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Leselupe.de > Kindergeschichten
Ein Satan von Hund
Eingestellt am 07. 06. 2016 22:52


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Arno Abendschön
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- ab 10 Jahre -

Wie sie ihn riefen, weiß ich nicht mehr. Mir wĂ€re Satan eingefallen. Sie – das war ein Ă€lteres Ehepaar, unsere nĂ€chsten Nachbarn. Auch sie wohnten in einem allein stehenden Haus ĂŒber dem Fluss. Unseres stand in einem WĂ€ldchen noch weiter oben, ihres in Wiesen auf halber Höhe, fĂŒnfhundert Meter von uns.

Ich war zwölf oder dreizehn, glaube ich. Alle vierzehn Tage schickte meine Mutter mich mit frischen HĂŒhnereiern hinunter. Im Austausch brachte ich einige Flaschen Sprudel und Limonade mit, sie hatten einen GetrĂ€nkeverkauf. In grĂ¶ĂŸeren AbstĂ€nden legte ich ihnen auch das „Wasserbuch“ zur Abrechnung vor. Ihre Leitung zweigte von unserer ab und die Wasserwerke kassierten nur bei uns. Am Schluss der jeweiligen Verrechnung fiel immer ein kleines Trinkgeld fĂŒr mich ab.

Die paar Groschen waren mein Lohn der Angst. Die Mutprobe begann, wenn ich die Pforte im Maschendrahtzaun öffnete. Ich durchquerte ihren Garten rasch und so leise wie möglich. Klingelte an der TĂŒr. In diesem Moment entschied sich, ob ich aufatmen konnte. Das war der Fall, wenn Satan im Keller zu bellen und zu toben begann. Blieb es dagegen still, war ich in großer Gefahr und stellte mich sogleich auf den folgenden Kampf ein.

Satan war ein schwarzer SchĂ€ferhund, groß, schlank und von gestrecktem Wuchs, dabei sehr beweglich. Er war von Ă€ußerster TĂŒcke. Lief er frei herum und kam einer in seine NĂ€he, begann er sofort, ihn anzufallen. Dabei bellte er nie. Er sprang sein Objekt lautlos an und zwar immer von hinten, nie von vorn. Dem Opfer blieb nichts ĂŒbrig, als sich wie ein Brummkreisel zu drehen, den Hund nicht aus den Augen zu lassen und ihn möglichst einzuschĂŒchtern. Und zu hoffen, dass Hilfe kam.

Gewöhnlich rechnete man mit mir und der Hund war im Keller. Doch zwei- oder dreimal im Jahr lief er frei herum und sprang auf mein Klingeln um eine Hausecke auf mich zu – und dann begann unser TĂ€nzchen im Windfang. Es ist immer gut gegangen. Die Frau des Hauses öffnete nach zwanzig, dreißig Sekunden, packte Satan und brachte ihn weg. Nicht auszudenken, die HaustĂŒr wĂ€re einmal verschlossen geblieben.

Ein paar Mal kam es sogar vor, dass Satan mir auf unserem Privatweg ins Dorf auflauerte. Da war ich ihm eher gewachsen, konnte ihm leichter ausweichen. Er versuchte unablĂ€ssig, mich von hinten anzuspringen. Ich drehte mich im Weitergehen immer wieder rasch um, ich drohte ihm rĂŒckwĂ€rts gehend mit einem Stock oder Schirm. So zog ich ihn bis zu den ersten HĂ€usern hinter mir her. Hier endete sein Revier, daher trollte er sich und lief nach Hause.

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Arno Abendschön
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Thomas, ich bedanke mich fĂŒr deine MeinungsĂ€ußerung. Konkret decken sich unsere Auffassungen, wie man eine solche Geschichte enden lassen könnte, eben nicht. Du plĂ€dierst fĂŒr eine erfundene Pointe, die der Leselust einen letzten Kick geben könnte. Ich halte mich lieber an den realen Ablauf, der den Leser - auch den kindlichen, jugendlichen - durchaus nicht "ratlos" zurĂŒcklassen muss. So wie beschrieben zeigt sich ja, dass und wie man sich in einer derart brenzligen Situation behaupten kann. Und darum ging's mir.

Ich denke, die Differenz, die hier zwischen uns beiden aufscheint, ist nicht untypisch fĂŒr Erwartungen und EnttĂ€uschungen eines Teils des LL-Lesepublikums, auch eines Teils der Autoren hier. Tut mit leid, ich meinerseits schreibe nicht, um Ă€ußerliche Effekte zu erzielen, sondern um gegebene Strukturen zu erfassen, aufzuzeigen und nachzubilden, und zwar mit Hilfe einer möglichst exakten Sprache.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön

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Arno Abendschön
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Lieber Thomas, grundsĂ€tzlich ist ja gegen 10% Phantasiezugabe gar nichts einzuwenden. Allerdings wĂŒrde ich dann schon gern erfahren, wie eine solche im konkreten Fall aussehen könnte. Die Idee mit der Wasserpistole finde ich nicht sehr ĂŒberzeugend. Wer fĂŒhrt sie schon auf einem lĂ€ngeren Weg mit, wenn er nur ausnahmsweise mit einem derartigen Angriff rechnen muss? Hunde dieses Kalibers werden gewöhnlich von ihren Haltern gut verwahrt und es gelingt ihnen vielleicht zwei-, dreimal im Jahr, das umzĂ€unte GrundstĂŒck allein zu verlassen. Das Mittel der Wahl ist tatsĂ€chlich ein Stock oder ein langer Schirm. Nicht spektakulĂ€r, aber fĂŒr Kinder vielleicht gut zu wissen.

Die Hauswand bot einen relativen, zeitweiligen Schutz. Dieser Typ SchĂ€ferhund gibt so leicht keine Ruhe und greift irgendwann auch seitlich an. In den Statistiken ĂŒber Hundebissverletzungen ist die Rasse ja sehr weit vorn.

Freundlichen Gruß
Arno Abendschön







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