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Leselupe.de > Humor und Satire
Ein Hoch auf Motorradfahrer (Eine Coming-of-Age Story)
Eingestellt am 09. 04. 2019 12:37


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RobertMarkus
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Ein Hoch auf Motorradfahrer

    Als ich fünfzehn Jahre alt war, diagnostizierten die Ärzte bei mir einen irreparablen Herzfehler. Als meine Mutter davon erfuhr bekam sie einen Herzinfarkt und starb. Jedenfalls erzähle ich es immer so, wenn ich danach gefragt werde. In Wirklichkeit lagen zwischen der Diagnose und dem Tod meiner Mutter drei Jahre. Aber wenn sie mich fragen, dann bin ich sowieso eher der „Print the legend“-Typ.

    Prof. Dr. Abraham Pawischnik, Arzt am UKE in Hamburg, zeigte mir eine Röntgenaufnahme meiner Brust und erklärte mir mit seinem Ärztekauderwelsch, warum eine Operation unmöglich war. Ich verstand kein einziges Wort. Ich verstand jedoch, dass mein Herzfehler zu ernst war, um ein normales Leben zu führen, aber zu läppisch, um mich auf Position eins der Liste für Herztransplantationen zu setzen.

„Wenn du Anstrengungen meidest, Aufregungen aus dem Weg gehst, dann schlägt dein Herz noch viele, viele Jahre. Keine Sorge.“ sagte Dr. Pawischnik zu mir.
„Was für Anstrengungen denn?“ fragte ich.
„Magst du den Sportunterricht in der Schule?“ sagte er und lächelte mich an.
„Nicht besonders. Ich bin sportlich gesehen eine totale Niete.“
„Dann wird es dich freuen, dass du ab sofort vom Sport befreit bist. Jegliche körperliche Aktivitäten sind für dich tabu.“
„Damit kann ich leben.“
Dr. Pawischnik lachte. Ich lachte mit.
„Und auf wilde Sexorgien musst du in Zukunft leider auch verzichten.“ sagte er.
Sein Lächeln hatte sich mittlerweile zu einem breiten Grinsen ausgeweitet. Meins dagegen erstarb auf der Stelle.
„Ich bin noch Jungfrau.“ sagte ich und blickte den Doktor entsetzt an.
„Dann rate ich dir, deine Jungfräulichkeit solange beizubehalten, bis du dein neues Herz hast.“
„Und wann wird das sein?“ Panik breitete sich in mir aus.
„Wahrscheinlich so in ungefähr fünf, sechs Jahren.“

    Ich denke, es ist an dieser Stelle angebracht, ein paar Worte über mich zu verlieren. Ich war nie ein Frauenheld. Oder in anderen Worten: Bis zum diesem Zeitpunkt hatte bisher keine Frau daran gedacht, mich auch nur mit ihrem Hintern anzugucken. Ich war für die feminine Welt einfach nicht existent. Das hieß aber nicht, dass ich nicht seit meinem fünften Lebensjahr plante sexuell aktiv zu werden. Dummerweise waren alle bisherigen Versuche auf ganzer Linie gescheitert. Das lag ohne Zweifel daran, dass ich viele Jahre unter extremer Schüchternheit litt. Schüchternheit und Geilheit sind äußerst inkompatible Freunde.

    Die Aussicht, fünf oder sechs weitere Jahre unter strenger ärztlicher Auflage in völliger Enthaltsamkeit leben zu müssen, machte mich wirklich fertig. Insbesondere wegen der Auswirkungen. Mein Bruder Heiko hatte mir einmal in einem Anfall von brüderlicher Nächstenliebe gesagt: „Wenn du mit 16 noch kein Mädchen flachgelegt hast, dann kommst du auch die nächsten 16 Jahre nicht dazu.“
Nun ist mein Bruder Heiko auch heute wahrlich nicht das, was man einen hellen Kopf nennt, doch in Liebesdingen kannte er sich schon damals aus. Die Aussicht bis zu meinem 32. Lebensjahr jungfräulich zu bleiben, brachte mich jedenfalls fast um den Verstand.

„Und was ist mit...?“ begann ich und blickte Prof. Dr. Abraham Pawischnik in die Augen.
„Masturbation?“
Ich nickte.
„Ausgeschlossen. Keinerlei Aufregung. Du wirst ein Medikament einnehmen müssen, dass eine Erektion unterbindet und den Sexualtrieb dämpft.“
„Eine Erektion unterbindet?“ wiederholte ich ungläubig.
„Ja. Normalerweise bekommen nur schwere Sexualstraftäter derartige Arzneimittel, aber angesichts der Schwere deiner funktionalen Störung…“

    Ich versuchte hinter all diesen Worten zumindest einen Hauch von Ironie zu entdecken. Aber Prof. Dr. Pawischnik meinte es todernst. Ich nickte, nahm das Rezept wortlos entgegen und entsorgte es auf dem Weg nach Hause in der nächsten Mülltonne. Lieber starb ich durch eine Erektion, als durch den vollständigen Verlust meiner Menschenwürde.

    Meine Schüchternheit Frauen gegenüber liegt meiner Meinung nach daran, dass ich mich körperlich anderen Männern immer unterlegen gefühlt habe. Beim obligatorischen Penisvergleich auf der Schulfahrt nach Büsum in der 9. Klasse des Gymnasiums, schnitt ich dermaßen schlecht ab, dass ich bei zukünftigen Wettbewerben nur noch bei den Fünftklässlern mitmachte, um wenigstens dort in die Top Ten zu kommen.

    Diese Schüchternheit machte es mir nahezu unmöglich, mich anderen Menschen anzuvertrauen und zu öffnen. Zum Glück hatte ich in der 5. Klasse einen Seelenverwandten gefunden: Uwe Tölle. Uwe Tölle war ein Jahr älter als ich und strohdumm. Seine Eltern hielten ihn dagegen für ein Genie und ließen nicht locker, bis ihn unsere Schule als Schüler aufnahm, obwohl er nach Abschluss der Grundschule keinerlei Empfehlung für das Besuchen eines Gymnasiums bekommen hatte. Ich glaube Uwe Tölle ist der einzige Mensch auf Erden, der nach Abschluss der Grundschule die Empfehlung bekommen hat, die Grundschule noch einmal komplett zu wiederholen.
    Wir verstanden uns sofort. Ich machte ihm seine Hausaufgaben und er passte auf, dass mich meine Klassenkameraden nicht zu sehr verprügelten.

    Eines Schultages, etwa ein halbes Jahr nachdem ich die Diagnose von Prof. Dr. Abraham Pawischnik bekommen hatte, nahm ich Uwe einen Moment in der Schulpause beiseite und erzählte ihm, welche Auflagen ich von meinem Arzt bekommen hatte, damit ich die nächsten fünf oder sechs Jahre überleben würde, bis genügend Motorradfahrer ihre Maschine gegen einen Baum gesetzt hätten und ich ein neues Herz bekäme. Die meiste Zeit des Moments ging allerdings drauf, um Uwe den Begriff Diagnose zu erklären.

    Ich war glücklich, dass ich meine Seele von dieser Last endlich befreien konnte. Ich war mir sicher mein Geheimnis war bei Uwe bestens aufbewahrt. Am nächsten Tag wusste die ganze Schule bescheid. Dies hatte für ihn den positiven Effekt, dass er seinen Status als Sandsack der Stufe um ein oder zwei Positionen nach oben korrigieren konnte und bei mir führte es dazu, dass mich alle Schulkameraden nunmehr mit offenen Mündern anstarrten, sobald ich an ihnen vorbeikam.

    Wenig später sandte Gott ein Wunder auf die Erde: Die Eltern meiner Schulkameradinnen erfuhren von meinem Herzfehler. Es gab wohl zu keiner Zeit mehr Väter, die ihre Töchter dazu ermunterten mit einem pubertierenden Mann auszugehen, als in jenem Sommer im Jahr 2004. Man hielt mich für sicherer als die Pille. Ein Ständer und ich war tot. So glaubte es zumindest die Elternschaft.
    Versetzen sie sich bitte nun einmal in meine Lage: Sie sind fünfzehn und jedes Mädchen im Alter von vierzehn bis siebzehn reißt sich um eine Verabredung mit ihnen. Aber wenn man auch nur einmal der Versuchung nachgibt, kann es den Tod bedeuten.
    Ich fasste einen Entschluss. Ich war zwar herzkrank aber nicht blöd. Nach all den Jahren war ich endlich der Frauenschwarm. Nun galt es nur noch zwei Regeln zu befolgen:

1. Die hübschesten Mädchen waren tabu. (Mit einer geladenen Pistole herumzulaufen ist schon kein Spaß, der passende Schießstand dazu wäre verrückt)
2. Sexuell aktive Mädchen waren tabu. (Ich brauchte jemanden, der unter keinen Umständen Sex mit mir haben wollen würde)

    Ich ging die zweiseitige Namensliste (Times New Roman, 8 Punkt) durch, die meine Verehrerinnen aufzeigte und entschied mich nach langem überlegen für Susanna Magdalena Zwick. Susanna Magdalena Zwick war die perfekte Umsetzung meiner Regeln: Zum einen war sie hässlich wie die Nacht und darüber hinaus war sie die Tochter eines erzkonservativen, katholischen Priesters und einer CSU-Politikerin. Normalerweise hätte ich bei diesen verwandtschaftlichen Verhältnissen stutzig werden müssen - aber dies waren damals keine normalen Zeiten.

    Wir waren keine vier Tage ein Paar, als sie meinte, es wäre nun an der Zeit es zu tun. Als ich fragte, was „es“ denn sei, griff sie mir zwischen die Beine und ich verstand.
Wir machten einen Termin für das nächste Wochenende aus, weil ihr Vater da zu einer Privataudienz beim Papst angemeldet war und ihre Mutter mit ein paar Parteigenossen eine Versammlung von Abtreibungsbefürwortern stürmen wollte.

    Wenn man einen bestimmten Moment herbeisehnt, scheint meist die Zeit auf der Stelle zu treten. In meinem Fall rannte sie. Ich hatte größte Mühe in den wenigen Tagen meinen Nachlass zu regeln. Für alle Fälle.

    Dann war das Wochenende da: Susanna Magdalena Zwick und ich, im Schlafzimmer ihres Vaters. Über dem riesigen Doppelbett hing an der Decke ein silberner Spiegel mit einem kostbar verzierten Rahmen. Diese katholischen Priester hatten es einfach raus. Das musste man ihnen lassen.

    Susanna fragte mich, ob es mir gefallen würde, wenn sie mich auszöge. Ich sagte: „O-ja.“ und einen Moment später lag mein T-Shirt in Fetzen am Boden. Den Gürtel an meiner Jeans hatte sie mit einer geschickten Bewegung der rechten Hand geöffnet und aus den Schlaufen der Hose gezogen. Dann biss sie sich mit ihren Zähnen an meinem Reißverschluss fest und öffnete durch ein kurzes Nicken die Hose. Die Jeans plumpste wie ein nasser Sack auf den rosa Kunstfaserteppich. Susanna lächelte mich an. Ich lächelte in Unterhosen zurück, bis ich die Küchenschere in ihrer Hand bemerkte. SCHNIPP-SCHNAPP! Die Unterhose bestand aus zwei Teilen und segelte ebenfalls zu Boden.

    Nun war ich an der Reihe. Ich nahm ihr zärtlich die Schere aus der Hand und befreite sie nun ihrerseits aus ihrer Tageskluft. Dabei hatte ich nach kurzer Zeit aus Versehen mit der Schere so stark zugestochen, dass aus einer Wunde an ihrer Hüfte Blut floss. Ich entschuldigte mich mehrmals und versicherte ihr, dass es ein Unfall war, doch sie zog sich in der Folge lieber alleine aus.

    Schließlich standen wir voreinander, wie Gott uns geschaffen hatte. Sie mit ihren 60 Kilo Übergewicht und der klaffenden Wunde an ihrer Hüfte und ich mit meinem mikroskopisch kleinen erigierten Glied.
    Sie führte mich ins Bett und wir fingen an, uns vorsichtig zu streicheln. Ich sagte ihr, dass aufgrund meiner rechten Herzklappe ein zu großes Tempo schädlich für den Geschlechtsakt sein könne und sie willigte ein, es etwas gemächlicher anzugehen. Gleich im Anschluss bat sie mich auf das Vorspiel zu verzichten. Nach mehrmaligen Versuchen dirigierte sie mich schließlich in ihre Vagina. Langsam, ganz langsam begann ich mich auf und ab zu bewegen, was sie mit dem einen oder anderen Hüftschwung begleitete.

    30 Sekunden später wurde ich ohnmächtig. Anscheinend hatte mein Herz Probleme die Sauerstoffversorgung über den Blutkreislauf ordentlich zu regeln. Susanna schien das nicht zu stören und machte gar nicht erst einen Versuch mich zu wecken. Kurz vor ihrem zweiten Orgasmus biss sie mir ins rechte Ohrläppchen. Ich kam gerade noch rechtzeitig wieder zu Bewusstsein, um meinen ersten Herzinfarkt mitzuerleben. Das nächste woran ich mich erinnern kann, ist der Notarzt, der zu seinem Kollegen sagte: „Wenn der das überlebt, dann fress’ ich einen Besen.“

    Dies ist jetzt acht Jahre her. Ich liege grad im UKE und soll noch heute mein neues Herz bekommen. Ein Motorradfahrer hatte Pech in der Lüneburger Heide. Susanna und ich sind nicht mehr zusammen. Ich habe jetzt eine neue Freundin. Katharina. Sie hat auch ein Problem mit dem Herzen. Aber da für die nächsten Wochen Regen angesagt ist, sind wir guter Dinge, dass bald auch ein Herz für sie da ist.

Man darf die Hoffnung eben nie aufgeben.

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Rumpelsstilzchen
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