperte zurück und fiel auf den Hosenboden. „Nein“, entfuhr es ihm. Schnell rannte er zurück ins Bett und zog sich die Decke über den Kopf. Als er sie wieder fortnahm, war das Fenster leer. Niklas atmete auf. Das war ja ein täuschend echter Traum gewesen. Aber war das wirklich ein Drache, von dem er geträumt hatte? Er ging noch einmal zum Fenster und sah hinaus. Draußen lag Schnee, nur sein Fenster sah aus, als hätte es geregnet. Erste Eiskristalle begannen sich zu bilden. Angestrengt starrte er hinaus und versuchte im Schein der Laterne, die vorn an der Straße stand, etwas zu erkennen. Er schüttelte den Kopf. Er war doch kein kleines Baby mehr, das vor seinen Träumen Angst hatte. Da tauchte das Auge wieder vor dem Fenster auf. Niklas war sogar zu erschrocken um zu schreien. Ein riesiges Auge starrte ihn an. Es war gold und rot und gesprenkelt. Es war ein Drachenauge. Es musste ein Drachenauge sein und die schwarzen Löcher waren gar keine Löcher es waren seine Nüstern. Sollte er das Fenster öffnen? Er wollte so sehr einen Drachen. War das wirklich einer? Er durfte keine Fremden hereinlassen, das wusste Niklas genau, aber das war ein Drache, etwas völlig anderes. Oder war es einfach nur ein schlauer Einbrecher?
Niklas überlegte, was er tun sollte und entschied sich, das Fenster erst einmal nur zu kippen. Sollte jemand die Hand hereinstrecken, konnte er das Fenster wieder zuschlagen oder seine Eltern holen. Gesagt, getan. Als Niklas das Fenster öffnete, spürte er die Wärme, die so gar nicht zu dem Schnee, der um die Laterne tanzte, passen wollte.
„Bist du ein Drache? Ich meine, ein echter?“, fragte Niklas durch das gekippte Fenster. Er fühlte sich ein bisschen blöd dabei. Konnten Drachen überhaupt reden? Oder ihn verstehen? Kam er aus seinem Land oder verstand er ganz andere Sprachen? Woher kamen Drachen überhaupt? Die Eissterne an der Scheibe schmolzen. Lachte der Drache ihn aus? „He, bist du ein Drache? Wie heißt du?“
Die Antwort kam anders als erwartet und Niklas blieb wie angewurzelt stehen. Sie war nicht laut, nicht richtig da, die Antwort schien nur in seinem Kopf zu sein, so als könnten sie über die Gedanken miteinander sprechen. „Bist du ein Menschenkind? Ein echtes?“, lautete die Antwort.
„Hast du in meinem Kopf geredet?“, fragte Niklas wieder durch das Fenster.
„Telepathie nennt ihr das glaube ich, versuch es mal. Anstatt laut zu sprechen, sag es nur in deinen Gedanken“, antwortete der Drache.
Niklas strengte sich an. Den Mund zulassen und nur denken. Das konnte er, das war bestimmt genauso, wie Tagträumen. Jeder sagte, dass Niklas darin Weltklasse wäre.
„Wie heißt du?“, dachte Niklas angestrengt und starrte gebannt durch das Fenster. Wieder schien der Drache ihn auszulachen, da erneut einige kleine Rinnsale das Fenster hinabliefen.
„Schon ganz gut, aber du musst dich nicht so sehr anstrengen, ich verstehe dich gut. Mein Name ist Signum.“
„Signum?“; wiederholte Niklas den Namen laut und zuckte zusammen. Er strengte sich an, die nächsten Worte nur zu denken. „Was ist das denn für ein Name?“
„Na meiner, danach hast du doch gefragt“, kam die prompte Antwort.
„Ich, ich heiße Niklas. Hallo Signum. Bist du mein Weihnachtsgeschenk?“ Niklas war ganz aufgeregt und hatte tausend Fragen. War das wirklich ein echter Drache vor dem Fenster? Konnte er rausgehen und ihn ganz ansehen? Immerhin konnte er in Gedanken mit ihm sprechen, das konnte kein einfacher Mensch sein.
„Zieh dir vorher warme Sachen an und vergiss Mütze, Schal und Handschuhe nicht.“
Niklas zuckte zusammen. Der Drache konnte alle Gedanken verstehen und dass wieder Wasser am Fenster herunterlief, sagte ihm, dass Signum ihn gerade schon wieder auslachte.
„Bitte, brenne vor lauter Lachen nicht unser Haus ab“, strengte sich Niklas an zu denken.
„Ich gebe mir Mühe, aber du machst es mir wirklich schwer“, antwortete Signum.
Niklas brummte und rannte zum Schrank. So schnell war er noch nie angezogen, erst recht nicht, wenn es zur Schule ging. Er vergaß auch Mütze, Handschuhe und Schal nicht und schlich sich auf Zehenspitzen zur Haustür. Kurz überlegte er, dass es mitten in der Nacht war, und er eigentlich gar nicht hinaus durfte. Aber es war Weihnachten und erzählten seine Eltern ihm nicht immer von den Weihnachtswundern? Das war sein Weihnachtswunder, da war Niklas sich ganz, ganz sicher. Er steckte seinen Schlüssel ein und schlüpfte aus der Tür.
„Oh“, war das einzige, was er sagen konnte.
„Nicht so laut, es reicht, wenn du es in Gedanken sagst“, ermahnte Signum ihn.
„Du bist riesig.“, staunte Niklas.
„Ich bin ein Drache.“
„Aber ein riesiger Drache“, dachte Niklas.
„Du bist ein ganz schön kleiner Mensch“, antwortete Signum.
„Aber ich wachse noch“, dachte Niklas mit einer Mischung aus Trotz und Stolz.
„Ich nicht.“
„Wie alt bist du“, fragte Niklas neugierig, als er um den Drachen herumrannte. Signum war nicht ganz so groß wie das Haus, aber schon echt groß für einen Menschen. Bestimmt dreimal so groß wie Niklas, oder fünfmal. Seine Schuppen schimmerten im Licht der Laterne rot und golden. Vorsichtig tippte er eine der Schuppen an.
„723 Jahre und du musst nicht so zaghaft sein. Los steig auf.“
Niklas wusste nicht, was ihn mehr erschreckte. Dass der Drache wirklich mehrere hundert Jahre alt sein sollte oder dass er ihm gerade erlaubte aufzusteigen. Wieder hatte Niklas das Gefühl, als würde Signum ein Lachen unterdrücken. So hörte es sich wohl an, wenn Drachen husteten. Etwas Rauch kam aus seinen Nüstern. Oder ihren?
„Ich bin ein männlicher Drache und gar nicht so alt in Drachenjahren, etwas älter als du vielleicht in Menschenjahren.“
Signum legte den Schwanz flach auf den Boden. Er war lang und hatte einige Stacheln.
„Halt dich vorsichtig an den Stacheln fest und lauf den Schwanz hinauf“, hörte Niklas die Stimme in seinem Kopf. „Wenn du oben angekommen bis, lauf bis zu den Flügeln, da ist eine kleine Delle auf meinem Rücken, da solltest du gut hineinpassen.“
„Tue ich dir auch nicht weh?“; fragte Niklas als er zum Schwanz ging.
„Weh tun? Pass lieber auf, dass du mich nicht kitzelst.“
Trotzig kletterte Niklas den Schwanz des Drachen hoch. Als er am Rücken ankam, hatte er seinen Trotz jedoch bereits wieder vergessen und staunte nur noch. Vorsichtig lief er zu den Flügeln.
„Davor oder dahinter?“
„Lauf an den Flügeln vorbei, du kannst dich an den großen Schuppen an meinem Hals festhalten.“
Niklas tat, wie Signum es ihm beschrieben hatte und saß fast so gemütlich, wie in einem Sessel kurz vor seinen Flügeln. Es war ein etwas harter Sessel, zugegeben, aber das war völlig egal. Niklas saß auf einem Drachen. Einem richtigen Drachen. Ach, wenn seine Eltern das sehen könnten. Oder hatten sie ihn geschickt?
„Hast du Höhenangst?“, hörte Niklas den Drachen in seinem Kopf.
„Nö“, war die prompte Antwort.
„Dann halt dich jetzt gut fest.“
Signum begann sich zu bewegen und Niklas krallte sich an den roten Schuppen vor ihm fest. Er wollte doch nicht etwa? Oder wollte er doch?
„Signum?“, fragte er ängstlich in Gedanken.
„Ja?“
„Kannst du fliegen?“
„Ich hatte zumindest nicht vor zu schwimmen“, antwortete der rote Drache und hob ab.
Niklas war viel zu erstaunt, um überhaupt irgendetwas denken zu können. Er starrte auf das Haus seiner Eltern, das unter ihm immer kleiner wurde, auf die Bäume darum herum, auf die Straßen und die Autos, die unter dem Schnee verschwanden.
„Wir fliegen“, sagte Niklas und kleine Wölkchen bildeten sich in der Kälte vor seinem Gesicht.
„Ich verstehe dich hier oben besser, wenn du in Gedanken mit mir sprichst“, sagte Signum.
„Oh, sorry. Wohin fliegen wir?“, fragte Niklas.
„Wir sehen uns die Stadt von oben an. Ist das da unten deine Schule?“
„Niklas sah hinab.“ Ja, das war seine Schule. Seine Schule von oben. Niklas lachte übermütig. Er hatte noch nie so viel Freude, seine Schule zu sehen.
„Kannst du sie nicht einfach abbrennen?“
„Deine Schule abbrennen?“
Niklas nickte eifrig, merkte aber selbst, dass der Drache das nicht sehen konnte.
„Bitte, ich hasse die Schule.“
„Du kannst die Schule gar nicht hassen.“
„Wieso denn nicht?“, fragte Niklas verwirrt.
„Ich will dir etwas zeigen, danach reden wir noch einmal darüber“, antwortete Signum und stieg fast senkrecht in den Himmel.
Niklas krallte sich am Hals fest und hatte Angst, herunter zu fallen. Signum wurde schneller und schneller und als Niklas die Stadt kaum mehr erkannte, machte Signum einen Salto und sauste wieder hinab. Der Wind trieb Niklas die Tränen in die Augen und er presste sich ganz eng an den Drachenkörper, der vorsichtig abbremste, bis Niklas die Schule wieder sehen konnte. Aber was war geschehen? Der Schnee war weg und Niklas war es fast ein bisschen warm.
„Was ist passiert?“, fragte Niklas.
„Entschuldige, das musste so schnell gehen. Wir sind ein bisschen gehüpft“, antwortete Signum.
„Gehüpft?“
„In der Zeit. Sieh mal nach unten. Siehst du das?“
„Was denn? Was?“ Niklas war ganz aufgeregt und sah nach unten. In der Zeit gehüpft? So etwas gab es wirklich?
„Ja, so etwas gibt es wirklich. Siehst du den großen Baum an der Seite der Schule?“
Niklas nickte, war aber zu aufgeregt, um etwas zu sagen. Signum flog an der Seite der Schule entlang. An den Bäumen hingen Äpfel. Es musste Sommer sein.
„Wo sind wir?“, fragte Niklas.
„An deiner Schule, nur zwanzig Jahre später.“
„Zwanzig Jahre?“, staunte Niklas.
„Ja. Siehst du den Baum da unten?“ Signum wartete gar nicht erst auf eine Antwort, sondern redete direkt weiter. „Den hast du gepflanzt, zusammen mit deiner Abschlussklasse. Jeden Morgen, wenn du deine Kinder zur Schule bringst, zeigst du ihnen ganz stolz den Baum. Wenn wir deine Schule jetzt abbrennen, wo willst du dann den Baum pflanzen und auf welche Schule gehen deine Kinder?“
„Kinder? Meine Kinder? Ich habe Kinder?“ Niklas flogen tausend Gedanken durch den Kopf. „Muss ich dann auch heiraten? So richtig? Etwa ein Mädchen?“ Niklas hüpfte etwas auf Signums Rücken.
„Lachst du mich etwa schon wieder aus?“, fragte er den roten Drachen verärgert.
„Ich glaube, es ist besser, wenn wir in deine Zeit zurückkehren“, antwortete Signum und setzte an, wieder gerade in die Luft zu steigen. Da Niklas dieses Mal wusste, was ihm bevorstand krallte er sich fest und legte sich so dicht an Signum, wie er nur konnte. Als sie ganz weit oben waren, machte Signum den Salto dieses Mal rückwärts und auf dem Weg nach unten, erschienen wieder kleine Wölkchen vor Niklas Gesicht, wenn er ausatmete.
„Ich glaube, diese Zeit ist momentan noch die bessere für dich“, meinte der Drache. „Möchtest du noch immer die Schule abbrennen?“
Niklas antwortete eine ganze Weile nicht, während Signum im Kreis über die Schule flog. In der Ferne sah er langsam die Sonne aufgehen. „Nein, wir müssen sie wohl beschützen“, kam kleinlaut die Antwort, nach einer gefühlten Ewigkeit. „Aber können wir nicht irgendetwas anderes abbrennen? Du kannst bestimmt total cool Feuer spucken.“
„Abbrennen? Das ist keine gute Idee“, meinte Signum.
„Bitte, nur einmal“, quengelte Niklas.
„Ich habe eine Idee, warte nur ab“, lenkte Signum ein und flog etwas höher. Dieses Mal jedoch nur ein ganz kleines Stückchen, dass Niklas noch immer die ganze Stadt sehen konnte. In der Ferne konnte Niklas den Berg sehen, wo er im Winter mit seinem Freunden immer Schlitten fuhr. Unter ihm waren der Park und außen herum der Bäcker, ein Laden mit Süßigkeiten und einer für Erwachsene, mit lauter Kram. Signum steuerte mit ihm auf die Mitte der kleinen Stadt zu, wo ein großer Platz mit einer altertümlichen Kirche stand. Über der Kirche hielt Signum an.
„Ihr habt vier Türme auf eurer Stadtmauer?“, fragte er Niklas.
„Ja, an jedem Ende einen. Sie sind uralt, noch aus dem Mittelalter“, antwortete Niklas.
„Das ist gut, dann haben sie eine Möglichkeit, Signale zu geben?“
„Da stehen riesengroße schwarze Schüsseln drin, die nennt man Kohlepfannen und der Stadtwärter passt gut auf, dass sie immer so aussehen, dass man sie jederzeit anzünden kann. Zum Schutz der Stadt.“ Niklas kannte die Geschichten in und auswendig. Sie wurden den Kindern bereits im Kindergarten erzählt und in der Schule in jedem Jahr wiederholt. Nun aber sauste Signum auf einen der Türme zu und hielt genau vor einem an. Mit einem leichten Pusten entzündete er die Flamme, die schnell den nördlichen Turm in hellem Licht erstrahlen ließ.
Niklas staunte und jubelte und trieb Signum an, immer schneller von Turm zu Turm zu fliegen und alle Fackeln zu entzünden. Nachdem sie fertig waren, flogen sie wieder zur alten Kirche auf dem Marktplatz und sahen sich ihr Werk an.
Es waren jedoch nicht vier Lichter, die sie leuchten sahen, sondern fünf. Hinter dem Turm im Osten ging die Sonne auf.
„Es wird Zeit“, mahnte Signum und flog Niklas nach Hause.
Nachdem der große rote Drache gelandet war und Niklas wieder festen Boden unter den Füßen hatte, wurde er traurig.
„War das nur ein Traum? Kommst du wieder? Bleibst du bei mir?“ Ein Hoffnungsschimmer glomm in Niklas auf.
„Ich kann nicht bleiben. Ich muss nach Hause, meine Eltern warten. Ich hatte nicht wirklich die Erlaubnis herzukommen.“
Niklas starrte Signum mit großen Augen an. Er schluckte schwer und noch einmal. Dreimal musste er schlucken, bis er die Tränen heruntergeschluckt hatte. Er wollte doch zum Abschied nicht weinen. Sowas machte nur seine Mama.
„Kommst du wieder?“ fragte er mit einem Rest von Hoffnung. „Wie werde ich wissen, dass ich das nicht nur geträumt habe?“
„Ob ich wiederkommen kann, weiß ich nicht. Ich werde mich anstrengen. Aber ich verspreche dir, du wirst dich immer an diese Nacht erinnern und niemals zweifeln.“
Mit diesen Worten hob Signum ab und Niklas schaute ihm so lange hinterher, bis er nur noch ein kleiner Punkt am Himmel war.
Schnell flitzte Niklas in sein Zimmer, versteckte die Sachen im Schrank und zog sich die Decke über die Nase.
Er musste wohl noch einmal eingeschlafen sein, denn als seine Mutter ihn weckte, war es draußen bereits hell.
„Aufstehen, Schlafmütze. Du verpasst euer Weihnachtsrodeln sonst noch. Dein Frühstück steht schon auf dem Tisch und draußen liegt Schnee.“
Schnell zog Niklas sich an und flitzte zum Frühstück. Seine Eltern warteten schon auf ihn und der Schlitten stand auch bereits im Flur.
Schnell aß Niklas sein Brot und rannte in den Flur. Eine Frage hatte er jedoch.
„Mama?“, fragte er.
„Ja, mein Schatz?“
„So kannst du Papa nennen, aber doch nicht mich. Ich bin schon fast groß“, antwortete Niklas empört, fügte dann aber hinzu, „Kennst du das Wort Signum? Ist das ein Name?“
„Nein, Niklas, das ist kein Name, soweit ich weiß. Es ist Latein und es bedeutet Wunder. Wie kommst du denn darauf?“ Seine Mutter war in den Flur gekommen, zupfte und zerrte an seinem Schal herum und zog die Mütze noch etwas mehr über die Ohren. „Mama, lass das.“ Aber da hatte Niklas wohl keine Chance. Er durfte erst gehen, wenn seine Mutter ganz sicher war, dass keine Stelle seines Halses kalt werden könnte. Wenn sie wüsste, was er letzte Nacht erlebt hatte.
Als sie zufrieden war, schnappte Niklas sich schnell seinen Schlitten und rannte außen die Stadtmauer entlang zum Berg. War es wirklich passiert? Oder hatte er nur geträumt? Er sah die Türme hinauf, doch es waren nur noch leichte Rauchschwaden zu sehen, kein Feuer brannte mehr. Er lief zum Berg und zog den Schlitten hinter sich her. Oben angekommen warteten seine Freunde. Es war eine wilde Diskussion im Gange, wer was zu Weihnachten bekam. Niklas hatte keine Ahnung, was er bekam, aber dieses Jahr war es ihm auch egal. Er drehte sich in Richtung Stadt und dachte an die letzte Nacht zurück. An seinen Flug mit dem Drachen. Aber, war das wirklich passiert?
Sein Blick blieb an der Schule hängen und er wusste, dass es wirklich passiert war. Signum hatte Wort gehalten. Er konnte gar nicht vergessen, dass der Drache echt war, denn auf dem Dach der Schule konnte er den Umriss eines Drachen sehen. So, als wäre er ganz vorsichtig in den Dachziegeln eingebrannt. Nur eine dunkle Kontur. Und wenn man ganz genau hinsah, hatte man das Gefühl, es würde jemand auf dem Rücken des Drachen sitzen.

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hera
Foren-Redakteur
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Registriert: May 2001

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